Attendre la catastrophe, ou simplement soutenir des institutions qui œuvrent pour le bien culturel et social de notre société ?

Le drame de l’incendie de Notre-Dame, par l’importance des sommes soudainement dépensées pour sa restauration, a montré à quel point les catastrophes sont capables de générer une mobilisation massive.
Cette récolte de fonds a certes suscité de la joie, mais aussi de la frustration. A la source de vifs débats, les réactions portent non seulement sur le fait que la catastrophe aurait peut-être pu être évitée grâce à une infrastructure en meilleur état, mais également sur la dimension émotionnelle incitant au don, le besoin de visibilité et surtout ce à quoi les donateurs ont accordé leur priorité dans un pays en constante souffrance sociale.

Travailler dans une organisation autofinancée : une situation inconfortable

Depuis une quinzaine d’années, je m’investis dans la recherche de financements. Ce pour de belles institutions, qui s’engagent dans un but désintéressé en contribuant au paysage culturel ou en apportant de nouveaux espoirs à des enfants gravement malades. Mes recherches concernent aussi bien le financement de projets définis dans le temps que celui de l’institution en elle-même, qui passe par la satisfaction des besoins d’une infrastructure invisible aux yeux du public, mais ô combien nécessaire.
Pour des organisations avec un autofinancement de 75 à 100%, la responsabilité et l’engagement dans la recherche de fonds sont énormes. En effet, cette dernière ne concerne pas seulement des projets définis dans le temps, greffés sur une mission de base : il s’agit en vérité de financer et d’assurer le fonctionnement d’une institution dans son entièreté, de son infrastructure et son aménagement à l’entretien régulier d’un bâtiment, en passant par toutes les charges salariales.

Une telle construction financière a un énorme impact sur le fonctionnement d’une organisation. Une bonne stratégie de communication extérieure est impérative : le travail sur la notoriété de l’institution, ainsi que le contact avec le public, les bailleurs de fonds et les donateurs et donatrices est essentiel. Mais cette construction influence également les collaborateurs et collaboratrices, leur manière de travailler, la pression qu’ils éprouvent et les responsabilités qui leur incombent. En effet, le budget étant réduit, les équipes sont restreintes. Ces dernières étant seules responsables de leurs tâches, les possibilités d’échange sont moindres. A cela s’ajoutent des salaires plus bas que la moyenne, pour les mêmes qualifications.

Les organisations auxquelles je pense emploient 5 à 15 personnes, en plus desquelles viennent s’ajouter des aides temporaires. Le travail est organisé de manière efficiente : chacun est prêt à aider l’autre et à mettre la main à la pâte s’il le faut. Ce qui a pour résultat qu’une collaboratrice chargée de la rédaction intelligente de texte met son aide à disposition lors d’événements, ou qu’une équipe entière est prête à suivre les exigences d’un planning ambitieux et à transformer une salle d’exposition en salle de diner élégante, ce dans un espace-temps de 45 minutes.

Une situation inconfortable peut devenir enrichissante

Mais pourquoi continuons-nous ? Tout d’abord, parce que l’inconfort oblige à être créatif pour trouver des solutions et s’améliorer constamment. Tous et toutes logés à la même enseigne, la solidarité entre collaborateurs et collaboratrices dans les impasses difficiles – en plus d’être extrêmement gratifiante – est indispensable. Finalement, c’est une énorme satisfaction de constater les résultats obtenus avec peu de moyens.

Mais l’ultime récompense – et soulagement – sont d’autant plus grands lorsqu’un donateur ou une donatrice, de par son soutien, accorde sa confiance et montre que notre cause est bien fondée, indispensable, et que son action a bel et bien un impact.

Verbandskommunikation – ein Blick auf morgen

Onlinemedien sind längst zu einem zentralen Bestandteil der NPO-Kommunikation geworden. Dabei treibt die Digitalisierung Veränderungen in diesem Bereich stetig voran – dessen sind sich auch Schweizer Verbände bewusst. Im Rahmen einer Befragung von VMI und Stämpfli AG aus dem Herbst 2017 gab jedoch nur eine Minderheit der befragten Organisationen an, konkrete Anpassungen bezüglich Kommunikation geplant zu haben.1

Um seine Kommunikation mit den wichtigsten Stakeholdern zu strukturieren, zu reflektieren und mit einer bestimmten Konstanz zu pflegen, macht es Sinn, diese über einen längeren Zeitraum hinweg zu planen und in einem Konzept schriftlich festzuhalten. Jedoch verfügten zum Zeitpunkt der Erhebung nur zwei von fünf der befragten Organisationen über ein solch übergeordnetes Kommunikationskonzept. Jeder fünfte Verband war daran, ein entsprechendes Papier zu erstellen. Die Digitalisierung ist bei der Erarbeitung dieser Dokumente sicherlich ein Thema, das die Verbände im Hinblick auf ihre Kommunikationsaktivitäten auch künftig beschäftigen wird (n = 202). Insbesondere die Bedeutung und der Einsatz von Social Media treibt sie dabei nach eigenen Angaben um.

Website und Newsletter legen weiter zu

Auf die Frage hin, welche Kanäle für den einzelnen Verband eher an Bedeutung gewinnen resp. verlieren werden, herrscht ein gewisser Konsens: Für die Mehrheit der Befragten steigt primär die Bedeutung der eigenen Website sowie des elektronischen Newsletters an (vgl. Abb. 1). Damit erwarten sie einen weiteren Bedeutungszuwachs derjenigen Kanäle, die ihre Onlinekommunikation bereits heute massgeblich prägen. Bei vielen anderen digitalen Medien erwarten sie tendenziell ebenfalls einen Bedeutungszuwachs, in welchem Ausmass ist aber meist noch unklar. Einzig beim Business-Netzwerk XING vermuten die befragten Organisationen eher einen Rückgang.

 

Abb. 1: Bedeutungswandel ausgewählter digitaler Kanäle (Quelle: Maring & Lichtsteiner 2018: 35)

Konkrete Entwicklungsstrategien fehlen häufig

Auch wenn insgesamt die Einsicht vorhanden ist, dass die Kommunikation sich laufend weiterentwickelt, liegen kaum konkrete Handlungsabsichten vor, den eigenen Medienmix zu verändern. 60 % der befragten Organisationen geben an, in absehbarer Zeit keine grösseren Anpassungen ihrer Kommunikationskanäle zu planen (vgl. Abb. 2). 38 % der Verbände möchten einige Umstellungen vornehmen und verfolgen primär den Plan, ihre digitalen Kanäle auszubauen. Sie wollen neben einer interaktiveren Website, einem moderneren Newsletter, Online-Jahresbericht oder -Magazin auch stärker mit Social Media arbeiten. Ferner ist bei einigen Organisationen eine eigene App angedacht.

 

Abb. 2: Absicht zum Ein-/Absetzen von Kommunikationskanälen (n = 307, Mehrfachnennungen möglich; Quelle: Maring & Lichtsteiner 2018: 36)

 

 

 

 


1 Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel von Maring & Lichtsteiner: Maring, N. & Lichtsteiner, H. (2018). Schweizer NPO nutzen Chancen digitaler Medien zu wenig. Verbands-Management, 44(2), S. 31-38.

Was, wenn die Ziele von der geldgebenden Organisation nicht zur implementierenden Organisation passen?

Damit gemeinnützige Projekte umgesetzt werden können, braucht es zum einen die Personen und Organisationen, welche das Projekt umsetzten und es braucht die Geldgeber, die das Ganze finanzieren. Im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit gibt es hier oftmals ein Spannungsfeld: auf der einen Seite steht die implementierende Organisation vor Ort, welche die Bedürfnisse und die Herausforderungen sieht, die es zu bedienen gilt. Auf der anderen Seite ist der Geldgeber, welcher seine Vision (verbunden mit einer Strategie) und die darin enthaltenen Ziele, umsetzte möchte. Oft sind diese Geldgeber aus einem anderen Land, meist einem anderer Kontinent. Trotz dieser geographischen und kulturellen Distanz sind im Idealfall diese beiden Ansprüche deckungsgleich. Doch was ist, wenn sie es nicht zu 100% sind? Wenn die Herangehensweise eine andere ist oder die Vorstellungen der Lösung für das Problem auseinandergehen? Wessen Ziele sollten dann eher verfolgt werden?

Im ersten Moment schein die Antwort klar – wichtiger sind die Ziele der Organisation vor Ort. Denn das Ziel der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) ist die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen im entsprechenden Kontext und die lokale Organisation ist hier klar als Experte zu verstehen. Daher sollte der Geldgeber erkennen, dass das Projekt die zentralen Herausforderungen adressiert, die Expertenrolle respektieren und das Projekt finanzieren.

Scheint einfach? Ist aber nicht die beste Lösung.

Denn das reine Finanzieren von Projekten, also der ausschliesslich finanzielle Mehrwert einer Zusammenarbeit, ist veraltet. Das heutige Paradigma der EZA ist die «Partnerschaft». Bei einer authentischen und gelebten Partnerschaft arbeiten Organisationen aus dem Norden (sprich die Geldgeber) auf Augenhöhe und gleichberechtigt mit Organisationen aus dem Süden zusammen und setzten so Projekte um. Das bedingt aber weiter, dass zwischen den Organisationen nicht bloss Geld und Reports, sondern eben auch Wissen und Erfahrungen ausgetauscht werden und so gemeinsam gearbeitet wird. Und in diesem Fall ist der Mehrwert des Geldgebers dann am grössten, wenn das Projekt auch zu seinem Portfolio und damit zu seinen Kompetenzen passt. Wenn der Geldgeber also auch fachliche, methodische oder inhaltliche Inputs geben kann, ist er nicht mehr reiner Donor sondern wird zum Partner.

Partnerschaft braucht die entsprechende Haltung.

So einfach das klingt, so schwierig ist es. Denn authentische Partnerschaft setzt eine entsprechende Einstellung und Haltung beider Seiten voraus. Es braucht eine offene und transparente Kommunikation, es braucht Wertschätzung und Respekt, gegenseitiges Vertrauen und es braucht geteiltes Verantwortungsbewusstsein für das Projekt und die darin enthaltenen Aufgaben. Denn schlussendlich braucht es die Ansicht, dass wenn man die Arbeit und das Wissen aus beiden Organisationen kombiniert, ein vermutlich besseres Projekt herauskommt.

Die Frage aus dem Titel greift also zu kurz. Denn bei einer Partnerschaft erarbeitet man gemeinsam die Ziele, da man sich Partner sucht, die eine ähnliche Vision verfolgen. Die grösste Herausforderung ist dabei v.a. die passenden Partner zu finden…

 

Fahrplan fürs Internationale Grossspenden-Fundraising

Das Interesse großer Geldgeber an internationalen Projekten ist erheblich. Stifter und philanthropische Organisationen suchen auch jenseits ihrer nationalen Grenzen intensiv nach Partnerschaften mit interessanten und innovativen Nonprofit-Organisationen. Spenden in Millionenhöhe können das Ergebnis sein – doch der Beziehungsaufbau braucht Zeit. Aber wie finden Nonprofit-Organisationen den Kontakt zu diesen Geldgebern, wie können sie dafür sorgen, dass ihre Arbeit auch international auf Interesse und Spendenbereitschaft stößt?

Oft beschränken sich NPOs darauf, eine Online-Analyse potenzieller Geldgeber zu erstellen und dann Förderanträge einzureichen. Doch diese Vorgehensweise hat nur begrenzt Aussicht auf Erfolg. Viele Geldgeber erlauben nicht einmal die unaufgeforderte Bewerbung. Und: Ohne ein tiefes Verständnis der Motivation eines Geldgebers, seiner Ansätze, Konzepte, und Strategien können Anträge leicht die Erwartungen verfehlen.

Sechs Strategieempfehlungen helfen bei der Erschließung internationaler Fundraisingmärkte. Sie basieren auf knapp 20 Jahren Erfahrung in der Begleitung europäischer Organisationen in den USA und US-Organisationen in Europa:

  1. Wettbewerbs- und Umfeldanalyse:

    Analysieren Sie Ihre nationalen und internationalen Wettbewerber im Hinblick auf Ihr Thema und auf Geldgeber, Marketingstrategien, Publikationen, Konferenzteilnahmen, Websiteauftritt Presseberichterstattung, und Twitter, LinkedIn, und Instagram-Kanäle. Soziale Medien sind im anglo-sächsischen Fundraising entscheidend.

  2. Internationaler Case for Support:

    Spricht Ihre Organisation wirklich das Interesse internationaler Geldgeber an? Eine Möglichkeit, dies herauszufinden, besteht darin, einen Case for Support zu schreiben und zu testen. Beschreiben Sie auf einigen Seiten Ihre Organisation, Arbeit, Leitbilder, Leadership, Alleinstellungsmerkmale, Dringlichkeit, Strategien, Arbeitsweise, Ziele, die Notwenigkeit für mehr – auch internationale – finanzielle Unterstützung, die Leistungen Ihrer Organisation und wie Sie diese messen. Der Case muss in Englisch verfasst sein, sich wie ein journalistischer Text lesen und schon durch die richtige Wortwahl die Nähe zum Geldgeber deutlich machen. Wichtig: Wenn Ihre Organisation verschiedene Programmbereiche hat, wie es etwa bei großen Hochschulen oder Entwicklungshilfeorganisationen der Fall ist, empfehlen wir, den Case auf ausgewählte Leuchtturmprojekte mit internationaler Strahlkraft zu konzentrieren.

  3. Case for Support testen:

    Stellen Sie Fragen zusammen und „testen“ Sie den Case for Support, indem Sie um Rat fragen. Ist internationales Fundraising möglich und wer sind mögliche Geldgeber? Ist der Case überzeugend? Wer sind die wesentlichen Akteure und Gatekeeper? Wie sollte Ihre Organisation sich international positionieren? An welchen Trends und Ansätzen sind globale Geldgeber interessiert? Welche internationalen Konferenzen sind entscheidend? Wer sind die internationalen Meinungsführer in Ihrem Feld?

  4. Fundraising – Marketing Plan:

    Internationales Großspenden-Fundraising basiert auf relationship fundraising. Das heißt: Geldgeber wollen die spezifischen Ansätze, den Impact und die Besonderheiten Ihrer Organisation genau verstehen. Besonders effektiv ist ein Plan, der Fundraisingaktionen gezielt mit Marketingtools verknüpft. Blogs, Konferenzteilnahmen, Events, soziale Medien, Newsletter, und Medienarbeit – Ihre Organisation sollte auf verschiedenen Kanälen konkrete Botschaften positionieren, wobei auch Management und Programmabteilungen der NPO involviert sind. Der Plan mit konkreten Schritten, Zielgruppendefinitionen, Maßnahmen, Deliverables, und einer Timeline sollte alle 3-4 Monate überprüft und angepasst werden.

  5. Internationale Kontakte institutionalisieren:

    Empfehlungen von angesehenen Experten in der Branche sind im relationship fundraising entscheidend. Ein Gremium, etwa ein International Advisory Board mit angesehenen Mitgliedern, kann extrem hilfreich sein.

  6. Moves Management:

    Das «Moves Management» – ein für nationale und internationale Großspenden-Fundraising konzipiertes Planungs- und Controlling-System – hilft, Aufwand und Erfolgschancen vorherzusagen und nächste Schritte effizient zu planen. Ein vom Mira Partnership entwickeltes Excel-basiertes Moves Management System steht online unentgeltlich zur Verfügung (www.brakeley.de).

Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit internationalen Spenden sind nicht schwer zu klären. Für Spenden aus den USA kann zum Beispiel erstmal die King Baudoin Foundation USA helfen. Für Spenden aus Europa können Organisationen wie Transnational Giving Europe oder Chapel & York helfen. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt erhebliche Mittel fließen, können umfangreichere Lösungen erwogen werden, etwa der Aufbau internationaler Büros. Doch das kommt später. Die Erfahrung zeigt: Am Anfang ist es sehr viel wichtiger, Zeit und Energie in die Strategieentwicklung zu investieren.

Erwerbssuchende für die Freiwilligenarbeit gewinnen: Eine Win-win-win-Strategie?

Viele Nonprofit-Organisationen (NPO) sehen sich derzeit mit einem Mangel an Freiwilligen konfrontiert. Die Akquise von Erwerbssuchenden scheint eine mögliche Lösung zu sein, da diese theoretisch mehr Zeit zur Verfügung haben als Erwerbstätige. In der Literatur werden positive sowie negative Einflüsse von Freiwilligenarbeit auf Arbeitslosigkeit erwähnt, in der Praxis zeigt sich jedoch, dass die positiven überwiegen.

NPO sind auf Freiwillige angewiesen. In den letzten Jahren war bei der Anzahl der Freiwilligen in der Schweiz laut dem Freiwilligen-Monitor Schweiz 2016 ein leichter Rückgang zu verzeichnen und durch die steigende Anzahl an NPO verstärkt sich der Wettbewerb um Freiwillige. Es wird angenommen, dass fehlende Zeit eine der Hauptursachen dieses Rückgangs darstellt; Zeit, welche Erwerbssuchende mehr zu haben scheinen. Aber hat Freiwilligenarbeit nur positive Einflüsse auf Arbeitslosigkeit und ist somit die Akquise von Erwerbssuchenden für Freiwilligenarbeit eine Win-win-win-Strategie von der Erwerbssuchende, NPO sowie die Gesellschaft als Ganzes profitieren können?

Positive Einflüsse der Freiwilligenarbeit auf Arbeitslosigkeit

In der Literatur werden viele positive Effekte von Freiwilligenarbeit auf Arbeitslosigkeit genannt. Einerseits kann Freiwilligenarbeit Erwerbssuchenden dabei helfen, eine gewisse Struktur im Alltag beizubehalten, andererseits kann sie ihnen private Vorteile verschaffen: Erlernen neuer, jobrelevanter Fähigkeiten, Kontakte mit anderen Menschen knüpfen und das private Netzwerk ausbauen sowie die Möglichkeit, negative Gefühle zu verarbeiten. Auch kann Freiwilligenarbeit dazu genutzt werden, Lücken im Lebenslauf zu füllen. So erhöht Freiwilligenarbeit die Chance, eine Arbeitsstelle zu finden, da sie zudem als Signal bestimmter Charaktereigenschaften für potentielle Arbeitgeber dient.

Negative Einflüsse der Freiwilligenarbeit auf Arbeitslosigkeit

Jedoch kann sich Freiwilligenarbeit laut Literatur auch negativ auf Arbeitslosigkeit auswirken. Wenn Arbeitgeber vor allem Wert auf Diplome legen und Freiwilligenarbeit nicht als tatsächliche Arbeit anerkennen, da während dieser der Erwerb von Diplomen nicht möglich ist, funktioniert dieses Signal nicht und Freiwilligenarbeit kann das Finden einer Anstellung erschweren.

Erkenntnisse aus der Praxis

In der Praxis zeigt sich, dass Freiwilligenarbeit zwar auch einen negativen Einfluss auf Arbeitslosigkeit haben kann, wenn diese zum Ersatzjob ohne Verdienst wird oder der Arbeitssuche nicht mehr oberste Priorität zugeordnet wird, allerdings überwiegen die positiven Effekte. Diese steigern das Selbstwertgefühl der Erwerbssuchenden, wodurch sie anders in Bewerbungsgesprächen auftreten können. Auch das vergrösserte Netzwerk kann sehr nützlich für die Arbeitssuche sein. Wenn also darauf geachtet wird, die Tätigkeit nicht zu zeitintensiv zu gestalten und zeitlich zu begrenzen, um den negativen Effekten vorzubeugen, stellt die Gewinnung von Erwerbslosen für die Freiwilligenarbeit eine Win-win-win-Strategie dar.

Tipps für NPO, um Erwerbssuchende für Freiwilligenarbeit zu gewinnen:

  • Schaffen Sie Aufgaben mit höchstens sechs Stunden pro Woche und zeitlicher Begrenzung.
  • Betonen Sie bei der Freiwilligenakquise die unterschiedlichen Fähigkeiten und Kenntnisse, die während der Freiwilligenarbeit erworben werden können.
  • Gestalten Sie die Aufgaben so, dass soziale Kontakte garantiert sind und die Erwerbssuchenden ihr soziales Netzwerk ausbauen können.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie den Freiwilligen ein „Dossier freiwillig engagiert“ ausstellen, das ihre Tätigkeit dokumentiert.

Literaturempfehlung:
Freitag et al. (2016). Freiwilligen-Monitor Schweiz 2016, Zürich: Seismo.

Tragt Sorge zu unseren Domen, Münstern, Kathedralen

Wir Architekturhistoriker und Heimatschützer betonen immer wieder den hohen Stellenwert der historischen Baudenkmäler für unsere Identität und unser Selbstverständnis. Die Reaktionen der überwältigten Augenzeugen des Brandes von Notre-Dame in Paris – in filmischen Reportagen live in die ganze Welt übertragen – haben bewiesen: Ein so bedeutendes Kulturerbe wie die Kathedrale der französischen Hauptstadt gehört tatsächlich zum allgemeinen Kulturerbe einer weltumspannenden Gesellschaft – in deren ganzen Heterogenität.

In Paris eine Brandkatastrophe

Zwar stellte Valentin Groebner in der FAZ echte Trauer um Notre-Dame in Abrede: Dies sei «Lust an der starken Wirkung der Bilder und Lust an der eigenen Wehmut vor Publikum». Ich zweifle daran, dass es eine kollektive Körperbeherrschung oder gar ein massenpsychotisches Phänomen bei den zufällig anwesenden Passanten oder bei den Betrachtern am Bildschirm waren, die Schrecken, Trauer, Lähmung hervorriefen. Für viele war der Kirchenbrand vom 15. April ein so eindrücklicher Moment, dass man es zur Ereigniskategorie mit der zugehörigen Erinnerungsfrage «Wo war ich als ich davon erfuhr?» zählen kann. Der Kennedy-Mord 1963 und 9/11 2001 gehören zu dieser Kategorie, deren Erinnerung uns vor unserem geistigen Auge sofort an jenen Ort zurückkatapultiert, wo wir erstmals von diesen Tragödien hörten. Nie werde ich auch vergessen, dass ich abends am Küchentisch sass, als ich vom Notre-Dame-Brand hörte, wie ich ebenfalls am Küchentisch sass, als ich am frühen Morgen des 18. August 1993 vom Brand der Luzerner Kapellbrücke hörte.

Spenden: ein Ärgernis?

Notre-Dame materialisiert Geist und Zeit in Stein und sublimiert diese in Schönheit. Die vielschichtige Bedeutung dieses Bauwerks spiegelt sich in der sensationellen – und vielkritisierten – Höhe der spontanen Spenden für dessen Wiederaufbau. Lapidar (und korrekt) kontert die NZZ am Sonntag: «Die Kritik verkennt den Kern des Spendens: die Freiwilligkeit». Sachkundig analysierte NZZ Online am 28. April. Ich denke: Wer freiwilligem Spenden Eigennutz unterstellt, der müsste bei der Deckelung/Limitierung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Zuwendungen und Sponsoringbeiträgen ansetzen. (Ob das unter dem Strich eine lohnende Idee wäre, das wage ich zu bezweifeln.)

In Basel ein Jubiläum

Bei uns in Basel stimmte die Meldung des Brandes in Paris besonders nachdenklich. Denn tags zuvor, am Palmsonntag, wurde das Jubiläumsjahr «1000 Jahre Basler Münster» einläutet – vormittags mit einem ökumenischen Gottesdienst im Beisein des Bischofs von Basel, abends mit einem Konzert unter Beteiligung des Choeur Grégorien de Paris, der exakt 24 Stunden nach dem Basler Konzert vom Brand der Notre-Dame erfahren musste. Zudem ist man sich am Rheinknie auch heute in weiten Kreisen bewusst, dass das Münster, bis zur Reformation die Kathedrale des Bistums von Basel, 1356 durch das Basler Erdbeben teilzerstört worden war.

Spenden für ein Kulturprogramm

Im Milleniumsjahr, welches der Weihe des Basler Münsters im Beisein des Kaisers Heinrich II. am 19. Oktober 1019 gedenkt, ist der spätromanische Bau mit den gotischen Zutaten identitätsstiftend besonders präsent: nicht nur im Stadtbild, sondern auch im Leben der Stadt. Entgegen einer älteren Ankündigung sind Teile des Münsterchores doch eingerüstet. Zahlreiche kirchliche und vor allem kulturelle Institutionen haben sich zusammengetan, um in einem reichhaltigen Programm vom Frühjahr bis in den Herbst hinein die vielschichtige Rolle dieser Hauptkirche in der Geschichte der Stadt und ihrer Gesellschaften erlebbar zu machen, in Gottesdiensten, Konzerten, Ausstellungen, Publikationen etc. Etliche gemeinnützige Förderstiftungen und auch eine Mäzenin beteiligen sich finanziell grosszügig an diesen Aktivitäten, nebst Evangelisch-reformierter Kirchgemeinde und dem kantonalen Lotteriefonds. Einen besonders nachhaltenden Beitrag ans Jubiläumsjahr bildet die Herausgabe der ersten umfassenden Buchmonographie über das Basler Münster durch die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Am 19. Oktober 2019 erlebt dieses Werk eines Autorenkollektivs von Historikern, Kunsthistorikerinnen und Archäologen seine Buchtaufe.
Über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand hat natürlich die Stiftung Basler Münsterbauhütte, die seit ihrer Gründung 1986 für den Unterhalt des Münsters sorgt. Sie wird durch den Verein Freunde der Basler Münsterbauhütte finanziell und ideell unterstützt. Diese Freunde bilden ein wichtiges Bindeglied mit der städtischen Gesellschaft und verkörpern ihr jeweils persönliches Sorgetragen für ihr Münster

Kultur ist umspannend

Mit der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister ist das Basler Münster (wie übrigens auch die Kathedrale von Freiburg und das Berner Münster) in ein weitgespanntes Netzwerk eingewoben. Wenige Tage nach dem Brand in Paris bekundete die Dombaumeistervereinigung seine Solidarität mit Notre-Dame durch ein konzertiertes Glockenläuten durch ihre Dome, Münster und Kathedralen. Dem jubilierenden Basler Münster erweisen die Europäischen Dombaumeister ihre Referenz dann im Oktober mit der Durchführung ihrer Jahreskonferenz in Basel.

Den informellen Abschluss findet das Basler Milleniumsjahr übrigens erst im April 2020, mit der Aufführung von Gustav Mahlers 2. Sinfonie (der sog. «Auferstehungssinfonie») im Basler Münster. Schon 1903 war sie dort erklungen, unter dem Dirigat ihres Komponisten sogar. Im Schlusssatz wird der Chor – vielleicht auch für Notre-Dame – die Verse von Friedrich Gottlieb Klopstock singen: «Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du».


Foto: ©LeonidAndronov – Can Stock Photo Inc.