Betroffene leiden und schweigen. Ein Nachtrag zum Tag der Psychischen Gesundheit

Die Stiftung Pro Mente Sana in Zürich hat bei sotomo eine repräsentative Befragung zum psychischen Stimmungsbild der Schweiz in Auftrag gegeben und am 10. Oktober 2018, dem Tag der Psychichen Gesundheit,  die Resultate publiziert: Die Menschen in der Schweiz sehen im Arbeitsstress die Hauptursache für psychische Leiden. Im Umgang mit dem psychischen Leiden scheinen vor allem zwei „Strategien“ zur Anwendung zu kommen: Leiden und Schweigen.

Viele Menschen leiden in der modernen Leistungsgesellschaft unter Überlastung und Stress. Zwei Drittel der Bevölkerung geben in unserer Studie an, im Verlaufe ihres Lebens schon einmal unter psychischen Belastungen gelitten zu haben. 1 von 5 Personen gibt an, sich aktuell in einem längerdauernden Tief zu befinden. Als Hauptfaktor (42 Prozent) für eine negative psychische Grundstimmung geben die Befragten Stress/Überlastung an.

Gleichzeitig haben 70 Prozent der Befragten Angst davor, über ihr psychisches Tief zu sprechen. Die Furcht, als nicht leistungsfähig und schwach zu gelten, ist weit verbreitet. 4 von 5 Menschen, die aktuell unter einer psychischen Beeinträchtigung leiden, fürchten sich davor, dass andere von ihrer Situation erfahren könnten.

Das Dilemma: Wenn es den Befragten nicht gut geht wünschen sie sich vor allem, dass ihr nahes Umfeld sie ernst nimmt und zuhört. Betroffene befinden sich also in einem Teufelskreis. Sie würden gerne über ihre Situation reden, fürchten sich aber gleichzeitig vor den Reaktionen. Das ist vor allem am Arbeitsplatz problematisch. Stress im Job wird als Hauptursache für die Entstehung von psychischen Krankheiten gesehen. Die Angst davor, als nicht mehr leistungsfähig zu gelten, erschwert die offene Ansprache bei beeinträchtigter psychischer Verfassung.

Die Schweiz hat ein Problem mit der psychischen Gesundheit

Mir scheint, dass langsam akzeptiert wird, dass die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung beeinträchtigt ist und zu hohen gesellschaftlichen Kosten führt. Immer wieder höre ich, „man muss was tun!“. Die oben erwähnte Studie zeigt mir das klare Bedürfnis der Bevölkerung, einen offeneren Umgang mit dem Thema „psychische Gesundheit“ zu finden – und ohne Ängste darüber reden zu können. Der „man“ aus „man muss was tun“ sind Sie und ich, sind WIR. Wir haben den Schlüssel in der Hand: die ernst gemeinte Frage „wie geht’s dir?“ zu stellen bei einer Begegnung mit genügend Raum und Zeit für eine ehrliche Antwort.

Menschen mit psychischer Belastung brauchen in ihrem nahen Umfeld ein offenes Ohr, echtes Interesse und eine nicht-verurteilende Haltung. Reden hilft! Verzichten sollten wir auf schnelle, billige Ratschläge wie „das wird schon wieder“, „das schaffst du“, „stell dich nicht so an“ oder „gib dir etwas Mühe“. Viel besser ist einfach zuhören, nachfragen und dann gemeinsam überlegen, was helfen könnte, fragen, was die Person sich wünscht oder braucht. Gesprächstipps auf www.wie-gehts-dir.ch

67 neue Stiftungen im 3. Quartal 2018

Im 3. Quartal kamen weitere 67 neue Stiftungen in unsere Plattform. Diesmal sind es gleichviel operative wie fördernde (26). Weitere 15 neue Stiftungen sind gemischt tätig. Erfasst wurden dabei die sog. klassischen gemeinnützigen Stiftungen, nicht jedoch z.B. die Wohlfahrtsstiftungen und Firmenstiftungen.

Wiederum am meisten Stiftungen gab es im Bereich Soziales, wobei in den obersten 4 Rängen dieselben Bereiche vertreten sind wie im Vorquartal. Interessant: Fast identisch zum Vorquartal ist mit 2,1 die durchschnittliche Zahl der Zwecke pro Stiftung.

Es gilt zu beachten, dass die meisten neu gegründeten Stiftungen in der Regel mehrere Monate Zeit brauchen, um ihre Arbeit aufnehmen zu können, unabhängig davon, ob sie nun operativ oder fördernd tätig sind. Und im Verlauf der Zeit, nach ersten Erfahrungen, ändern dann auch manche ihre Wirkungsform (reine Förderstiftungen mutieren zB zu gemischt tätigen Stiftungen) oder legen die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit neu. Die Stiftungslandschaft ist somit dauernd in Bewegung.

Stiftungen und Firmen als Förderer von Universitäten – ein spannendes Verhältnis

In Basel freuen wir uns über die Mega-Spende der Botnar-Stiftung an die Universität Basel und an das in Basel domizilierte Departement Biosysteme der ETH-Zürich für ein neuzugründendes Botnar Research Centre for Child Health. Und wieder einmal staunen wir über die ungebrochene Anziehungskraft der Schweiz für grosse Stiftungsvermögen.

Wie bedeutsam Universitäts- und Wissenschaftsförderung durch Stiftungen, Sponsoren und andere Private ist, haben Georg von Schnurbein und Tizian Fritz in ihrer aufschlussreichen Studie «Philanthropie für die Wissenschaft» 2014 erstmals für die Schweiz dargelegt. Demnach flossen im Zeitraum zwischen 2005 und 2012 im Rahmen von Stiftungsbeiträgen und privaten Forschungsmandaten universitären Hochschulen durchschnittlich 6 % ihres Gesamtaufwands zu. Allein im Jahr 2011 handelte es sich dabei um eine Summe von 440 Mio. Fr. Die 100 Mio. Fr., welche die Botnar Stiftung in den nächsten zehn Jahren in das nach ihr benannte Research Centre einschiessen will, zählt zu den grössten Zuwendungen an Schweizer Universitäten, neben der 150 Mio.Fr.-Spende von Hansjörg Wyss und Ernesto Bertarelli in ihren Biotech Campus in Genf und Lausanne, neben der testamentarischen 100 Mio. Fr.-Vergabung von Branco Weiss an die ETH Zürich, neben der 100-UBS-Millionen an den UBS Center for Economics in Society.

Mega-Spende – Heisses Eisen

Besonders die letzterwähnte Spende hatte gewaltige Diskussionen ausgelöst: Da die Vereinbarung zwischen der Sponsor-Bank und die Universität Zürich anfänglich nicht öffentlich gemacht worden war, schossen nicht nur viele Medien, sondern sogar Professoren der eigenen Uni gegen einen vermuteten «Deal». Bei der Berichterstattung über neue Stiftungsprofessuren oder Sponsoren für Universitäten ist Skepsis geradezu als Konstante zu beobachten. Der Argwohn der Medienschaffenden und Studierendenvertretungen gilt den Fragen: Bleibt die Freiheit der universitären Forschung gewährleistet? Nimmt die zahlende Förderstiftung Einfluss auf eine Lehrstuhlvergabe? Hat sie eventuell gar ein Mitspracherecht beim Forschungsdesign? Und bei der Verteilung der Sympathien schlägt folgender Antagonismus voll durch: hier professorale Forscher und Lehrer in Weiss, dort Sponsoren und Stiftungen mit möglicherweise obskuren Absichten.

Richtlinien schaffen Klarheit

Zur eingangs erwähnten Botnar Stiftungs-Spende sind kritische Töne bin anhin unterblieben – vernünftigerweise. Die Stiftung und die beiden involvierten Hochschulen haben transparent informiert. Und sie üben Transparenz auch noch nach dem Medienereignis, wie ich mich persönlich überzeugen konnte. Die Universität Basel gewährte mir auf Nachfrage anstandslos Einblick in die Fördervereinbarung, in der ich schon in der Präambel diese Formulierung vorfand: «Der Inhalt dieses Vertrags kann auf Anfrage offengelegt werden.»

Ganz offensichtlich hat die Universität Basel die Lehren aus dem Zürcher «UBS-Fall» im Jahr 2012 gezogen. Und andere Universitäten vermutlich auch. Eine nach der anderen haben sich die Schweizer Universitäten in den letzten vier Jahren neue Fundraising-Richtlinien gegeben oder bestehende Reglemente stark überarbeitet. Als eine der letzten die Uni Bern Anfang 2018 mit einem besonders differenzierten, umsichtigen Papier. Fast alle sind auf den Websites der Unis publiziert, ausser im Fall der Università della Svizzera Italiana, welche ihre Richtlinien als «intern» betrachtet. Etwas eigenartig auch dieses hier: Meine Anfrage an die HSG-Stiftung der Uni St. Gallen wurde von der Universitätsförderung beantwortet, mit dem Verweis auf eher rudimentäre, defensiv formulierte Informations- und Offenlegungsrichtlinien von 2010 auf der Website.

Die publizierten Richtlinien der Hochschulen sind in ihren Detaillierungsgraden recht unterschiedlich. Im Grundsatz sind aber etliche dieser Reglemente relativ ähnlich. Manchmal hat man den Eindruck, die Unis hätten sich gegenseitig abgeschrieben. In der Hochhaltung der Lehr- und Forschungsfreiheit sind sich alle einig. Nuancen bestehen selbstverständlich. Dass die Uni Zürich Barspenden ausschlägt, ist löblich. Dass die Basler wie die Zürcher nur von FINMA-beaufsichtigten Finanzinstituten Überweisungen annimmt, ist klug.

Stinkt Geld wirklich nicht?

Einige Universitäten berufen sich auf ihre Reputation, die sie durch Zuwendungen Dritter, die als möglicherweise problematisch betrachtet werden könnten, sich nicht beschädigen lassen wollen. Ethisch kontaminierte Gelder können für das Ansehen bald einmal toxisch wirken.

«Geld stinkt nicht!» – Ausser nach Nikotin beispielsweise. Die Uni Basel verzichtete vor einigen Jahren auf eine geplante Donation eines Tabakkonzerns, und zwar mit der Begründung «Die Universität Basel ist rauchfrei.». Auf meine entsprechende Nachfrage hin sagt mir ein Vertreter dieser Uni, dass sie nicht eine eigentliche «Negativliste» führen würden, sondern bei Spendenangeboten situativ entscheiden würden. Der Geschäftsführer einer Uni-Förderungs-Stiftung mit Negativliste schreibt: «Die üblichen verdächtigen Firmen (Tabak, Waffen etc.) sind ausgeschlossen». Man kann es mit einem anderen deutschen Sprichwort auch so formulieren: «Einem geschenkten Gaul schaut man heut’ ins Maul.»

Honni soit qui mal y pense!

Vereinzelte Universitäten haben – wie eben erwähnt – auch noch ihnen beigesellte Sammelstiftungen, die ihrerseits erfolgreiches Fundraising betreiben. Die UZH Foundation und die ETHZ Foundation werben jährlich mehrere Dutzend Millionen Franken ein, die sie für Projekte oder Professuren ihrer eigenen Hochschule einsetzen. Etwas auffällig ist, dass die den Hochschulen affiliierten Förderungsstiftungen auf ihren Websites deutlich lapidarere Richtlinien als ihre «Mutterhäuser» veröffentlichen. Mit dem Ziel der Transparenz und Kongruenz müssten aber die ethischen Standards der zuliefernden Uni-Förderungsstiftungen die Qualität der Richtlinien der Unis selbst erreichen. Und Zwecks Vertrauensbildung sollten beide veröffentlich werden. Es muss ja der potentielle Eindruck vermieden werden, es könnten problembehaftete Drittmittelbeiträge für universitäre Hochschulen im grossen Spendentopf der vorgelagerten Uni-Stiftungen «diluiert» werden.

 

Stecken Stiftungen in einem Dilemma? Privatmarktanlagen sind für Stiftungen attraktiv

Anlageklassen wie «Private Equity» und «Private Debt» können für eine Stiftung attraktiv sein: sie geben Zugang zu innovativen Unternehmen, die einen sozialen oder ökologischen «Impact» generieren. Gleichzeitig können sie höhere Renditen als traditionelle Anlagen erwirtschaften und so die potenzielle Wirkung der Stiftung zusätzlich steigern.

Grundsätzlich, so heisst es, sollen Stiftungen ihr Kapital in sichere, liquide und gleichzeitig Ertrag bringende Anlagen investieren. Jeder aktive Anleger weiss, dass er sich hier in einem Spannungsfeld befindet. Bei Privatmarktanlagen pointiert sich das Ganze: Während bei der jederzeitigen Liquidierbarkeit erhebliche Abstriche gemacht werden müssen, werden die anderen Dimensionen gestärkt: Zum einen wird der Ertrag verbessert, weil sich die geringe Liquidität in einer sogenannten Liquiditätsprämie bezahlt macht. Zum anderen wird tendenziell auch die Sicherheit gestärkt, denn diese Anlageklassen bieten für Anleger mit einem längeren Anlagehorizont und einer gewissen Risikobereitschaft mehr Möglichkeiten zur Diversifikation und Stabilisation des Portfolios.

Passt das wirklich zu einer Stiftung?

Vielleicht mehr als alle anderen Anleger sind Stiftungen fähig, in illiquide Anlagekategorien wie «Private Equity» und «Private Debt» zu investieren. Der Grund für diese Risikofähigkeit ist der regelmässig sehr lange Anlagehorizont, mit dem eine Stiftung rechnen und arbeiten kann – das Kapital soll oder darf zumeist nicht verbraucht werden und kann deshalb langfristig investiert sein. Der Lohn für diese lange Bindung und gewisse Risikobereitschaft ist eine markant höhere Renditeerwartung als bei Anlagen an liquiden Märkten.

Geringere Liquidität

Privatmarktanlagen definieren sich darüber, dass sie privat, also nicht an öffentlichen Märkten, gehandelt werden. Damit verbunden sind oft höhere Ein- und Ausstiegskosten und allgemein eine Aufgabe von Flexibilität. Bei einer langen Investitionsdauer sind aber die höheren Transaktionskosten weniger zentral. Und die geringere Flexibilität wird durch eine zusätzliche Prämie entschädigt.

Bessere Erträge

Die Risikoprämien bei Private-Equity-Anlagen dürften gemäss Expertenschätzungen bei etwa 3 % über jener von vergleichbaren Aktienanlagen liegen, jene von Private-Debt-Anlagen bei etwa 2 % über ihrem liquiden Pendent. Wohlgemerkt handelt es sich hier um Zusatzprämien, d.h. die «normalen» Erträge für die Übernahme von Schwankungs- und Ausfallrisiken sind nicht mitgerechnet. Zum grossen Teil können diese zusätzlichen Erträge auf die geringere Handelbarkeit der einzelnen Anlagen zurückgeführt werden und zu einem kleineren Teil auf die Komplexität, die hier tendenziell höher ist, als bei traditionellen Produkten.

Mehr Diversifikation, mehr «Impact»

Mit den besseren Ertragschancen gehen auch höhere Risiken einher. Dem Sicherheitsaspekt wird allerdings gedient, da diese Anlagen den Zugang zu ganz anderen Segmenten ermöglichen und damit zur Diversifikation eines Portfolios beitragen können. Das wahrscheinlich bekannteste und bei Stiftungen verbreitetste Privatmarkt-Engagement sind Micro-Finance-Produkte. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass mit einem solchen Investment nicht nur ein Diversifikationseffekt erzielt, sondern auch ein bewusster Schritt in der vermehrten Ausrichtung auf den «Impact» unternommen wird. Auch die Entstehung eines Schweizer Private-Equity- und Private-Debt-Marktes, wie er momentan beobachtet werden kann, ist für Stiftungen erfreulich und sollte den vermehrten Einstieg fördern.

Positive Dynamik

Wie bei allen Anlageentscheiden ist es wichtig, dass man versteht, in was man investiert. Die zunehmende Transparenz und eine bessere Regulierung tragen dazu bei, die Attraktivität von Privatmarktanlagen für Stiftungen zu erhöhen. Das Beispiel, mit dem Vorsorgeeinrichtungen, Lebensversicherer und grosse Stiftungen in der Schweiz teilweise seit Jahren vorangehen, sollte weitere Stiftungen ermutigen, die Chancen von Privatmarktanlagen für ihren Zweck zu nutzen.

Vielleicht hilft noch eine weitere Überlegung, die Berührungsängste mit «Private Equity» und «Private Debt» zu senken: Die grösste und wichtigste Anlageklasse in der Schweiz sind ebenfalls Privatmarktanlagen – nämlich jene in Immobilien.

Der Schweizer Stiftungstag 2018 – Stiftungen zwischen Freiheit, Regulierung und den Herausforderungen von heute

Mittwoch, 7. November 2018 im Zentrum Paul Klee, Bern

Wie soll man als Stiftung oder NPO mit den immer zahlreicher werdenden Regulierungen und den technischen Herausforderungen umgehen? Was haben beispielsweise die neuen Datenschutzregeln für Folgen für die tägliche Arbeit von Stiftungen und NPO? Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung? Welchen Stellenwert hat heute die Stifter-Freiheit?

Unter dem Motto «Stiftungen zwischen Freiheit, Regulierung und den Herausforderungen von heute» sprechen namhafte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und dem Stiftungswesen über ihre Erfahrungen und geben Einschätzungen sowie konkrete Handlungsempfehlungen. Die 30. proFonds-Tagung liefert praxisbezogene Informationen zu verschiedenen Aspekten der Stiftungsarbeit und orientiert über gesetzgeberische und behördliche Neuigkeiten. Veranstaltet wird der Schweizer Stiftungstag von proFonds, Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz.

Detaillierte Informationen zum Programm und das online Anmeldeformular finden Sie auf der proFonds-Website: www.profonds.org