Workshop Nullzinsen und Risikoangst. Gibt es einen Ausweg? 4. Juni 2019

Finanzmanagement für NPOs

Sie sind verpflichtet, das Stiftungs-/Vereinskapital zu erhalten? Dann befinden Sie sich schon seit Jahren in einer unangenehmen Situation.
Die Zinsen aus Obligationen sind Null und die Dividenden aus Aktien kommen mit hohen Kapitalrisiken.

Gibt es einen Ausweg oder muss man das kleine Einmaleins des Anlegens vollständig über den Haufen werfen?

Inhalt

  • Wie kann die maximal akzeptable Aktienquote bestimmt werden?
  • Welche Aktien und Fonds eignen sich?
  • Wie helfen die Erkenntnisse aus der Theorie und Praxis der Risikotoleranz?

Ziel

  • Nach dem Workshop mit Christian Hafner wissen Sie, wie relevant mehrjährige Budgets für die Bestimmung der Risikofähigkeit sind und welche Optionen zur Lösung des Dilemmas zwischen Nullzinsen und Risikoangst bestehen.

Methodik

  • Wissensinput mit Diskussion
  • Berechnung Risikofähigkeit mit ALM-Methode

Weitere Informationen und Anmeldung

Workshop – Wirkungsvolles Stiftungsfundraising | 16. April 2019

NPO-Management Workshop mit Peter Buss, NonproCons

Auch im Stiftungsfundraising hat sich der Wettbewerb unter den Gesuchstellern verschärft. Falsch aufbereitete und schlecht dokumentierte Gesuche wandern in den Papierkorb.

Wie kann ich mir da Gehör verschaffen?
Wie gehe ich richtig vor?

Der Workshop vermittelt grundsätzliches Wissen zum Fundraising mit Förderstiftungen und worauf man bei der Gesuchstellung besonders achten sollte und zeigt Ihnen die „State of the Art“ des heutigen Stiftungsfundraisings. Inhalt: Es kommen u.a. die folgenden Fragen zur Sprache:

  • Eignet sich mein Projekt oder Vorhaben, um es Förderstiftungen vorzulegen?
  • Wie sieht eine gute Projektdokumentation aus, die man den Förderstiftungen vorlegt (Inhalt, Umfang, Darstellung)?
  • Wie sollte das Begleitschreiben verfasst sein?
  • Wie führe ich den Erstkontakt durch?
  • Wie geht man mit Absagen um?
  • Wie verdanke ich den Beitrag?
  • Was tut man, um den Kontakt zu halten?

Sie erhalten schliesslich auch Einblick in modernste Recherche-Tools und diskutieren die Vorteile und Nachteile der verfügbaren Informationsquellen. Spezial: Persönliche Nachbetreuung durch individuellen Check-Up Ihrer überarbeiteten Gesuchsunterlagen.

Ziele des Workshops sind:
Sie wissen, wie Stiftungsfundraising funktioniert / Sie kennen die wesentlichen Elemente des Fundraising-Mix und können diese für das Fundraising bei Förderstiftungen einsetzen / Sie wissen, wie ein gutes Gesuch an Förderstiftungen aufgebaut ist und können dieses Wissen auf die eigene Situation anwenden. Methodik: Wissensinput mit Diskussion; selbständige praktische Arbeit am eigenen Projekt mit Präsentation

Weitere Informationen zum Workshop

Anmeldung

Wirkung strategisch denken

Wirkungsmessung ist seit zwei Jahrzehnten ein wichtiges Thema in der Förderung. Dies hat zur grundsätzlichen Aussage geführt, dass NPO wirkungsorientiert arbeiten sollen. Doch wenn dies so ist, dann reicht es nicht, in Projekten jeweils eine Wirkungserhebung einzuplanen. «Wirkungsorientiert» ist ein strategischer Begriff.

Werden heute Projektkonzepte und Fördergesuche geschrieben, so gehört ein Evaluationskonzept dazu. Die Geschichte begann mir der Kosten-Nutzen-Analyse der 60er-Jahre, ging weiter zum Logframe der 80er und der Sozialbilanz der 90er und wird heute, vom Randomised Control Trial bis zum SROI, in einer grossen Breite durchgespielt. Doch nur auf Grund einer Wirkungsanalyse in einem Projekt ist noch keine Organisation «wirkungsorientiert».

Quelle: Kursbuch Wirkung, Edition Schweiz, 2018

 

Wirkung als Querschnittaufgabe

Die Kernfrage jeder NPO ist, ob sie an den Verhältnissen etwas ändern, das heisst: «Machen wir einen Unterschied?» Wenn nicht, kann man den Betrieb getrost einstellen, auch wenn die NPO regelmässig einen Gewinn erwirtschaftet. Finanzieller Bestand ist höchstens Mittel zum Zweck, es ist keine Legitimation für die Existenz einer NPO.

Um Wirkung zu erreichen, braucht es mehr als ein Wirkungsmodell in jedem Projektkonzept und eine Messübung. Die Aufgabe muss grundsätzlich angegangen werden, zuallererst auf der strategischen Ebene.

 

Strategisch: Teil 1 – die Grundlagen schaffen

  1. Wirkungsziele
    Welches sind unsere konkreten Wirkungsziele für die nächsten Jahre, abgeleitet von unserem Zweck, der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung und Erkenntnissen aus Forschung und Facharbeit?
  2. Wirkungsmodell
    Welche Vorstellung haben wir, wie wir diese Wirkungsziele erreichen? Es braucht eine Theory of Change für die Arbeit der ganzen Organisation.
  3. Interventionsebene
    Auf welcher Ebene fördern oder arbeiten wir? Fördern wir Forschung, um das notwenige Wissen zu erarbeiten? Fördern wir neue Arbeitsansätze in Projekten oder die Sicherung und Ausbreitung von bewährten Angeboten? Oder ermöglichen wir den gesellschaftlichen Dialog?
  4. Eigene Kompetenz
    Welche Kompetenz und Personal sind bei uns notwendig – ob Förderer oder umsetzende NPO – um mit dem gewählten Wirkungsmodell und der angestrebten Interventionsebene Wirkung erzielen zu können?

 

Strategisch: Teil 2 – Die Erkenntnisse nutzen

Hat man diese strategischen Schritte gemacht, beginnt erst jener Teil der Arbeit, der im Bereich Wirkungsanalyse bisher abgehandelt wird.

Nach dieser Analyse sind jedoch wichtige weitere Schritte zu leisten, wie die Überprüfung der Ziele, die Nutzung für das interne Lernen und der Einsatz der Erkenntnisse für die Kommunikation.

Oft ist Wirkungsanalyse reine Legitimierungsarbeit. Wollen wir dem Begriff der wirkungsorientierten Arbeit näherkommen, müssen wir diese Aufgabe strategisch verstehen. Wir brauchen – so wie Profitunternehmen ein Finanzmanagement – ein Wirkungsmanagement für NPO.


Wenn Sie sich fundiertes Wissen aneignen möchten, empfehlen wir die Teilnahme am «Zertifikatslehrgang Wirkungsmanagement in NPO». In diesem Lehrgang lernen Sie auf effiziente und kompakte Art die Grundzüge der wirkungsorientierten Arbeit – von der strategischen Projektplanung bis hin zur gezielten Nutzung der Wirkungsdaten in der Kommunikation und internen Weiterbildung. Informationen und Anmeldung

Mehr Transparenz bei der Nachfolge in Stiftungen

Niemand weiss, wie viele Stiftungen in den nächsten Jahren ihre Nachfolge regeln müssen. Wegen der demographischen Veränderung dürfte sich die Zahl in Analogie zu den Unternehmensnachfolgen bewegen. Zieht man die in der NZZ publizierten Zahlen zum Unternehmertag zu Rate, muss rund ein Achtel der Unternehmen1 ihre Nachfolge regeln. Umgelegt auf die rund 13’000 Stiftungen in der Schweiz wären das 1’625 Stiftungen mit Bedarf für die Nachfolgeregelung.

Die Nachfolge bei Stiftungen zu regeln, bedeutet zugegebenermassen nicht dasselbe wie bei Unternehmen, da bei Stiftungen keine Eigentumsnachfolge notwendig ist. Hingegen haben die Leitungsorgane von Unternehmen und Stiftungen das gleiche ‚Ablaufdatum’. Insofern ist die Zahl von 1’625 Stiftungen vermutlich sogar zu tief geschätzt, da wohl im Durchschnitt mehr als ein Stiftungsratsmitglied in den nächsten Jahren ersetzt werden muss.

Stiftungen sind schwach reguliert. Die Aufsicht muss im Grundsatz nur eingreifen, wenn eine Stiftung ihren Zweck nicht mehr erfüllt. Sie kann die Steuerbefreiung entziehen, oder wenn dauerhaft keine Zweckerfüllung mehr möglich erscheint, die Auflösung prüfen. Da die allermeisten Stiftungen wegen der steuerlichen Privilegien im öffentlichen Interesse stehen bzw. stehen müssten, sind Unvereinbarkeiten wegen der schwachen Regulierung ernst zu nehmen.

Unternehmen mit einem öffentlichen Interesse, wie börsenkotierte Aktiengesellschaften, werden regulatorisch oft hart an die Kandare genommen. Selbst an reine Empfehlungen, wie der Swiss Code of Best Practice, müssen sie sich halten, da sie sonst de facto vom Kreditmarkt ausgeschlossen werden. Im Gegensatz dazu die Stiftungen, welche auf freiwilliger Basis den Empfehlungen des Swiss Foundation Code folgen können, aber bei Nichtbeachtung nicht mit (Markt-)Sanktionen rechnen müssen.

Zwei Mal öffentliches Interesse und trotzdem wird in gleich wichtigen Governance-Fragen unterschiedlich reguliert. Das ist unschön, insbesondere wenn es um die Besetzung der Leitungsorgane geht. Kapitalgesellschaften und Vereine verfügen über einen Wahlkörper und zweistufige Leitungsorgane. Stiftungen oft nur über eine Stufe, weshalb der Stiftungsrat selbst die Geschäfte führt und seine Nachfolger ernennt. Das ist eigentlich störend, da der Stiftungsrat schliesslich der Garant für die Einhaltung und Ausübung des Stiftungszwecks ist. So sollte wenigstens Transparenz darüber herrschen, wie die Nachfolger gesucht und gefunden werden.

Es wäre nicht zu viel verlangt, wenn Stiftungen ihre Nachfolge mit öffentlichen Ausschreibungen regeln müssten, und die Aufsicht oder – bei revisionspflichten Stiftungen – der Wirtschaftsprüfer dieses Vorgehen prüfen müsste. Bei ca. 500 Nachfolgefällen2 pro Jahr, wäre das keine grosse zusätzliche Last, würde aber das öffentliche Ansehen und das Vertrauen in den Stiftungssektor stärken.

20 Fakten zum Unternehmerland Schweiz, NZZ-Verlagsbeilage vom 20. Februar 2019, S. 4 und 5. Gemäss einer Analyse von Bisnode D&B müssen 73’786 Schweizer Unternehmen in den nächsten Jahren ihre Nachfolge regeln, und das BFS zählte 2016 601’755 Unternehmen.
1625 Nachfolgefälle mal 1,5 (Anzahl zu ersetzende Stiftungsratsmitglieder) verteilt über ca. 5 Jahre.

Verbände auf digitalen Pfaden

Tipps

  • Eine NPO sollte ihren Medienmix regelmässig dahingehend prüfen, ob dieser den Zielgruppen und Kommunikationszielen entspricht. Auf Social Media zu setzen ist nur dann sinnvoll, wenn die Anspruchsgruppen auch dort vertreten sind.
  • Eine gute und ansprechende Website ist ein Muss, zumal sie eine Art Schaufenster für den Verband darstellt. Ausgestattet mit interaktiven Elementen erlaubt sie einen Austausch mit den Verbandsmitgliedern.

Verbände auf digitalen Pfaden

Die Digitalisierung hat im Kommunikationsbereich längst Einzug gehalten. Auch Verbände in der Schweiz können sich diesen Entwicklungen nicht entziehen. Wie stark sie sich bereits darauf eingestellt haben, zeigt die Studie zur Vereins- und Verbandskommunikation von VMI und Stämpfli AG 1.

Dank der Digitalisierung haben wir mehr Möglichkeiten, zu kommunizieren und an Informationen zu gelangen. Gleichzeitig wird die Mediennutzung heterogener. So stehen auch NPO zunehmend vor der Herausforderung, relevante Inhalte über passende Kanäle an ihre Stakeholder zu vermitteln. Eine Erhebung von VMI und Stämpfli AG aus dem Herbst 2017 zeigt u. a. auf, wie stark Verbände in der Schweiz auf Online-Kanäle setzen.

Selektiver Einsatz durch NPO
Fast alle befragten Organisationen setzen Online-Kanäle ein, wobei die eigene Website am wichtigsten ist: Praktisch jeder Verband verfügt über einen entsprechenden Web-Auftritt und bewirtschaftet diesen sehr intensiv (vgl. Tab. 1). Weiter versenden die meisten Verbände regelmässig einen elektronischen Newsletter an ihre Zielgruppen. Die Netzwerkplattform Facebook kommt am dritthäufigsten zum Einsatz. Andere soziale Medien konnten sich in der Verbandskommunikation hingegen noch nicht flächendeckend etablieren. Verglichen mit Referenzstudien 2 setzen Schweizer Verbände viele Online-Kanäle weniger häufig ein als andere Sektoren in der Schweiz oder NPO im Ausland.

Tab. 1: Verbreitung und Intensität der Bewirtschaftung ausgewählter Online-Kanäle (n = 330; Quelle: Maring & Lichtstei-ner 2018: 33)

 

Unterschiede nach Grösse und Sektor
Auch innerhalb der Schweizer Verbandslandschaft treten signifikante Unterschiede auf. Grössere Organisationen (gemessen an den VZÄ hauptamtlicher Mitarbeitender) setzen Online-Kanäle – mit Ausnahme der Website – häufiger und stärker ein als kleinere Verbände. Gleichzeitig bestehen auch Sektorenunterschiede. Vor allem die Bereiche Kultur und Freizeit sind dabei digitale Vorreiter: Abgesehen von XING und LinkedIn setzen sie stärker auf soziale Medien als andere Sektoren, wobei hier Instagram, YouTube und Facebook im Fokus stehen. Speziell die Sportorganisationen zeichnen sich bei diesen Plattformen durch eine überdurchschnittliche Einsatzintensität aus. Ebenfalls stärker mit den sozialen Medien arbeiten NPO der Politik und Interessenvertretung. Der Microblogging-Dienst Twitter kommt insbesondere im politischen Bereich zum Einsatz.

 

1  Dieser Beitrag setzt sich aus gekürzten und verdichteten Ausschnitten des Artikels von Maring & Lichtsteiner zusammen: Maring, N. & Lichtsteiner, H. (2018). Schweizer NPO nutzen Chancen digitaler Medien zu wenig. Verbands-Management, 44(2), S. 31-38.

Nonprofit Tech for Good (2018). 2018 Global NGO Technology Report.  (20.02.2019). / Keel, G., Allemann, D. & Messerli, I. (2016). Social Media in Organisationen: Weniger Experimente – mehr Strategie (Bernet ZHAW Studie «Social Media Schweiz 2016») (20.02.2019).

Online-Kurs «Entrepreneurship in Nonprofits» | Start 1. April 2019

Was sind Nonprofit-Organisationen und was bedeutet Social Entrepreneurship?
Wie kommt soziale Innovation zustande?
Und wie erziele ich eine nachhaltige Wirkung mit meinem Projekt?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen bietet der kostenlose FutureLearn Online-Kurs «Entrepreneurship in Nonprofits», der am 1. April 2019 anläuft. Über fünf Wochen hinweg nehmen Sie Prof. Dr. Georg von Schnurbein – Direktor am Center for Philanthropy Studies der Universität Basel – und verschiedene Experten aus Wissenschaft und Praxis mit auf eine Reise durch die faszinierende Welt der sozialen Innovation.

Der Kurs richtet sich an alle, die sich für die Themen Social Entrepreneurship interessieren sowie an engagierte Menschen, die im Nonprofit-Bereich arbeiten wollen – oder bereits in diesem Gebiet tätig sind. Der Kurs vermittelt die erforderlichen Werkzeuge und das notwendige Wissen, um ein soziales Unternehmen oder Projekt aufzubauen. Und er erlaubt den Teilnehmenden, das Erlernte direkt auf ihr bestehendes oder geplantes Sozialunternehmen anzuwenden.

Der Online-Kurs wurde in Zusammenarbeit mit dem New Media Center der Universität Basel und mit Unterstützung der Fondation Botnar entwickelt.

Weitere Informationen und kostenlose Anmeldung

«Foundrising» und andere Missverständnisse

«Fundraising» kann auf verschiedene Arten geschrieben: korrekt wie soeben gerade, kreuzfalsch wie im Titel, oder dann andersfalsch als «Fundrising» resp. als «Foundraising». Allen vier Schreibweisen bin ich in Gesuchen begegnet, die ich in den Jahren meiner Tätigkeit für eine grosse Förderstiftung bearbeitete. Der Begriff, aber auch das, was dahintersteht, stiftet offensichtlich Missverständnisse.

Wörter schaffen Fakten
Deshalb, liebe Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller, verwendet Ihr in Euren Förderanträgen das Wort Fundraising am besten überhaupt nicht. Dieser Begriff ist nämlich etwas kontaminiert. Zumindest bei den hiesigen Förderstiftungen kommt Fundraising etwa so herüber, wie es die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen erwarten lässt: als ein Synonym für «Geldauftreiben». Und für eine so platte formulierte Interaktion mögen sich nicht alle Stiftungen recht hergeben. Sprecht deshalb in Euren Gesuchen lieber nur von «Mittelbeschaffung».

Liebe Fundraiserinnen und Fundraiser, Ihr übt einen wichtigen Beruf aus. Leider aber hat Eure Berufsbezeichnung in gewissen Kreisen ein Image-Problem. Mag sein, dass Eure allerersten Berufskollegen dafür verantwortlich sind, welche in den 1980er oder 1990er Jahren mit diesem neuen Begriff auch ein etwas spezielles Geschäftsgebaren in die Schweiz brachten. Ich weiss bloss, dass das Image-Problem dieses Begriffes real ist. Gerade kürzlich hat mir ein Mitarbeiter einer bedeutenden Stiftung mit einer Mischung aus Ergötzen und Befremden gesagt, es hätte sich doch vorhin tatsächlich jemand am Telefon als Fundraiser vorgestellt.

Diese Tätigkeits- respektive Berufsbezeichnung leidet beispielsweise unter ihrer begrifflichen Eindimensionalität. Fundraising ist ja viel mehr als bloss hinter dem Geld her Laufen. Der entsprechende Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia zeigt die thematische Breite der Tätigkeit des Fundraising und somit der Ansprüche an die Fundraiser gut auf. – Wieso kommt dann fast nur der finanzielle Aspekt herüber?

Feedbacks für Fundraiser
Weil ich das genauer wissen wollte, machte ich vor einiger Zeit bei damaligen Geschäftsführerkollegen grösserer Schweizer Förderstiftungen im Abstand von vier Jahren zwei Sondierungen zu jeweils nachfolgenden drei Fragen. Ich tat diese im Rahmen von Vorbereitungsarbeiten für Referate.

  1. «Welche Erfahrungen haben Sie im Rahmen Ihrer Stiftungsarbeit mit Fundraisern gemacht?»
  2. «Was ist Ihre Meinung zur Zusammenarbeit mit Fundraisern?»
  3. «Welche generellen oder speziellen Mitteilungen sollte ich den Fundraisern unbedingt überbringen?»

Das Umfrageresultat war – sagen wir – durchzogen. Auch wenn ich hier zu jeder Frage bloss je eine einzige, repräsentative Antwort aus den Geschäftsführungsetagen der Förderstiftungen zitiere, werden Sie realisieren, dass die Fundraising-Szene noch etwas an ihrer Aussenwahrnehmung arbeiten sollte, dass sie vor allem den vielfältigen kommunikativen Aspekten ihrer Arbeit einen stärker reflektierten Stellenwert geben sollte:

«Unklar in meiner Erfahrung ist die ethische Seite: Die Raiser, die ich erlebt habe, waren «money driven», waren aufs Geld aus. Und das bringt dieser Branche, die von der Reputation lebt, langfristig keinen Erfolg.» (Eine der Antworten auf die Frage 1).

«Ich werde oft von Fundraisern kontaktiert. Dabei stelle ich meist fest, dass sich diese Personen mit den Grundlagen unserer Stiftung vorbereitend nicht oder nicht ausreichend auseinandergesetzt haben. Oft wird dieser Mangel an Wissen acquisitions-rhetorisch kompensiert. Weiters fällt auf, dass den Fundraisern oft ein inneres Verständnis, eine Detailkenntnis und auch ein Commitment für das Projekt fehlt, für das sie Geld sammeln.» (Eine Antwort auf Frage 2).

«Sehen Sie sich als Handelsreisender, der gute Produkte/ Projekte einem möglichen Interessenten vorstellt. Stellen Sie sicher, dass der Geldgeber diejenigen Informationen erhält, die er tatsächlich braucht. Und gehen Sie davon aus, dass der Inhalt zählt, nicht die Verpackung.» (Eine der Antworten auf Frage 3).

Guter Rat ist nicht teuer
Platzen Sie also nicht mit dem Begriff Fundraiser hinein, wenn sie sich für eine Projektfinanzierung einsetzen. Camouflieren Sie halt ein bisschen durch die Verwendung von Begriffen wie Mittelbeschaffung, Förderpartnerschaften, Spendenmarketing etc.

Es fällt Ihnen kein Stein aus der Krone (es entgeht Ihnen höchstens etwas Umsatz) wenn Sie die Fördergesuche nicht in jedem Fall selber verfassen, sondern Grundlagen und Texte vonseiten der Auftraggeber einfach redigierend-disziplinierend in die geeignete Form bringen. Authentizität bringt vermutlich grösseren Erfolg als aufgepimpter Fundraiser-Sprech.

Sie müssen sich als Fundraiser nicht zwingend in den Vordergrund stellen. Oft können Sie im Hintergrund – dann halt mit tieferem Profil – genauso effektiv agieren. Wenig spricht dagegen, dass dabei im Gesuch angemerkt wird, die Gesuchsteller würden bei der Mittelbeschaffung beispielswese durch Frau xy von der Firma z unterstützt.

In diesem Falle – und vielleicht überhaupt – sollte in den Gesuchunterlagen klargestellt werden, dass keine der mit der Mittelbeschaffung betrauten Personen auf Provisionsbasis entschädigt wird (womit dann stipuliert wird, dass dies nach Aufwand geschieht – oder gar unentgeltlich, was dann auf jeden Fall einer Erwähnung wert wäre). Bei gewissen Konstellationen empfiehlt es sich, ausdrücklich auf die «Ethischen Richtlinien für das Fundraising» von Swissfundraising Bezug zu nehmen.

Selbstverständlich gibt es viele Anlässe resp. Gelegenheiten, die den persönlichen Kontakt der Fundraiserin oder des Fundraisers mit dem potentiellen Geldgeber erfordern. Diese entscheiden ja nicht immer ausschliesslich «sur dossier». Dann gilt es, die kommunikativen Fähigkeiten einzusetzen. Zu diesen zähle ich einerseits das Talent, zu überzeugen und dabei aufs Überreden zu verzichten, andererseits die Gabe, authentisch zu bleiben und sich nicht in irgendeine rhetorische Euphorie zu flüchten. Zum ausgewogenen Kommunizieren gehört, das Gegenüber nicht zu bedrängen, selber dagegen in gewissem Sinne «loszulassen».

Ganz zum Schluss nur noch dieses hier: Guter Rat ist sogar gratis! Wenn Sie «Das perfekte Gesuch» mit seinen vielen do’s und don’ts herunterladen und auch beherzigen, dann können Sie als Fundraiser, pardon als Spendenberater, eigentlich nichts falsch machen.

Fotografie: Anita Affentranger anlässlich der Ausstellung «Geld» im Stapferhaus