Nachhaltigkeitskonzepte für Stiftungsvermögen: Sauber, grün, ethisch, sozial, verantwortungsvoll, wirksam…

Ein ganzer Katalog von wohlklingenden Attributen wurde in den letzten Jahren im Zusammenhang mit nachhaltigen Vermögensanlagen kreiert. Die merkliche Belebung der Diskussion zum Thema wurde vor allem geschürt durch die laufend zunehmende Transparenz im Anlagebereich, ein gestiegenes Bewusstsein für Umwelt- und Klimaprobleme, ein stark erweitertes Produktangebot und allgemein eine sich selbst verstärkende Dynamik. Stiftungen dürften sich aber noch mehr einbringen.

Viele Anleger bekunden immer noch Mühe mit dem Begriff der Nachhaltigkeit im Anlagebereich. Sie weisen darauf hin, dass keineswegs geklärt ist, was genau unter nachhaltigem Investieren verstanden werden soll. Dieser Befund ist richtig, er verwundert aber auch nicht wirklich, denn jedem Nachhaltigkeitsbegriff liegt ein bestimmtes Wertesystem zugrunde. Ein Wertesystem ist aber per se normativ, und es ist nicht absehbar, dass man sich irgendwann auf ein einheitliches System einigt. Entsprechend wird auch kaum ein flächendeckender Konsens zu finden sein, welche Arten von Vermögensanlagen nun «wirklich» verantwortungsvoll und nachhaltig sind.

Einige Tendenzen sind dennoch auszumachen. Bei den heute gängigen, in Kollektivanlagen umgesetzten Strategien der grossen Anbieter sind es zumeist die weitherum akzeptierten Nachhaltigkeitsgrundsätze, welche die Vereinten Nationen anlässlich von diversen Initiativen und Konferenzen verabschiedet haben. Jüngstes Beispiel dafür sind die 17 «Sustainable Development Goals», welche die UNO 2016 publiziert hat und die auch klar zu der eingangs erwähnten Wiederbelebung der Diskussion beigetragen haben.

Hat ein Anleger die Grundsätze einer Nachhaltigkeitsstrategie für sich formuliert, geht es an die Umsetzung. Dafür scheint sich ein mehrstufiges Konzept allgemein durchzusetzen. Gemäss diesem Konzept wird eine nachhaltige und verantwortungsvolle Anlagestrategie durch bis zu drei Säulen gestützt:

  1. Integration von sog. ESG-Kriterien in die Finanz- analyse (ESG = Environmental, Social, Governance): Die Kriterien beeinflussen die Bewertung und damit die relative Attraktivität eines Titels, um in ein Portfolio aufgenommen zu werden.
  2. Negatives Screening: Bestimmte Geschäftsfelder oder ganze Branchen werden ausgeschlossen (z.B. Streubomben, Kernenergie, Tabak);
  3. Positives Screening: Über sog. Best-in-Class Auswahlverfahren werden jene Unternehmen und Staaten herausgefiltert, die über das beste Nachhaltigkeitsprofil verfügen; für die Portfolio- konstruktion werden nur diese berücksichtigt.

Bei den ersten beiden Säulen geht es in erster Linie um eine Reduktion der Risiken, die sich aus einem nicht-nachhaltigen Verhalten ergeben. Bei der dritten Säule wird über das reine Risikomanagement hinausgegangen und aktiv nach Anlagemöglichkeiten gesucht, die für Umwelt und Gesellschaft einen überdurchschnittlichen Nutzen erbringen. Als weitere Steigerungsform kann im Positive Screening eine zusätzliche «Impact-Analyse» durchgeführt werden, welche explizit nur jene Unternehmen und Emittenten ins Anlageuniversum aufnimmt, deren Produkte eine signifikant positive Wirkung hinsichtlich der Lösung von drängenden ge- sellschaftlichen Problemen entfalten (siehe z.B. die 17 Sustainable Development Goals der UNO).

Eine weitere wichtige Säule des verantwortungsvollen Anlegens ist die sogenannte Active Ownership. Die Ausübung der Stimmrechte und der aktive Dialog mit den Unternehmen – auch durch einen Delegierten – können signifikante Impulse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung geben.

Viele vorbildliche Stiftungen gehören zu den Wegbe- reitern des nachhaltigen Anlegens. Andere müssen erst noch deutlich machen, welche ihrer Werte sie auch in den Vermögensanlagen widergespiegelt sehen möchten. Die oft zitierte und erhoffte nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft kann von diesem Diskurs nur profitieren.

> Swisscanto Invest ist das 100% Swiss Made Asset Management der Zürcher Kantonalbank. Sie ist Pionierin für nachhaltige Anlagen in der Schweiz und verfügt über ein umfassendes Produktangebot, in dem sämtliche Säulen einer nachhaltigen Anlagestrategie zur Anwendung kommen. www.swisscanto.ch/nachhaltigkeit

Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen – Tipps

  • Lokale und soziodemografische Faktoren sowie Traditionen, Werte und Einstellungen bestimmen mit, was Stiftungen unterstützen.
  • Anliegen des Denkmal- und Heimatschutzes finden eher Unterstützung von Stiftungen auf dem Land, wissenschaftliche und bildungsbezogene Anliegen finden eher Unterstützung von städtischen Stiftungen.

Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen

Stiftungen werden grundsätzlich entlang der Ballungsgebiete und entlang des verfügbaren Kapitals angesiedelt. Doch nicht nur die Anzahl von Stiftungen am Ort, sondern auch die begünstigten thematischen Wirkungsbereiche hängen von lokalen soziodemografischen Faktoren ab.

Vergleicht man die Wirkungsbereiche der Stiftungen, die in den fünf grössten Städten (Zürich, Basel, Genf, Bern und Lausanne) angesiedelt sind mit denen von zufällig ausgewählten 500 Stiftungen aus den Ortschaften mit den kleinsten Einwohnerzahlen (323 Gemeinden), werden teilweise deutliche Unterschiede in der Zweckstruktur sichtbar.

Denkmal- und Heimatschutz auf dem Land, Wissenschaft und Bildung in der Stadt

Wie die Tabelle illustriert, ist der Anteil von Stiftungen, die Projekte im Bereich Kunst, Kultur, Freizeit und Sport fördern in ländlichen, kleinen Gemeinden um 18% grösser als in den Städten. Dies ist insbesondere auf den spezifischen Bereich des Denkmals- und Heimatschutzes zurückzuführen. Auf dem Land dagegen untervertreten sind Stiftungen in den Bereichen Wissenschaft und Forschung, Bildung und Entwicklungszusammenarbeit. Schliesslich sind die Anteile der operativen Stiftungen auf dem Land höher und die geografischen Wirkungskreise eingeschränkter als in der Stadt.

Stiftungszwecke einkommensschwächere Gemeinden sind eher religiös geprägt

Vergleicht man die Eigenschaften von Stiftungen aus Gemeinden vergleichbarere Grösse, allerdings mit unterschiedlich hohen durchschnittlichen Netto-Einkommen der Einwohner (s. Tabelle, Teil rechts) stellen sich ebenfalls bedeutende Unterschiede in der Begünstigung heraus. Ähnlich wie Stiftungen in den Städten sind Stiftungen in einkommensstarken Gemeinden weniger im Bereich Denkmal- und Heimatschutz tätig, jedoch stärker in den eher progressiven Wirkungsbereichen wie Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit. Stiftungslandschaften in einkommensschwächeren Gemeinden charakterisieren sich dagegen durch höhere Anteile religiöser Stiftungen, einem höheren Anteil an operativen Stiftungen, einer stärkeren Zweckfokussierung und einem lokaleren Wirkungskreis.

Stiftungen orientieren sich an ortsspezifischen Bedürfnissen

Diese unterschiedliche Verteilung der Wirkungsbereiche nach Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen dürfte einerseits mit den verschiedenen lokalen Bedürfnissen bzw. den ansässigen Destinatären, aber auch mit bestehenden Infrastrukturen zu tun haben, die gewisse Stiftungsansiedlungen begünstigen. Andererseits ist die Themenausrichtung der Stiftungen möglicherweise von der Höhe des Stiftungskapitals abhängig. Einzig die sozialen Stiftungen scheinen diesen Kriterien zu trotzen: Sie sind, obwohl es Unterschiede in thematischen Unterkategorien gibt, unabhängig vom Urbanisierungsgrad und des Durchschnittseinkommens, immer etwa gleich stark, mit Anteilen von rund 40%, vertreten.

Einfluss des Urbanisierungsgrads und des Durchschnitteinkommens auf Stiftungseigenschaften. Tabelle VMI

Jugendliche sind die Zukunft der Gesellschaft: Daher sollten sie auch mitreden und mitbestimmen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Sie es schaffen könnten, Jugendliche für Ihre Organisation zu begeistern? Oder haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Sie es schaffen könnten, das Potential an Ideen und Kreativität der Jugend in Ihre Organisation zu bringen?

Ich kann Sie beruhigen – da sind Sie nicht alleine. Seien es Stiftungen, Parteien oder Vereine – sie alle stehen oft vor der selben Frage: wie bekomme ich mehr Jugendliche in meine Organisation und wie kann ich den Nachwuchs sicherstellen?
Die Antwort ist simpel: Partizipation. Denn je mehr Jugendliche mitreden und auch mitbestimmen können, umso stärker fühlen sie sich der Organisation verbunden und umso eher bleiben sie ihr treu.

Doch wie so oft: in der Theorie klingt es einfach – in der Praxis ist es aber voller Herausforderungen.

Und genau hier setzt das Projekt WIR REDEN MIT! an. Mit dem Ziel Kinder- und Jugendpartizipation in Schweizer Vereinen zu stärken, implementiert die Kinderrechtsorganisation Plan International Schweiz während drei Jahren das Projekt. Denn Partizipation fördert nicht nur die Entwicklung von jungen Menschen, sondern bietet auch für Vereine und unsere Gesellschaft viele Vorteile:

  1. Durch die Mitbestimmung von Jugendlichen in Schweizer Vereinen werden nicht nur die Jugendlichen selber gestärkt, sondern das Vereinsleben wird so relevanter für die jungen Mitglieder und sie bleiben dem Verein länger treu.
  2. Das wiederum hilft dem Verein, seinen Nachwuchs sicherzustellen und neue Mitglieder zu gewinnen.
  3. Und zu guter Letzt fördert dies auch die Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft. Denn mit über 100’000 Vereinen in der Schweiz bilden diese einen wichtigen Ort unseres gesellschaftlichen Lebens. Ausserdem fördert Partizipation die Entwicklung zu fähigen und eigenständigen Menschen mit einer eigenen Meinung: ein wichtiger Baustein jeder Demokratie

Um diese Ziele zu erreichen wurde im Rahmen des Projektes WIR REDEN MIT! vor kurzem eine neue Webseite lanciert. Die Webseite (www.wirredenmit-vereine.ch) dient als Leitfaden, Anlaufstelle und Hilfestellung für Vereine jeglicher Art, die ihre Kinder und Jugendliche mehr einbeziehen wollen, oder Jugendliche mehr für ihren Verein begeistern möchten. Die Inhalte basieren auf den Erfahrungen von über 20 Vereinen und sind alltagsnah, praxisrelevant und verständlich aufbereitet.

Die Leser*in erfährt, welche Rahmenbedingungen es braucht und welche Möglichkeiten es gibt, damit Jugendliche im Verein mitbestimmen können und wollen. Ausserdem finden sie Inspiration in über 15 Portraits von «best practice» Vereinen. Für einen ersten Eindruck zur Seite sind hier 3 der 10 Tipps für mehr Partizipation:

  • Wenn Sie nicht wissen, was die Kinder und Jugendlichen in Ihrem Verein möchten, dann fragen Sie sie – so simpel das klingt!
  • Jedes Kind, jeder junge Mensch hat Stärken und Fähigkeiten. Wenn also eine Jugendliche besonders gut fotografieren kann, könnte sie die Verantwortung für die Vereinsfotos übernehmen. Schauen Sie gemeinsam, wo die Stärken und Interessen der einzelnen liegen.
  • Damit Jugendliche Verantwortung übernehmen können, brauchen sie Vertrauen und Freiraum. Trotzdem ist es wichtig, als Ansprechperson und Unterstützung da zu sein. Suchen Sie hier einenoptimalen Mittelweg und schauen Sie mit den Jugendlichen, wie viel Unterstützung sie brauchen. Oft benötigen sie mit der Zeit weniger.

Umfassende Informationen:

Projekt WIR REDEN MIT: www.plan.ch/wirredenmit
Plan International Schweiz: www.plan.ch
Leitfaden: www.wirredenmit-vereine.ch
Vereinslandschaft in der Schweiz: https://www.vitaminb.ch/publikationen/vereine_der_schweiz/

5 Wege aus der E-Mail Tretmühle

E-Mails gehören zu den grössten Zeitkillern. Führungskräfte erhalten heute rund 30’000 E-Mails pro Jahr, Tendenz steigend. Die E-Mail-Flut lässt sich kaum eindämmen.

Das Problem zu bekämpfen bringt nichts. Um den Ausgang aus der E-Mail-Tretmühle zu finden und gleichzeitig die Produktivität zu verbessern, gibt es nur eine Lösung. Etablieren Sie eine zuverlässige Systematik, um die Kontrolle über den Posteingang (wieder) zu übernehmen.

Probieren Sie die folgenden fünf Empfehlungen. Bei mir funktioniert’s.

  1. Lassen Sie sich unterwegs nicht von E-Mails ablenken. Löschen Sie Ihre Postfächer auf den Mobilgeräten!Kaum jemand kann die Neugier beim Aufblinken des Postfachsymbols auf dem Smartphone bezwingen. E-Mails werden beim Shopping, im Theater, beim Sport, am Esstisch, auf der Toilette, beim Aufstehen, beim Schlafgehen … gelesen.Ein schreckliches Verhalten, das absolut unnötig ist, denn kaum jemand ist nicht täglich auf dem Computer online.Wenn Sie die E-Mail-Postfächer auf den mobilen Geräten löschen, werden Sie ein anderer, gesünderer Mensch. Sie haben keinen Drang mehr, sofort antworten zu wollen. Niemand kann unterwegs mehr Ihre Gedanken in Geiselhaft nehmen. Sie verhalten sich nicht mehr respektlos gegenüber anderen Menschen und gegenüber sich selbst.
  2. Legen Sie bestimmte Zeiten für das Lesen, Beantworten und Löschen von E-Mails fest – für mich ideal gegen Ende des Tages. Auf jeden Fall nicht während der eigenen „Hochleistungszeit“. Verwalten Sie E-Mails ausserhalb Ihrer wertvollen, kreativen Stunden.
  3. Versuchen Sie eine Aufgabe nur einmal anzufassen. Richten Sie deshalb die Darstellung Ihres E-Mail-Programms so ein, dass Sie ohne Klick erkennen können, ob die Erledigung mehr als fünf Minuten benötigt.Falls weniger als fünf Minuten, sofort erledigen und E-Mail löschen. Erledigte E-Mails nie in der Inbox lassen! Alle E-Mails, die nicht in 5 Minuten bearbeitet werden können in Prioritäts- oder Wochen-und Tagesordner verschieben. Evtl. dem Sender mitteilen, bis wann er mit einer Antwort rechnen kann.Dieses Vorgehen reduziert Belastung, da Sie nicht mehr daran denken müssen, und ist effizienter, da Sie dasselbe nicht nochmals lesen und beurteilen müssen.
  4. Bereinigen Sie auf jeden Fall am Ende des Arbeitstages Ihren Posteingang. Keine E-Mail darf unbeantwortet, resp. unbehandelt sein. Das beruhigt und Sie können sich danach auf wichtigere Dinge konzentrieren.Zudem helfen Sie anderen, weiterarbeiten zu können und Sie vergessen oder übersehen keine wichtigen Details, was zu mehr Vertrauen führt, weil Sie zuverlässig sind.
  5. Benutzen Sie den Posteingang nicht als Pendenzenliste. Sondern tragen Sie alle Aufgaben in den Kalender ein, oder benutzen Sie ein „richtiges“ Task Management-Tool. Forschungsergebnisse zeigen, dass erstens nur 41 % der Aufgaben auf Pendenzenlisten wirklich erledigt werden. Und zweitens führt die dauernde Betrachtung des Unerledigten zu Stress und sogar Schlafstörungen.

Wie «politisch» darf eine Stiftung sein

Förderstiftungen halten sich in der Schweiz traditionell aus dem politischen Dialog heraus. Doch mit der Professionalisierung und der Fokussierung auf spezifische Themenfelder haben sich die Voraussetzungen geändert. Themenarbeit bedeutet auch, dass man jene Prozesse mit beeinflusst, welche die Rahmenbedingungen eines Problems definieren. Auch Förderstiftungen kommen deshalb nicht darum herum, sich mit dem politischen Umfeld zu beschäftigen.

Die Entwicklung der Fördertätigkeit von Stiftungen wurde in den letzten Jahren stark beeinflusst durch ihre Professionalisierung, die auch den Anspruch an die eigene Wirkung stark verändert hat. Die Förderung soll evidenzbasiert und wirkungsorientiert sein. Dieser Anspruch hat folgerichtig zur Themenfokussierung vieler Förderer geführt.

Diese Fokussierung hat eine wichtige Konsequenz zur Folge: Spätestens nachdem man die Forschungsgrundlagen erarbeitet, innovative Projekte entwickelt und bewährte Arbeitsansätze ausgerollt und implementiert hat, kommt man nicht umhin, über die Rahmenbedingungen zu sprechen, in denen die entsprechenden Themen eingebettet sind. Ob in der Bildung, der Migration, der Ökologie oder der Gesundheit, es sind immer auch die gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die diese Bereiche markant mitprägen.

Wirkung ist abhängig von den Rahmenbedingungen

Die Wirkung, die man erzielt, ist in erheblichem Mass von diesem Rahmen abhängig. Hier muss jede Stiftung entscheiden, ob sie an der politischen Verhandlung dieser Rahmenbedingungen teilnimmt, sie evtl. sogar so zu beeinflussen versucht, dass man dem Erreichen des Wirkungsziels etwas näher kommt. Sei es bei der Frühförderung, der Inklusion von Menschen mit einer Beeinträchtigung oder der Chancengerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, man kommt kaum darum herum, sich zu äussern – denn sich nicht zu äussern ist ebenso «politisch».

Advocacy ist ein wichtiger Teil der Arbeit

In Diskussionen hört man zwar oft, dies sei nicht die Aufgabe von Förderern. Doch Förderung hat immer vier mögliche Zielbereiche:

  1. Die Schaffung der notwendigen Grundlagen durch Forschungsförderung.
  2. Die Entwicklung neuer Lösungsansätze durch Innovationsförderung.
  3. Die Ausbreitung von bewährten Arbeitsansätzen durch Mulitplikationsförderung.
  4. Die Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen durch Advocacy oder deren Förderung.

Der Bereich Advocacy wird von den meisten Stiftungen als nebensächlich betrachtet, oft mit dem Hinweis auf die Stiftungsurkunde, welche die eigene Organisation als «überparteilich und überkonfessionell» ausweist. Doch es geht weder um Parteien noch um Konfessionen, sondern um jene Faktoren, die das Erreichen des Stiftungsziels mitbestimmen. Und dies ist nicht nur die operative Arbeit oder die Forschung.

Zeit, Erfahrungen zu sammeln

Im Schweizer Konkordanz-System spielt der NPO-Bereich eine ungleich wichtigere Rolle als in anderen Demokratien. Seit 200 Jahren, spätestens seit der Gründung der SGG, bestimmt der 3. Sektor ganz massgeblich mit, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt. Hier besteht ein Handlungsspielraum, der auch von Förderstiftungen bewusst genutzt werden soll – eine alte Tradition, die wieder neu gelernt werden muss.

Weiterentwicklung unseres digitalen Angebots

Zusammen mit der Zürcher Kantonalbank, unserer strategischen Partnerin, bauen wir unsere Angebotspalette künftig noch stärker aus. Mit erweiterten Ressourcen treiben wir die Digitalisierung im Stiftungs- und Philanthropiesektor voran, wodurch wir die Effizienz, die Transparenz und den aktiven Dialog steigern und fördern.

Weiterführende Informationen zur Partnerschaft in der Medienmitteilung

 

«Heimatort – Steuer» – Best Practice zur Erhöhung des Spendenvolumens?

Was treibt das Spendenverhalten der Bürger und wie können Staat und gemeinnützige Akteure sie dazu animieren, mehr zu spenden? Dazu muss ich einfach nochmals aus Japan berichten, wo sich dazu Erstaunliches ereignete.

Japaner spenden etwa 0.2% ihres BIPs, also im Vergleich zum ewigen Spitzenreiter USA mit 2.12% eher wenig. Doch wenn es eine Spendenkampagne gab, die es zu einem nationalen Hit gebracht hat, war es das von der japanischen Regierung 2008 eingeführte Steueranreizsystem, der «Heimatort-Steuer».

Trotz der Verwendung des Wortes „Steuer“, handelt es sich hier eigentlich um eine Spendenmöglichkeit. Der Steuerzahler kann einen steuerlich abzugsfähigen Beitrag direkt an eine Gemeinde seiner Wahl leisten. Wenn er möchte kann er auch aus einem von Lokalverwaltungen definierten Vorhaben wählen. Ziel ist, die wirtschaftliche Entwicklung in ländliche Gemeinden zu unterstützen und attraktiv für den Tourismus zu werden. Denn in Japan lebt 70% der Bevölkerung in wenigen Grossstädten. Die seit Jahrzehnten andauernde Kombination von Landflucht und Überalterung der Gesellschaft hat viele Gemeinden in prekäre finanzielle Notlagen gebracht.

Die Initiative lief nur schleppend an und bei 50 Mio. Steuerzahlern dümpelten die Spendeneinnahmen bei CHF 55 Mio. pro Jahr – bis 2012. Seither verzehnfachte sich der Betrag innerhalb von drei Jahren. 2017 wurden die 1’788 Gemeindeverwaltungen mit zusätzlichen Einnahmen von total CHF 3.1 Mrd. beglückt. Was war geschehen?

2012 gründete eine findige junge Frau ein Webportal, das sämtliche von Gemeinden angebotenen Geschenke auflistete. Sie haben richtig gehört. Eine Besonderheit des Heimatort-Steuer ist, dass viele Gemeinden als Zeichen des Dankes ein Geschenk verschicken. Der Wert darf 30% des Spendenbetrages nicht überschreiten und muss lokal produziert sein. So unterstützt der Spender einerseits direkt eine Gemeinde und fördert andererseits den Absatz dortiger Betriebe.

Im Foodie-Land Japan handelt es sich überwiegend um kulinarische Spezialitäten wie Fleisch, Fisch, Reis oder Reiswein aber von Kleidung bis zu Rollstühlen gibt es alles. Stellen Sie sich das Portal einfach vor wie die Seite von coop@home mit 180’000 Artikeln. Man kann nach Region, Betrag, Dankesgeschenk oder Zweck (Sozial-, Kultur, Bildungs-, Umweltbereich oder neuerdings auch lokale Katastrophenhilfe) suchen. Ich war kürzlich in Japan und praktisch alle meine Freunde tischten mir begeistert Pfirsiche aus Heiseizinsan (wo ist das??) oder Krebse aus Hokkaido auf. Viele hatten nie zuvor gespendet.

Das System wird momentan komplett überarbeitet, da es bei der Umsetzung noch Mängel gibt. Interessant für mich ist jedoch hier nur, weshalb so viele Menschen spenden:

  1. Reziprozität: Man erhält etwas Konkretes zurück mit sinnvollem Bezug zur Spende
  2. Wahlmöglichkeit: Gefühl eines aktiven Beitrags zu den öffentlichen Ausgaben (im Gegensatz zu Steuern)
  3. Einfachheit: Transparente und one-stop Möglichkeit, den Spendenbetrag zu verteilen
  4. Kollektivität: Gefühl und Nachweis, Grosses gemeinsam mit anderen bewirken zu können

Bei Punkt 1 sehe ich förmlich einige Leser die Stirn runzeln. Spenden sollte doch altruistisch sein! Aber entgehen einem Fundraiser nicht Potentiale, wenn er bei seiner Strategie nicht alle Motive des Spendens beachtet? Sehr lesenswert dazu die Erkenntnisse einer Studie über Spenderverhalten in den USA, exzellent zusammengefasst von Pascale Bourquin!

CEPS: Zehn Jahre Philanthropie-Kompetenz an der Universität Basel

CEPS: zehn Jahre Philanthropie-Kompetenz an der Universität Basel

Was sind schon zehn Jahre an einer über 550-jährigen Universität? Fast nichts. Aber im dynamisch gewordenen Philanthropie- und Stiftungssektor sind zehn Jahre beinahe eine halbe Ewigkeit. Am 26. November 2008 erlebte das CEPS, das Center for Philanthropy Studies der Universität Basel, seine Gründungsfeier. Im vergangenen Jahrzehnt ist dieses Institut zu einem unverzichtbaren Think Tank für eine ganze Branche geworden.

Eine glänzende Erfolgsgeschichte

Das CEPS begleitet unseren Dritten Sektor und unterstützt ihn durch seine Leistungen für die universitäre Forschung und Lehre sowie für die Weiterbildung – auch über Studien und Beratungen oder an Konferenzen. Es prägt die Branche durch kluge Einwürfe über alle Medien, von der wissenschaftlichen Publikation zum breit gestreuten Newsletter, vom Studienseminar zum niederschwelligen Morgen-Workshop. Das CEPS ist über Symposien und Publikationen auch international beeindruckend unterwegs und trägt so zum Renommée des Schweizer Stiftungsplatzes bei. Aus meiner Sicht ist das CEPS eine einzige Erfolgsgeschichte wie bei seiner Entstehung wohl kaum jemand in diesem Ausmass erwartet hätte.

Dieser Erfolg ist das Verdienst ihres Gründungsdirektors Prof. Dr. Georg von Schnurbein, der mit einem interdisziplinär aufgestellten Mitarbeiterstab eine erstaunliche Dynamik an den Tag legt. In den Medien dauerpräsent, erklärt er der Schweiz auf allen Kanälen eloquent die unterschiedlichsten Phänomene von Philanthropie, zuletzt z.B. die Milliardenspende von Hansjörg Wyss für den Umweltschutz. Im universitären Lehrplan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hat von Schnurbein schon längst Fuss gefasst. Seine ersten Promovierten verdienen auf dem Arbeitsmarkt ihre Sporen ab. Zu Hunderten haben die Weiterbildungsanwärterinnen mit den CAS und DAS zu NPO-Themen ihre ECTS-Punkte erworben oder die Intensiv-Lehrgänge in Stiftungsmanagement absolviert.

Die Interdisziplinarität und Multifunktionalität, welche das CEPS in seinem beeindruckenden Leistungsspektrum praktiziert, schlägt sich in der vielgestaltigen Philanthropie-, Stiftungs- und NPO-Szene unseres Landes nieder, zunehmend auch in der Suisse Romande. Die Intensität der Taktung des CEPS lässt sich auch an der Website des CEPS ablesen, welche zu einer ausgebauten Informations- und Service-Plattform geworden ist. Und in gar nicht so grossen Zeitabständen kann man dort so seine Überraschungen erleben – kürzlich zum Beispiel bei der Konsultation der neu aufgeschalteten Stiftungsstatistik des CEPS als Online-Tool.

Wie es zu all dem kam und wie es weitergehen wird

Die Schaffung des CEPS hatte etwas Pionierhaftes: 2008 existierten in Europa gerade mal drei derartige Institutionen; heute sind es über zwanzig. Am Anfang des CEPS hatte das Ziel von SwissFoundations gestanden, den in Umbruch befindlichen Stiftungssektor mit einer Hochschuldisziplin aufzuwerten. Koordiniert durch diesen Verband schlossen sich sechs Förderstiftungen zu einem Konsortium zusammen, das eine fünfjährige Anschubfinanzierung sicherstellte. Der Steigflug des CEPS und die darauf basierenden guten Evaluationsberichte animierten 2013 das (teilweise modifizierte) Konsortium zur finanziellen Sicherstellung einer weiteren fünfjährigen Ausbauperiode. Und soeben konnte das CEPS melden, dass für eine dritte Fünfjahresperiode ab 2019 sich nochmals neun Stiftung für eine Mitfinanzierung engagieren. Darunter befinden sich die Avina Stiftung, die Sophie und Karl Binding Stiftung, die Gebert Rüf Stiftung und die Ernst Göhner Stiftung, die mit ihrer – schlussendlich dann fünfzehnjährigen – Unterstützung des CEPS ein deutliches Zeichen kontinuierlicher Förderpolitik aussenden.
Aus Anlass seines zehnten Geburtstags organisiert das Basler Institut im Rahmen des Formats «CEPS on Tour» zehn Veranstaltungen an verschiedenen Standorten in der deutschen und französischen Schweiz. Gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern diskutiert das CEPS dabei aktuelle Themen zu Philanthropie und Gesellschaft. Sich selbst – und der Universität Basel – schenkt sich das CEPS zum runden Jubiläum eine Tagung, die 1. Basel Convention on Philanthropy, die am 19./20. November 2018 durchgeführt wird.
In ihrer internationalen Ausrichtung spiegelt diese hochkarätige Veranstaltung auf gewisse Weise ein Anliegen, dessen Erfüllung Georg von Schnurbein vorschwebt: die Schaffung einer Professur für Global Philanthropy an der Universität Basel. Bestimmt wird von Schnurbein auch diesen Pfeil aus seinem Köcher ziehen und dieses Ziel dann bald einmal erreichen.

Weiterführende Informationen:
www.ceps.unibas.ch
www.philanthropyconvention.org