Initiative Luginbühl auf Tauchstation

Die Rechtskommission des Nationalrats hat laut Meldungen die Initiative Luginbühl mit 13:6 Stimmen abgelehnt. Sie folgte damit deutlich der Argumentation von swissfoundations, der eine Revision des Stiftungsrechts im vorgeschlagenen Sinne als unnötig erachtet (hier zu den aktuellen Stellungnahmen von swissfoundations  und proFonds). Der Ball liegt nun beim Plenum der Eidgenössischen Räte.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Stiftungsbranche ist bei diesem Geschäft auf dem politischen Parket ausgerutscht und hat dabei ihr Image heftig angeschlagen. Eine starke Stimme für die Revision, eine starke Stimme dagegen – diesen Spagat kann auf die Länge niemand stehen. Ich wünschte mir sehr, dass die beiden Verbände sich zusammenraufen und künftig für die Stiftungsbranche mit einer politischen Stimme sprechen. Die Branche ist zu klein, als dass nach aussen getragene politische Meinungsverschiedenheiten der beiden einzigen Verbände sie stärken könnten.

Hier geht es direkt zum vorherigen Beitrag: Initiative Luginbühl auf Eis?

Wirkungskontrolle – es geht auch einfach

Förderstiftungen verlangen von den Gesuchstellern mehr und mehr aussagekräftige Angaben über die Wirkung eines Projekts – und darüber, wie diese gemessen werden soll. Dieses Anliegen ist verständlich und nachvollziehbar. Manche Projektträger stellt es aber vor erhebliche Schwierigkeiten.

WirkungskontrolleWährend zum Beispiel im Gesundheitswesen je nach Projekt Wirkungen recht gut messbar sind, bleibt dies im Sozialbereich oder auch bei der Entwicklungszusammenarbeit mitunter ein problematisches Unterfangen. Deshalb begnügt man sich hier oft mit der Messung des quantitativen Outputs und wagt sich kaum je ernsthaft an verbindliche Aussagen über den direkten Nutzen (Outcome) eines Projekts oder gar über dessen langfristige Effekte (Impact). Auch Forscher tun sich oftmals schwer aufzuzeigen, was denn das erfolgreiche Forschungsergebnis tatsächlichen bewirken kann, denn allzu oft sind gerade die innovativsten Forschungsprojekte auch eine Reise ins Ungewisse.

Die ZEWO hat dies erkannt und hilft hier mit dem Leitfaden zur Wirkungsmessung mit vielen Informationen und praktischer Hilfe.

Allerdings: Kleinere Organisationen werden auch damit rasch überfordert sein. So werde ich denn auch immer wieder gefragt, wie man denn in einem Gesuch an Förderstiftungen die Wirkung eines Projekts und deren Messung auf einfache Art darstellen kann, ohne gleich eine Doktorarbeit schreiben zu müssen. Mein Tipp: Eine kurz und prägnant formulierte Logical Framework Matrix (Logframe), dargestellt auf einer halben Seite A4, genügt in den meisten Fällen vollauf und findet auch in einem kurz gehaltenen Gesuch an Förderstiftungen Platz. Dazu zwei Vorlagen von der ZEWO und der NonproCons. Und man glaubt es kaum: Selbst Kulturprojekte lassen sich auf diese Weise sinnvoll mit ihrem Nutzen begründen.

Initiative Luginbühl auf Eis?

Die Rechtskommission des Nationalrats hat die Initiative von Ständerat Luginbühl (BDP) am 13.Oktober nicht behandelt und auf einen nächsten Termin verschoben. Anderes war wichtiger. Mit ein Grund dürfte gewesen sein, dass sich die beiden Verbände proFonds und swissfoundations nicht einig sind, ob die Initiative überhaupt unterstützt werden soll oder nicht (hier die Blog-Beiträge). Meine Befürchtung scheint sich zu bewahrheiten: Politisch uneinige Branchenverbände bringen den Stiftungen mehr Schaden als Nutzen. Der Sektor ist zu klein, als dass er auf dem politischen Parkett mit mehreren Stimmen sprechen könnte. Meinungsverschiedenheiten, so verständlich sie sind, wären mit Vorteil vorher zu bereinigen. Bin gespannt, wie es weiter geht.

Nachbemerkung: Es gab zum letzten Newsletter zu diesem Thema einige Rückmeldungen, die meine Bedenken teilten – nur: In einem Blogbeitrag sich öffentlich dazu äussern, das wollte man nicht. Welche Befürchtungen da wohl mitschwingen?

Hier geht’s zum Originalbeitrag: Politisch uneinige Stiftungsverbände – mehr Schaden als Nutzen

CHF 10 Mio. für einen Neubau…

… lassen sich diese allein über Stiftungen finanzieren? Aus Erfahrung weiss ich: Wohl eher kaum. In der Regel braucht es dafür einen Finanzierungs-Mix aus der öffentlichen Hand und privaten Quellen wie Stiftungen, Privatpersonen, Firmen und Körperschaften – und aus Eigenleistungen der Trägerschaft. Natürlich: Zwischendurch gibt es Ausnahmen. Aber z.B. selbst in der äusserst kulturaffinen Stadt Basel brauchen Grossprojekte der Kultur zumeist die Beteiligung der öffentlichen Hand – und umgekehrt. Bis zu 40% der Gelder lassen sich von Stiftungen zusammentragen. Mehr wird schwierig. Der Weg zum Ganzen führt über eine akribisch geplante und sorgsam umgesetzte Kapitalkampagne. Eine Einsicht, die nur wenige haben, und eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Und meistens beginnt man damit ohnehin zu spät.

80% aller Stiftungen sind exklusiv in der Schweiz tätig

Die NKS-Daten* von StiftungSchweiz.ch zeigen, das knapp 80% aller Stiftungen ausschliesslich in der Schweiz aktiv sind: 41% gesamtschweizerisch, 7% innerhalb einzelner Kantone, 8% in mehreren Kantonen oder Regionen, 19% ausschliesslich in bestimmten Städten oder Gemeinden und 3% in der ganzen Schweiz mit regionalen Spezifikationen. Interessant ist dabei: Operativ tätige Stiftungen sind überwiegend auf Stadt- und Gemeindeebene aktiv; Förderstiftungen mehrheitlich regional oder gesamtschweizerisch. Insbesondere Stiftungen der Kultur und Freizeit neigen klar zu kommunalen Schwerpunkten. Und was nicht überrascht: Über die Hälfte der Stiftungen, die im Ausland tätig sind, konzentriert sich auf die Entwicklungszusammenarbeit resp. die humanitäre Hilfe. Man kann fast sagen: Schweizer Stiftungen sind für die Schweiz da – das Ausland ist ihnen nicht so wichtig – fast ein Spiegelbild unserer Politik, könnte ich lästern.

Abbildung26-RGBImmerhin: Die verbleibenden gut 20% der Schweizer Stiftungen, also etwa 2‘600, investieren jedes Jahr doch beachtliche CHF 260 Mio. in das soziale Kapital im Ausland, nimmt man den geschätzten Ausschüttungs-Median von CHF 100T pro Stiftung als Grundlage. Zum Vergleich: Der Bund brachte, bei einem ungleich höheren “Ausschüttungsvolumen“, im Jahr 2015 CHF 3,4 Mia. für die Entwicklungshilfe auf.

*Eine komplette Auswertung der NKS-Daten (NKS = NonproCons Klassifizierungssystem gemeinnütziger Stiftungen) auf StiftungSchweiz.ch findet sich in der Publikation „Der schweizerische Stiftungssektor“ des VMI, zu beziehen bei www.vmi.ch