Viele würden gerne helfen – wissen aber nicht wie

Zum Tag der psychischen Gesundheit (10. Oktober) im Herbst 2019 hat die Stiftung Pro Mente Sana eine repräsentative Befragung zum psychischen Stimmungsbild der Schweiz in Auftrag gegeben – ich habe darüber im Blog unter dem Titel „Betroffene leiden und schweigen“ bereits berichtet. Zur Erinnerung: 1 von 5 Befragten sagt, mir geht es jetzt psychisch nicht gut. Und 9 von 10 sagen, dass sie jemanden in ihrem nahen Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitsplatz) kennen, dem/der es jetzt psychisch nicht gut geht.

Diejenigen, denen es nicht gut geht wünschen sich vor allem, dass ihr nahes Umfeld sie ernst nimmt und zuhört. Aber sie getrauen sich nicht, etwas zu sagen aus Angst vor Diskriminierung und Nachteilen, vor allem am Arbeitsplatz. Diejenigen, denen es gut geht, merken gut, wem es nicht gut geht, und wären bereit zu helfen, sie wissen aber nicht wie.

ensa ist die Antwort!

ensa ist die Schweizer Version des australischen Programms «Mental Health First Aid». Es wurde 2019 in der Deutschschweiz von der Stiftung Pro Mente Sana gemeinsam mit der Beisheim Stiftung lanciert. «Mental Health First Aid» haben Betty Kitchener und Professor Tony Jorm als Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit 2000/2001 in Australien entwickelt. Ihr Ziel war, die Idee von «Erster Hilfe» (bzw. von Nothelferkursen) auf psychische Probleme zu übertragen: Laien sollen besser helfen können, wenn bei nahestehenden Personen psychische Schwierigkeiten auftreten, eine bestehende psychische Beeinträchtigung schlimmer wird oder eine akute psychische Krise ausbricht. Das Wissen dazu erwerben sie in 12-stündigen ensa Erste-Hilfe-Kursen. Von der Stiftung Pro Mente Sana geschulte Instruktorinnen und Instruktoren geben diese Kurse.

Toll am australischen Programm ist, dass in Australien rund 10% der Bevölkerung den Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit besucht haben. Weltweit sind es schon über 3 Mio. Ersthelfende. Das Programm ist wissenschaftlich sehr gut erforscht, zahlreiche Forschungsstudien und zwei Metaanalysen zeigen, dass die Kursteilnehmenden mehr wissen über psychische Gesundheit, Distanz zu Betroffenen abbauen, sich zutrauen, zu helfen und die Angebote an professioneller Hilfe in ihrer Region kennen. Und, dass es ihnen nach dem Kurs psychisch auch besser geht.

Wenn diejenigen, die sehen, dass es in ihrem Umfeld jemanden gibt, dem es psychisch nicht gut geht, auf diese Personen zugehen und ihre (erste) Hilfe anbieten, haben wir gute Chancen, dass diesen Menschen viel früher geholfen wird als heute. Es ist halt heute so, dass der erste Schritt häufig erst gewagt wird, wenn es nicht mehr anders geht. Bei sehr vielen psychischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen gilt, dass frühe Hilfe einfacher, erfolgreicher und günstiger ist als zuzuwarten, bis daraus eine schwere Krankheit geworden ist.

Wenn Sie sich nun fragen, was „ensa“ heisst, finden Sie die Antwort auf www.ensa.swiss

Ist es der Phantomschmerz gefühlter Enterbung …?

Ist es der Phantomschmerz gefühlter Enterbung oder ist es der Ersatz für fiktive Eigentümerinteressen? Familienvertretungen in Stiftungsräten spielen eine besondere Rolle. Haben sie auch spezifische Aufgaben? Mit dieser Themenstellung beschäftige ich mich in meinem April-Blog.

Der Geschäftsführer einer traditionsreichen Förderstiftung sagte mir einmal, dass die Familienvertreter in seinem Stiftungsrat immer etwas speziell, etwas anders seien. Er meinte wohl: etwas «mühsam» seien.

Ein Blick von der anderen Seite

Schauen wir uns diese Konstellation einmal aus der Sicht eines solchen Familienvertreters an: Da «delegiert» mich meine Verwandtschaft in den Stiftungsrat einer Stiftung, die mein verstorbener Grossonkel gestiftet hatte. Weder habe ich meinen verwandten Stiftungsgründer persönlich gekannt, noch finde ich das Förderthema seiner gemeinnützigen Stiftung sonderlich interessant. Aber ich sitze nun mal in diesem Stiftungsrat, und versuche dort, meiner Verantwortung als Mit-Stiftungsrat gerecht zu werden. Fast alles ist mir neu – auch die herrschende Hackordnung, in der ich nicht nur der Neueste, sondern auch der Jüngste bin. Interessiert schaue ich zu, wie die Stiftungsgeschäfte laufen. Ich frage. Ich hinterfrage. Kritisch absolviere ich meinen Lernprozess. Skeptisch analysiere ich die Rollen der verschiedenen Akteure innerhalb der Stiftung. Ich muss das tun – nicht zuletzt, weil alles, was diese Stiftung tut, auch im Namen meines eigenen Familiennamens geschieht, den ich mit meinem Grossonkel teile.

Bei einer Rechtsfigur wie jener der Stiftung, die quasi «sich selbst gehört» und keine «harten» Anspruchsgruppen kennt, sind «Eigentümerinteressen» im eigentlichen Sinne sozusagen inexistent. Die Stiftungsaufsicht beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Rechtsaufsicht. Missbräuchliches Verhalten ist in Stiftungen trotzdem möglich. Der Swiss Foundation Code von SwissFoundations zählt deren Hintergründe auf: Self-Dealing, Interessenskonflikte etc. So ist es kein Wunder, wenn in Stiftungsräten die Familienmitglieder manchmal nicht im Mainstream der Mehrheitsmeinungen (der sich in Stiftungen noch so gerne ausformt) mitmachen wollen, sondern Handlungsweisen kritisch hinterfragen. Und dabei vielleicht etwas «mühsam» wirken.

Wie schwierig es ist, als Familienangehöriger in einem Stiftungsratsgremium gegen eine vorherrschende Meinung anzutreten, und wie undankbar dies werden kann, das zeigte sich kürzlich im Fall der Fondation Susanna Biedermann in Basel, wo ein Stiftungsratsmitglied aus der Verwandtschaft des Stiftungsgründers eine Aufsichtsbeschwerde gegen ihre ehemaligen Mit-Stiftungsräte wegen kungetreuer Geschäftsbesorgung erheben wollte –erfolglos, weil die Klägerin aus der Verwandtschaft des Stifters ihre Klage erst nach dem einstimmigen Rausschmiss aus dem Stiftungsratsgremium eingereicht hätte. Ein anderes aktuelles Beispiel ist jenes der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte von Bruno Stefanini, wo die Nachkommen des Stifters ihre stiftungsurkundlich gewährleistete Einsitznahme im Stiftungsrat bis vor Bundesgericht erkämpfen mussten.

Pflichten, aber keine Sonderrechte für Familienvertretungen

Familienmitglieder in Stiftungsräten haben die üblichen Pflichten, aber sie verfügen über keine Sonderrechte, unabhängig davon ob sie kraft einer Regelung im Stiftungsstatut oder durch Kooption im Gremium des Stiftungsrats Einsitz genommen haben. Es «stehen ihnen in aller Regel weder statutarische, noch gesetzliche Rechte zu». Der Swiss Foundation Code postuliert im Gegenteil, dass auch bei Familienangehörigen des Stifters dieselben sachlichen Wahlkriterien wie bei den übrigen Stiftungsratsmitgliedern anzuwenden seien.

Es einsichtig, dass Stiftungsräte aus der Stifterfamilie oft einen Impetus spüren, besonders gut auf die Einhaltung des Stiftungszweckes zu achten und auch auf die finanzielle Langlebigkeit der Stiftung zu pochen (was in Tiefzinszeiten wie heute ja nicht immer leicht zu verfolgen ist). Auf der anderen Seite müssen sie verinnerlichen, dass eine gemeinnützige und steuerbefreite Stiftung schweizerischen Rechts keine private Familienstiftung ist (wie in Liechtenstein und in Österreich gang und gäbe) und dass sie als unabhängige und in sich ruhende Rechtsform nicht der verlängerte Arm der Stifterfamilie sein kann.

Auf was m. E. deshalb auch noch geachtet werden sollte: Wenn mehrere Familienvertreter in einem Stiftungsrat sitzen, vergrössert dies den Einfluss der betreffenden Stifterfamilie massiv. ; Im Extremfall reisen die Familienvertreter gar mit absoluter Mehrheit (und möglicherweise mit bereits gemachter Mehrheitsmeinung) an eine Stiftungsratssitzung, was ich im Fall einer steuerbefreiten Stiftung problematisch fände. Im «Mustergesetz» des European Foundation Centre war vorgeschlagen gewesen, «dass der Stifter und ihm nahe stehende Personen nicht unter sich sein sollen». Und differenzierter formuliert: «Stifter und andere Vorstandsmitglieder, die untereinander oder zum Stifter in einer Beziehung stehen, die Interessenkonflikt begründen könnte, der Urteilsvermögen beeinträchtigt, dürfen nicht Mehrheit bilden». Denn die Gründung einer gemeinnützigen und steuerbefreiten Stiftung als personifiziertem Zweckvermögen intendiert ja ein Ausscheiden des Stiftungsvermögen aus dem Rechtskreis des Stifters. Und diese wäre bei Familienmehrheiten in Stiftungsräten vermutlich nicht immer in letzter Konsequenz gewährleistet. (Es kommt hinzu, dass «Diversität» auch bei der Zusammensetzung von Stiftungsräten zu besseren Resultaten führen dürfte.)

Was für den Vorschlag des nicht realisierten Statuts einer «Europäischen Stiftung» hätte gelten können, das machte auch in der Schweiz Sinn. Eine Voraussetzung wäre dann freilich, dass Aufsichtsbeschwerden von Mitgliedern eines Stiftungsrats gegen Mit-Stiftungsräten wegen missbräuchlichem Handeln uneingeschränkt zulässig würden.

PS: Die Zitate in Kursive stammen aus Veröffentlichungen von Prof. Dominique Jakob von der Universität Zürich.

Stiftung oder Trust – Artenschutz oder Invasion?

Die Finanzbranche versucht seit 10 Jahren die Rechtsform des Trusts1 in der Schweiz einzuführen, obwohl ausländische Trusts1 zivilrechtlich anerkannt sind. Die hiesigen Vermögensverwalter erhoffen sich dadurch, gegenüber anderen Finanzzentren mit ausländischer Kundschaft konkurrenzfähig zu bleiben und den Anteil am weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäft auszubauen.

Mit einem Swiss Trust würde die ganze Wertschöpfungskette und die vollständige Datenhoheit in der Schweiz bleiben. Somit könnten die gleichen Transparenzregeln, wie sie für ausländische Trusts in anderen Finanzzentren gelten, in Anspruch genommen werden. Damit hätten die Anbieter von Nachlassregelungen und die Verwalter des Nachlasses gleichlange Spiesse beim Schutz der Privatsphäre ihrer Klientel.

Gesetzesmühlen mahlen langsam …

2009 reichte die CVP die erste Trust-Motion ein. Das Parlament stimmte 2011 zu. Der Bundesrat wurde aber nicht aktiv und wollte die Motion 2012 sogar abschreiben. Die beiden Räte wehrten sich 2016 mit einer parlamentarischen Initiative dagegen und haben sich jetzt durchgesetzt. In dieser Frühlingssession haben sie den Bundesrat damit beauftragt, eine Gesetzesgrundlage zur Einführung von Trusts in das Schweizer Recht auszuarbeiten.

Unter Fachleuten, die zwar alle einen Bedarf an Schweizer Nachlassplanungsinstrumenten verorten, gibt es zwei Strömungen. Die einen fordern die Schaffung eines Schweizer Trusts, die anderen eine Lockerung der Bestimmungen für Familienstiftungen. Letztere argumentieren2: „Mit der (Familien-)Stiftung und der Treuhand verfügt die Schweiz … über Rechtsinstitute, die … zu tauglichen … Nachlassplanungsinstrumenten entwickelt werden können. Das wäre ein schnellerer, besserer und … verlässlicherer Schritt zu einer eigenständigen Schweizer Lösung als die Entwicklung eines unzulänglichen «Trusts à la Suisse».“

… aber die Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Die Hartnäckigkeit der Finanzbranche und ihrer Lobbyisten zu diesem Thema ist nicht erstaunlich, denn

  1. Nachlassregelungen sind neben Firmenverkäufen die mit Abstand wichtigste Quelle für Neugelder in der Vermögensverwaltung, und
  2. die Banken wollen ihren ausländischen Kunden ein Nachlassplanungsinstrument anbieten, dass ihnen von Hause aus bekannt ist.

Das Argument, dass der Trust ein rechtlich artfremdes Konstrukt sei, und man besser unser Stiftungsrecht überarbeiten sollte, wird die Finanzbranche deshalb nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Der Schweizer Trust als Chance für die Reform der Familienstiftung

Dass der Schweizer Trust kommen wird, bietet aber gleichzeitig eine Chance, die nicht verpasst werden sollte. Man kann nämlich mit Fug und Recht – quasi im Windschatten der mächtigen Finanzlobby – die gleichzeitige Anpassung des (Familien-)Stiftungsrechts verlangen. Es darf nicht sein, dass ein importiertes Rechtskonstrukt möglicherweise attraktivere Eigenschaften aufweist, als die in Gesetz und Usus seit Jahrhunderten verankerte Stiftung.

Sofern bereits hinter den Kulissen alles eingefädelt ist, ist dieser Beitrag gegenstandlos. Andernfalls ist Eile geboten. Ich bin sicher, dass – nach 10 Jahren Vorbereitungszeit – ein Vorschlag für ein Trust-Gesetz aus der Feder der Finanzbranche schon längst auf dem Tisch liegt. Bleibt zu hoffen, dass die Interessenvertreter für das Stiftungswesen genügend Lobby-Power haben, so dass der Bundesrat gleichzeitig die Revision der heimischen Nachlassplanungsinstrumente an die Hand nimmt.

1Trusts, als Form des Vermögensschutzes seit dem Mittelalter bekannt, sind in den angelsächsischen Ländern weit verbreitet. Dabei überträgt ein Errichter (Settlor) mittels Urkunde (Trust Deed) bestimmte Vermögenswerte (Trust Assets) unwiderruflich auf eine oder mehrere Personen (Trustees), die das Vermögen zugunsten eines oder mehrerer Begünstigter (Beneficiaries) verwenden müssen. Letztere geniessen unter gewissen Voraussetzungen Anonymität.

2Auszug aus dem Leserbrief von Michael Fischer, Balz Hösly, Natalie Peter, Tobias Somary, alle Rechtsanwälte in der NZZ vom 27.3.19

Gesuchsmangement-Tools – Praxistipps für die Implementierung in Förderstiftungen

Beschäftigen Sie sich gerade (und seit Jahren) mit dem Thema Gesuchsmanagement-Tool? Haben Sie schon mehrere Tools und Tausende von investierten Franken hinter sich? Welcome to the club! Offenbar sind wir nicht die Einzigen auf dieser Odyssee – hier also einige Tipps, wie man Fallstricke vermeiden kann.

Angesichts von jährlich über 200 Gesuchen, von denen nur etwa 5% bewilligt werden, war für unsere Stiftung der Gedanke, die Bearbeitung der Anträge zentral abwickeln zu können, verführerisch. Verheissungsvoll lesen sich da die Werbeprospekte von Anbietern aus dem In- und Ausland. Doch die Auswahl des Tools und die Implementierung hat es in sich. Der wichtigste Tipp vorweg ist: Bloss keine vorschnellen Entscheidungen nach dem Motto «Augen zu und durch» oder «das ist ein bekannter Anbieter, das wird schon» – auch wenn der Kopf raucht.

Denn die grösste Herausforderung beim Transfer von off- zu online ist, dass man sich bei in Bezug auf Prozesse und Formulierung festlegen muss. Was bei einem Antragsformular im Word-Template schnell selbst geändert ist – z.B. wenn sich eine Frage als nicht präzise genug formuliert herausstellt – ist bei einer Softwarelösung nur bedingt möglich, da sonst Daten verloren gehen.

Tipp 1 – Intensive Vorbereitung

Schreiben Sie akribisch sämtliche internen Prozesse bei der Antragsbearbeitung auf, BEVOR Sie sich überhaupt Anbieter anschauen. Nur so können Sie die Angebote im Detail beurteilen, denn darauf kommt es wirklich an. Falls Sie noch kein Antragsformular haben, wird sehr viel Zeit auf die Formulierung der Fragen entfallen. Schauen Sie sich dazu diejenigen anderer Stiftungen in gleichen Bereichen an. Die besten Hinweise hierzu erhalten Sie von Projektpartnern, die unzählige Antragsformulare ausgefüllt haben. Leitfrage sollte sein: Ist diese Information für die Stiftung wirklich relevant? Vermeiden Sie ein «Ach, das nehme ich auch noch rein.» und versetzen Sie sich auch in die Lage der Antragsteller. Wir haben in stark vereinfachter Form die der Mercator Stiftung Schweiz übernommen ;).

Tipp 2 – Einbeziehung des Stiftungsrats

Standardisierte Fragen und Bewertungsindikatoren für das Tool festzulegen ist schwierig, wenn die Stiftung keine expliziten Förderkriterien hat und der Stiftungsrat frei über Anträge diskutiert. Viele Tools bieten Beurteilungskriterien an, was praktisch sein kann aber nur, wenn diese auch relevant sind. Ansonsten werden Sie später beim Ausfüllen unnützer Felder stöhnen. Die Einführung eines Tools kann eine Chance sein, mit dem Stiftungsrat einen Strategieprozess anzustossen. Die Herausarbeitung von roten Fäden in bislang geförderten Projekten ist dabei eine gute Diskussionsgrundlage und bringt oft überraschend Einheitliches zu Tage.

Tipp 3 – Offline testen mit Antragsstellern und Schulterblick bei Peers

Testen Sie das Antragsformular eine Weile unbedingt mit echten Anträgen bevor Sie es Ihrem Anbieter zur Programmierung weitergeben. Es hat bei uns noch einige Anpassungen in der Formulierung und Reihenfolge gegeben, da einige Fragen oft nicht die gewünschten Antworten gebracht haben. Später ist alles quasi in Stein gemeisselt. Sobald Sie selbst ein gutes Verständnis über Ihre Anforderungen haben, lohnt es, sich bei Stiftungskollegen bestehende Tools anzuschauen.

Viel Erfolg!

Neue Sichtweisen auf den Stiftungsfinanzierten Journalismus

Die Medien- und Journalismusförderung durch Stiftungen steht in der Schweiz erst in den Startlöchern. Bevor hierzulande erste konkrete Schritte geplant werden, sollte – angesichts neuester Forschungserkenntnisse – die Beziehung von Stiftungen und Journalismus aus einer neuen Perspektive betrachtet werden.

Die Förderung von Medien und Journalismus ist kein neues Aktivitätsfeld von Stiftungen, hat jedoch spätestens seit 2016 neue Aufmerksamkeit und Relevanz erhalten. Die Gründe dafür liegen weniger in der als «ökonomische Strukturkrise» bezeichneten Entwicklung der Branche, welche mit sinkenden Auflagenzahlen, rückläufigen Webeeinnahmen oder Gratismedien konfrontiert ist. Sie sind auch nicht in der, seit Jahren von der NGO Freedom House dokumentierten, weltweit sinkenden Pressefreiheit zu suchen.

Vielmehr zeigte sich 2016 die Bedeutung der Medien so deutlich wie nie, als Wahlen, z. B. in den USA, und politische Prozesse in diversen Ländern massiv von Fehlinformationen beeinflusst und geschwächt wurden. Vermehrt verunglimpften Politiker die Presse, wiesen ihre Rolle als Nachrichtenmedien und «vierte Gewalt» öffentlich zurück und gaben damit der Diskussion um unabhängige Medien und Qualität von Journalismus Aufwind. Im Zuge dieser Ereignisse hat die Journalismus-Förderung durch Stiftungen neue Bedeutung gewonnen

Die richtigen Fragen stellen

Ohne Stiftungsförderung würde eine bedeutende Anzahl journalistischer Angebote, Projekte und Organisationen fehlen. Klar ist jedoch, dass ihre finanziellen Mittel für eine langfristige und umfassende Unterstützung von Medien- oder Verlagshäusern nicht ausreichen. Ob Stiftungen der Ausweg aus dem Finanzierungsproblem der Medien sind, ist allerdings nur die Eingangsfrage in das Thema philanthropischer Medienförderung. Viel wichtiger ist die Frage: auf welche Weise gestaltet Stiftungsförderung den Journalismus?

Wie Stiftungen den Journalismus prägen

Die Beziehung von Philanthropie und Journalismus wurde wissenschaftlich bisher vor allem aus US-amerikanischer Perspektive und im Hinblick auf die Unabhängigkeit des Journalismus untersucht. Die Gefahr vom Verlust der Unabhängigkeit wird immer wieder als grösster Kritikpunkt einer Stiftungsförderung hervorgehoben. Scott et al. (2019) fanden nun jedoch heraus, dass Stiftungsgelder statt auf die Autonomie des Journalismus weitaus grösseren Einfluss auf die Grenzen des Journalismus selbst haben bzw. auf die Art und Weise, wie der Journalismus verstanden, bewertet und praktiziert wird. Sie zeigen, dass die Interaktionen zwischen Stiftungen und Journalisten zu einer Erweiterung journalistischer Praxis führt. Einerseits kommt es zu einer Verschiebung der Rollenwahrnehmung von Journalisten und Medien in der Gesellschaft. Andererseits ist eine stärker ergebnisorientierte Berichterstattung, ein geringeres Volumen redaktioneller Arbeiten und eine Konzentration auf umfangreichere, vom aktuellen Tagesgeschehen losgelöste Berichterstattung in thematischen Nischen beobachtbar. Interessanterweise wird diese Entwicklung nicht von den Stiftungen direkt forciert, sondern ist gerade das Ergebnis beidseitiger Bemühungen, die Autonomie des Journalismus zu bewahren.

Denkanstösse für Stiftungen

Die Erkenntnisse aus Scott et al.’s (2019) Forschung fordern uns dazu auf, die Beziehung von Stiftungen und Journalismus auf dreierlei Weise neu zu hinterfragen.

  1. Die Folgen philanthropischer Förderung gehen weit über die alltägliche journalistische Autonomie hinaus. Stattdessen sind es womöglich die Grenzen des Journalismus, welche am meisten beeinflusst werden.
  2. Die Veränderungen durch Stiftungsförderung beruhen weniger auf der politischen Agenda einzelner Stiftungen oder der direkten Einflussnahme der Stiftungen auf die geförderten Personen bzw. Projekte oder Themen, wie oft behauptet wird. Vielmehr sind es die vielfältigen Interaktionen von Journalisten mit Stiftungen selbst welche zu Veränderungen des Journalismus führen.
  3. Stiftung sollten im Förderprozess nicht als dominierende Akteure verstanden werden. Vielmehr soll es sich – von der Gesuchsstellung an – um eine partnerschaftliche Co-Produktion journalistischer Arbeit handeln, die es unter Wahrung der jeweils eigenen Identität erlaubt, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen.

Literaturempfehlung:

Scott, M., Bunce, M., Wright K. (2019). Foundation Funding and the Boundaries of Journalism, Journalism Studies

Online-Kanäle: Ressourcen ja, aber wenig Controlling

Schweizer Verbände setzen heute vermehrt auch auf Onlinekommunikation und investieren hier insbesondere personelle Ressourcen. Wie die VMI-Studie «Vereins- und Verbandskommunikation im digitalen Zeitalter» zeigt, hinkt das Controlling bei vielen Organisationen jedoch noch etwas hinterher.1

Online-Kanäle sind personalintensiv

Nach Einschätzung der Befragten fliessen rund 32 % der für die Kommunikationsarbeit zur Verfügung stehenden Personalressourcen in den Online-Bereich (n = 176) – dies unabhängig von der Organisationsgrösse. Die finanziellen Aufwendungen machen hingegen nur rund einen Fünftel der gesamten Kommunikationsausgaben aus. Der grösste Teil der befragten Organisationen (66 %) kann mit bis zu 15 000 Franken jährlich seine direkten Ausgaben für die Onlinekommunikation decken. Branchenverbände sowie Organisationen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich investieren dabei tendenziell eher mehr, Kultur- und Freizeitorganisationen wie auch die Verbände im Bereich Politik und Interessenvertretung eher weniger (vgl. Tabelle). Besagte Unterschiede zwischen den Sektoren sind allerdings statistisch nicht signifikant.

Tabelle: Direkte Ausgaben für die Onlinekommunikation nach Sektoren pro Jahr

 

Die relativ geringen direkten Ausgaben für die Onlinekommunikation zeigen: Sind diese Kanäle einmal implementiert, hält sich der finanzielle Aufwand grundsätzlich in Grenzen, während der Personalaufwand klar ansteigt. Viele Verbände müssen einen merklichen Teil ihrer für die Kommunikation bestimmten Personalressourcen für die Betreuung der digitalen Medien einsetzen.

Viele vernachlässigen das Controlling

Gerade der Einsatz von Online-Kanälen eröffnet Verbänden neue Möglichkeiten, deren Nutzung durch die Zielgruppen zu beobachten, um ihre Kommunikation zu optimieren. Trotz des personell beachtlichen Ressourceneinsatzes fehlt bei vielen Organisationen eine systematische Evaluation der Kommunikation. Bei zwei von fünf Verbänden steht diese noch am Anfang. Auf einer Skala von 1 (die Evaluation steht noch am Anfang) bis 5 (sie findet regelmässig und detailliert statt), liegt der Schnitt lediglich bei 2,25. Organisationen mit einem schriftlich festgehaltenen Kommunikationskonzept überprüfen dabei ihre Massnahmen signifikant häufiger und detaillierter (Median = 3, n = 130) als solche ohne Kommunikationskonzept (Median = 1, n = 112). Diejenigen Organisationen, die ihre Kommunikationsmassnahmen evaluieren, werten in der Regel die Statistiken zur eigenen Website sowie ihren Social Media-Kanälen aus. 224 Organisationen wenden dieses Verfahren an (n = 281). In Relation zur Gesamtzahl der befragten Verbände (rund 330), die praktisch alle über eine Website verfügen, fällt dieser Anteil vergleichsweise tief aus.

1 Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel von Maring & Lichtsteiner: Maring, N. & Lichtsteiner, H. (2018). Schweizer NPO nutzen Chancen digitaler Medien zu wenig. Verbands-Management, 44(2), S. 31-38.

«Investitions–Bereitschaft»: Wie NPO soziale Investoren gewinnen können

Während Nonprofit-Organisationen (NPO) in der Regel über eine hohe Kompetenz in den Bereichen Fundraising und Subventionen verfügen, sind sie noch relativ unerfahren, wenn es darum geht, eine neue Art von Finanzierungsquelle zu erschliessen: Sozialinvestoren. Wenn NPO von solchen neuen Finanzierungsquellen profitieren wollen, müssen sie lernen, sich als «investment-ready» zu präsentieren.

Erträge von NPO durch Spenden, Mitgliederbeiträge und staatliche Subventionen bleiben zwar auf beachtlichem Niveau, stagnieren aber. Gleichzeitig entwickeln sich neue Finanzierungsformen wie «Impact Investing», worunter beispielsweise «Social Impact Bonds» fallen. Diese Entwicklungen erfordern neue Kompetenzen innerhalb von NPO. Denn oft fehlt es noch am notwendigen Wissen über neue soziale Finanzierungsinstrumente und die Erwartungen von Sozialinvestoren. In diesem Zusammenhang ist es für NPO wichtig, sich in drei Bereichen als «investitionsbereit» zu positionieren: auf der internen Dimension, das heisst im Zusammenhang mit dem Management von NPO, auf der Problem- und Lösungsdimension, also in Bezug auf die Theorie des Wandels (theory of change) und auf der Finanz- und Investitionsdimension, also was ihr Finanzierungsmodell betrifft.

Interne Dimension

NPO sollten Informationen über ihre Kompetenzen bereitstellen und die Ziele von Projekten klar dokumentieren. Darüber hinaus ist es von grosser Bedeutung, den Entwicklungsstand der eigenen NPO und Informationen über die Rechtsform und die Governance-Mechanismen darzustellen. Ersteres hilft Sozialinvestoren, die potenziellen Auswirkungen und Risiken ihrer Investition zu bewerten. Letzteres ist wichtig, um klar zu definieren, welche Rolle beide Seiten beim Monitoring des Projekts spielen werden.

Problem- und Lösungsdimension

Diese Dimension bezieht sich auf die Theorie des Wandels einer NPO. Sie sollten nachweisen, dass ihr Projekt den Bedürfnissen der Zielgruppen entspricht und die Stärken des eigenen Projekts hervorheben. Dazu gehört auch, klar auf- zuzeigen, welcher Markt und welche spezifischen Interessengruppen erreicht werden sollen und welche Auswirkungen ein Projekt haben wird/soll. Solche Informationen können beispielsweise anhand eines «logic framework» an soziale Investoren weitergegeben werden.

Finanz- und Investitionsdimension

NPO sollten klar aufzeigen, welche Art von Finanzierung sie anstreben, Informationen über erwartete Cashflows liefern und Schlüsselindikatoren präsentieren, an denen die Entwicklung des Projekts gemessen werden kann.

Auch wenn diese Dimensionen noch nicht als Weisheit letzter Schluss betrachtet werden sollen, liefern sie NPO eine wichtige Orientierungshilfe bei der Suche nach neuen Finanzierungsformen.

Zum Gesamtbeitrag im «Expert Focus» (März 2019)