Musikförderung: Das Geld fliesst nicht von alleine

In der Schweiz gibt es zahlreiche Kulturförderstellen, einen Teil derselben bilden bekanntermassen Stiftungen, und von diesen wiederum konzentrieren sich viele auf den Musiksektor. In Zeiten, in denen oft bei der Kultur gespart wird, gewinnen diese Stiftungen immer mehr an Bedeutung; vor allem auch, weil sie ihre Verantwortung sehr ernst nehmen. Dieselbe Ernsthaftigkeit sollte daher auch vom Antragssteller erwartet werden können. Das ist leider nicht immer der Fall.

Die Erfahrung einer kleineren Schweizer Musikförderstiftung zeigt, dass die Qualität der Antragsstellung enorm variiert. Wenn die Stiftung den Zweck verfolgt, junge Musikerinnen und Musiker zu unterstützen, wird sie zweifelsohne von Gesuchen überhäuft. Je nachdem wie eng der Stiftungszweck formuliert ist, gelangen auch zunehmend ausländische Studierende von Schweizer Musikhochschulen an diese Stiftung mit der Bitte um ein Stipendium oder eine anderweitige finanzielle Unterstützung. Wird einmal einem solchen Gesuch entsprochen, dauert es in der Regel nicht lang, bis weitere Kommilitonen derselben Musikhochschule an die Stiftung gelangen und um dieselbe Unterstützung bitten – gelegentlich mit demselben Wortlaut!

Gesuchstellung: Minimaler Standard notwendig

Grundsätzlich ist dies ein nachvollziehbares Vorgehen, man sollte aber von den Studierenden erwarten dürfen, dass sie sich an die «Regeln» eines Förderantrags halten, zumal es dutzende von Anleitungen zur korrekten Antragsstellung im Internet gibt. Anonyme Anreden, ungenaue Angaben zu den Finanzen und unklare Auskünfte über den Stand der Ausbildung werfen ein fragwürdiges Licht auf einen solchen Antrag. Die Formulierung eines Gesuchs ist mit einigem Aufwand verbunden, dieser lohnt sich aber, gerade wenn man mehrere Förderstellen anschreiben will. Je klarer und vollständiger das Gesuch formuliert wird, desto grösser ist die Chance, gefördert zu werden. Und es schadet nicht, vorab einmal die Stiftung anzurufen und in Erfahrung zu bringen, wann die Eingabedaten für die Gesuche sind oder wann die nächste Stiftungsratssitzung stattfindet.

Wichtige Rolle der Musikhochschulen und Konservatorien

Umso mehr müsste man auch die Musikhochschulen und Konservatorien in die Pflicht nehmen, ihre Studierenden auf solche „Business-Fälle“ vorzubereiten. Die Geldbeschaffung wird den Künstler in manchen Fällen ein Leben lang begleiten, und deshalb darf und muss auch hier eine gewisse Professionalität erwartet werden.

Wechselwirkung zwischen Antragsteller und Förderer beachten!

Im Gegenzug muss man sich die Frage stellen, wie sinnvoll und nachhaltig eine Kleinunterstützung ist. Eine Studentin oder einen Studenten für ein Semester mit «Sackgeld» zu unterstützen, lindert sicherlich dessen Not für ein paar Monate – aber danach? Ist das nachhaltig? Auch über die Perspektive des Gesuchstellers müsste ein gut formulierter Antrag Auskunft geben. Dazu gehört nicht nur das Erwähnen der eigenen Karriereziele, sondern auch eine Beschreibung, wie das mittel- und langfristige Budget aussehen soll. Es muss glaubhaft erscheinen, dass der Musiker, die Musikerin auch selber Anstrengungen unternimmt, Geld zu verdienen, sei es mit Unterricht, sei es mit Auftritten.

Diese Wechselwirkung von gemeinnütziger Stiftung und Musikförderung sollten die zukünftigen Interpretinnen und Interpreten rasch verinnerlichen, denn mit der Musik allein ist selten viel Geld zu verdienen – der Dialog mit einer Stiftung kann aber wertvolle Erkenntnisse in einem frühen Stadium bringen.

Der Rashōmon-Effekt. Oder der Fundraiser und die Geschäftsführerin einer Förderstiftung

Kennen Sie den Film Rashōmon des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa? Er hat eine ganz spezielle Erzähltechnik. So wird beim «Rashomon-Effekt» ein und derselbe Sachverhalt in widersprüchlichen aber in sich schlüssigen Versionen aus Sicht verschiedener Personen dargestellt. Diese Technik schien mir geeignet, um einige Aspekte beim Fundraising zu beleuchten. Denn ein Blick in die Arbeitsrealität des Gegenübers kann Hinweise geben, um die eigenen Prozesse zu überdenken oder einfach nur die Nerven beruhigen.

Darsteller sind die Organisation A, die seit vielen Jahren erfolgreich an der Verbesserung der Lebensumstände ihrer Zielgruppe arbeitet, und die Stiftung B, die ein jährliches Förderbudget und eine Geschäftsführerin als einzige Mitarbeiterin hat. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten sind nicht zufällig.

Klappe auf

Der Fundraiser der Organisation A sucht Mittel und macht eine Stichwortsuche in einer Stiftungsdatenbank. Wunderbar, viele potentielle Stiftungen! Nur blöd, dass die meisten keine Website mit mehr Informationen haben. So verschickt er unzählige Dossiers auf gut Glück – mit Jahresbericht und Broschüre, man weiss ja nie. Er seufzt, denn das verteuert das Fundraising. Dabei bestehen Stiftungen selbst auf niedrige Verwaltungskosten!

Da fällt ihm die nette Geschäftsführerin der Stiftung B ein. Sie hat enthusiastisch zugehört, als er von seiner Organisation erzählte und verstand, dass sie dringend mehrjährige Engagements benötigen, um Planungssicherheit zu haben. Er telefoniert mit ihr und beantragt einen Betrag über 3 Jahre.

Die Entscheidung kommt: Zusage für ein Jahr mit Aussicht auf Verlängerung. Er freut sich, ja, aber ist auch ratlos. Die Organisation B passt doch perfekt zum Stiftungszweck! Nach den Gesprächen hatte er mit mehr gerechnet und keine weiteren Förderer angesprochen.

Szenenwechsel

Die Geschäftsführerin der Stiftung B sondiert Förderanträge. Über 300 Anträge pro Jahr, von denen höchstens 20 bewilligt werden. Bei einem Grossteil reicht ein Blick, es passt einfach nicht. Unwohl ist ihr schon, als sie wieder Berge von abgelehnten Dossiers, Jahresberichten und Broschüren vernichtet. Sie seufzt, hier hätte ein Telefon vorab dem Antragsteller viel Mühe gespart. Zum Glück gibt es endlich die neue Website, denn die Anzahl interessanterer Anfragen erhöht sich merklich.

Sie liest den Antrag der Organisation A. Er ist super. Oh je, denkt sie, genauso wie die zwei anderen Anträge mit den gleichen Zielen! Denn sie muss eine Auswahl treffen, um das Förderbudget einzuhalten. Sie fasst das umfangreiche Dossier auf einer Folie zusammen. Puh, diese Antragslyrik – wo sind hier jetzt die relevanten Aspekte? Dann übt sie ihre Plädoyers für zehn weitere Anträge.

Tag der Sitzung: Der Stiftungsrat findet sich am ovalen Designertisch ein. Er findet die Organisation A toll und versteht das mit der Planungssicherheit. Aber bei einem Mehrjahresbeschluss wäre ein Grossteil des Förderbudgets schon weg. Das liesse ja wenig Raum für andere Projekte in diesem Jahr? Und, sollte man nicht lieber jedes Jahr jemand anderem die Chance geben? Ja, die Organisation A ist renommiert und erzielt Wirkung aber ist sie innovativ? Ist innovativ wichtig? Mehrere sehr unterschiedliche Persönlichkeiten diskutieren ausführlich. Der Beschluss lautet, vorerst nur für ein Jahr mit Aussicht auf Verlängerung.

Der Rashōmon-Effekt. Oder der Fundraiser und die Geschäftsführerin einer Förderstiftung – Tipps

Fazit für Antragssteller

  1. In Stiftungen wirken Kräfte, die Sie weder einsehen noch beeinflussen können. Eine Absage hat oft nichts mit Ihrem Antrag zu tun. Setzen Sie deshalb nie nur auf ein Pferd.
  2. Jemand, der Ihnen wohlgesonnen ist, aber Ihr Anliegen nur oberflächlich kennt, spricht für Sie vor dem Stiftungsrat. Helfen Sie ihm mit einer tipptopp «Elevator Speech».
  3. Verlassen Sie sich nie auf die Satzung einer Stiftung. Rufen Sie an.

Für Förderstiftungen

  1. Ineffizienzen im Fundraising können beseitigt werden, wenn Sie Ihren Förderzweck im Profil von www.stiftungschweiz.ch  präzisieren.
  2. Suchen Sie sich Fundraiser-Buddies. Der regelmässige, offene Austausch ist Gold wert. Danke Wanda und Michael!

Über die Endlichkeit von Stiftungen (Teil 1)

Das Modell der ewigwährenden Stiftung ist zwar fester Bestandteil der schweizerischen Philanthropie, doch ist es, zumindest bezüglich seiner rechtlich-formalen Manifestation, längst nicht mehr alleinige Realität. In 2015 wurden gemäss Stiftungsreport 335 Stiftungen gegründet, jedoch waren dem Handelsregister auch 190 Löschungen zu entnehmen. Dieses Verhältnis von Neugründungen und Liquidationen bei Stiftungen ist daher nahezu vergleichbar mit demjenigen von anderen Rechtsformen.

Merkmale gelöschter Stiftungen

Die Tabelle stellt die 190 gelöschten gemeinnützigen Stiftungen im Jahr 2015 dem Gesamtbestand vom April 2015 gegenüber. Werden die begünstigten Themen der liquidierten Stiftungen sowie die geografischen Wirkungskreise mit denen der Stiftungen im Gesamtbestand verglichen, fällt auf, dass die aufgelösten Stiftungen proportional grösstenteils dem aktiven Grundbestand der Stiftungslandschaft entsprechen. Stiftungen werden also grundsätzlich über alle Themenbereiche gelöscht, obwohl die Stiftungen im Bereich Soziales und Bildung bei den Stiftungsliquidationen anteilsmässig etwas schwächer und kulturelle etwas stärker vertreten sind. Ausserdem ist der Anteil der operativen Stiftungen im Bestand gelöschter Stiftungen grösser als in der Grundgesamtheit.

Gegenüberstellung Stiftungslöschungen und Gesamtbestand 2015

 

Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit einer Stiftungsauflösung nicht vom Alter der Stiftung abhängig. Entsprechend dem Grossteil der heutigen Stiftungslandschaft, der erst in den vergangenen zwei Jahrzenten entstanden ist, werden auch viele Stiftungen mit solchen Gründungdaten gelöscht. Die gelöschten Stiftungen sind im Durchschnitt gleich alt wie die Stiftungen im Gesamtbestand. Der Heimatkanton scheint für die Wahrscheinlichkeit einer Löschung ebenfalls weniger relevant zu sein. Jedoch ist der Anteil der Luzerner Stiftungen bei den Löschungen etwas kleiner als im Grundbestand (1% vs. 4%), was etwa auf eine unterschiedliche Praxis bei den kantonalen Stiftungsbehörden hinweisen könnte.

Blackbox Löschungsmotive

Die Betrachtung der Stiftungseigenschaften der gelöschten Stiftungen, die lediglich auf den öffentlich publizierten Informationen beruhen, können jedoch nur beschränkt Erklärungsfaktoren für Stiftungsliquidationen liefern, zumal sie keine Hinweise über den möglicherweise bedeutsamsten Einflussfaktor liefern: das Stiftungskapital. Die Auswertung von Interviews mit ehemaligen Stiftern und Ratsmitgliedern durch das VMI zeigt, dass die Grösse Stiftungskapital in der Tat eine zentrale Rolle spielt. Die erfragten Gründe für die Stiftungsauflösungen werden im nächsten Blogeintrag hier im Science Corner vorgestellt.

Über die Endlichkeit von Stiftungen – Merkmale gelöschter Stiftungen, Schlussfolgerungen

  • Obwohl es sehr alte Stiftungen gibt, sind Stiftungen nur im Modellfall ewige Konstrukte.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Stiftung gelöscht wird, ist nicht vom Alter derselben abhängig.
  • Soziale und bildende Stiftungen währen etwas länger, kulturelle und operative Stiftungen etwas kürzer.

E-Mail-Marketing – Die 16 besten Links

E-Mail-Marketing ist immer noch eine der besten Möglichkeiten, um mit Ihrer Zielgruppe zu kommunizieren. Das scheint auf den ersten Blick einfach zu sein. Eine erhöhte Bindung Ihrer Leser, Supporter, Gönner oder Spender erreichen Sie aber nur mit diszipliniertem Vorgehen.

Ich habe in den vergangenen zwei Jahren das E-Mail-Marketing einer jungen Organisation aufgebaut – persönlich, denn es gibt nichts Gutes ausser man tut es. Dabei habe ich eine Unmenge von Blogs, Artikeln und Research gelesen und einiges davon auch für den Aufbau verwendet.

Was sich für mich in den Themen Design, Betreffzeile, Inhalt sowie Testen und Messen bewährt hat, möchte Ihnen nicht vorenthalten. Sie werden zwar feststellen, dass sich die vier Themen nie ganz auseinanderhalten lassen, denn sie beeinflussen sich gegenseitig. So finden sich in den verschiedenen Artikeln immer Überschneidungen. Aber das macht nichts. Im Gegenteil. Gerade Widersprüchliches regt zum Nachdenken an.

So, jetzt will ich Sie aber nicht länger auf die Folter spannen. Ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnissse und Bestätigungen beim Lesen der meiner Meinung nach 16 besten und relevantesten Links für E-Mail-Marketing.

1. Design

Meine Erkenntnis: Wie das E-Mail oder der Newsletter funktioniert, ist viel wichtiger als ihr Aussehen. Entscheidend ist nur, ob das Design erreicht, was Sie und Ihre Leser wollen, dass es erreicht. Zum Beispiel, was Sie Ihren Lesern ermöglichen wollen. Lesen Sie dazu:

2. Betreffzeile

Meine Erkenntnis: Die Betreffzeile einer E-Mail bestimmt vollständig, wie sich ein Empfänger auf Ihre Nachricht einlässt – einschliesslich, ob die E-Mail überhaupt geöffnet wird. Und dabei kommt es auf winzige Details an. Lesen Sie dazu:

3. Inhalt

Meine Erkenntnis: Inhalt, Inhalt, Inhalt – nicht Layout! Struktur: Beschränkte Anzahl kleiner Blocks mit Text und Bildern. Lesbar auf mobilen Geräten. Schreibstil: Konversationsstil, kein technisches Kauderwelsch, sondern einfach und doch informativ. Lesen Sie dazu:

4. Testen und Messen

Meine Erkenntnis: Was nicht messbar ist, kann nicht gemanagt werden. Auch wenn Ihnen der Aufwand fürs Testen und Messen anfänglich als übertrieben und als Zeitverschwendung erscheint, machen Sie es trotzdem. Nur so können Sie lernen und die Effektivität Ihres E-Mail-Marketings zu steigern. Lesen Sie dazu:

Wie Top-Unternehmen in der Schweiz über ihr philanthropisches Engagement berichten – Tipps

Die Ergebnisse der CEPS-Studie machen deutlich, wie die Kommunikation noch verbessert werden kann. Dazu sind insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Gehen Sie von ressourcenorientierter zu evidenzbasierter Berichterstattung
  • Grenzen Sie Corporate Philanthropy von Sponsoring-Aktivitäten deutlich ab
  • Unterscheiden Sie unternehmenseigene von Mitarbeitenden- oder Kundenspenden
  • Stellen sie eine ausgewogene Balance zwischen Storytelling und Faktenmittteilung her
  • Erleichtern Sie die Zugänglichkeit der Informationen auf Webseiten bzw. in Berichten

Auf Taten Worte folgen lassen: Wie Top-Unternehmen in der Schweiz über ihr philanthropisches Engagement berichten

Mit dem Aufkommen von Konzepten wie Corporate Philanthropy (CP) und Corporate Citizenship rückt zunehmend das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in den Fokus. In weiten Teilen der Öffentlichkeit werden immer deutlichere Erwartungen an das philanthropische Handeln von Unternehmen gestellt und ernst gemeintes Engagement entsprechend gewürdigt. Gleichzeitig stehen Unternehmen, die ihre Aktivitäten aktiv kommunizieren, unter stärkerer Beobachtung und werden häufiger mit kritischen Fragen bezüglich Glaubwürdigkeit, Eigeninteresse und Transparenz konfrontiert.

Wie Top-Unternehmen in der Schweiz über ihr philanthropisches Engagement berichten, ist Gegenstand einer aktuellen Studie am CEPS, welche die Webseiten, Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte der 215 umsatzstärksten Firmen in der Schweiz untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass 52% der 215 Unternehmen über Corporate Giving berichten. Deutlich weniger Unternehmen kommunizieren ihre Corporate Volunteering Aktivitäten (21%) bzw. über ihre Corporate Foundation (22%). Zwischen den Unternehmen sind grosse Unterschiede bezüglich der Zugänglichkeit der Informationen, des Detaillierungsgrads und in der Abgrenzung zu anderen Unterstützungsaktivitäten erkennbar. Vor allem Sponsoring und Corporate Giving sind aufgrund der Wortwahl, des Publikationsorts und der thematischen Ausrichtung der unterstützten Projekte meist kaum voneinander zu unterscheiden. Begriffe wie „Sozio-Sponsoring“, „Unterstützung“ und „Engagement“ werden oftmals äquivalent verwendet und lassen offen, um welche Art des Engagements es sich handelt. Bei über der Hälfte der 112 berichtenden Unternehmen sind Informationen zum gespendeten Betrag oder der Anzahl der Empfängerorganisationen sowie eine Begründung für die Auswahl der Projekte oftmals unvollständig und ungenau. Über den erzielten Output auf Unternehmens- und Empfängerseite sowie den Impact finden sich wenige bis keine Informationen in den untersuchten Kommunikationsmedien.

Grafik: Mit 71 verschiedenen Bezeichnungen zeigt sich anschaulich, wie unterschiedlich Unternehmen das Gleiche – ihr philanthropisches Engagement – auf ihrer Webseite kommunizieren.

 

Dass Schweizer Unternehmen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und dies nicht nur als vorübergehenden Trend wahrnehmen steht ausser Frage. Über das gesellschaftliche Engagement zu berichten ist eine anspruchsvolle Herausforderung. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, wie die Kommunikation noch verbessert werden kann. Dazu die nachstehenden Tipps.

Von einer über einseitige Spendenaktivitäten hinausgehenden partnerschaftlichen Beziehung zwischen NPO und Unternehmen und deren Kommunikation profitieren beiden Seiten. NPO können auf ihren eigenen Webseiten Beispiele möglicher Zusammenarbeit aufzeigen und so Unternehmen proaktiv für eine Partnerschaft gewinnen. Durch die Berichterstattung der Unternehmen können NPO ihren Bekanntheitsgrad erhöhen und die Akzeptanz ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit steigern.

Literaturempfehlung:
Mehr zu symbolischer und substanzieller Corporate Philanthropy Berichterstattung: Carmen V., Grzegorz Z., 2017. Quality reporting of corporate philanthropy. Corporate Communications: An International Journal, 22:4, pp.486-506, https://doi.org/10.1108/CCIJ-07-2016-0051

«Gestatten, Patronatskomiteemitglied» – Tipps

Patronatskomitees – mein persönliches Fazit:

  • Achten Sie bei solchen Gremien zuerst auf die Glaubwürdigkeit deren Mitglieder: Ein Multi-Patronatskomiteemitglied, das kaum mehr weiss, welchem Projekt es seine Solidarität angedeihen lassen will, dürfte kaum hilfreich sein – zumal in solchen Konstellationen Zielkonflikte nicht fern sind.
  • Patronatskomitees müssen die Projektinhalte gut zur Kenntnis gebracht werden, damit deren Mitglieder als kundige und engagierte Botschafter auftreten können.
  • Solche Komitees sollen nicht zu gross sein. Bei über 20 Personen ist eine gute Gruppendynamik mit Schwarm-Kompetenz kaum möglich.
  • «Big names» können als Türöffner wirken, sofern es nicht um «lame ducks» handelt.
  • Eine Durchmischung der Profile ist wichtig und eine matrixartige Vertretung von bestimmten Kompetenzen ist wünschbar: Mitglieder mit Kontakten zu grossen Privatvermögen resp. zu passenden Förderstiftungen, Mitglieder mit Fundraisingerfahrung resp. Mitglieder mit einer besonders hohen fachlichen Glaubwürdigkeit bezüglich des Projektinhalts können gemeinsam ein schlagkräftiges Ganzes formieren.

«Gestatten, Patronatskomiteemitglied»

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass immer öfter Patronatskomitees gebildet werden? Fast für jedes Anliegen, das umgesetzt und auch finanziert werden will, wird ein solches Gremium zusammengestellt, oftmals mit mehr oder weniger schillernden Namen. Lassen Sie mich hier mal schürfen.

Sind auch Sie Patronatskomiteemitglied? Dann sollten Sie keinesfalls die Wirkung Ihres Namens überschätzen, z. B. dessen Wirkung auf Förderstiftungen, die Ihren Namen im Fördergesuch des Projekts lesen, für das Sie Patron oder Patronne sein möchten. Auch Ihr allfälliger Promi-Status wird die Gesuchbearbeiterin in einer Stiftung mitnichten beeindrucken: Davon unbeeinflusst wird sie die Projekteingabe auf Herz und Nieren zu prüfen.

Unterschätzen Sie auf der anderen Seite nicht die Verpflichtungen und das Reputationsrisiko, das Sie als Patronatskomiteemitglied eingehen. In einem Patronatskomitee wirken Sie nur dann glaubwürdig (und sind Sie nur dann wirkungsvoll) wenn Sie sich engagiert in die Komiteearbeit einbringen und wenn Sie tatsächlich willens sind, Ihr Netzwerk «anzuzapfen». Selbstverständlich erwartet man von Ihnen, dass Sie Ihre Kanäle zu Stiftungen, Sponsoren und Politik aktivieren. Sie haben innerhalb Ihres Bekanntenkreises beherzt auf jene Personen zuzugehen, die finanziell in der Lage sein könnten, das Anliegen des Projekts, für das Sie einstehen wollen, finanziell zu unterstützen. Jene Politiker, die aufgrund von Zielkonflikten hier gar nicht aktiv werden können oder wollen, sind in Patronatskomitees somit fehl am Platz. Dasselbe gilt für Personen, die bloss ihr Porträtföteli im Prospekt sehen wollen, der für das Projekt wirbt. Bringen wir es auf den Punkt: In einem Patronatskomitee zielführend mitzumachen, heisst Klinkenputzen – alles andere ist Augenwischerei!

Eine mittelsuchende Organisation, die für ihr Projekt (ein Bauvorhaben, ein Bildungsanliegen, eine Kulturinitiative etc.) ein Patronatskomitee auf die Beine gestellt hat, ist gut beraten, dessen Mitglieder nicht bloss in Hochglanzprospekten zu versammeln. Zwecks Weiterbildung in Projektzusammenhang soll ein Patronatskomitee zu Informationsveranstaltungen eingeladen werden. Komiteemitglieder, die das Anliegen, wofür sie Fundraising betreiben sollen, nicht gut kennen, wirken unglaubwürdig und dürften bei ihren Bemühungen auch nicht besonders erfolgreich sein.

Als Patronatskomiteemitglied werden Sie bestimmt auch Ihre persönliche Lernkurve absolvieren. Zum Beispiel dann, wenn Sie mit Listen potentieller Grossspender konfrontiert werden, aus denen Ihnen dann die Namen jener vermögenden Personen zugeteilt werden, die sie individuell ansprechen sollten. Auch wenn es eher selten geschieht: Derartige Namenslisten können mittelsuchende Organisationen bei spezialisierten Anbietern kaufen (oder auch bloss «mieten») und sich auch nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen zusammenstellen lassen. Konkrete Suchkriterien für solche Grossspenderlisten könnten dann zum Beispiel sein: «Personen mit mindestens 20 Millionen Franken Vermögen und Wohnsitz in der Nordwestschweiz». Diese Multimillionärsliste ackern Sie dann mit dem Fundraising-Beauftragten Ihres Patronatsprojekts durch. Dabei runzeln Sie die Stirn ob der Unvollständigkeit dieser Liste. Sie staunen ob der etlichen Verstorbenen, die darin immer noch figurieren. Sie ärgern sich über die schlechten Geographiekenntnisse der Verkäufer dieser sündhaft teuren Namensliste, welche die Nordwestschweiz bis weit ins Mittelland hineinragen lässt.

Bei guter Laune mögen Sie dies ja alles spassig finden. Ihr Verständnis hört aber spätestens dann auf, wenn man Ihnen – zuhanden des erwähnten Hochglanzprospekts – «Testimonials» im weichgespülten PR-Sprech in den Mund legen will. Dies weil man Ihnen offenbar nicht zutraut, selber einen sinnfälligen graden Satz über Ihr Engagement für das betreffende Projekt formulieren zu können.

Immerhin hat man Sie (noch) nicht gefragt, ob Sie sich denn nicht auch vorstellen könnten, selber einen substantiellen Betrag an das Vorhaben zu zahlen, für das Sie Mit-Patron sind.