Mehr Transparenz über den Stiftungszweck nützt allen

Ich freue mich, heute mit Ihnen einige Gedanken zum Thema Transparenz im Stiftungszweck zu teilen. Was heisst beispielsweise „…und wir unterstützen notleidende Kinder“?

„…und unterstützen notleidende Kinder“

Viele Schweizer Stiftungen haben ein grosses Herz für Kinder. Dafür dürfen wir dankbar sein. Doch wenn ich den Stiftungszweck im Titel oben lese:Wissen wir da wirklich, woran wir sind? Was ist z.B. mit „Kinder“ gemeint: Einfach alle oder setzt die Stiftung ein Schwergewicht auf Mädchen oder Buben? Sind Kinder im Inland gemeint oder (auch) im Ausland? Und was ist die Arbeitsweise der Stiftung? Meint „unterstützen“, dass sie eigene Projekte realisiert? Oder unterstützt sie als Förderstiftung die Projekte anderer Organisationen und nimmt sie dafür Gesuche entgegen? Oder macht sie gar beides?

Allgemein gehaltene Stiftungszwecke geben einer Stiftung viel Handlungsspielraum in der Umsetzung. Das ist sinnvoll. Denn so kann sich die Stiftung einer gesellschaftlichen Entwicklung und veränderten Umständen einfach anpassen, ohne die Statuten ändern zu müssen. Sie bleibt im Alltag elastisch und kann ihre Tätigkeit problemlos aktuell halten.

Offen formulierte Stiftungszwecke haben aber auch ihre Tücken. Schnell zieht man falsche Schlüsse. Projektträger müssen umfangreiche Abklärungen treffen, ob das Einreichen eines Gesuches überhaupt Sinn macht. Und Förderer erhalten Anfragen oder gar Gesuche, die mit ihrer effektiven Arbeit nichts zu tun haben und die sie als unnötig und lästig empfinden – und die allen Beteiligten viel unnötige und vermeidbare Arbeit bringen.

Es ist für Förderer von grossem Nutzen, der interessierten Öffentlichkeit zumindest eine Basisinformation über das eigene Wirken zu geben:

  • Bereits mit einer Präzisierung des Zwecks, der Bezeichnung bestimmter Förderthemen und der Bekanntgabe von Ausschlusskriterien werden unnötige Gesuche verhindert und die eigene Effizienz gesteigert.
  • Und mit Angaben zur Gesuchstellung und Terminen/Kontaktdaten für die Gesuchseinreichung oder mit einem Hinweis auf einen aktuellen Annahmestopp werden Verfahren vereinfacht und Reibungsverluste vermieden.

Und Projektträger vermeiden dadurch chancenlose Gesuche und finden besser und effizienter die wirklich passenden Unterstützer.

Deshalb haben wir gehandelt. Auf StiftungSchweiz.ch können alle Förderstiftungen völlig kostenfrei Basisinformationen über ihre Tätigkeit publizieren und diese laufend anpassen. Dazu gehört auch die Präzisierung des Stiftungszwecks.

Im nachfolgenden User-Tipp finden Sie eine Anleitung, wie Sie Informationen in Ihrem Stiftungsprofil ergänzen oder anpassen können.


Übrigens: Ihr Stiftungsprofil ist bereits angelegt – ergänzen Sie es mit zusätzlichen Informationen.

StiftungSchweiz.ch ist nicht nur eine Suchmaschine, sondern auch eine Austauschplattform. Wissen und Informationen über Stiftungen können geteilt werden.
Wir haben Ihr Stiftungsprofil bereits angelegt. Es ist mit den aktuellsten Informationen aus dem Handelsregister angereichert. Nun haben Sie die Möglichkeit, Ihr Stiftungsprofil zu ergänzen und mit weiteren Informationen anzureichern.
Auf StiftungSchweiz.ch finden Sie unterhalb Ihres Stiftungsprofils einen Bestätigungs-Link. Klicken Sie diesen an und Sie erhalten per Post den Freischalte-Code. Mit diesem sind Sie befugt, Ihr bestehendes Profil zu bearbeiten und zu ergänzen – natürlich gratis.

Verifizierung

Arbeitskreis „Stiftungsmanagement und Projektarbeit“

Wie können Stiftungen unternehmerische Ansätze unterstützen und/oder umsetzen, welche nachhaltig sind und hohe soziale Auswirkungen haben?

Ashoka und einer ihrer Schweizer Fellows, Christophe Dunant, verwenden den neuen „Ratgeber mit 7 Kernfragen“ (http://switzerland.ashoka.org/fr/7-key-questions), um mit den Arbeitskreis-Teilnehmern über Themen wie Co-Creation zwischen dem privaten, öffentlichen und sozialen Sektor zu diskutieren, sowie die Entwicklung von hybriden Finanzierungsmodellen als Alternativen, um den Impact zu verstärken.

Alle proFonds-Mitglieder sind herzlich eingeladen an dem Arbeitskreistreffen teilzunehmen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Datum:

Mittwoch, 9. März 2016, 14.30 – 18.00 Uhr

Ort:

Bern (genauer Ort wird nach Anzahl der Anmeldungen festgelegt)

Moderation:

Vanessa von Richter, Geschäftsführerin Anouk Foundation und Vorstandsmitglied proFonds

Sprache:

Die Präsentationen werden auf Französisch gehalten, eine Übersetzung in kleinen Gruppen wird angeboten.

Teilnehmende:

Mitglieder von proFonds

Anmeldung:

bis 2. März  2016 an » info@profonds.org


Programm:

14.30 Uhr

Begrüssung und Einführung

14.40 Uhr

Der „Ratgeber mit 7 Kernfragen“ und die Themen Co-Creation zwischen dem privaten, öffentlichen und sozialen Sektor, sowie die Entwicklung vonhybriden Finanzierungsmodellen als Alternativen um den Impact zu verstärken, werden durch Olivier Fruchaud, Direktor Ashoka Schweiz, präsentiert.

15.40 Uhr

Diskussion

16.00 Uhr

Pause

16.20 Uhr

Praxis Beispiel von einem Ashoka Fellow, präsentiert von Christophe Dunand, Direktor Réalise Schweizwww.realise.ch

17.00 Uhr

Tour de table: Erfahrungen und Brainstorming mit allen  Teilnehmenden

18.00 Uhr

Ende

IMK 2016: Jetzt anmelden und eine Weiterbildung zum Stiftungsmanager gewinnen

Der neunte Institutional Money Kongress (IMK) steht vor der Tür. Am 23. und 24. Februar 2016 findet die bedeutende Fachveranstaltung für institutionelle Investoren, einschliesslich Stiftungen, in Frankfurt am Main statt.

Weiterbildung kompakt

proFonds-Mitglieder können kostenlos am IMK 2016 teilnehmen und sich im Bereich der Vermögensanlage weiterbilden. Zusätzlich verlost Institutional Money unter den teilnehmenden proFonds-Mitgliedern eine Weiterbildung zum Stiftungsmanager an der EBS Universität in Oestrich-Winkel.

Die Teilnehmer des IMK 2016 erwartet ein umfassendes Programm mit zahlreichen Workshops, Diskussionsrunden und Vorträgen internationaler Finanzexperten. Neben dem Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, zählen Professor Ernst Fehr von der Universität Zürich, einer der weltweit renommiertesten Verhaltensökonomen und Gründer der Excellence Foundation Zurich, Felix Hufeld, Präsident der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), und der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, zu den Top-Referenten des Kongresses.

Zum Kongressprogramm

 


proFonds und der Bundesverband Deutscher Stiftungen veranstalten im Rahmen des Kongresses ein länderübergreifendes Fachprogramm für Stiftungen.
Der Frühstücks-Workshop für Stiftungen steht unter dem Motto „Professionalisierung ist das Gebot der Stunde“. Auf Schweizer Seite geben Dr. Luzius Neubert von PPCmetrics und Dr. Christoph Degen von proFonds Tipps zur Organisation und Verwaltung von Stiftungsvermögen.
Eine Podiumsdiskussion mit Stiftungs- und Verbandsvertretern widmet sich der Frage, wie sich der gemeinnützige Stiftungszweck bei gleichzeitigem Anlagenotstand heute sichern lässt. Sind mehr Sachwerte, vor allem Aktien, in den Portfolios der Stiftungen die Lösung? Oder Mission Investing? Oder ist gar die Verbrauchsstiftung ein Ausweg aus dem Anlagedilemma? Zu diesem Thema diskutieren François Geinoz, Präsident von proFonds und Geschäftsführer der Limmat Stiftung, Zürich, sowie Prof. Dr. Michael Göring, Vorsitzender des Vorstands des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Hamburg.

Frühstücks-Workshop und Podiumsdiskussion für Stiftungen

 


Verlosung

Unter den proFonds-Mitgliedern verlost der Kongressveranstalter vor Ort eine Weiterbildung zum Stiftungsmanager. Der berufsbegleitenden Zertifikatslehrgang findet an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht im idyllischen Rheingau statt.

Intensivstudium „Stiftungsmanager“

 


Anmeldung

Melden Sie sich unter info@profonds.org für die kostenlose Teilnahme am Institutional Money Kongress 2016 an. Wir freuen uns darauf, Sie in der proFonds-Lounge in Frankfurt zu begrüssen.

Christoph Degen                             Julia Tutschek
Geschäftsführer                               Kommunikation

Förderstiftungen spenden über 2 Milliarden im Jahr

Öffentlichkeit und Medien gehen davon aus, dass die Spenden in der Schweiz vor allem von Privatpersonen kommen. Die ZEWO spricht hier von rund CHF 1,7 Milliarden im Jahr. Und die Haushalte, die spenden, tun dies durchschnittlich mit rund CHF 500.- im Jahr. Das ist viel Geld und in Europa durchaus Spitze.

Was man dabei übersieht: Weitere Spenden von rund CHF 2,1 Milliarden im Jahr kommen von den Förderstiftungen (Quelle: CEPS), eine weitere Milliarde von Firmen. Im Median sind dies rund CHF 109‘000.- pro Stiftung (vgl. Newsletter vom 14. Januar 2016). Wieviel davon auf die rund 9‘000 Förderstiftungen entfallen, wieviel auf die gemischt tätigen Stiftungen, ist nicht bekannt.

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Förderer spenden also mehr als Private. Und das erheblich.

Oder aus der Optik eines Spenden sammelnden Projektträgers formuliert: Der Stiftungsmarkt ist grösser als der Markt der Privatspender. Weshalb nur ist dies weitgehend unbekannt?  Das hat auch damit zu tun, dass Förderstiftungen kaum über ihre Arbeit berichten. Das Meiste geschieht im Stillen. Das ist schade. Aber das ändert sich langsam. Der Wunsch nach mehr Transparenz wird immer mehr artikuliert. Mehr Transparenz hat für viele Vorteile. Vor allem auch für die Förderstiftungen. Denn wenn man mehr über sie weiss, dann versteht man sie auch besser. Und alle vermeiden sehr viel Leerlauf

Fazit?

Förderstiftungen sind der grösste Player auf dem Schweizer Spendenmarkt. Sie haben keinen Grund, sich zu verbergen! Denn sie tun für unsere Gemeinschaft Wesentliches.

Wirkungsform von Stiftungen

Wer mit Stiftungen regelmässig zu tun hat, weiss aus leidvoller Erfahrung: Es fällt oft schwer zu beurteilen, was die tatsächliche Wirkungsform einer Stiftung ist – fördernd oder operativ – oder gar beides? Nachfolgend einige Überlegungen dazu.

Fördernd? Operativ? Eigenfinanziert? Spenden sammelnd?

Wenn die Stiftung im Stiftungszweck angibt, sie „fördere“ dieses oder jenes, so ist zwar die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie nicht selber operativ tätig ist, sondern die Projekte Dritter unterstützt. Aber das muss nicht so sein. Die Stiftung kann das Wort „fördern“ auch als Auftrag verstehen, selber aktiv zu werden und eigene Projekte umzusetzen. Oder sie tut beides: Projekte Dritter finanzieren und eigene Projekte realisieren.

Noch komplizierter wird es dann, wenn eine Stiftung irgendwo einen Handlungsbedarf realisiert, Projekte konzipiert und für deren Finanzierung sorgt – aber sie nicht selber umsetzt, sondern dies Partnerorganisationen überlässt. Bei der Entwicklungszusammenarbeit z.B. ist dies noch oft der Fall. Welches Selbstverständnis hat eine solche Stiftung? Ist sie auf diese Weise fördernd oder operativ tätig?

Fazit: Nicht alle verstehen unter „fördern“ dasselbe!

Kommt hinzu, dass sich die Stiftungen ganz unterschiedlich finanzieren. Es gibt Stiftungen, die leben von ihrem Vermögen und dessen Erträgen. Andere sind (zusätzlich) auf punktuelle oder regelmässige Drittmittel wie Spenden oder Staatsbeiträge angewiesen. Die gewählte Finanzierungsform ist dabei unabhängig davon, ob die Stiftung fördernd oder operativ tätig ist. Es gibt also genauso Förderstiftungen, die auf regelmässige Spenden angewiesen sind und diese auch aktiv auf dem Spendenmarkt beschaffen, wie wir operativ tätige Stiftungen kennen, die sich ausschliesslich über ihr Vermögen finanzieren und keine Drittmittel brauchen. Die unten stehende Abbildung versucht, dies zu veranschaulichen.

Fazit: Auch wer „nur“ fördert, kann dafür Spenden sammeln.

Was lernen wir daraus?
Einfach bei einem Adresshändler Adressen von sog. Förderstiftungen kaufen oder bei entsprechenden Anbietern auf dem Markt sich „qualifizierte“ Listen von Förderstiftungen zusammenstellen zu lassen und diese Stiftungen dann unbesehen mit einem Gesuch anzuschreiben, ist wenig zielführend oder gar kontraproduktiv. Es braucht in jedem Fall sorgfältige eigene Abklärungen und Recherchen, ob die Stiftung zu einem passt. StiftungSchweiz.ch gibt die Möglichkeit dazu. Und ich ermuntere alle User, die Daten zu ergänzen/verbessern und ihr Wissen miteinander zu teilen. Sie helfen so mit, dass die Stiftungslandschaft für alle transparenter und verständlicher wird. Davon profitieren alle!