Bunte Welt der Stiftungen: Wirkung- und Finanzierungsformen

Stiftungen sind heute genauso “bunt” wie die Welt. Natürlich: Es gibt sie noch, die klassische Förderstiftung, die vom eigenen Vermögen lebt. Auch sind noch viele operative Stiftungen unterwegs, die sich traditonell ausschliesslich über Spenden finanzieren. Aber sie alle sind nicht mehr alleine. Stiftung ist nicht mehr gleich Stiftung. Und fördern heisst nicht immer einfach nur fördern. Das macht die Recherche und auch die spätere Zusammenarbeit anspruchsvoll.  Die nachstehende Abbildung gibt einen Überblick über die verschiedenen Wirkungs- und Finanzierungsformen von Stiftungen. Hier ein paar Gedanken dazu:

=>Fördernd oder operativ?
=>Eigenfinanziert oder Spendensammelnd?
=>Traditionell oder hybrid?

Fördernd oder operativ?
Wer regelmässig nach Förderstiftungen recherchiert, erlebt dies immer wieder: Wenn eine Stiftung in ihrem Zweck angibt, sie „fördere“ dieses oder jenes, ist damit noch nicht gesagt, auf welchem Wege sie das tut: Sie kann Projekte Dritter finanzieren, eigene Projekte realisieren oder gleichzeitig beides tun. Noch komplizierter wird es dann, wenn eine Stiftung zwar Projekte Dritter unterstützt, diese aber selber auswählt und deshalb keine Gesuche entgegennimmt. Und schliesslich: Eine Stiftung kann ihre Arbeitsweise auch ändern und von der Unterstützung Projekte Dritter zu einer eigenen operativen Arbeit wechseln… Weil dies alles zumeist nicht publiziert wird, ist es mitunter schwierig herauszufinden, ob man einer solchen Stiftung tatsächlich ein Gesuch einreichen kann oder nicht. Nicht alle verstehen unter «fördern» dasselbe!

StiftungSchweiz.ch hat in enger Zusammenarbeit mit dem Verbandsmanagement Institut VMI der Universität Fribourg alle 13’000 Stiftungen in «intellektueller Handarbeit» kategorisiert und sie u.a. auch nach Kriterien fördernd, operativ und gemischt tätig eingeteilt. Diese Arbeit eines kleinen Teams hat mehrere Monate gedauert und war recht anspruchsvoll. Das Ergebnis ist sehr realitätsnah, aber nicht perfekt. Und es wird kontinuierlich angepasst und verbessert. Deshalb sind wir auch dankbar für alle Hinweise.

Ein paar Tipps:
· Publizieren Sie die Arbeitsweise/Förderpolitik Ihrer Förderstiftung auf StiftungSchweiz.ch – wenige Stichworte genügen. Tipp: Die Rubrik «Das Wichtigste in Kürze» ist für alle registrierten User frei zugänglich.
· Melden Sie uns als User von StiftungSchweiz.ch alle Erkenntnisse – wir können die Portraits von uns aus anpassen, inkl. die Kategorisierung

Eingenfinanziert oder Spenden sammelnd?

Stiftungen können sich ganz unterschiedlich finanzieren. Es gibt Stiftungen, die leben von ihrem Vermögen und dessen Erträgen. Andere sind (zusätzlich) auf punktuelle oder regelmässige Drittmittel wie Spenden oder Staatsbeiträge angewiesen. Die gewählte Finanzierungsform ist dabei unabhängig davon, ob die Stiftung fördernd oder operativ tätig ist. Es gibt Förderstiftungen, die auf regelmässige Spenden angewiesen sind und diese auch aktiv auf dem Spendenmarkt beschaffen (z.B. pro Patria). Und es gibt operativ tätige Stiftungen, die sich ausschliesslich über ihr Vermögen finanzieren und keine Drittmittel brauchen.
Also aufgepasst: Wenn eine Stiftung in der Öffentlichkeit Spenden sammelt, heisst dies nicht zwingend, dass man bei ihr kein Gesuch einreichen kann.

Traditionell oder hybrid?

Die Wirkungs- und Finanzierungsform von Stiftungen ist heute sehr vielfältig. Deshalb: Einfach bei einem Adresshändler Adressen von sog. Förderstiftungen zu kaufen oder bei entsprechenden Online Billig-Anbietern auf dem Markt sich sogenannt „qualifizierte“ Listen von Förderstiftungen zusammenstellen zu lassen und diese Stiftungen dann unbesehen mit einem Gesuch anzuschreiben, ist wenig zielführend und kontraproduktiv.
Tipp: Es braucht in jedem Fall sorgfältige eigene Abklärungen und Recherchen, ob die Stiftung zu einem passt. StiftungSchweiz.ch gibt die Möglichkeit dazu.

Ich ermuntere alle User, ihr Wissen über dieses Thema miteinander zu teilen. Sie helfen so mit, dass die Stiftungslandschaft für alle transparenter und verständlicher wird. Davon profitieren alle! Und ich danke an dieser Stelle  allen zahlenden Abonnenten dafür, dass sie unsere Arbeit durch ihren Beitrag überhaupt erst ermöglichen und unterstützen.

Stiftungszweck

  • Weil Stiftungszwecke wegen ihrer thematischen Breite zunehmend an Bedeutung als strategische Dokumente verlieren, werden zusätzliche Steuerungsinstrumente und Kommunikationsanstrengungen für Stiftungsräte immer wichtiger.
  • Für Fundraiser steigen durch die breitere Begünstigung der Stiftungen die Chancen, für Projekte finanzielle Unterstützung zu erhalten.
  • Anliegen im Bereich der humanitären Hilfe im Ausland, Umwelt- und Tierschutz sowie gesellschaftspolitische Anliegen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, von Stiftungen unterstützt zu werden, als noch vor 20 Jahren.

Newsletter Dezember 2017

Gesuche an Förderstiftungen kommen sehr unterschiedlich daher. Manchmal sind es ganz einfache Bittbriefe, manchmal recht komplexe Projektbeschriebe. Und Gesuche im Kulturbereich sind in der Regel ganz anders aufgebaut als zB jene in der Entwicklungszusammenarbeit. Allen jedoch sollte ein Punkt gleich wichtig sein: Der Case. Mehr dazu in diesem Newsletter. Ferner: Der Swiss Philanthropy Project Day findet an einem neuen Termin statt, lesen Sie weshalb und wann.

Wir wünschen Ihnen von Herzen besinnliche Feiertage und einen guten Start ins Neue Jahr!

Best Case

Das Kernstück eines jeden guten Gesuchs an eine Förderstiftung ist der „Case“. Das ist mehr als nur eine gute und berührende Geschichte („Storytelling“). Der Case ist eine klare und überzeugende Darstellung aller Gründe, weshalb eine Stiftung einen Beitrag leisten soll zur Unterstützung des „Cause“ der Organisation, also der Sache, für die sich der Gesuchsteller selber einsetzt. Wer Antworten auf die folgenden Fragen findet, kann daraus einen schlüssigen Case formulieren:

  1. Angebot
    Handlungsbedarf: Wo liegt das Problem oder die spezielle Herausforderung, der man gegenüber steht? Weshalb ist das überhaupt relevant und inwiefern ist dies auch dringlich, sodass man jetzt was tun muss?
    Lösung: Was sind die sich daraus ableitenden Ziele und mit welchen Massnahmen und Mitteln will man diese erreichen?
    Beitrag Stiftung: Weshalb betrifft das die angefragte Stiftung? Auf welche Weise kann sie etwas Positives bewirken?
  2. Absender
    Organisation: Wer ist die anfragende Organisation und wofür steht sie?
    Kompetenz: Weshalb ist sie in der Lage, die vorgestellte Lösung zu realisieren?
    Glaubwürdigkeit: Weshalb darf die Förderstiftung der anfragenden Organisation und den für sie handelnden Menschen vertrauen?

Ist dieser Case

  • einzigartig – entweder im angepackten Problem („das sind die einzigen, die sich der auch uns wichtigen Sache annehmen“) oder in der anvisierten Problemlösung („So macht das sonst niemand“),
  • ist die vorgeschlagene Problemlösung inhaltlich und finanziell stimmig („So kann es gehen“) und
  • weckt der Case bei den Stiftungsräten ein gutes Bauchgefühl („Da würde ich gerne mitmachen“; „Da braucht es unsere Hilfe“)

hat der Gesuchsteller eine gute Voraussetzung geschaffen, dass sein Gesuch positiv aufgenommen wird.

Achtung: Jeder hat seinen eigenen Schreibstil, und das ist auch gut so. Aber für alle gilt: Keine Bücher verfassen! 5-7 Seiten A4, max. 12, sollten reichen, unabhängig davon, um wieviel Geld es geht. Und ganz wichtig: Eine Zusammenfassung am Anfang und ein knappes und übersichtliches Budget zumindest im Anhang sind zwingend. Und oft reicht schlicht das Einreichen einer kurzen Zusammenfassung zur Vorabklärung per E-Mail – den Case auf den Punkt gebracht!