Praktiker und Wissenschaftlerinnen im Dialog mit Ihnen!

Im neuen Blog von StiftungSchweiz.ch lesen Sie künftig nicht nur Artikel «aus dem eigenen Hause», sondern auch von Gastautorinnen und -Autoren: 

  • Im «Science Corner» publizieren das Verbandsmanagement-Institut der Universität Freiburg VMI und das Center for Philanthropy Studies der Universität Basel CEPS.
  • Im «Roundtable» schreiben erfahrene Praktikerinnen und Praktiker aus dem Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsbereich. Ein Special dabei: Benno’s Blog – Sie dürfen gespannt sein!

Anspruch an die einzelnen Artikel ist immer ein Wissenstransfer in die Praxis, verbunden mit konkreten Tipps oder Schlussfolgerungen – nicht immer ein einfaches Unterfangen! Schauen Sie doch einfach mal rein – Kommentare sind willkommen!

Wirkungsorientierte Anlagepolitik

Jede Stiftung kann ihre Anlagepolitik wirkungsorientiert einsetzen. Die Mittel dafür reichen von einer widerspruchsfreien Anlagepolitik über die Kosteneffizienz bis zu „Mission Investing“. Die Grösse der Stiftung spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Wirkung mittels Anlagepolitik erzielen alle Massnahmen, die entweder zusätzliche Mittel für den Stiftungszweck generieren oder Stiftungskapital dort hinlenken, wo es zweckkonform eingesetzt wird. Eine Lenkung des Stiftungskapitals wird mittels selektiver Anlageverfahren erreicht. Mit negativer Selektion schliesst man Anlagen aus, die gegen die Mission der Stiftung wirken, z.B. keine Staatsobligationen von Ländern mit Todesstrafe. Positiv selektionierte Anlagen sollen die Mission der Stiftung unterstützen und zusätzliche Wirkung erreichen, z.B. das Social Business von Essilor für bezahlbare Lesebrillen armer Rentner. Damit verleiht die Stiftung im Grunde genommen das Kapital zweckfördernd, was schliesslich eine zusätzliche Fördertätigkeit ist.

Stiftungszweckförderndes Investieren gelingt auf Dauer aber nur, wenn ‚Anlegen’ die Bedeutung eines zusätzlichen Kerngeschäfts der Stiftung erhält. Das bedeutet auch mehr Selbstverantwortung des Stiftungsrats und eine Befreiung von Interessenkonflikten. Vor allem bei der Ausführung der Vermögensverwaltung können Interessenkonflikte hinderlich sein. Die beste Massnahme dagegen ist die Bildung oder Anreicherung dieser Kompetenz im Stiftungsrat. Dann ist eine Delegation der Vermögensverwaltung nicht (mehr) notwendig. Im übrigen kann sowieso niemand dem Stiftungsrat den Strategieentscheid, von welchem 90% des Anlageerfolgs abhängt, abnehmen. Kommt dazu, dass die heutige Dynamik der Kapitalmärkte viel kürzere Reaktionszeiten für die Anpassung strategischer Entscheide verlangt.

Die selbständige Durchführung der Vermögensverwaltung führt auch zu tieferen Kosten. Und eine Reduktion der Vermögensverwaltungskosten kann massgeblich zur verbesserten Wirkung beitragen, weil mehr Geld zur Verfügung steht. Zur Veranschaulichung eine kurze Rechnung: Fr. 100 Kapital bei einer Jahresrendite von 3% ergibt bei 1.5%, resp. 0.5% Kosten am Jahresende ein neues Kapital von Fr. 101.50, resp. Fr. 102.50. Nach 20 Jahren ergibt sich mit dem Zinseszinseffekt Fr. 134.70, resp. Fr. 163.90. Ein Prozentpunkt weniger Kosten ergibt über 20 Jahre also fast 30% Zusatzertrag.

Anlagekompetenz im Stiftungsrat und die Vermeidung von Interessenkonflikten sind der beste Garant, dass eine wirkungsorientierte Anlagepolitik effektiv im Sinne der Stiftungsziele umgesetzt wird.

Die Vielfalt der NPO-Finanzierung

Basierend auf der Theorie können folgende Überlegungen bei der Analyse der eigenen Finanzierung helfen:

  1. Überprüfen Sie, ob Ihre Angebote und deren Finanzierung zusammenpassen und wer von Ihren Leistungen profitiert. Als Referenzgrösse können die Jahresrechnungen von vergleichbaren Organisationen oder Studien wie das Jahrbuch der Hilfswerke dienen.
  2. Überlegen Sie sich, welche Kapazitäten und Kompetenzen für die verschiedenen Finanzierungsquellen nötig sind. Beachten Sie dabei auch das politische und ökonomische Umfeld.

Die Vielfalt der NPO-Finanzierung

Die Finanzierung stellt für fast alle Nonprofit-Organisationen (NPO) eine zentrale Herausforderung dar. Sie unterscheidet sich bedeutend von derjenigen von For-Profit-Organisationen. Finanzieren sich klassische Unternehmen durch den Preis ihrer Produkte und Dienstleistungen, so haben NPO die Qual der Wahl zwischen unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten, die für gewöhnlich in die vier Kategorien: Gelder der öffentlichen Hand, Erträge aus Gütern und Dienstleistungen, philanthropische Zuwendungen und Finanzerträge eingeteilt werden.

Benefits Theory – wem hilfts?

Für die meisten NPO scheint es sich hier jedoch weniger um die Qual der Wahl als um einen mehr oder weniger gegebenen Finanzierungsmix zu handeln, welcher aus den eigenen Tätigkeiten, Kompetenzen und historischen Gegebenheiten entstanden ist. Diese Tatsache wird auch von einer aufkommenden Theorie im Nonprofit-Finanzmanagement berücksichtigt. Die Benefits Theory – das Wort Benefits hat hier übrigens nichts mit Gewinn zu tun, sondern mit Leistungen – besagt, dass sich die Finanzierung von NPO durch deren Angebot erklären lässt. Die Theorie baut auf der Gütereinteilung der Wirtschaftslehre auf, welche zwischen öffentlichen und privaten Gütern unterscheidet, d. h. vereinfacht gesagt, ob es der Allgemeinheit oder Einzelnen dient.

NPO verhalten sich intuitiv nach der Theorie, wie aktuelle Zahlen aus dem Jahrbuch der Hilfswerke zeigen (siehe Grafik). Der Umweltschutz ist bspw. stark durch Spenden finanziert. Diese Finanzierungsform scheint logisch, denn niemand kann von dessen Nutzen ausgeschlossen werden. Heimbetriebe und die Gesundheitsbranche bieten hingegen eher private Güter an und sind folglich auch stärker durch Erträge aus Dienstleistungen finanziert.

Ein Denkmodell

Der Begründer der Theorie, Dennis R. Young, betont, dass die Theorie nicht nur erklären soll, wie sich NPO finanzieren, sondern vor allem als Denkmodell dienen, das eigene Finanzierungspotential voll auszuschöpfen. Neben dem Angebots-Finanzierungs-Zusammenhang spielen auch Faktoren wie administrative Kapazitäten, Kompetenzen oder das politische und ökonomische Umfeld eine Rolle. Das Potential wird folglich häufig durch die Diversifizierung innerhalb der vier oben genannten Finanzierungsquellen erreicht, wie beispielsweise die Ergänzung von kantonalen um kommunale Gelder oder die Ausweitung von Klein- auf Grossspenden. Basierend auf der Theorie, können folgende Fragen bei der Analyse der eigenen Finanzierung helfen:

  • Wie passen unsere Angebote und deren Finanzierung zusammen?
  • Wer profitiert von unseren Leistungen?
  • Wie finanzieren sich NPO in ähnlichen Tätigkeitsfeldern?
  • Welche Kapazitäten und Kompetenzen benötigen die Finanzierungsquellen?
  • Wie sieht das politische und ökonomische Umfeld aus?

Literaturempfehlungen

  • Mehr zu aktuellen Zahlen über den NPO-Sektor im Jahrbuch der Hilfswerke 2017 (download kostenlos) https://ceps.unibas.ch/de/ceps-news/news/jahrbuch-der-hilfswerke-2017-veroeffentlicht/
  • Mehr zur Benefits Theory im Buch von Dennis R. Young (2017): Financing Nonprofits and Other Social Enterprises: A Benefits Approach, Cheltenham, Edward Elgar Publishing.

 

 

Moderne Philanthropen – Trends im Stiftungszweck

Die Zeiten, als gemeinnützige Stiftungen fast grösstenteils auf soziale oder kulturelle Anliegen fokussierten, sind vorbei. Junge Stiftungen fördern neue Themen und begünstigen breit.
Von Remo Aeschbacher

Zwar sind die traditionellen Wirkungsbereiche in den Stiftungszwecken junger Stiftungen immer noch stark vertreten, doch haben die zunehmende Individualisierung, die fortgeschrittene Technologie, neue gesellschaftliche Themen und die Globalisierung die Themenpalette diversifiziert und erweitern das Wahlspektrum für neue Stiftungsgründer/-innen.

Die junge Stiftung begünstigt neue Themen

Im aktuellen Stiftungsbestand lässt sich beobachten, dass in jüngeren Stiftungszwecken Wirkungsbereiche auftauchen, die in Zwecken der Stiftungen, die in der ersten Hälfte des Jahrhunderts gegründet wurden, noch kaum Beachtung finden: Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik, Umwelt- und Tierschutz sowie die Entwicklungszusammenarbeit. Aber auch innerhalb der Wirkungsbereiche gibt es Themen, die von jüngeren Stiftungen eher begünstigt werden. So begünstigen junge Stiftungen z. B. eher Anliegen in der medizinischen Prävention, alte dagegen eher direkt die medizinische Behandlung. Schliesslich scheinen Anliegen im Bereich der Forschung sowie der Bildung an Popularität in der Stiftungslandschaft zu gewinnen.

Die junge Stiftung begünstigt breit und international

Doch nicht nur was oder wer begünstigt wird, verändert sich, sondern auch wie begünstigt wird. Die Abbildung zeigt, dass von den neun verschiedenen Kategorien von Wirkungsbereichen, wie sie von StiftungSchweiz.ch verwendet werden, Stiftungen mit Gründungsdatum zwischen 1976 und 1980 durchschnittlich nur rund 1.7 Wirkungsbereiche in ihrem Stiftungszweck benennen, während jüngste Stiftungen rund 2.1 verschiedenen Wirkungsbereiche begünstigen. Dies hat einerseits mit den neu aufgekommenen Themen zu tun, die im Stiftungszweck zusätzlich Berücksichtigung finden, andererseits dürfte es mit den gesteigerten Empfehlungen in der Gründungspraxis, den Stiftungszweck eher breit zu formulieren, zu tun haben.

Die Abbildung zeigt zudem, dass operative Tätigkeiten jüngerer Stiftungen seltener sind. Schliesslich ist mit jüngeren Stiftungszwecken ein starker Trend hin zur Begünstigung über die Schweizer Grenzen hinaus feststellbar. Rund ein Drittel der jüngsten Stiftungen begünstigt (auch) Projekte im Ausland.

Benno’s Blog

„Willkommen bei der Lektüre meines allerersten Eintrags in Benno’s Philanthropie-Blog. Philanthropie, die Liebe zu den Menschen (und zu deren Institutionen und Projekten!), drückt sich auf vier Arten aus: schlicht und einfach durch Empathie gegenüber den Menschen, rein praktisch durch Rat und Tat, oder dann durch materielle, etwa finanzielle, Unterstützung. Die vierte Art von Philanthropie ist die beste: Sie kombiniert die ersten drei.

Monatlich werde ich hier ein Thema aufgreifen, das eines oder mehrere dieser Modi gelebter Philanthropie beinhaltet. Meine Tätigkeiten in Stiftungen und früher auch in Stiftungsverbänden bringen es mit sich, dass stiftungsspezifische Zusammenhänge in diesem Blog dominieren werden. Das gilt bereits auch für meinen ersten Eintrag.

Heutiges Thema:

Vermögensanlagen der Förderstiftungen dürfen nicht unterdurchschnittlich rentieren

Im vergangenen Dezember hat SwissFoundations, der Verband der Schweizer Förderstiftungen, den «Benchmark Report 2017» (das Anlagejahr 2016 spiegelnd) publiziert. Das Thema klingt knochentrocken. Zu analysieren und zu vergleichen, welche Resultate die gemeinnützigen Förderstiftungen beim Anlegen ihrer Vermögenswerte erzielen, ist meines Erachtens aber sehr wichtig. Stiftungen sind nun mal auf einen möglichst hohen Vermögensertrag angewiesen, um ihre Gesuchsteller und Projektpartner möglichst grosszügig fördern zu können.

Das Ziel dieses Reports, der nun – nach 2016 – zum zweiten Mal erarbeitet wurde, ist eine Analyse des Anlageerfolgs der Förderstiftungen. Dass SwissFoundations diesen Benchmark Report ins Leben gerufen hat und ihn mit einem langen Zeithorizont weiterzuführen gedenkt, das ist sehr zu begrüssen. In einer Branche wie der Stiftungsszene, wo Faktenbeschaffung bisweilen Stochern im Nebel gleichkommt, ist jede zusätzliche Studie oder Statistik willkommen. Dies gilt insbesondere, weil Stiftungen ja steuerbegünstigt arbeiten und deshalb immer stärker unter Legitimationsdruck kommen.

Personalvorsorgestiftungen erwirtschaften bessere Anlageresultate

Der Benchmark Report von SwissFoundations ist also noch jung. Aber bereits heute – mit den Daten zweier Anlagejahre – lassen sich einige interessante Beobachtungen machen. Und diese fallen leider nicht zu Gunsten der Förderstiftungen aus. Sowohl 2016 wie schon 2015 liegen die Renditen der erfassten Förderstiftungen im Durchschnitt signifikant unterhalb ihrer eigenen Vergleichsindizes. Sie liegen aber auch unterhalb der Renditen der Personalvorsorgestiftungen, die man mit den Förderstiftungen relativ gut vergleichen kann. Dieser negative Befund ist insbesondere deshalb erklärungsbedürftig, weil die erzielten Renditen der Förderstiftungen trotz risikoreicherem Investieren tiefer waren als diejenigen der Pensionskassen. Als weiterer Negativpunkt kommt hinzu, dass die Vermögensverwaltungskosten der Förderstiftungen höher waren als jene der Vorsorgestiftungen.

Wieso sind die Renditen bei den Förderstiftungen tiefer?

Über die Gründe, wieso mehr Risiko beim Investieren wider Erwarten ausgerechnet bei den Förderstiftungen zu Minderrenditen geführt haben, muss man spekulieren. Lag das an den teilweise geringen Vermögensgrössen, die höhere Kosten dafür tiefere Performances generierten? Betreuen Banken Förderstiftungen weniger gut als Personalvorsorgestiftungen? Schlägt sich bei den Förderstiftungen indirekt nieder, dass ihre Stakeholders – die Gesuchsteller – ihre Ansprüche weniger hart durchsetzen können als die Versicherten und Pensionierten, die Anspruchsgruppen der PVS? Oder interessieren sich die Stiftungsverantwortlichen schlicht und einfach mehr fürs Geldausgeben als fürs Geldeinnehmen? Keine dieser Fragen sollte mit Ja beantwortet werden müssen.

Der SwissFoundations Benchmark Report hat grosses Potential (und ein kleines Verbesserungspotential)

Der SwissFoundations-Benchmark Report an sich überzeugt mich sehr. Natürlich könnte man die Enge der Datenbasis bemängeln und die eingeschränkte statistische Repräsentativität kritisieren. 41 Förderstiftungen (im Vorjahr 25) haben sich an der Erhebung beteiligt; allesamt sind sie Mitglieder von SwissFoundations. Einen gewissen Schwachpunkt der Studie bildet dann der Umstand, dass die die Höhe der Liquidität nicht gesondert erhoben wurde, sondern im Report gemeinsam mit dem prozentualen Anteil der Obligationen in den Stiftungsportefeuilles dargestellt werden. Interessant wäre nämlich zu erfahren, wie resp. in welcher Höhe die Stiftungen flüssige Mittel als «Power», als strategisches Instrument für künftiges Investieren bereithalten. Auch die Erfassung der Anlagen in Fremdwährungen wäre für den neugierigen Stiftungsberater wünschbar. Und auch noch: Der Report, der jeweils die Daten des Vorjahres darstellt, muss im Folgejahr viel früher und nicht erst im Dezember erscheinen, wenn er die verdiente Aufmerksamkeit auf sich ziehen soll.

Dieser Benchmark Report, der meines Erachtens bisher viel zu wenig rezipiert worden ist, bedeutet einen sehr erfreulichen Schritt in Richtung Transparenz im Stiftungsbereich. Es ist zu erhoffen, dass sich immer mehr Stiftungen daran beteiligen werden. Mit den Jahren die Datenreihe wachsen, und diese Studie wird an Aussagekraft und Relevanz gewinnen. Wir wünschen SwissFoundations dabei einen langen Atem. “

Weblink: Benchmark Report 2017