Vorurteile abbauen – den Stiftungssektor stärken

Gerade vor wenigen Tagen kam ich am Rande einer Sitzung mit den Geschäftsführerinnen von zwei Förderstiftungen auf das Thema Gesuchswesen zu sprechen. Beide zeigten sich ziemlich genervt über die herrschende Ineffizienz: Zu viele unpassende Gesuche, zu viel Papierkram, zu wenig Möglichkeiten, selber aktiv zu werden. Wer mich kennt, weiss: Ich teile ihre Ansicht. Dies ist auch der Grund, weshalb es StiftungSchweiz gibt und weshalb wir kontinuierlich daran arbeiten, diese Situation zu verbessern.

In der Tat: Auch wenn – mit Dankbarkeit beobachtet – Schweizer Stiftungen viel Gutes und viel Wichtiges leisten und ermöglichen – die Ineffizienz im Gesuchswesen bleibt doch erheblich. Ich hab‘s mal ausgerechnet und auch schon darüber geschrieben: Über 400‘000 Gesuche dürften jährlich an Förderstiftungen verschickt werden. Die meisten wandern in den Papierkorb. Und alle ärgern sich über die viele Arbeit, die zumeist umsonst ist, die Gesuchsteller genauso wie die Förderer.

Diese Ineffizienz ist zu einem schönen Teil hausgemacht. Würden die Förderstiftungen offener darüber berichten, was sie fördern und was nicht und wie viele Mittel sie wofür einsetzen, wäre schon vielen geholfen. Die Gesuche würden zurückgehen, nicht zunehmen, wie einige noch befürchten. Denn auch die Projektträger müssen effizient sein und sind dankbar für solche Informationen und für jedes Gesuch, das sie nicht schreiben müssen.

Die Forderung nach mehr Effizienz im Gesuchswesen führt direkt zum Erfordernis einer erhöhten Transparenz. Allerdings gilt dies nicht nur für die Förderer, sondern genauso für die Gesuchsteller. Der Austausch unter ihnen ist wohl noch schlechter als bei den Förderstiftungen. Förderwissen ist Geheimwissen. Aber wie kann man bei den andern Effizienz postulieren, wenn man bei sich selbst nichts dafür tut? Wie kann man Transparenz fordern, wenn man sie selber nicht auch geben will?

Effizienz ruft aber auch noch nach etwas anderem: Nach mehr Dialog, nach einem Austausch auf Augenhöhe. Förderer und Projektträger sind auf Gedeih und Verderb auf einander angewiesen. Oder positiver gesagt: Sie sind Partner in einer gemeinsamen Sache. Es gibt kein oben und kein unten. Es gibt nur ein zusammen. Klar: Ohne Geld geht nichts. Aber ohne Projekte auch nicht.

Effizienz – Transparenz – Dialog: Dieser Dreiklang gehört im Schweizer Gesuchswesen untrennbar zusammen. Gelingt es uns, in diesen drei Bereichen Vorurteile abzubauen und echte Fortschritte zu erzielen, wird dies den Stiftungssektor und die Gemeinnützigkeit in der Schweiz nachhaltig stärken. Setzen wir uns alle auch im 2017 dafür ein – es lohnt sich!