Nachhaltigkeitskonzepte für Stiftungsvermögen: Sauber, grün, ethisch, sozial, verantwortungsvoll, wirksam…

Ein ganzer Katalog von wohlklingenden Attributen wurde in den letzten Jahren im Zusammenhang mit nachhaltigen Vermögensanlagen kreiert. Die merkliche Belebung der Diskussion zum Thema wurde vor allem geschürt durch die laufend zunehmende Transparenz im Anlagebereich, ein gestiegenes Bewusstsein für Umwelt- und Klimaprobleme, ein stark erweitertes Produktangebot und allgemein eine sich selbst verstärkende Dynamik. Stiftungen dürften sich aber noch mehr einbringen.

Viele Anleger bekunden immer noch Mühe mit dem Begriff der Nachhaltigkeit im Anlagebereich. Sie weisen darauf hin, dass keineswegs geklärt ist, was genau unter nachhaltigem Investieren verstanden werden soll. Dieser Befund ist richtig, er verwundert aber auch nicht wirklich, denn jedem Nachhaltigkeitsbegriff liegt ein bestimmtes Wertesystem zugrunde. Ein Wertesystem ist aber per se normativ, und es ist nicht absehbar, dass man sich irgendwann auf ein einheitliches System einigt. Entsprechend wird auch kaum ein flächendeckender Konsens zu finden sein, welche Arten von Vermögensanlagen nun «wirklich» verantwortungsvoll und nachhaltig sind.

Einige Tendenzen sind dennoch auszumachen. Bei den heute gängigen, in Kollektivanlagen umgesetzten Strategien der grossen Anbieter sind es zumeist die weitherum akzeptierten Nachhaltigkeitsgrundsätze, welche die Vereinten Nationen anlässlich von diversen Initiativen und Konferenzen verabschiedet haben. Jüngstes Beispiel dafür sind die 17 «Sustainable Development Goals», welche die UNO 2016 publiziert hat und die auch klar zu der eingangs erwähnten Wiederbelebung der Diskussion beigetragen haben.

Hat ein Anleger die Grundsätze einer Nachhaltigkeitsstrategie für sich formuliert, geht es an die Umsetzung. Dafür scheint sich ein mehrstufiges Konzept allgemein durchzusetzen. Gemäss diesem Konzept wird eine nachhaltige und verantwortungsvolle Anlagestrategie durch bis zu drei Säulen gestützt:

  1. Integration von sog. ESG-Kriterien in die Finanz- analyse (ESG = Environmental, Social, Governance): Die Kriterien beeinflussen die Bewertung und damit die relative Attraktivität eines Titels, um in ein Portfolio aufgenommen zu werden.
  2. Negatives Screening: Bestimmte Geschäftsfelder oder ganze Branchen werden ausgeschlossen (z.B. Streubomben, Kernenergie, Tabak);
  3. Positives Screening: Über sog. Best-in-Class Auswahlverfahren werden jene Unternehmen und Staaten herausgefiltert, die über das beste Nachhaltigkeitsprofil verfügen; für die Portfolio- konstruktion werden nur diese berücksichtigt.

Bei den ersten beiden Säulen geht es in erster Linie um eine Reduktion der Risiken, die sich aus einem nicht-nachhaltigen Verhalten ergeben. Bei der dritten Säule wird über das reine Risikomanagement hinausgegangen und aktiv nach Anlagemöglichkeiten gesucht, die für Umwelt und Gesellschaft einen überdurchschnittlichen Nutzen erbringen. Als weitere Steigerungsform kann im Positive Screening eine zusätzliche «Impact-Analyse» durchgeführt werden, welche explizit nur jene Unternehmen und Emittenten ins Anlageuniversum aufnimmt, deren Produkte eine signifikant positive Wirkung hinsichtlich der Lösung von drängenden ge- sellschaftlichen Problemen entfalten (siehe z.B. die 17 Sustainable Development Goals der UNO).

Eine weitere wichtige Säule des verantwortungsvollen Anlegens ist die sogenannte Active Ownership. Die Ausübung der Stimmrechte und der aktive Dialog mit den Unternehmen – auch durch einen Delegierten – können signifikante Impulse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung geben.

Viele vorbildliche Stiftungen gehören zu den Wegbe- reitern des nachhaltigen Anlegens. Andere müssen erst noch deutlich machen, welche ihrer Werte sie auch in den Vermögensanlagen widergespiegelt sehen möchten. Die oft zitierte und erhoffte nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft kann von diesem Diskurs nur profitieren.

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Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen – Tipps

  • Lokale und soziodemografische Faktoren sowie Traditionen, Werte und Einstellungen bestimmen mit, was Stiftungen unterstützen.
  • Anliegen des Denkmal- und Heimatschutzes finden eher Unterstützung von Stiftungen auf dem Land, wissenschaftliche und bildungsbezogene Anliegen finden eher Unterstützung von städtischen Stiftungen.

Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen

Stiftungen werden grundsätzlich entlang der Ballungsgebiete und entlang des verfügbaren Kapitals angesiedelt. Doch nicht nur die Anzahl von Stiftungen am Ort, sondern auch die begünstigten thematischen Wirkungsbereiche hängen von lokalen soziodemografischen Faktoren ab.

Vergleicht man die Wirkungsbereiche der Stiftungen, die in den fünf grössten Städten (Zürich, Basel, Genf, Bern und Lausanne) angesiedelt sind mit denen von zufällig ausgewählten 500 Stiftungen aus den Ortschaften mit den kleinsten Einwohnerzahlen (323 Gemeinden), werden teilweise deutliche Unterschiede in der Zweckstruktur sichtbar.

Denkmal- und Heimatschutz auf dem Land, Wissenschaft und Bildung in der Stadt

Wie die Tabelle illustriert, ist der Anteil von Stiftungen, die Projekte im Bereich Kunst, Kultur, Freizeit und Sport fördern in ländlichen, kleinen Gemeinden um 18% grösser als in den Städten. Dies ist insbesondere auf den spezifischen Bereich des Denkmals- und Heimatschutzes zurückzuführen. Auf dem Land dagegen untervertreten sind Stiftungen in den Bereichen Wissenschaft und Forschung, Bildung und Entwicklungszusammenarbeit. Schliesslich sind die Anteile der operativen Stiftungen auf dem Land höher und die geografischen Wirkungskreise eingeschränkter als in der Stadt.

Stiftungszwecke einkommensschwächere Gemeinden sind eher religiös geprägt

Vergleicht man die Eigenschaften von Stiftungen aus Gemeinden vergleichbarere Grösse, allerdings mit unterschiedlich hohen durchschnittlichen Netto-Einkommen der Einwohner (s. Tabelle, Teil rechts) stellen sich ebenfalls bedeutende Unterschiede in der Begünstigung heraus. Ähnlich wie Stiftungen in den Städten sind Stiftungen in einkommensstarken Gemeinden weniger im Bereich Denkmal- und Heimatschutz tätig, jedoch stärker in den eher progressiven Wirkungsbereichen wie Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit. Stiftungslandschaften in einkommensschwächeren Gemeinden charakterisieren sich dagegen durch höhere Anteile religiöser Stiftungen, einem höheren Anteil an operativen Stiftungen, einer stärkeren Zweckfokussierung und einem lokaleren Wirkungskreis.

Stiftungen orientieren sich an ortsspezifischen Bedürfnissen

Diese unterschiedliche Verteilung der Wirkungsbereiche nach Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen dürfte einerseits mit den verschiedenen lokalen Bedürfnissen bzw. den ansässigen Destinatären, aber auch mit bestehenden Infrastrukturen zu tun haben, die gewisse Stiftungsansiedlungen begünstigen. Andererseits ist die Themenausrichtung der Stiftungen möglicherweise von der Höhe des Stiftungskapitals abhängig. Einzig die sozialen Stiftungen scheinen diesen Kriterien zu trotzen: Sie sind, obwohl es Unterschiede in thematischen Unterkategorien gibt, unabhängig vom Urbanisierungsgrad und des Durchschnittseinkommens, immer etwa gleich stark, mit Anteilen von rund 40%, vertreten.

Einfluss des Urbanisierungsgrads und des Durchschnitteinkommens auf Stiftungseigenschaften. Tabelle VMI

À propos des fondations de la Suisse occidentale – parla dei fondazioni della Svizzera italiana – Tipps

  • Ob sich die Einteilung nach Sprachregion, wie sie so oft zum Diskurs politischer oder kulturellen Themen beigezogen wird, für die Beschreibung verschiedener Stiftungssegment eignet, ist fraglich.
  • Stiftungen siedeln sich insbesondere entlang der Ballungsgebiete an, wodurch die lokalen und kantonalen Kontexte im Allgemeinen die grösseren Unterschiede zwischen Stiftungssegmenten hervorrufen als die spezifischen Sprachregionen, deren Effekt so schwer isolierbar ist.

À propos des fondations de la Suisse occidentale – parla dei fondazioni della Svizzera italiana

Hat die Schweizer Stiftungslandschaft einen «Röstigraben»? Gibt es einen «Polentagraben»? Obwohl es regionale Unterschiede in den Stiftungszwecken gibt, dürften die wenigsten direkt auf sprachkulturelle Einflüsse zurückzuführen sein.

Westschweiz: mehr gesellschafts- und wirtschaftspolitische Anliegen, weniger soziale Direkthilfe

Ungefähr proportional zu den jeweiligen Bevölkerungsanteilen umfassen die Romandie rund 30% der Schweizer Stiftungen, die Deutschschweiz 64% und die italienische Schweiz (vertreten durch den Kanton Tessin) 6%. Der Vergleich der regionalen Stiftungssegmente nach Wirkungsbereichen (s. Tabelle) zeigt, dass in der Westschweiz im Vergleich zur Deutschschweiz etwas weniger im Bereich des Sozialen – genauer, der sozialen Fürsorge – und des Umweltschutzes begünstigt wird (-6%/-3%). In diesen Themen sind denn auch die Stiftungen der meisten Westschweizer Kantone ähnlich schwach präsent. Stiftungen in den Bereichen Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft sowie internationale Stiftungen sind in der Romandie allerdings etwas stärker vertreten als in der Deutschschweiz (+2%/+3%/+3%), was insbesondere auf die im Kanton Genf angesiedelten Organisationen zurückzuführen ist. Weiter wird die Westschweizer Stiftungslandschaft besonders geprägt vom Kanton Waadt, dessen rund 1’400 Stiftungen eher thematisch fokussiert begünstigen. Die Bereiche Gesundheit, Bildung und Forschung sind stärker abgedeckt, Stiftungen im Bereich Tanz, Theater und Performance sind nirgends in der Schweiz stärker vertreten. Die Kantone Freiburg und Wallis haben durch die römisch-katholische Tradition überdurchschnittlich viele Stiftungen mit christlichem Förderzweck hervorgebracht, Walliser Stiftungen sind des Weiteren überdurchschnittlich im Denkmal- und Heimatschutz aktiv. Stiftungen in den Kantonen Jura und Neuenburg fördern überdurchschnittlich stark Anliegen im Bereich der bildnerischen Kunst,  jurassische Stiftungen sind zudem stark in der Grundausbildung und im Umwelt- und Tierschutz aktiv. Neuenburger Stiftungen haben schliesslich gesamtschweizerisch das höchste Durchschnittsalter, umfassen sie doch viele ältere soziale und gesundheitliche Organisationen.

Italienische Schweiz: breitere Stiftungszwecke, mehr Bildung, Wissenschaft und Religion

Tessiner Stiftungen neigen im Vergleich zu Deutschschweizer Stiftungen zu breiteren Stiftungszwecken, weswegen diese Organisationen auch in einer Vielzahl von Wirkungsbereichen proportional etwas stärker vertreten sind. Bedeutend populärer als in der Deutschschweiz sind jedoch religiöse, bildende, wissenschaftliche sowie gesellschafts- und wirtschaftspolitische Zwecke.

 

Unterschiede in der Stiftungslandschaft nach Sprachregionen. Tabelle: VMI

Betroffene leiden und schweigen. Ein Nachtrag zum Tag der Psychischen Gesundheit

Die Stiftung Pro Mente Sana in Zürich hat bei sotomo eine repräsentative Befragung zum psychischen Stimmungsbild der Schweiz in Auftrag gegeben und am 10. Oktober 2018, dem Tag der Psychichen Gesundheit,  die Resultate publiziert: Die Menschen in der Schweiz sehen im Arbeitsstress die Hauptursache für psychische Leiden. Im Umgang mit dem psychischen Leiden scheinen vor allem zwei „Strategien“ zur Anwendung zu kommen: Leiden und Schweigen.

Viele Menschen leiden in der modernen Leistungsgesellschaft unter Überlastung und Stress. Zwei Drittel der Bevölkerung geben in unserer Studie an, im Verlaufe ihres Lebens schon einmal unter psychischen Belastungen gelitten zu haben. 1 von 5 Personen gibt an, sich aktuell in einem längerdauernden Tief zu befinden. Als Hauptfaktor (42 Prozent) für eine negative psychische Grundstimmung geben die Befragten Stress/Überlastung an.

Gleichzeitig haben 70 Prozent der Befragten Angst davor, über ihr psychisches Tief zu sprechen. Die Furcht, als nicht leistungsfähig und schwach zu gelten, ist weit verbreitet. 4 von 5 Menschen, die aktuell unter einer psychischen Beeinträchtigung leiden, fürchten sich davor, dass andere von ihrer Situation erfahren könnten.

Das Dilemma: Wenn es den Befragten nicht gut geht wünschen sie sich vor allem, dass ihr nahes Umfeld sie ernst nimmt und zuhört. Betroffene befinden sich also in einem Teufelskreis. Sie würden gerne über ihre Situation reden, fürchten sich aber gleichzeitig vor den Reaktionen. Das ist vor allem am Arbeitsplatz problematisch. Stress im Job wird als Hauptursache für die Entstehung von psychischen Krankheiten gesehen. Die Angst davor, als nicht mehr leistungsfähig zu gelten, erschwert die offene Ansprache bei beeinträchtigter psychischer Verfassung.

Die Schweiz hat ein Problem mit der psychischen Gesundheit

Mir scheint, dass langsam akzeptiert wird, dass die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung beeinträchtigt ist und zu hohen gesellschaftlichen Kosten führt. Immer wieder höre ich, „man muss was tun!“. Die oben erwähnte Studie zeigt mir das klare Bedürfnis der Bevölkerung, einen offeneren Umgang mit dem Thema „psychische Gesundheit“ zu finden – und ohne Ängste darüber reden zu können. Der „man“ aus „man muss was tun“ sind Sie und ich, sind WIR. Wir haben den Schlüssel in der Hand: die ernst gemeinte Frage „wie geht’s dir?“ zu stellen bei einer Begegnung mit genügend Raum und Zeit für eine ehrliche Antwort.

Menschen mit psychischer Belastung brauchen in ihrem nahen Umfeld ein offenes Ohr, echtes Interesse und eine nicht-verurteilende Haltung. Reden hilft! Verzichten sollten wir auf schnelle, billige Ratschläge wie „das wird schon wieder“, „das schaffst du“, „stell dich nicht so an“ oder „gib dir etwas Mühe“. Viel besser ist einfach zuhören, nachfragen und dann gemeinsam überlegen, was helfen könnte, fragen, was die Person sich wünscht oder braucht. Gesprächstipps auf www.wie-gehts-dir.ch

67 neue Stiftungen im 3. Quartal 2018

Im 3. Quartal kamen weitere 67 neue Stiftungen in unsere Plattform. Diesmal sind es gleichviel operative wie fördernde (26). Weitere 15 neue Stiftungen sind gemischt tätig. Erfasst wurden dabei die sog. klassischen gemeinnützigen Stiftungen, nicht jedoch z.B. die Wohlfahrtsstiftungen und Firmenstiftungen.

Wiederum am meisten Stiftungen gab es im Bereich Soziales, wobei in den obersten 4 Rängen dieselben Bereiche vertreten sind wie im Vorquartal. Interessant: Fast identisch zum Vorquartal ist mit 2,1 die durchschnittliche Zahl der Zwecke pro Stiftung.

Es gilt zu beachten, dass die meisten neu gegründeten Stiftungen in der Regel mehrere Monate Zeit brauchen, um ihre Arbeit aufnehmen zu können, unabhängig davon, ob sie nun operativ oder fördernd tätig sind. Und im Verlauf der Zeit, nach ersten Erfahrungen, ändern dann auch manche ihre Wirkungsform (reine Förderstiftungen mutieren zB zu gemischt tätigen Stiftungen) oder legen die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit neu. Die Stiftungslandschaft ist somit dauernd in Bewegung.

Stiftungen und Firmen als Förderer von Universitäten – ein spannendes Verhältnis

In Basel freuen wir uns über die Mega-Spende der Botnar-Stiftung an die Universität Basel und an das in Basel domizilierte Departement Biosysteme der ETH-Zürich für ein neuzugründendes Botnar Research Centre for Child Health. Und wieder einmal staunen wir über die ungebrochene Anziehungskraft der Schweiz für grosse Stiftungsvermögen.

Wie bedeutsam Universitäts- und Wissenschaftsförderung durch Stiftungen, Sponsoren und andere Private ist, haben Georg von Schnurbein und Tizian Fritz in ihrer aufschlussreichen Studie «Philanthropie für die Wissenschaft» 2014 erstmals für die Schweiz dargelegt. Demnach flossen im Zeitraum zwischen 2005 und 2012 im Rahmen von Stiftungsbeiträgen und privaten Forschungsmandaten universitären Hochschulen durchschnittlich 6 % ihres Gesamtaufwands zu. Allein im Jahr 2011 handelte es sich dabei um eine Summe von 440 Mio. Fr. Die 100 Mio. Fr., welche die Botnar Stiftung in den nächsten zehn Jahren in das nach ihr benannte Research Centre einschiessen will, zählt zu den grössten Zuwendungen an Schweizer Universitäten, neben der 150 Mio.Fr.-Spende von Hansjörg Wyss und Ernesto Bertarelli in ihren Biotech Campus in Genf und Lausanne, neben der testamentarischen 100 Mio. Fr.-Vergabung von Branco Weiss an die ETH Zürich, neben der 100-UBS-Millionen an den UBS Center for Economics in Society.

Mega-Spende – Heisses Eisen

Besonders die letzterwähnte Spende hatte gewaltige Diskussionen ausgelöst: Da die Vereinbarung zwischen der Sponsor-Bank und die Universität Zürich anfänglich nicht öffentlich gemacht worden war, schossen nicht nur viele Medien, sondern sogar Professoren der eigenen Uni gegen einen vermuteten «Deal». Bei der Berichterstattung über neue Stiftungsprofessuren oder Sponsoren für Universitäten ist Skepsis geradezu als Konstante zu beobachten. Der Argwohn der Medienschaffenden und Studierendenvertretungen gilt den Fragen: Bleibt die Freiheit der universitären Forschung gewährleistet? Nimmt die zahlende Förderstiftung Einfluss auf eine Lehrstuhlvergabe? Hat sie eventuell gar ein Mitspracherecht beim Forschungsdesign? Und bei der Verteilung der Sympathien schlägt folgender Antagonismus voll durch: hier professorale Forscher und Lehrer in Weiss, dort Sponsoren und Stiftungen mit möglicherweise obskuren Absichten.

Richtlinien schaffen Klarheit

Zur eingangs erwähnten Botnar Stiftungs-Spende sind kritische Töne bin anhin unterblieben – vernünftigerweise. Die Stiftung und die beiden involvierten Hochschulen haben transparent informiert. Und sie üben Transparenz auch noch nach dem Medienereignis, wie ich mich persönlich überzeugen konnte. Die Universität Basel gewährte mir auf Nachfrage anstandslos Einblick in die Fördervereinbarung, in der ich schon in der Präambel diese Formulierung vorfand: «Der Inhalt dieses Vertrags kann auf Anfrage offengelegt werden.»

Ganz offensichtlich hat die Universität Basel die Lehren aus dem Zürcher «UBS-Fall» im Jahr 2012 gezogen. Und andere Universitäten vermutlich auch. Eine nach der anderen haben sich die Schweizer Universitäten in den letzten vier Jahren neue Fundraising-Richtlinien gegeben oder bestehende Reglemente stark überarbeitet. Als eine der letzten die Uni Bern Anfang 2018 mit einem besonders differenzierten, umsichtigen Papier. Fast alle sind auf den Websites der Unis publiziert, ausser im Fall der Università della Svizzera Italiana, welche ihre Richtlinien als «intern» betrachtet. Etwas eigenartig auch dieses hier: Meine Anfrage an die HSG-Stiftung der Uni St. Gallen wurde von der Universitätsförderung beantwortet, mit dem Verweis auf eher rudimentäre, defensiv formulierte Informations- und Offenlegungsrichtlinien von 2010 auf der Website.

Die publizierten Richtlinien der Hochschulen sind in ihren Detaillierungsgraden recht unterschiedlich. Im Grundsatz sind aber etliche dieser Reglemente relativ ähnlich. Manchmal hat man den Eindruck, die Unis hätten sich gegenseitig abgeschrieben. In der Hochhaltung der Lehr- und Forschungsfreiheit sind sich alle einig. Nuancen bestehen selbstverständlich. Dass die Uni Zürich Barspenden ausschlägt, ist löblich. Dass die Basler wie die Zürcher nur von FINMA-beaufsichtigten Finanzinstituten Überweisungen annimmt, ist klug.

Stinkt Geld wirklich nicht?

Einige Universitäten berufen sich auf ihre Reputation, die sie durch Zuwendungen Dritter, die als möglicherweise problematisch betrachtet werden könnten, sich nicht beschädigen lassen wollen. Ethisch kontaminierte Gelder können für das Ansehen bald einmal toxisch wirken.

«Geld stinkt nicht!» – Ausser nach Nikotin beispielsweise. Die Uni Basel verzichtete vor einigen Jahren auf eine geplante Donation eines Tabakkonzerns, und zwar mit der Begründung «Die Universität Basel ist rauchfrei.». Auf meine entsprechende Nachfrage hin sagt mir ein Vertreter dieser Uni, dass sie nicht eine eigentliche «Negativliste» führen würden, sondern bei Spendenangeboten situativ entscheiden würden. Der Geschäftsführer einer Uni-Förderungs-Stiftung mit Negativliste schreibt: «Die üblichen verdächtigen Firmen (Tabak, Waffen etc.) sind ausgeschlossen». Man kann es mit einem anderen deutschen Sprichwort auch so formulieren: «Einem geschenkten Gaul schaut man heut’ ins Maul.»

Honni soit qui mal y pense!

Vereinzelte Universitäten haben – wie eben erwähnt – auch noch ihnen beigesellte Sammelstiftungen, die ihrerseits erfolgreiches Fundraising betreiben. Die UZH Foundation und die ETHZ Foundation werben jährlich mehrere Dutzend Millionen Franken ein, die sie für Projekte oder Professuren ihrer eigenen Hochschule einsetzen. Etwas auffällig ist, dass die den Hochschulen affiliierten Förderungsstiftungen auf ihren Websites deutlich lapidarere Richtlinien als ihre «Mutterhäuser» veröffentlichen. Mit dem Ziel der Transparenz und Kongruenz müssten aber die ethischen Standards der zuliefernden Uni-Förderungsstiftungen die Qualität der Richtlinien der Unis selbst erreichen. Und Zwecks Vertrauensbildung sollten beide veröffentlich werden. Es muss ja der potentielle Eindruck vermieden werden, es könnten problembehaftete Drittmittelbeiträge für universitäre Hochschulen im grossen Spendentopf der vorgelagerten Uni-Stiftungen «diluiert» werden.

 

Stecken Stiftungen in einem Dilemma? Privatmarktanlagen sind für Stiftungen attraktiv

Anlageklassen wie «Private Equity» und «Private Debt» können für eine Stiftung attraktiv sein: sie geben Zugang zu innovativen Unternehmen, die einen sozialen oder ökologischen «Impact» generieren. Gleichzeitig können sie höhere Renditen als traditionelle Anlagen erwirtschaften und so die potenzielle Wirkung der Stiftung zusätzlich steigern.

Grundsätzlich, so heisst es, sollen Stiftungen ihr Kapital in sichere, liquide und gleichzeitig Ertrag bringende Anlagen investieren. Jeder aktive Anleger weiss, dass er sich hier in einem Spannungsfeld befindet. Bei Privatmarktanlagen pointiert sich das Ganze: Während bei der jederzeitigen Liquidierbarkeit erhebliche Abstriche gemacht werden müssen, werden die anderen Dimensionen gestärkt: Zum einen wird der Ertrag verbessert, weil sich die geringe Liquidität in einer sogenannten Liquiditätsprämie bezahlt macht. Zum anderen wird tendenziell auch die Sicherheit gestärkt, denn diese Anlageklassen bieten für Anleger mit einem längeren Anlagehorizont und einer gewissen Risikobereitschaft mehr Möglichkeiten zur Diversifikation und Stabilisation des Portfolios.

Passt das wirklich zu einer Stiftung?

Vielleicht mehr als alle anderen Anleger sind Stiftungen fähig, in illiquide Anlagekategorien wie «Private Equity» und «Private Debt» zu investieren. Der Grund für diese Risikofähigkeit ist der regelmässig sehr lange Anlagehorizont, mit dem eine Stiftung rechnen und arbeiten kann – das Kapital soll oder darf zumeist nicht verbraucht werden und kann deshalb langfristig investiert sein. Der Lohn für diese lange Bindung und gewisse Risikobereitschaft ist eine markant höhere Renditeerwartung als bei Anlagen an liquiden Märkten.

Geringere Liquidität

Privatmarktanlagen definieren sich darüber, dass sie privat, also nicht an öffentlichen Märkten, gehandelt werden. Damit verbunden sind oft höhere Ein- und Ausstiegskosten und allgemein eine Aufgabe von Flexibilität. Bei einer langen Investitionsdauer sind aber die höheren Transaktionskosten weniger zentral. Und die geringere Flexibilität wird durch eine zusätzliche Prämie entschädigt.

Bessere Erträge

Die Risikoprämien bei Private-Equity-Anlagen dürften gemäss Expertenschätzungen bei etwa 3 % über jener von vergleichbaren Aktienanlagen liegen, jene von Private-Debt-Anlagen bei etwa 2 % über ihrem liquiden Pendent. Wohlgemerkt handelt es sich hier um Zusatzprämien, d.h. die «normalen» Erträge für die Übernahme von Schwankungs- und Ausfallrisiken sind nicht mitgerechnet. Zum grossen Teil können diese zusätzlichen Erträge auf die geringere Handelbarkeit der einzelnen Anlagen zurückgeführt werden und zu einem kleineren Teil auf die Komplexität, die hier tendenziell höher ist, als bei traditionellen Produkten.

Mehr Diversifikation, mehr «Impact»

Mit den besseren Ertragschancen gehen auch höhere Risiken einher. Dem Sicherheitsaspekt wird allerdings gedient, da diese Anlagen den Zugang zu ganz anderen Segmenten ermöglichen und damit zur Diversifikation eines Portfolios beitragen können. Das wahrscheinlich bekannteste und bei Stiftungen verbreitetste Privatmarkt-Engagement sind Micro-Finance-Produkte. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass mit einem solchen Investment nicht nur ein Diversifikationseffekt erzielt, sondern auch ein bewusster Schritt in der vermehrten Ausrichtung auf den «Impact» unternommen wird. Auch die Entstehung eines Schweizer Private-Equity- und Private-Debt-Marktes, wie er momentan beobachtet werden kann, ist für Stiftungen erfreulich und sollte den vermehrten Einstieg fördern.

Positive Dynamik

Wie bei allen Anlageentscheiden ist es wichtig, dass man versteht, in was man investiert. Die zunehmende Transparenz und eine bessere Regulierung tragen dazu bei, die Attraktivität von Privatmarktanlagen für Stiftungen zu erhöhen. Das Beispiel, mit dem Vorsorgeeinrichtungen, Lebensversicherer und grosse Stiftungen in der Schweiz teilweise seit Jahren vorangehen, sollte weitere Stiftungen ermutigen, die Chancen von Privatmarktanlagen für ihren Zweck zu nutzen.

Vielleicht hilft noch eine weitere Überlegung, die Berührungsängste mit «Private Equity» und «Private Debt» zu senken: Die grösste und wichtigste Anlageklasse in der Schweiz sind ebenfalls Privatmarktanlagen – nämlich jene in Immobilien.