Newsletter 4 / 2018

Wie schreibt man ein Gesuch an Förderstiftungen, das Erfolg hat? Das gute Gesuch an Förderstiftungen – 3 Grundsätze statt einer langen Checklist. Dies und noch viel mehr  – Neugründungen, Datenschutz, Veranstaltungen, Tipps – im Newsletter 4 / 2018

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Projektportrait – Aktion mit Gratis-Abo des Fundraiser-Magazins

Wir schenken Ihnen 1 Jahres-Abo des Fundraiser-Magazins – für die Publikation eines Projektportraits auf StiftungSchweiz.ch, aufzuschalten vom 25. Juni bis 31. August 2018.

Sobald das Projekt aufgeschaltet ist, einfach eine E-Mail senden an office@stiftungschweiz.ch mit den Angaben, wohin das Magazin geschickt werden soll.

Projektportrait: Tipp

  • Schalten Sie Ihr Projekt auf privat, wenn es nur für die Förderstiftungen sichtbar sein soll, denen Sie eine Anfrage zukommen lassen. Das ist manchmal auch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes notwendig.
  • Lassen Sie Ihr Projekt eine Weile online und nutzen Sie es für die eigene Gesuchstellung.
  • Füllen Sie nur den Basisteil aus, wenn Sie bei den recherchierten Förderstiftungen zuerst eine Vorabklärung machen wollen.
  • Wenn Sie auch den optionalen Teil ausfüllen, qualifiziert das Ihr Projekt sehr.

Projektportraits: Präsentieren Sie Ihre Projekte auf StiftungSchweiz.ch!

Sie können auf StiftungSchweiz.ch mehrere Projektportraits Ihrer Stiftung/Organisation publizieren. Nachfolgend eine Anleitung, wie man das macht – und ein paar Hinweise, weshalb sich das lohnt.

So erstellen Sie ein Projektportrait:

  1. Gehen Sie auf Ihr persönliches Dashboard (Registration erforderlich)
  2. Öffnen Sie dort unter «Meine Organisationen» das Stiftungsportrait Ihrer Stiftung oder das bereits erstellte Organisationsportraits Ihres Vereins, für die Sie ein Projektportrait aufschalten möchten (blauer Knopf «anschauen»). Bei Stiftungen: Wenn Ihre Stiftung auf dem Dashboard nicht erscheint: Den Code verlangen.
  3. Klicken Sie auf diesem Stiftungs- resp. Organisationsportrait auf der linken Seite auf den orangen Knopf «Projekt erstellen»
  4. Füllen Sie das sich öffnende Formular gem. den Anleitungen aus. Foto oder Video nicht vergessen! Pflichtfelder sind nur die wenigen Basisinformationen. Es hat überall praktische Erläuterungen. Sie können diese Angaben nachträglich ändern und ergänzen.
  5. Speichern Sie alles ab. Das Projektportrait wird auf dem Stiftungs- resp. Organisationsportrait sichtbar und ist auch auf Ihrem persönlichen Dashboard aufgelistet.

Projektportraits auf StiftungSchweiz.ch lohnen sich:

  1. Die Projekte erscheinen auf Ihren Stiftungs- und Organisationsportraits. Damit können Sie Ihre Arbeit einfach online präsentieren, mit Fotos und Videos. Feedbackfeld für Interessenten.
  2. Project Scout: Förderer können spezifisch nach publizierten Projekten (statt nach Organisationen) suchen und mit den Projektträgern online Kontakt aufnehmen.
  3. Online Gesuchssystem: Projektträger können jeder (passenden!) Förderstiftung für die aufgeschalteten Projekte direkt online eine Anfrage/Vorabklärung zukommen lassen resp. ein Gesuch stellen, mit Link zum Projekt und mit Feeback-Option. Das steigert die Arbeitseffizienz enorm!

Das Project Scout System wird freigeschaltet, sobald genügend Projekte online sind. Je schneller, umso besser! Deshalb: Präsentieren Sie jetzt Ihr Projekt auf Stiftungschweiz.ch.

Es kann, muss aber nicht eine Stiftung sein

In meinem letzten Blog-Eintrag sinnierte ich über Verlegenheiten – nämlich über potentielle Stifter in Verlegenheit oder über Stiftungen als Verlegenheitslösungen. Aber muss es denn gleich eine Stiftung sein, um Lösungen für gemeinnütziges Handeln zu schaffen? Foto: Pascal Gertschen

Heute berichte ich über einen Fall, der vielleicht auch ein Modell sein kann. Es trägt den Namen «Datuma», und dessen Narrativ kennen Sie möglicherweise schon. Es geht hier um zwei Ärzte und um einen Architekten, nämlich um die Zürcher Brüder Daniel, Martin und Marcel Meili (Foto). Letzterer hat mir auf meine Fragen bereitwillig Auskunft gegeben.

Eine schöne Geschichte

Die Geschichte nahm ihren Anfang in den 1990er Jahren, als die Gebrüder Meili sich im Blick auf ihre Erbanwartschaft entschlossen, ihrem künftigen Erbe irgendwie «auszuweichen». Ihr Vater war während des 2. Weltkrieges Miterfinder des automatischen Brandmelders gewesen, hatte diesen später zur Marktreife gebracht und wurde wohlhabend. Auf dessen Erbe würden die drei Brüder – beruflich selber erfolgreich – dereinst nicht angewiesen sein, weshalb sie mit ihrem Vater, lange vor seinem Tod, über uneigennützige Verwendungen ihrer Vermögenswerte nachdachten. Der Keim zur späteren Datuma wurde 1993, also vor 25 Jahren, mit dem Kauf einer ehemaligen Elektromotorenfabrik in Zürich zwecks Umbau in ein Wohn- und Dienstleistungsgebäude gelegt. Mit der Umwandlung eines älteren Kinos zum bekannten Kulturkino RiffRaff im Kreis 5 vor 20 Jahren entstand die Idee zur Strukturierung und Formalisierung einer geplanten Tätigkeit im Schnittbereich von Fördern und Investieren. Längst haben wir uns an die – damals noch nicht geläufigen – Begriffe «Impact Investing», «Venture Philanthropy» und «Private Equity» gewöhnt, die derartiges Handeln umschreiben können.

Philanthropie und Unternehmertum, geht das?

Datuma sollte keine Förderstiftung werden. Meilis wollen ohne starre Strukturen, ohne beengende Reglementarien, ohne Aufsicht agieren. Ihr Modell ist unternehmerisch intendiert. Einen à-fond-perdu-Beitrag in eine hohle Hand zu geben, das ist nicht ihr Ding. Sie wollen Businessideen unterstützen, sie vergeben Kredite, sie verhandeln über Rückzahlungspläne, sie gehen Aktionärsbindungsverträge ein, wodurch sie in grösserem Umfang auch Beteiligungen vornehmen. Und sie bieten ihre Risikobereitschaft und einen langen Atem (und wollen sich dadurch bewusst von den Banken absetzen). Auf diese Weise profitieren konnte – unter anderen – Domo-Safety, ein Startup aus der EPFL, welches Sensorsysteme zur gesundheitlichen Überwachung im Wohnbereich alleinstehender Personen ermöglicht. Oder Power-Blox aus demselben Lausanner «Stall», die schwarmintelligente Batterien für Solarstrom zwecks Verwendung in entlegenen Gegenden, z.B. in Afrika, entwickeln. Marcel Meili konzediert, dass ihre Handlungsweise zwar auch als «philanthropisch» bezeichnet werden kann, im Sinne, dass sie in Projekte investieren würden, die das Zusammenleben von Menschen verbessern oder bereichern. Aber er schiebt sogleich nach, dass ihr Ansatz halt vor allem ein unternehmerischer sei. Das bedeutet dann, dass sie manchmal organisatorischen Einfluss nehmen auf die Projekte und Unternehmen ihrer Partner, dass sie Einsitz nehmen in Verwaltungsräte, dass sie ihr Knowhow weitergeben wollen.

Ein Label statt eine Stiftung

Da sich herumgesprochen hat, dass Datuma «seed money» bieten kann, treffen mittlerweile so viele Anfragen ein, dass vor drei Jahren eine gewisse Professionalisierung in den Strukturen veranlasst wurde. Nachdem das Label Datuma (in der Rechtsform nicht wie vermutet eine gemeinnützige AG, sondern eine Einfache Gesellschaft) längst der Pionierphase entwachsen war, wurde in Person von Nathalie Moral eine Geschäftsführerin im Mandat beigezogen. Frau Moral ist Expertin im Bereich Impact Investing und arbeitet seit 2012 über ihre Firma mavia in Zürich mit Familien und Privatpersonen zusammen. In einem Standortbestimmungsprozess beschlossen die drei Brüder eine Fokussierung auf die Themen Gesundheit, Energie und Kultur. Trotzdem gehen ihnen weiterführende Ideen nicht aus. Eine Art Roundtable möchten sie einrichten für einen kleinen Kreis von Gleichgesinnten, um beizutragen, dass «gelangweiltes Geld» vermehrt in zukunftsträchtige Projekte investiert wird und dass durch gemeinsames Wirken Synergien genutzt werden können.

Auch auf meine letzten Fragen erhalte ich eindeutige Antworten: Ja, sie hätten auch Lehrgeld zahlen müssen. Nein, sie würden auch heute nicht das Stiftungsmodell wählen. Klar, steuerlich gesehen wäre die Stiftungslösung simpler. Ihr Erfolgsgeheimnis sei das stete Einvernehmen zwischen den drei Brüdern. Und zum Schluss dringt wieder die Anerkennung für ihren Vater durch, der schon beim Zypressenstrasse-Projekt ermuntert hätte: «Wenn es dich nicht umbringt, dann mach es!»

Noch ein Jubiläum

Solche Risikobereitschaft erinnert mich stark an den Pioniergeist des Solothurners William A. de Vigier, der mit einer Erfindung für das Baugewerbe seit den 1930er Jahren in England ein Vermögen gemacht hatte. Mit diesem begründete de Vigier die nach ihm benannte gemeinnützige Stiftung, welche über die Vigier-Jungunternehmerpreise Schweizer Startups unterstützt. Die Einbettung dieser Fördertätigkeit in eine gemeinnützige Stiftung – ohne personelle Verflechtung mit der Stifterfamilie – stipuliert natürlich eine gewisse «Perpetuierung» dieses Preises. Dazu trägt übrigens auch die partielle Refinanzierung der W.A. de Vigier-Stiftung über Aktienbeteiligungen an erfolgreichen Preisträger-Startups bei. Am 30. Mai werden die Vigier-Unternehmerpreise in Solothurn bereits zum 30. Mal vergeben: zwar nicht «seit ewigs» aber ebenfalls mit bemerkenswert langem Atem.

Weblinks: www.datuma.ch, www.domo-safety.com, www.power-blox.com. www.devigier.ch

 

Gibt es „schwarze Schwäne“ in der Philanthropie?

Lieber Leser

Einige von Ihnen haben sicherlich schon vom „schwarzen Schwan“ gehört. Er wurde während der letzten verheerenden Finanzkrise häufig bemüht, um ein seltenes und äusserst unwahrscheinliches Ereignis zu beschreiben. In unserem Sektor wäre das zum Beispiel, wenn der Staat entscheidet, dass allen gemeinnützigen Organisationen der steuerbefreite Status entzogen wird. Höchst unwahrscheinlich – und doch ist das vorgekommen, mit einschneidenden Konsequenzen.

Einschneidendes Gesetz in Japan: Genereller Statusentzug für alle gemeinnützigen Stiftungen und Vereine

Unbeachtet vom Rest der Welt gab es 2008 nämlich noch einen anderen schwarzen Schwan: In diesem Jahr setzte in Japan der Gesetzgeber nach 110 Jahren eine umfassende Reform gemeinnütziger Organisationen um. Allen steuerbefreiten Stiftungen und Vereinen wurde der Status entzogen. Innerhalb einer Frist von fünf Jahren waren sie angehalten, sich entweder als neue steuerbefreite „Public Interest Corporation“ oder als „General Non-Profit Corporation“ zu registrieren. Unternahm man nichts, wurde das Vermögen liquidiert. Für die Vergabe des steuerbefreiten Status ist eine Public Interest Commission verantwortlich, die direkt dem Kabinett des Premierministers unterstellt ist. Diese wird von sieben unabhängigen und auf Zeit gewählten Commissioners, meist Universitätsprofessoren und Wirtschaftsprüfer, geleitet. Darüber hinaus wurden 22 Gemeinnützigkeitskriterien festgelegt.

Kein ama kudari mehr

Hintergrund dieser Radikallösung war einerseits, die Rahmenbedingungen für das nach grossen Naturkatastrophen stark gestiegene zivilgesellschaftliche Engagement zu verbessern. Andererseits galt es, die herrschende Willkür bei der Vergabe von Steuerbefreiungen sowie das sogenannte ama kudari (dt. vom Himmel absteigen) zu unterbinden. So nennt man in Japan – einem starken Wohlfahrtsstaat mit riesigem Beamtenapparat – die Praxis, bei der hohe Beamte nach ihrer Pensionierung die Leitung von öffentlichen oder gemeinnützigen Organisationen übernehmen. Nicht selten wurde – in Abwesenheit von einheitlichen Kriterien – die Vergabe des steuerbefreiten Status an die inoffizielle Bedingung geknüpft, dass der zuständige Beamte künftig einen Platz im Stiftungsrat oder Vereinsvorstand erhält. Die Beantragung war entsprechend unbeliebt und selten.

Verbesserte Situation

Das neue Gesetz hat viele Tücken und wird stark überarbeitet. Grundsätzlich hat der schwarze Schwan aber die Situation verbessert: Organisationen müssen sich die Steuerbefreiung fortlaufend «verdienen», dafür ist ihre Position gestärkt und ihr Mehrwert für die Gesellschaft anerkannt. Zuwendungen an steuerbefreite Stiftungen und Vereine können bis zu 40% des Reineinkommens des Spenders von der Steuer abgesetzt werden. Und die Errichtung einer NPO ohne Steuerbefreiung ist stark vereinfacht.

2012 waren 26‘000 steuerbefreite Organisationen registriert. Heute sind es um die 9‘470. Diesen stehen über 360‘000 NPO und über einer Million informelle Gruppierungen gegenüber, die sich ebenfalls dem Gemeinwohl widmen – ohne Steuerbefreiung.

Insgesamt faire Lösung

Ich habe zu dieser Zeit für eine Schweizer Privatbank in Japan gearbeitet und unter unseren vermögenden Kunden hatten einige Stiftungen, deren hohes Millionenvermögen aus Grundstücken, Wäldern etc. bestand – ohne nennenswerte Ausschüttungen und im Verhältnis zum Vermögen stehende Aktivitäten für das Gemeinwohl. Manche entschieden sich, fortan auf den steuerbefreiten Status ihrer Stiftung zu verzichten. Eigentlich eine für alle faire Lösung.

Was ist eine angemessene Ausschüttungsrate?

Das bringt mich zur Frage: Was ist eine angemessene Ausschüttungsrate? Dies für unsere Stiftung zu ermitteln ist eine spannende und komplexe Aufgabe, die mich gerade beschäftigt. Ein Austausch ist sehr willkommen!

 

Was uns Stiftungszwecke über die Gründer verraten. Tipps.

  • Stiftungen lassen sich nicht nur nach thematischen Wirkungsbereichen, Standorten oder Wirkungskreisen segmentieren, sondern auch nach sechs Stiftungstypen, nach denen die Kontaktierung von Stiftungen durch Fundraiser spezifisch geformt werden kann (z. B. thematisch-generalistisch vs. thematisch-fokussierte Unterstützungsgesuche).
  • Stiftungen können sich über das Kriterium der Zweckdiversifikation ähnlicher sein, als dies die einzelnen thematischen Stiftungszwecke vermuten lassen.

Was uns Stiftungszwecke über die Gründer verraten

Obwohl in den Stiftungszwecken nicht immer deutliche Hinweise auf die Stiftungsmotive oder den persönlichen Bezug der Stifterin oder Stifters zum begünstigten Wirkungsbereich gegeben werden, lassen sich in der Schweizer Stiftungslandschaft über die Zuordnung von ähnlich strukturierten Stiftungszwecken gewisse Muster in der Begünstigung feststellen, die auf bestimmte Motivstrukturen der Gründer/-innen schliessen lassen.

Analysiert man die rund 13’000 schweizerischen Stiftungszwecke nach thematischen Mustern, ist erkennbar, dass einige Wirkungsbereiche häufig alleine im Stiftungszweck stehen, während andere wiederum eher in Kombination genannt werden. Sämtliche Stiftungen lassen sich anhand ihrer Zweckstruktur in jeweils eines von sechs Clustern von Stiftungen (vgl. Abbildung) zuordnen, wobei sich die Stiftungszwecke innerhalb desselben Clusters jeweils ähnlich sind.

  • Die visionären Veränderer: 23% der Stiftungen begünstigen, häufig in Kombination, Projekte in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik sowie Ethik und Religion. Diese Wirkungsbereiche finden ihre gemeinsame Basis in ihren visionären, normativen Ideen, die auf Stifter-/innen schliessen lassen, die umfassend und nach gewissen Prinzipien gemeinnützig sein möchten.
  • Die umweltbewussten Generalisten: 21% der Stiftungen begünstigen sehr breit, häufig, ohne thematisch gewisse Schwerpunkte zu setzen. Diese Eigenschaft trifft insbesondere auf rein fördernde Stiftungen sowie Stiftungen zu, die den Umweltschutz begünstigen. Als Stiftermotiv fungiert hier ein allgemeines Bedürfnis nach Wohltätigkeit, im Sinne von «man möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben».
  • 17% scheinen «fokussierte Künstler» zu sein; Kunst- und Kulturstiftungen, die ausser der Bildung keine anderen Wirkungsbereiche berücksichtigen.
  • 16% sind Stiftungen, die sehr eng und oft operativ karitative Anliegen und Randgruppen unterstützen. Dies lässt auf Stifter/-innen schliessen, die als «empathische Helfer» konkret und direkt soziale Herausforderungen angehen möchten.
  • 13% der Stiftungen begünstigen Anliegen im Bereich Gesundheit, häufig kombiniert mit Förderung der Forschung und sozialen Projekten. Viele dieser Stiftungszwecke suggerieren einen starken persönlichen Bezug der Stiftenden zum Thema, allenfalls als «betroffene Angehörige».
  • Schliesslich umfasst das letzte Cluster noch 10% der Stiftungen, die Themen der Wissenschaft und Bildung in allfälliger Kombination mit Kunst und Kultur sowie gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Anliegen begünstigen. Die Themenstruktur sowie die starke Korrelation zwischen dem durchschnittlichen Einkommen am Stiftungsstandort und dem Stiftungscluster lassen auf «kultivierte und intellektuelle» Stiftende schliessen.

Wie diese Clusteranalyse zeigt, sind Stiftungszwecke nicht einfach willkürlich thematisch ein- oder mehrdimensional festgelegt. So existieren Interaktionen zwischen den Wirkungsbereichen, die sogar – wenn auch nur stereotype – Hinweise zu den Gründerpersönlichkeiten geben.

Vier Fragen, die Sie als Stiftungsrätin und Stiftungsrat stellen sollten

Wer fragt, der führt. Stiftungsratsmitglieder müssen hartnäckige Fragen stellen und unnachgiebig auf Antworten beharren – auch wenn sie nicht vom Fach sind.

Stiftungsratsmitglieder dürfen sich nicht davor fürchten, in Gremiumsdiskussionen uninformiert zu erscheinen und deshalb lieber den Mund zu halten. Diese Angst gilt es zu überwinden – durch Fragen. Die folgenden vier sollten zum ständigen Repertoire gehören.

1. Entfernen wir uns unbemerkt von unserem Leitbild?

Unternehmen im Privatsektor haben einen eingebauten Sinn für Fokus: Sie existieren, um ihren Wert für die Eigentümer zu maximieren.

Weil diese Klarheit bei gemeinnützigen Organisationen fehlt, braucht es ein glasklares Leitbild für die Entscheidungsfindung. In zu vielen Fällen sind die Leitbilder aber zu vage oder zu hochtrabend, mit dem Resultat, sich ausserhalb der Kernbefähigung zu engagieren. Das zu vermeiden, ist eine der Hauptaufgaben des Stiftungsrats. Zu häufig akzeptieren Mitglieder des obersten Leitungsorgans, dass eine Nonprofit-Mission “ist, was sie ist.”

2. Wie lautet unsere „Theorie des Wandels“?

Neue Stiftungsratsmitglieder sind häufig überrascht, wie sich gemeinnützige Organisationen abmühen, ihre Mission in einen konkreten Plan zu übersetzen.

Ein Weg, die Diskussionen konkreter zu machen, ist die Etablierung einer „Theorie des Wandels“. Sie ist eine präzise Beschreibung, wie die Arbeit der Organisation helfen soll, die Mission zu erreichen. Projektanträge können so auf die Übereinstimmung mit der hauseigenen „Theorie des Wandels“ geprüft werden. Zudem kann der Stiftungsrat so auch besser ein zusammenhängendes Gespräch über strategische Probleme führen.

3. Wie bewerten wir unseren Impact?

Unternehmen verfügen über einer Reihe von Finanzzahlen, um ihre Leistung zu bewerten. Gemeinnützige Organisationen haben in diesem Bereich nicht selten Nachholbedarf.

Ein bewährtes Mittel ist die Betrachtung von führenden Organisationen im eigenen Hilfsbereich – auch ausländische. Welche Leistungsparameter verwenden sie und sind diese auch bei der eigenen Organisation sinnvoll anwendbar?

4. Haben wir den richtigen „Kraftstoff“, um unsere Organisation zu steuern?

Eine gemeinnützige Organisation ist mehr als seine Mission, Strategie und sein Impact. Sie ist auch ein Organismus, der „Kraftstoff“ braucht, um zu funktionieren: geeignete Menschen, wirksame Abläufe, genügend Finanzmittel, etc.

Der Stiftungsrat steht in der Pflicht, die „Kraftstoffuhr” seiner Organisation regelmässig zu überprüfen. Dabei ist die wichtigste Frage: “Hat unsere Organisation die Menschen, die wir brauchen, um die Mission zu erfüllen?” „Machen wir genügend, um die Leute zu halten, die wir brauchen? Und wie gehen wir mit den Personen um, deren Beitrag ungenügend ist?“ Sinnvollerweise startet die Überprüfung mit dem obersten Leitungsorgan selbst, denn Diskrepanzen zwischen der Mission und der Zusammensetzung des Stiftungsrats sind nicht ungewöhnlich.

Teilweise in Anlehnung an „The four questions to ask when serving on a nonprofit board“, McKinsey Quarterly Dezember 2017

Vier Fragen, die Sie als Stiftungsrätin und Stiftungsrat stellen sollten. Tipp

Die folgenden vier Fragen sollten zum ständigen Repertoire einer Stiftungsrätin resp. eines Stiftungsrates gehören:

  1. Entfernen wir uns unbemerkt von unserem Leitbild?
  2. Wie lautet unsere „Theorie des Wandels“?
  3. Wie bewerten wir unseren Impact?
  4. Haben wir den richtigen „Kraftstoff“, um unsere Organisation zu steuern?