Förderstiftungen steigen in’s Fundraising ein

Die Schlagzeile im Titel dieses Beitrages versetzt wohl manche Fundraiser in Panik: Jetzt auch das noch! Und tatsächlich: Macht das Sinn? Kann das gut gehen? Tatsache ist: Das ist schon lange so.

Gründe dafür gibt es genug. Heute z.B., wo die Vermögenserträge nur noch wenige Prozent betragen, muss auch eine Förderstiftung schauen, wo sie bleibt. Ein Weg aus der Misere bietet das aktive Spendensammeln. Dass sie hier in Konkurrenz tritt zu den operativ tätigen Organisationen, die ebenfalls Spenden sammeln, ist offensichtlich. Aber das ist nicht unbedingt schlecht. Konkurrenz bringt Auswahl. Auch Spender schätzen das.

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Allerdings könnte es für Förderstiftungen leicht böse enden, wenn sie sich neu im Public Fundraising engagieren wollten. Denn dies würde doch allseitig zu Verwirrung führen. Konzentriert sich die Förderstiftung jedoch z.B. auf die Spenderklasse der Grossspender, wird es kaum Friktionen mit den Spenden sammelnden Projektträgern geben. Denn das Netzwerk vermögender Förderer ist ein anderes als jenes der Fundraiser von Projektträgern. Viele Förderstiftungen machen das schon lange und auch sehr erfolgreich. Sie würden es nur nicht als Fundraising bezeichnen. Und ein sehr grosser Player bei den Förderstiftungen ist sogar schon sehr lange und sehr erfolgreich im Public Fundraising tätig: Die Glückskette. Für manche Projektträger, die selber Spenden sammeln, ist diese Förderstiftung eine unverzichtbare Partnerin – man würde sich hüten, ihr das Spendensammeln verleiden zu wollen!

Auch in Finanzierungsfragen nähern sich Förderer und Projektträger also immer mehr an: Bei der Vermögensbewirtschaftung ja sowieso und schon lange, bei der aktiven Drittmittelbeschaffung durch Spenden immer häufiger. Und auf der Wirkungsebene wollen ja auch alle dasselbe, nur halt mit unterschiedlichen Möglichkeiten. Dass es trotzdem noch viel zu wenig zu echten Partnerschaften kommt mit Begegnung auf Augenhöhe, liegt wohl am unterschiedlichen Selbstverständnis, das Förderer und Projektträger nach wie vor mit sich bringen. Die Brücken sind allerdings längst geschlagen. Jetzt sollte man sie einfach noch nutzen.

Die Mehrheit der Stiftungen ist fördernd tätig

Die Daten von StiftungSchweiz.ch zeigen, dass Stiftungen lediglich in vier Wirkungsbereichen zu einem schönen Teil operativ tätig sind (35%-38%), nämlich in den Kategorien Soziales und Gesundheit sowie Ethik/Religion/Kirche und Kunst/Kultur/Freizeit/Sport. Kaum erstaunt, dass in der Kategorie Wissenschaft/Forschung die Sache gerade umgekehrt ist: Hier dominieren die fördernden Stiftungen mit 97%. Der dritte Platz der Entwicklungszusammenarbeit muss rein quantitativ präzisiert werden: Gerade mal 7,3% aller Stiftungen in der Schweiz haben überhaupt dieses Thema im Zweckartikel (vgl. Der schweizerische Stiftungssektor, Remo Aeschbacher und Markus Gmür, VMI-Forschungsreihe Band 8, 2016; dieser Publikation ist auch die nebenstehende Abbildung entnommen). Das Land der Stiftungen ist also überwiegend ein Land der Förderstiftungen.

Sollen Stiftungen sichtbar sein?​

„Sollen Stiftungen in der Öffentlichkeit sichtbar sein?“ Der gut besuchte Basler Stiftungstag warf vor ein paar Tagen diese Frage auf. Nun, eigentlich ist sie müssig. Denn alle Stiftungen in der Schweiz sind „sichtbar“: Mit Zweck, Stiftungsräten, Gründungsjahr usw., alles eingetragen in den Handelsregistern. Verstecken kann sich keine. Wer sucht, der findet. StiftungSchweiz.ch zum Beispiel bietet hier beste Möglichkeiten.

Aber genau diese unvermeidliche, vom Gesetz vorgeschriebene Sichtbarkeit stürzt manche Stiftung in ein Dilemma. Sie würde sich lieber im diskreten Hintergrund halten, aus welchen (guten) Gründen auch immer. Und deshalb erzählt sie in der Öffentlichkeit auch nichts über sich und ihre Aktivitäten. Da sie aber trotzdem sichtbar ist, kann sie nicht verhindern, dass man sich für sie und ihre Aktivitäten interessiert. Zumindest den potenziellen Destinatären ist dies nicht zu verargen. Orientierungshilfe ist da vor allem der publizierte Stiftungszweck. Aber dieser erzählt uns oftmals nur die halbe Wahrheit. Denn eine Stiftung lebt, ist operativ tätig oder unterstützt Projekte, nimmt Gesuche entgegen oder eben keine. Sie setzt inhaltliche Schwerpunkte und interpretiert dadurch automatisch ihre Zwecksetzung, engt sie ein oder dehnt sie aus. Erzählt die Stiftung nichts über sich und ihre Arbeit, entstehen rasch Missverständnisse und Irrtümer. Die einen fühlen sich gestört, die andern werden frustriert. Ich frage mich deshalb: Weshalb dieses Schweigen? Zumindest die Information “Wir nehmen keine Gesuche entgegen“ oder „Wir konzentrieren uns auf das Thema x und fördern zurzeit nicht im Thema y“, auch wenn das so im Zweckartikel steht, wäre diese Information für alle sehr hilfreich. Sichtbarkeit alleine genügt nicht. Sie kann sogar Schaden anrichten, wenn sie nicht begleitet ist von einer sorgsam gepflegten Transparenz. Ob sie will oder nicht: Jede Stiftung steht mitten im gesellschaftlichen Leben und ist dort für alle sichtbar. Nicht-Kommunizieren geht gar nicht. Klarheit schaffen durch vermehrte Transparenz, über die blosse Sichtbarkeit hinaus, schafft Vertrauen und erhöht die Glaubwürdigkeit. Und erleichtert allen das (Arbeits-) Leben.

PS: Auf StiftungSchweiz.ch kann jede Stiftung kostenfrei Transparenz schaffen, soweit sie möchte und so viel sie möchte: Durch das Einrichten des eigenen Organisationsprofils. Eine eigene Website der Stiftung braucht es hierfür nicht.

Rückblick Sommer-Apéro 2016


Und er kam doch, der Regen, wie ein Sturzbach. Aber es kamen auch mehr als die Hälfte der über 140 angemeldeten Gäste! Und sie wurden belohnt mit einem stabilen Zeltdach, ausgezeichneter Kost und viel guten Kontakten. Der StiftungSchweiz.ch Sommer-Apéro fand zum zweiten Mal statt. Und er war ein voller Erfolg. Der nächste Sommer kommt bestimmt! 

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