«Wie geht’s dir?» ist der Schlüssel

Auch dieses Jahr ist am 10. Oktober wieder der internationale Tag der psychischen Krankheit. Eine Gelegenheit, daran zu erinnern, dass es keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit gibt. Eine Gelegenheit, über ein Thema zu sprechen, über das wir in der Schweiz nur sehr ungern sprechen – nur über das Einkommen wird noch weniger gesprochen.

Es gibt guten Grund, über psychische Gesundheit zu sprechen. Dass jede zweite Person im Laufe ihres Lebens eine psychische Beeinträchtigung erlebt, belegen viele Studien. Und jede(r) fünfte sagt bei repräsentativen Befragungen, dass es ihm/ihr jetzt psychisch nicht gut geht. Mich hat eine neue Studie überrascht in der Menschen nicht retrospektiv befragt, sondern über einen längeren Zeitraum begleitet und immer wieder befragt wurden: In dieser Studie sind es nur 8%, die im Studienverlauf nie über psychische Beeinträchtigung berichtet haben. Wahrscheinlich müsste man sich fragen, was ist denn mit diesen 8% los?

Mit psychischer Beeinträchtigung ist gemeint, eine länger dauernde Veränderung von Gefühlen, Gedanken und Wahrnehmungen, die Betroffene leiden lässt und das alltägliche Leben, die Arbeit und/oder die Beziehungen beeinträchtigt. Betroffene wünschen sich nichts mehr als mit vertrauten Personen darüber reden zu können, gehört und ernst genommen zu werden.

Solche Gespräche beginnen mit der Frage „Wie geht’s dir?“ – allerdings nicht als Höflichkeitsfloskel, sondern als ernst gemeinte Frage an einem Ort und zu einem Zeitpunkt, wo ein Gespräch möglich ist. Aus meiner Erfahrung muss man zweimal fragen um zu signalisieren, Deine Antwort interessiert mich wirklich und ich bin bereit, mich darauf einzulassen. Solche Gespräche sind nicht einfach, darum haben wir im Rahmen der „Wie geht’s dir?“-Kampagne Gesprächstipps auf der Website www.wie-gehts-dir.ch aufgeschaltet und ganz neu auch als Broschüren verfügbar. Es gibt Gesprächstipps für „mir geht es gut aber ich kenne jemanden, dem es nicht gut geht“ und aber auch für „mir geht es nicht gut“.

Reden über psychische Gesundheit und die ernst gemeinte Frage „Wie geht’s dir?“ helfen, das Thema zu enttabuisieren und Betroffenen das Leben zu erleichtern. Denn das Stigma, das psychischen Krankheiten immer noch anlastet führt zur Selbststigmatisierung bei Betroffenen und verstärkt ihr Leiden. Und grad weil es jede und jeden von uns treffen kann ist es höchste Zeit, dass sich unser gesellschaftlicher Umgang mit dem Thema ändert.

PS. Die Broschüre mit Gesprächstipps der „Wie geht’s dir?“-Kampagne können Sie hier herunterladen oder gegen eine Versandpauschale gedruckt bestellen.

Wettbewerb und Kooperationen zwischen NPO

Ankündigung von Fusionen, Personalabbau und Neupositionierungen – das alles sind Anzeichen für erhöhten Druck, sei es durch weniger Ressourcen oder mehr Konkurrenz. Nicht erst seit diesem Jahr nimmt das Gefühl von Wettbewerb zwischen Nonprofit-Organisationen (NPO) zu. Gründe für diese Entwicklung sind unter anderem die wachsende Zahl an NPO, stagnierende oder rückläufige Einnahmen von Spenden und öffentlichen Geldern und höhere Anforderungen an die Effizienz und Effektivität. Eine Antwort auf zunehmenden Wettbewerb ist eine verstärkte Kooperation zwischen NPO zur Sicherung von Ressourcen. Daneben sind Differenzierung oder Fokussierung weitere mögliche Strategieoptionen.

Kooperationen zur Sicherung von Ressourcen

Bereits 1978 haben die beiden amerikanischen Wissenschaftler Jeffrey Pfeffer und Gerald Salancik auf den Zusammenhang von Ressourcenknappheit und Organsiationsüberleben hingewiesen. Gemäss ihrer Ressourcenabhängigkeitstheorie sind Organisationen erfolgreich, wenn es ihnen gelingt, den Zugang zu notwendigen Ressourcen zu sichern. Dafür stellen insbesondere Interorganisationsbeziehungen eine vorteilhafte Strategie dar. Diese sollen den Erfolg der Organisation langfristig sichern und die Qualität von Dienstleistungen verbessern. Auch der Zugang zu öffentlichen Zuschüssen und Leistungsverträgen kann durch strategische Kooperationen vereinfacht werden. Nebst der Stärkung bzw. Sicherung der Angebote und Kosteneinsparungen ist auch die Generierung von Fachwissen und Fähigkeiten ein Vorteil von Kooperationen.

Barrieren für Kooperationen

Kooperationen bringen aber stets auch gewisse Anforderungen mit sich. Eine Studie aus Kanada gibt Aufschluss darüber, dass Kooperationen mit anderen NPO eingegangen werden, wenn ein Gleichgewicht von Abhängigkeit und Autonomie besteht. Zwischenmenschliche Beziehungen vermögen diese Kooperationen durch positive Attribute (z. B. Vertrauen) zu stabilisieren. Neben dem Autonomieverlust, der auch in anderen Studien als Hemmnis für das Eingehen von kooperativen Beziehungen identifiziert wird, sind auch unterschiedliche Ideologien ein Hindernis für erfolgreiche Kooperationen.

Weitere Strategien

Differenzierung, das Suchen von Marktnischen und die Kostenführerschaft stellen Strategien dar, die Michael Porter (1980) in seiner Wettbewerbsvorteilstheorie beschreibt. Letztere ist für NPO von geringer Relevanz, doch die Differenzierung von Produkten oder Dienstleistungen und das Suchen von «unbesetzten» Nischen ist bei NPO durchaus beobachtbar. Dazu gehört auch, durch Innovation und Weitsichtigkeit in einem kompetitiven Umfeld zu bestehen, indem frühzeitig auf aktuelle und künftige Trends reagiert wird.

Wettbewerb und Kooperationen in der Schweiz

Gemäss einer Umfrage des CEPS erleben NPO in der Schweiz den zunehmenden Wettbewerbsdruck erst schwach, und dies vor allem im Bereich der Ressourcenbeschaffung. Trotzdem lohnt es sich zu überlegen, wie man auf ein sich veränderndes Umfeld reagieren kann. Fragen, die man stellen kann, sind beispielsweise:

  • Wer sind unsere wichtigsten Kooperationspartner und welche Ressourcen werden dadurch verstärkt oder ergänzt?
  • In welchen Bereichen könnten wir unser Angebot durch Kooperationen verbessern oder ausbauen?
  • Wo sind wir einzigartig und unterscheiden uns von anderen Organisationen massgeblich?

Von der Stiftungsplattform zum Portal für die Schweizer Philanthropie

«Unterwegs in die Zukunft der Philanthropie»

Am 26. September 2019 lud StiftungSchweiz ins Cabaret Voltaire und über 110 interessierte Gäste folgten der Einladung.  Wo vor fünf Jahren die Lancierung der ersten Stiftungsplattform gefeiert wurde, startete an diesem Abend der Countdown zur Lancierung des neuen Portals für die Schweizer Philanthropie. Mit dieser Weiterentwicklung werden neben Stiftungen und Projektträgern künftig auch Privatspender und weitere Anspruchsgruppen, wie Firmen, Grossspender und Dienstleister mit innovativen digitalen Lösungen bedient. Ausgeklügelte Produkte und Dienstleistungen, die in Zusammenarbeit mit starken Partnern mehr Effizienz, mehr Transparenz und mehr Freude in die Philanthropie bringen sollen.

Der Countdown läuft!

Am 21. Oktober 2019 geht das neue Portal live.

Ein Vorgeschmack gefällig?

Tauchen Sie ein und lassen Sie sich überraschen. Wir freuen uns auf viele interessierte Besucher, die dieses Portal für ihre Organisationen, Projekte und philanthropischen Vorhaben nutzen und dies bis Ende 2019 sogar kostenlos! Jetzt Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben

 

 

 

Die Stiftungslandschaft wächst und wächst

Der Stiftungssektor Schweiz ist und bleibt attraktiv. Dies zeigen die aktuellen Zahlen der Neugründungen im 3. Quartal 2019. Wobei auch in diesem Quartal die Förderstiftungen mit 46 knapp gefolgt von den operativen Stiftungen vorne liegen.

Bei den Wirkungsbereichen fokussieren die neugegründeten Stiftungen weiterhin auf «Kunst, Kultur Freizeit» (40), «Bildung» 39 und «Soziales» (33 Neugründungen).

Zur detaillierten Übersicht der Neugründungen

Zehn Jahre liechtensteinisches Stiftungsrecht – Lehren für die Schweiz?

Während in der Schweiz in den letzten Monaten des Untergangs des Bankgeheimnisses vor zehn Jahren gedacht wurde, blickt man 2019 im Fürstentum Liechtenstein (das ja gerade sein dreihundertjähriges Landesjubiläum feiert) auf zehn Jahre des neuen Stiftungsrechts zurück, welches im April 2009 in Kraft getreten ist. Spätestens auf den zweiten Blick haben diese beiden Ereignisse einen inneren Zusammenhang: Die zwei Nachbarstaaten mit dem Schweizer Franken als Landeswährungen mussten infolge des internationalen Drucks ihre Finanzplatzstrategien anpassen. In Liechtenstein war die Totalrevision des Stiftungsrechts ein wichtiger Pfeiler dieser Anpassung.

Liechtensteiner Stiftungen: gemeinnützig – privatnützig – gemischt

Ein Kernelement davon ist die Definition des Typs der «Gemeinnützigen Stiftung» liechtensteinischen Rechts, welche sich deutlich abhebt von den traditionellen privatnützigen Stiftungen, den Familienstiftungen, die weiterhin bestehen bleiben können und im Stiftungsrecht ebenfalls neu geregelt wurden. Diese privatnützigen oder eigennützigen müssen auch künftig nicht in einem Stiftungsregister eingetragen sein und unterstehen nicht der Stiftungsaufsicht (STIFA). Nach einer Schrumpfkur infolge des Abflusses von Schwarzgeldern sind von den ursprünglich etwa 50’000 Privatstiftungen noch etwa 16’000 übriggeblieben. Und diese bleiben eine Welt für sich, die uns hier nicht weiterbeschäftigen soll. Im Gegensatz zu den privatnützigen Stiftungen sind die gemeinnützigen Stiftungen steuerbefreit. Angesichts der eh schon tiefen Körperschaftssteuern in Liechtenstein ist dieser «Bonus» der Steuerbefreiung jedoch nicht so hoch.
Aus Schweizer Sicht gewöhnungsbedürftig ist, dass eine Stiftung als gemeinnützig gelten kann, auch wenn sie bloss «überwiegend» und nicht ganz den gemeinnützigen Zwecken verpflichtet ist. Es wurde sogar der Typ der «gemischten Stiftung» mit teils gemeinnützigen, teils eigennützigen Zielen geschaffen. Derartige Stiftungen sind freilich nicht steuerbefreit. Im Zusammenhang mit Gemeinnützigkeit und Steuerbefreiung muss dabei beachtet werden, dass das liechtensteinische Stiftungsrecht eine besondere Komplexität aufweist, indem das Gesetz einerseits einen privatrechtlichen andererseits einen steuerrechtlichen Begriff der Gemeinnützigkeit kennt. Bei den Kriterien für die Steuerbefreiung der gemeinnützigen Stiftung scheinen die liechtensteinischen Steuerbehörden dabei ähnlich konsequent zu handeln wie deren Pendants in der Schweiz.

Aufsicht, Governance, Forschung

Eine nicht minder wichtige Neuerung ist die konsequente Implementierung einer zweistufigen Kontrolle bei den gemeinnützigen Stiftungen: Einerseits über eine (weitgehend) obligatorischen Revisionsstelle, andererseits über eine staatliche Stiftungsaufsicht mit weitgehenden Befugnissen.
Es besteht neu eine Registrierungspflicht insofern als eine gemeinnützige Stiftung erst mit dem Eintrag im Handelsregister Rechtspersönlichkeit erlangt. Nach einem steilen Anstieg zu Beginn hat sich die Zahl der eingetragenen gemeinnützigen Stiftungen zwischen 1300 und 1400 eingependelt.
In gewissem Sinne folgerichtig wurde 2010 ein eigener Stiftungsverband gegründet, die Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen und Trusts (VLGST). Mit ihren mittlerweile etwa 90 Mitgliedern erreichen die liechtensteinischen gemeinnützigen Stiftungen einen Organisationsgrad, der immerhin etwa doppelt so hoch ist wie jener in der Schweiz. Die VLGST will sich der Förderung der Philanthropie widmen und möchte einen Beitrag zur Reputation des Finanzplatzes leisten. Dazu erhebt die Vereinigung auch periodisch statistische Zahlen, da die staatliche Verwaltung (ebenso wenig wie in der Schweiz) solche nicht liefert. Auch wenn diese nicht repräsentativ sein können, bieten die Umfrageresultate doch starke Indizien, dass sehr hohe 90 % der Ausschüttungen durch die gemeinnützigen Stiftungen im Ausland (auch in der Schweiz) getätigt werden.
Seit 2009 existiert an der Universität Vaduz auch ein Lehrstuhl für Gesellschafts-, Stiftungs- und Trustrecht, der von Prof. Francesco A. Schurr besetzt ist. Mit seiner Forschungs-, Lehr- und Vortragstätigkeit ist er auch ein engagierter und kundiger Kommentator des Stiftungsplatzes Liechtenstein.

Welche Lehren für die Schweiz?

Manches, was Sie hier lesen, mag Sie an die Verhältnisse in der Schweiz erinnern, der in den vergangenen zwanzig Jahren ebenfalls grosse Veränderungen erfahren hat.
Aus Schweizer Sicht ist allerdings einiges am liechtensteinischen Stiftungsrecht neuen Stils «gewöhnungsbedürftig». Dessen erstaunlich hohe Detaillierungsgrad auf den Seiten 384-406 des Personen- und Gesellschaftsrechts kontrastiert mit den knappen zehn Artikeln im Schweizerischen Ziivilgesetzbuch. Für einmal wird die Design-Lösung durch die organisch gewachsene geschlagen, finde ich.
Kaum mit hiesigen Vorstellungen vereinbar ist das mögliche Recht eines Stifters, die Stiftungsgründung zu widerrufen. Dass eine gemeinnützige Stiftung die Steuerbefreiung erhält, auch wenn nur ein bestimmter Personenkreis durch die Stiftungstätigkeit gefördert wird, der Destinatärskreis somit ein geschlossener ist, ginge bei unseren Steuerbehörden auch nicht durch. Die spezifisch liechtensteinische Regelung, wonach in einem Stiftungsrat mindestens ein Mitglied befugter Treuhänder sein muss, widerspricht dem Empfinden in der Schweiz, ebenso wie die Regelung, wonach juristische Personen Mitglied eines Stiftungsrats sein können.
Die Flexibilität des liechtensteinischen Stiftungsrechts hat, z.B. mit der Option einer gemischten Stiftung, etwas Verführerisches. Aber den Langzeit-Härtetest hat es – mit Blick auf die immer rigoroseren internationalen Finanzmarkt- und Transparenz-Regelungen (AIA lässt grüssen!) – auch nach zehn Jahren noch nicht bestanden.

Die Website der Vereinigung der liechtensteinischen gemeinnützigen Stiftungen und Trusts VLGST hält eine Vielzahl von Unterlagen und Publikationen zum Stiftungsplatz Liechtenstein bereit.

Veranstaltungshinweis:

Die Universität Vaduz organisiert im Rahmen des Liechtensteinischen Stiftungsrechtstags 2019 am 14. November eine Tagung mit dem Titel «10 Jahre Neues Stiftungsrecht: Bestandsaufnahme und Perspektiven».


Illustration: Benno Schubiger

De l’importance du dialogue

Tant sur le plan de l’impact social que de l’efficacité, les temps sont parfois durs pour les associations à but non lucratif. Pourtant, lorsque l’on dispose d’une certaine expérience dans le domaine, Nous savons que la performance a toujours été de mise !

De nos jours, les effectifs réduits et l’importante charge de travail mènent la vie dure aux organismes sans but lucratif. Néanmoins, cette évolution a du bon. Elle force à argumenter de manière plus claire et succincte, afin de mettre du mieux possible ses atouts et sa contribution bénéfique à la société en avant. Fatiah Bürkner en est l’exemple même : de par son approche empathique, elle réussit à toucher des points sensibles et à inciter à la réflexion.

La nécessité d’un dialogue

Malgré le nombre affolant de symposiums, journées de formation et autres groupes de travail organisés, il est rare de voir mécènes et porteurs de projets à une même table – sauf si une collaboration est bien entendu envisagée de manière sérieuse. Le fossé entre les deux parties reste donc hélas une réalité. Pourtant, il serait préférable de s’ouvrir au dialogue : dans la philanthropie, il faut en effet être deux ! Les mécènes auraient-ils peur d’être importunés ? La façon dont certains fundraisers ou autres entreprises de marketing tentent parfois de mettre le grappin sur leurs potentiels alliés peut certes pousser à la fuite. D’où l’importance de l’ouverture à un échange neutre, plus que jamais nécessaire.

Vers une collaboration fructueuse

Fundraisers, malgré les difficultés, laissez votre découragement à la maison ! Soyez fiers et fières votre travail, qui requière à la fois rigueur, écoute, diplomatie et empathie. Vous contribuez à la réalisation de projets porteurs de changement – ce qui n’est pas donné à tout le monde. Les fondations donatrices souhaitent avoir un impact ; cet impact, c’est vous qui le rendez possible. En communiquant de manière efficace – même s’il est plus ardu de le faire dans certains domaines –, vous facilitez le travail des fondations donatrices et faites preuve de vos compétences, ajoutant ainsi l’ingrédient essentiel à une collaboration porteuse de fruits : la confiance. Alors, place au dialogue et aux relations de partenariat, et laissons une bonne fois pour toute notre réticence à la maison.

Wie leicht ist Impact Investing mit dem eigenen Stiftungszweck möglich?

Kommt die Rede auf Impact Investing, dann ist damit meistens gemeint, dass gleichzeitig eine soziale respektive ökologische und eine finanzielle Rendite erreicht und beide Renditen auch gemessen werden sollten. Diese Umschreibung lässt durchaus Spielraum zu, was alles unter Impact Investing verstanden werden kann. Die Abgrenzung geschieht dabei am einen Ende des Spektrums gegenüber nachhaltigen Anlagen, am anderen Ende gegenüber reinem philanthropischem Engagement. Die Herausforderung besteht darin, dass sich einerseits das Investment lohnt und andererseits ein gesellschaftlicher Nutzen entsteht.

Eine typische Investitionsmöglichkeit sind Sozialunternehmen. Wie ein solches konkret ausgestaltet sein kann, zeigt das Beispiel des Sozialunternehmens in Tansania von einem der Teilnehmenden des CAS Global Social Entrepreneurship des CEPS. Das Sozialunternehmen beschäftigt insbesondere junge Frauen und Mütter, die sonst keine Stelle finden würden. Diese stellen Briketts her, welche dann zu einem angemessenen Preis an Schulen und die lokale Bevölkerung verkauft werden. Einerseits wird durch den Verkauf der Briketts ein Ertrag generiert, der die Rückzahlung von Darlehen und anderen Investitionen ermöglicht. Andererseits schafft das Sozialunternehmen nicht nur Arbeitsplätze, sondern fördert die Gesundheit, denn das Verbrennen von Briketts produziert weniger Rauch als das Einfeuern mit Holz. Der Beitrag zu einer sozialen Rendite scheint bei diesem Investitionsobjekt klar und wenig widersprüchlich.

Es gibt jedoch auch Fälle, in welchen dies nicht so eindeutig ist. Die Orientierung am eigenen Stiftungszweck kann dann hilfreich sein. Dies kann auch zur Schlussfolgerung führen, dass Impact Investing im Bereich des eigenen Zwecks nur schwer umsetzbar ist. Setzt sich eine Stiftung beispielsweise für die Rechte von Kindern ein, wird es schwierig sein ein Investitionsobjekt zu finden, welches in diesem Bereich sowohl eine soziale als auch eine finanzielle Rendite erzielt. Setzt sich eine Stiftung jedoch für bezahlbaren Wohnraum ein, so liegt Impact Investing quasi auf der Hand.

Zudem sollte das Risikos des sogenannten «Mission Drift» beachtet werden. Dies ist das Risiko, dass im Verlauf der Zeit Abstriche bei der sozial-ökologischen zugunsten der finanziellen Rendite gemacht werden. Die Überprüfung der sozialen respektive ökologischen Rendite hilft dabei, das Risiko eines sogenannten «Mission Drifts» zu reduzieren.

Neben diesen Aspekten gilt es natürlich auch die gesetzlichen Voraussetzungen zu berücksichtigen. Diese sind für Stiftungen je nach Art und Ausmass der Umsetzung des Impact Investings unterschiedlich. Zusammenfassend können folgende drei Fragen bereits für eine erste Analyse hilfreich sein:

  • Gibt es in mindestens einem unserer Förderbereiche die Möglichkeit, unternehmerisch Geld zu verdienen?
  • Wie weit weg von unserem Förderbereich sind Impact Investing-Möglichkeiten und auf wie viel Rendite müssten wir dafür wahrscheinlich verzichten?
  • Wie verhindern wir, dass in Organisationen, in welche wir investiert haben, Mission Drift entsteht?

Redet miteinander! Stiftungsgespräch am 1. Oktober 2019

Die Veranstaltung von Swissfoundations beleuchtet das komplizierte Verhältnis zwischen Politik und gemeinnützigem Stiftungssektor. Auf beiden Seiten sind oft Unverständnis und fehlendes Wissen über den anderen anzutreffen. Die Stiftungswelt hegt das Vorurteil, der Staat sei bürokratisch, ineffizient und seine Strukturen überholt. Der Politik mangelt es häufig am Verständnis über Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des Stiftungssektors. Und so scheuen beide Diskussionen und Kooperationen.

Aber: Es kommt Bewegung in die Beziehung. In den Kantonen Genf, Aargau und Bern werden Strategien zur Förderung philanthropischen Engagements erarbeitet, im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt wurde ein Vorstoss zur Steigerung der Dynamik des Stiftungsstandortes eingereicht.

Wie wichtig ein konstruktiv geführter Dialog ist, zeigt der Blick nach Europa. Auch wenn die Verhältnisse mitnichten verglichen werden können, löst die Einschränkung des Gestaltungsspielraums für zivilgesellschaftliches und stifterisches Wirken in Ländern wie Ungarn, Polen, Russland oder der Türkei auch bei uns Besorgnis aus. Woher kommt dieses Misstrauen zwischen Mäzenen und Stiftungen auf der einen und Politik und Gesellschaft auf der anderen Seite?

Das Stiftungsgespräch 2019 spürt dem Verhältnis von Politik und Stiftungen nach, forscht nach den Ursachen und stellt die Frage, wie der aufflammende Dialog in Schwung gebracht werden kann und wem dabei welche Rolle und Aufgabe zufällt.

Programm

Ab 17:30 Eintreffen der Gäste
Ab 17:50 Begrüssung | Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations

Ab 18:00 Warm Up | Einführung und gemeinsame Diskussion

Ab 18:45 Redet miteinander!

  • Barbara Bleisch, Philosophin und Moderatorin Sternstunde Philosophie (SRF), im Gespräch mit Anja Wyden Guelpa und Andri Silberschmidt.
  • Anja Wyden Guelpa hat als ehemalige Genfer Staatskanzlerin die Entwicklung der ersten kantonalen Stiftungsstrategie vorangetrieben und verantwortet. Heute ist Anja Wyden Guelpa unter anderem als Direktorin des civicLab und Dozentin tätig.
  • Andri Silberschmidt ist seit 2011 politisch aktiv, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz und Vorstandsmitglied der FDP Schweiz. Aktuell kandidiert Andri Silberschmidt für den Nationalrat.

Ab 19:45 | Drinks, Food and Talks

Referenten

Veranstaltungsort
KOSMOS | Lagerstrasse 104 | 8004 Zürich

Anmeldung

 

 

Die Stiftungen im medialen Sommerloch

Meistens braucht es einen Skandal – einen vermeintlichen oder einen echten – bis sich unsere Medien auch einmal den Stiftungen zuwenden. Aber in diesem Sommer war es anders: Die Stiftungen erlangten ungewöhnlich grosse Medienaufmerksamkeit – fast ohne Skandalisierung. Ein Zufall? Oder vielmehr ein Tribut an die Sauregurkenzeit?

Medienberichte zur interessanten Steuerstudie von SwissFoundations und PWC entliessen uns in die Sommerpause. Im Feriengepäck hatten wir das Stiftungsdossier «Reformstau» in der Doppelnummer Juli/August des «Schweizer Monat» – mitkonzipiert und mitfinanziert von SwissFoundations. Unterwegs lauschten wird dem Tagesgast von Radio SRF2 Nathalie Unternährer von der Christoph Merian Stiftung. Und im Liegestuhl dann lasen wir das ganzseitige Porträt über die Ernst Göhner Stiftung in der Neuen Zürcher Zeitung. Den stiftungsmedialen Basso continuo freilich bildete die siebenteilige Radioserie der samstäglichen Wirtschaftssendung «Trend» welche am 17. August ihren Abschluss fand.

Die «Trend»-Sommerserie zu den Stiftungen

In den sieben etwa 25-minütigen Sendungen, die von nicht weniger als 11 Redaktorinnen und Redaktoren gestaltet wurden, kamen gesamthaft 23 Protagonistinnen und Protagonisten zu Wort: Professoren, Stiftungsaufsichtsvertreterinnen, Verbandsexponenten, Stiftungsexperten, Gesuchsteller etc. (Allererster Interviewgast der ganzen Serie war übrigens Peter Buss von StiftungSchweiz, die diesen Blog verbreitet). Sie äusserten sich zum fast ganzen Spektrum der Themen, welche unsere Stiftungen berühren. Zuerst zum nicht immer einfachen Verhältnis zwischen Förderstiftungen und Gesuchstellern. Oder zu den Bezügen zwischen Stiftungen und Staat und somit zu Steuerfragen. Dann wurde der interessanten Frage nachgegangen, inwiefern die moderne Blockchain- Technologie in der Schweizer Stiftung ihre passende Rechtsform gefunden hat. Mit der Unternehmensstiftung und der Kirchlichen Stiftung wurden zwei wichtige, aber weniger bekannte Stiftungstypen schwerpunktmässig porträtiert.

In den kumuliert fast drei Sendestunden kam somit eine Vielzahl relevanter Themen zur Sprache. Über die Sendeform von abwechslungsreich gestalteten Features dürfte es gelungen sein, einem breiteren Publikum den Facettenreichtum unseres Stiftungswesens näher zu bringen. Freilich betrachte ich die Sendereihe nicht in allen Punkten als ganz gelungen. So befürchte ich, dass die grundsätzlichen Unterschiede bezüglich der Besteuerung von Stiftungen in ihren diversen Ausformungen nicht glasklar rübergekommen sind. Der Stimmbürger und Steuerzahler muss wissen, dass strenge Anforderungen an die Steuerbefreiung der Gemeinnützigen Stiftungen bestehen – Bedingungen, welche Unternehmensstiftungen und Familienstiftungen nicht erfüllen können. Aber wenn sogar ein Mitglied des Moderatorenteams nicht trennscharf unterscheiden kann, ist hier kaum Klarheit zu erreichen. So gesehen ist auch bedauerlich, dass dem Typus der Familienstiftung kein grösserer Raum gewährt wurde. Wie es auch schade ist, dass in der Sendung über die Unternehmensstiftungen zwei ganz untypische Beispiele abgehandelt wurden – so wunderbare Fälle die Edith Maryon Stiftung und die Victorinox-Stiftung auch darzustellen vermögen.

Positiv hervorzuheben ist, dass sich die Sendungen grosser Objektivität bemühten. Dazu gehört selbstverständlich auch kritisches Hinterfragen. Wobei es dann passierte, dass bei der Frage nach der Transparenz bei den Kirchlichen Stiftungen der Vertreter des Bistums Chur den Befrager ins Leere laufen liess, nämlich mit dem Argument, dass die Privatstiftungen ja auch intransparent seien. Es ist ein Manko der ganzen Sendereihe, dass diese nicht laut und deutlich das hängige politische Postulat thematisiert hat: dass der Gesetzgeber für alle Stiftungen mittels offizieller Listen und Statistiken für eine grössere und breitere Transparenz im gesamten Stiftungswesen sorgen sollte.

Und wer den Skandal hier nicht findet, der sucht ihn halt im Ausland

Einen Schwachpunkt der Trend-Sendereihe zu den Stiftungen bildete die letzte Sendung, die sich dem Stiftungsplatz Liechtenstein widmete. Das Fürstentum hat eine dermassen andere Stiftungstradition als die Schweiz, dass man mit deren Einbezug nur Verwischungen und Missverständnisse provozieren konnte – insbesondere indem man sich süffig des Liechtensteiner Stiftungsplatzes in der Vergangenheit widmete und beinahe ausser Acht liess, dass ein neues Liechtensteinisches Stiftungsrecht vor exakt zehn Jahren begann, den Stiftungsplatz komplett – und zum Guten – umzukrempeln. Die Redaktoren hätten den Gestalter des neuen Liechtensteinischen Stiftungsrechts befragen können, der an der Universität Zürich lehrt, oder den Inhaber eines Lehrstuhls für Stiftungen an der Universität Vaduz. Sie kamen ebenso wenig zum Zuge wie die Vereinigung der Liechtensteinischen Gemeinnützigen Stiftungen VLGS. Ich werde in meinem Blog-Beitrag des Monats September versuchen, bei einem Blick über die Landesgrenzen den Stiftungsstandort Liechtenstein in adäquater Weise darzustellen.

Zum Ferienende dann doch noch ein Schweizer Stiftungsskandal? Oder ein Justizirrtum?

Ausgerechnet an Maria Himmelfahrt war es, dass zahlreiche Schweizer Medien über einen Urteilsspruch des Aargauer Obergerichts berichteten: Die Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter in Zurzach müsse infolge Verjährung die Dokumentationen zur archäologischen Ausgrabung in der St. Galler Stiftskirche vor über fünfzig Jahren nicht an den Kanton St. Gallen aushändigen. Stiftungspräsident Hans Rudolf Sennhauser hatte in den sechziger Jahren die Grabungen in diesem nachmaligen UNESCO Weltkulturerbe geleitet, deren wissenschaftliche Ausarbeitung und Publikation aber bis heute nicht geleistet. «Unfassbar!» – schreibt Lilian Raselli, Museumsleiterin von Augusta Raurica: «Ein Urteil mit nicht abzusehenden Folgen für die archäologische Forschung in der Schweiz!» – Unfassbar die Begründung des Aargauer Obergerichts: Es beurteilt eine Dokumentation nicht als zwingenden Bestandteil von Ausgrabungen (!).

Ex post stellt sich hier doch die Frage: Waren die Stiftungsratsmitglieder der Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter bei deren Gründung im September 2009 bloss Besitzer oder aber rechtmässige Eigentümer der in die Stiftung eingelegten Dokumentationen und archäologischen Fundstücke? Wir werden die letztinstanzliche Beantwortung dieser Frage nicht erfahren: Der Kanton St. Gallen als Kläger verzichtet auf einen Weiterzug des Falles ans Bundesgericht. Aber vielleicht reift ja nun die Erkenntnis, dass Stiftungsaufsichten künftig verstärkt die Eigentümerverhältnisse auch von nicht-pekuniären Einlagen in gemeinnützige steuerbefreite Stiftungen überprüfen sollte.


Illustration: Alphons
© Peter Gut, Winterthur