Stärkung Stiftungsstandort Schweiz: Es geht weiter

Am 12. September hat der Ständerat der Initiative Luginbühl zur Stärkung des Stiftungsstandorts Schweiz zugestimmt. Der Entscheid war eindeutig. So erkannte Ständerat Beat Vonlanthen, Freiburg, CVP, in der Motion „…konkrete Problempunkte, die unter den Nägeln brennen.“ Einer dieser Punkte war die Einführung eines gesamtschweizerischen Stiftungsregisters mit weitergehenden Informationen, als sie heute im Handelsregister zugänglich sind.

Die beiden grossen Stiftungsverbände sind sich in diesem Geschäft nicht einig. proFonds unterstützt die Initiative, swissfoundations lehnt sie ab (heisst aber Teilpunkte, v.a. auch die Einführung eines gesamtschweizerischen Stiftungsregisters, gut).

Über diese Opposition zeigte sich auch Ständerat Vonlanthen erstaunt: „Ich muss sagen, dass die Frontalattacke von Swissfoundations gegen die parlamentarische Initiative Luginbühl bei mir ein ungläubiges Kopfschütteln provoziert.“

Das Geschäft kommt nun in den Nationalrat. Seine vorbereitende Kommission steht der Initiative eher ablehnend gegenüber (vgl. dazu unsere früheren NL).

 

„Steuerprivileg nur gegen Offenheit“

Ein aufschlussreicher Kommentar zu diesem Geschäft findet sich in der NZZ vom 13. September. Die Forderung nach mehr Transparenz im Stiftungssektor wird jetzt nicht nur in der Politik, sondern auch in den Medien unüberhörbar.

3. StiftungSchweiz.ch Sommer-Apéro

Ganz herzlich laden wir alle User und Freunde von StiftungSchweiz.ch zu unserem 3. Sommer-Apéro ein:

Donnerstag, 31. August 2017, 17:30 Uhr bis 20.00 Uhr
Im wunderbaren Gartenrestaurant der Reithalle Zürich an der Gessnerallee 8,
zu Fuss 5 Minuten vom HB Zürich.

Plaudern – Trinken – alte Bekannte treffen – neue Gesichter kennenlernen – das Team von StiftungSchweiz.ch löchern – erfahren, was es Neues geben wird – Networking… auch letztes Jahr wollten die vielen Gäste trotz Regenschauer und Sturmwind  kaum mehr gehen!

Das Spezielle diesmal: Der Anlass findet, falls es regnen sollte, nicht unter einem Zeltdach, sondern im Innern der Reithalle statt. Trockene Füsse sind für alle sicher!

Der Anlass ist kostenfrei. Wir bitten jedoch hier um Ihre Anmeldung. Das erleichtert die Planung.

Wir freuen uns auf Sie!

Zur Anmeldung

Neu: StiftungSchweiz.ch „goes Print“

StiftungSchweiz.ch lanciert Print-Magazin an alle 13‘000 Stiftungen – crossmedial eingebettet

StiftungSchweiz.ch macht einen grossen Schritt. Ab Mitte Juni wird viermal im Jahr, und vorerst bis Ende 2018, an alle Schweizer Stiftungen ein neues Print-Magazin verschickt, für die Westschweiz und das Tessin in französischer Sprache. Die Kampagne ist crossmedial, d.h. das Print-Magazin wird begleitet von einer online Landingpage und speziell promotet mit eigenen Newslettern und Social Media Beiträgen.

Ziel ist es, die Stiftungen von den Vorteilen der online Plattform StiftungSchweiz.ch zu überzeugen und sie z.B. zu motivieren, ihre Stiftungsportraits auszufüllen (Gratis-Mini-Websites für jede Stiftung) und das noch dieses Jahr hinzu kommende online Gesuchssystem einzusetzen. Und selbstverständlich wird auch über Aktuelles aus der Schweizer Stiftungslandschaft berichtet. Den thematischen Bogen werden die drei grossen Themen von StiftungSchweiz.ch bilden: Effizienz, Transparenz und Dialog.

Getragen wird das Magazin von StiftungSchweiz und verschiedenen Kampagnen-Partnern. Weitere Interessenten für eine Partnerschaft sind gerne willkommen: office@stiftungschweiz.ch

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New Launch mit 50% Rabatt-Aktion

Die neue StiftungSchweiz.ch ist top gestartet. Die Vorteile und der zusätzliche Nutzen für die User zeigten sich rasch. Nach dem go life vor gut einer Woche musste zwar noch die eine oder andere Funktion „repariert“ werden (z.B. beim Blog und in der Recherchemappe), doch das System war von Anfang an absolut stabil. Hinweise auf Bugs sind sehr wichtig und nehmen wir ernst. Danke für Ihre Hilfe!

Wer noch kein Abo hat oder wenn sich ein aktuelles in diesen Tagen erneuert: Handeln Sie rasch! Profitieren Sie von der aktuellen grossen Rabattaktion 50% für 50 Tage. Bereits ab CHF 32.50 im Monat sind Sie dabei und können z.B. Ihre Stiftungsdaten exportieren.

Wenn Sie zur neuen StiftungSchweiz Anregungen haben und Kommentare – schreiben Sie uns ein Mail oder nutzen Sie unsere Kommentarfunktion im Blog. Wir freuen uns darauf!

Sorgfältige Recherche

Rasch per Knopfdruck einige Dutzend Stiftungsadressen exportieren und diesen dann auf gutes Glück ein standardisiertes Gesuch zusenden  – das führt nur in Ausnahmefällen zum Erfolg. Gesuche werden umso erfolgreicher, je sorgfältiger man bei der Stiftungssuche vorgegangen ist. Bewährt hat sich ein Vorgehen in drei Arbeitsschritten:

  • Identifizierung: Mit wem wollen wir in Kontakt treten? Eine erste sorgfältige Identifizierung einer Förderstiftung nach dem Stiftungszweck ist Voraussetzung für alles andere. Je weiter entfernt der Stiftungszweck vom Thema des zu fördernden Vorhabens oder Projekts liegt, umso unwahrscheinlicher ist es, dass die betreffende Stiftung auf ein Gesuch positiv anspricht. Aber es lohnt sich trotzdem, in dieser Phase noch nicht allzu streng zu selektionieren. Da können schon mal zwei-dreihundert Stiftungen zusammenkommen.Tipp: Nutzen Sie hierfür die Recherchemappe von StiftungSchweiz.ch.
  • Recherche: Was wissen wir über die identifizierte Stiftung? Was nicht? Was können wir in Erfahrung bringen? Was bleibt uns verborgen? Diese Phase ist sehr arbeitsintensiv und zeitraubend. Aber je mehr man über eine Förderstiftung und ihre Fördertätigkeit zusammentragen kann, umso besser. Plötzlich erscheint dann ein Stiftungszweck in einem ganz anderen Licht: Etwas, das auf den ersten Blick klar passte, führt jetzt ins Leere, weil eine Stiftung z.B. gerade andere Förderschwerpunkte gesetzt hat. Oder umgekehrt: Ein bisher kaum verfolgter Nebenzweck steht nun doch um Vordergrund der Stiftungsaktivitäten. Websites, Jahresberichte, Medienmitteilungen, Google-Einträge können da geeignete Quellen sein.Tipp: Schauen Sie auch auf den Organisationsprofilen der Stiftungen auf StiftungSchweiz.ch nach. Und notieren Sie sich auch dann, wenn Sie gerade kein Gesuch in Bearbeitung haben, alles öffentlich Zugängliche über eine Förderstiftung Ihres Themenkreises, wenn Sie darüber „stolpern“.
  • Qualifizierung: Wie wichtig ist die recherchierte Förderstiftung? Auf der Grundlage dieser Informationen ist eine Beurteilung zu treffen und Qualifizierung vorzunehmen, z.B. durch eine Zuteilung in eine A-B-C-Liste. Aus Erfahrung gilt: Die Liste mit den wichtigsten Stiftungen ist in aller Regel auch die kürzeste. Anhand dieser Liste ist dann näher abzuklären, ob eine Gesuchseinreichung in Frage kommt oder nicht, am besten per Telefon oder E-Mail.
    Tipp: Beginnen Sie mit den Stiftungen, die Sie in die „schlechteste“ der drei Kategorien eingeteilt haben. Dann können Sie auch gleich Ihren Case testen und Fehler machen, ohne Ihre Chancen zu verspielen.

 

Bei diesen Kontakten sollte man bereits alles über die Stiftung wissen, was in guten Treuen in Erfahrung zu bringen ist. Hat man übersehen, dass in der Website einer Förderstiftung ein Eingabetermin publiziert ist und fragt man dann danach am Telefon, zeigt man sich nicht sehr kompetent und kann den Gesprächspartner nerven. Sind keine Kontaktdaten für eine solche Vorabklärung vorhanden, sollte ein Gesuch nur dann eingereicht werden, wenn alles optimal zu passen scheint.

Relaunch von StiftungSchweiz: Intuitiv, modern und schnell

StiftungSchweiz ist jetzt drei Jahre unterwegs und konnte in dieser Zeit über 5000 User registrieren. Das Echo ist sehr positiv. Wir freuen uns alle sehr über diesen Erfolg. In dieser Zeit haben wir aber auch sehr viel gelernt. Wir verstehen besser, was gebraucht wird und was nicht. Und wir haben auch die Schwachstellen klar lokalisiert. Deshalb haben wir uns vorgenommen, StiftungSchweiz rund um den dritten Geburtstag im Sommer 2017 inhaltlich, technisch und kommunikativ in eine neue Dimension zu heben. Dies tun wir in mehreren Schritten.

Ein erster Schritt erfolgt auf Ende April. Hier ein paar Beispiele der Neuerungen:

  • Das Wichtigste war uns die Stärkung der Performance. Dies ist uns gelungen – und wie! Die neue Suchfunktion von StiftungSchweiz ist mit einer Ladezeit von rund 800ms bis zu dreimal so schnell wie Google.
  • Weiter wurde das bereits schon sehr gute Suchsystem nochmals verbessert: Das vorhandene NonproCons Kategorisierungssystem NKS wurde gänzlich in die Algorithmen-Suchfunktion von StiftungSchweiz integriert. Das bedeutet: Neu kann man die NKS-Suche mit der Volltextsuche kombinieren. Ausserdem kann man die Suche durch verschiedene Felder so eingrenzen, dass das System z.B. nur im Zweck oder im Namen der Stiftung sucht. Die Suchergebnisse werden dadurch stark verbessert und relevanter.
  • Auf den völlig neu gestalteten Organisationsprofilen werden noch mehr Informationen zugänglich gemacht.
  • Registrierte User erhalten ein eigenes persönliches Dash-Board.
  • Die Recherchemappe wird noch einfacher in der Handhabung.
  • Das Design ist voll und ganz state -of-the-art, das Look & Feel ist einfach, modern und intuitiv.
  • Ausserdem wird die Plattform responsive sein, also voll und ganz Tablet- und Mobile-optimiert. Das rasche Suchen nach einer Stiftung auf dem Mobile wird zum Standard.

Und ganz besonders freue ich mich darüber, dass die Suche nach einer Stiftung ab Ende April für jedermann völlig frei zugänglich wird, ohne Registrierung, ohne kostenpflichtiges Abonnement und völlig unbegrenzt. Und auch sonst wurden die Abonnements gründlich überarbeitet, um sie noch besser auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen. Dies wird auch Einfluss auf die Preisstruktur haben. Etwas kann ich Ihnen dazu bereits jetzt verraten: Nutzen und Mehrwert steigen deutlich!

Für Juni ist bereits ein zweiter Schritt in Vorbereitung. Dazu drei Stichworte:

  • Dann wird ein Test mit speziellen neuen Projektseiten starten.
  • Die ganze Plattform wird es auch in französischer Sprache geben.
  • StiftungSchweiz wird von sich aus noch intensiver mit den Stiftungen kommunizieren.

Also: SAVE THE DATE: Ende April können Sie sich selbst von der neuen Plattform überzeugen. Wir freuen uns heute schon auf zahlreiche Feedbacks!

Vielgestaltiges Stiftungswesen

Errichtung
Rechtliche Grundlage der Stiftung bilden die Artikel 80 ff des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB). Gleich der erste Artikel legt fest, worum es geht: Die Stiftung ist ein für einen besonderen Zweck gewidmetes Vermögen. Das gestiftete Geld gehört also nicht mehr dem Stifter, sondern nur noch der Stiftung. Diese wird durch eine öffentliche Urkunde oder durch eine Verfügung von Todes wegen (Testament, Erbvertrag) errichtet und ist in das Handelsregister am Ort ihres Sitzes einzutragen. Änderungen der Stiftungsurkunde hinsichtlich Zweck und Organisation sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich, bedürfen jedoch der Zustimmung der Aufsichtsbehörde.

Zweck
In der Formulierung des Zwecks besteht eine grosse Freiheit. Er kann zum Beispiel aus nur wenigen Worten bestehen wie auch aus umfassenden und langen Beschrieben. Auch für die inhaltliche Ausgestaltung des Zwecks gibt es keine Vorgaben (ausser nichts Widerrechtliches). Und selbst in der Vorgehensweise bei der Verwendung des Vermögens muss man sich nicht zwingend festlegen.

Organe
Die Organe der Stiftung und die Art der Verwaltung resp. Stiftungstätigkeit werden durch die Stiftungsurkunde festgelegt. Auch hier besteht grosse Freiheit. In aller Regel führt ein Stiftungsrat als oberstes Leitungsorgan die Geschäfte. In finanziellen Belangen allerdings sind die Vorschriften des Obligationenrechts (OR) über die Buchführung und Revision bei den Aktiengesellschaften zwingend anwendbar.

Aufsicht
Die Stiftungen stehen unter Aufsicht des Gemeinwesens, dem sie nach ihrer Zweckorientierung angehören (Bund, Kanton oder Gemeinde). Davon ausgenommen sind die Familienstiftungen und kirchlichen Stiftungen. Die Aufsichtsbehörde hat dafür zu sorgen, dass das Stiftungsvermögen zweckgemäss verwendet wird und ergreift Massnahmen sowohl bei einer mangelhaften Organisation als auch bei Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit. Sie prüft hierfür jährlich den Jahresbericht und die Jahresrechnung der Stiftungen. Über die Tätigkeit der von ihr beaufsichtigten Stiftungen gibt die Aufsichtsbehörde allerdings keine Auskunft. Dazu fehlt die gesetzliche Grundlage.

Publikation
Die Publikationspflichten der Stiftungen in den Handelsregistern umfassen im Wesentlichen den Zweck (oft auch gekürzt), die Namen der Organträger, das Domizil und das Gründungsjahr. Angaben über das Stiftungskapital und die Verwendung des Stiftungsvermögens werden nicht publiziert.

Steuerbefreiung
Die Steuerbefreiung der Stiftungen richtet sich nach den kantonalen Steuergesetzen und ist an die Gemeinnützigkeit des Zwecks gebunden. Die Interpretationen dieses Begriffs durch die Steuerbehörden und die formellen Voraussetzungen sind wiederum recht unterschiedlich. Die Steuerbefreiung in einem Kanton hat jedoch ihre Wirkung auch für die anderen Kantone und den Bund.

Ausprägungen
Unterscheidet man die Stiftungen nach ihren Merkmalen, zeigt sich in den einzelnen Ausprägungen eine grosse Vielfalt. Die nachfolgende Abbildung 1 gibt dazu einen groben Überblick. Der vorliegende Beitrag bezieht sich auf die klassischen Stiftungen (gemeinnützig und steuerbefreit).

Abbildung-1
Abbildung 1

Förderstiftungen
Die steuerbefreiten, gemeinnützig tätigen Förderstiftungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie fördernd tätig sind, also ihr Vermögen und/oder dessen Erträge zur Realisierung der Aufgaben und Tätigkeiten Dritter (Projektträger) einsetzen. Sie selbst sind nicht operativ tätig und realisieren keine Projekte. Ihr Vermögen äufnen sie durch die Erträge aus der Vermögensanlage. Erlauben die Statuten zur Zweckerfüllung einen Vermögensverzehr oder ist dieser sogar ausdrücklich z.B. innerhalb einer bestimmten Frist vollständig vorgesehen, spricht man von einer Verbrauchsstiftung. Gelegentlich werden Förderstiftungen in sog. Dachstiftungen eingebracht.

Operativ tätige Stiftungen
Die operativ tätigen Stiftungen sind jene Stiftungen, die selber und in eigener Verantwortung Projekte realisieren. Dies können sie mit eigenen Mitteln tun und/oder mit der Unterstützung Dritter (Spenden, Staatsbeiträge).

Mischformen
Immer häufiger werden heute Mischformen beobachtet: Förderstiftungen sind nicht bloss unterstützend und fördernd, sondern auch selber operativ tätig und realisieren in eigener Verantwortung Projekte. Oder sie arbeiten nicht nur mit ihrem Stiftungsvermögen, sondern sind ebenfalls auf dem Spendenmarkt aktiv, um das Kapital zu erweitern (vgl. dazu nachfolgende Abbildung 2). Und das alles kann sich im Verlaufe des Lebenszyklus einer Stiftung auch wieder ändern.

Abbildung-2
Abbildung 2

Vorteile und Nachteile der Vielgestaltigkeit
Diese Freiheit in der inhaltlichen Ausrichtung und organisatorischen Ausgestaltung einer Stiftung ist eine der Gründe dafür, weshalb das Stiftungswesen in der Schweiz sich so positiv entwickelt.  Deshalb sollte man sorgsam auf sie acht geben. Weil aber gleichzeitig eine Stiftung nur rudimentär über sich selbst und ihr Wirken informieren muss, bleibt vieles im Ungewissen. Zum Beispiel ist es in der Praxis oft schwierig herauszufinden, wie eine Stiftung arbeitet (fördernd/operativ/gemischt) und ob sie dabei selber Spenden sammelt oder nicht. Der publizierte Zweckartikel ist da nicht immer eine Hilfe. Die Aufsichtsbehörden, die die Arbeit der Stiftungen kennen und eigentlich Abhilfe schaffen könnten, dürfen keine Auskunft geben; ihre Funktion ist eine andere. Mit dieser Problematik sind insbesondere jene Projektträger konfrontiert, die bei Förderstiftungen nach passenden Finanzierungspartnern für ihre Projekte suchen. Es ist damit ein sehr grosser Aufwand und viel Leerlauf verbunden. Aber auch die Förderstiftungen selber leiden immer mehr unter dieser Situation. Denn sie werden zunehmend mit einer Unmenge von Gesuchen konfrontiert, die sie gar nicht betreffen. Das Bedürfnis nach mehr (und nicht nach vollständiger) Transparenz wird immer stärker. Dafür, dass der Vorhang geschlossen bleibt, zahlen die Stiftungen letztlich  einen zu hohen Preis. Ihn zu öffnen, führt nicht zum Verlust der Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit, sondern zu deren Stärkung.

Das gute Gesuch – Was brauchts?

Die Antwort lautet in der Regel sofort: Eine gute Checklist.

Aber leider sind die meisten Checklists unbrauchbar. Besonders jene, die zur Verkaufsförderung „persönlich“ zusammengestellter Stiftungslisten als Kochrezept gratis mitgeliefert werden, etwa nach dem Motto: Hier die Liste, da die Anleitung – dort das Geld.

In Wirklichkeit geht es um sehr viel mehr. Wenn man sich ein paar Grundsätze merkt und diese gekonnt auf das eigene Projekt bezogen anwendet, kommt man weiter. Das ist überzeugender und wirkt authentischer, statt kritiklos das vorgegebene Inhaltsverzeichnis einer Checklist durchzuackern.

Ein solcher einfacher Grundsatz ist zum Beispiel: Inhalt und Form eines Gesuchs folgen der Funktion, die es erfüllen muss. Und nicht umgekehrt. Das hat konkrete Konsequenzen. Hier ein paar Überlegungen.

Funktion des Stiftungsgesuchs

Die Funktion Stiftungsgesuchs ist eine einzige: Der Verkauf des Produkts „Projekt“. Und nichts anderes. Das ist keine einmalige Aktion, sondern ein mehrstufiger Prozess.

Die erste und wichtigste Stufe dieses Prozesses: Die sorgfältige Identifikation der Förderer, an die man sich wenden will, und das Erfassen ihrer wirklichen Bedürfnisse (Was ist die tatsächliche Fördertätigkeit? Deckt sich diese tatsächlich mit dem Stiftungszweck? Gibt es Prioritäten? Wieviel wird an ein Projekt ausgeschüttet? Und wann?). In der Abbildung unten läuft dies unter „Beziehung vorbereiten“ und „Beziehung aufbauen und Bedürfnis erkennen“.

Tipp: Um ein Telefon oder Mail und eine sorgfältige Internetrecherche kommt man kaum herum. Alle Stiftungen sind auf StiftungSchweiz.ch zu finden.

Beim ganzen Verkaufsprozess geht es darum, Wissen zusammenzutragen und Bedürfnisse zu erkennen, Vertrauen aufzubauen und Menschen zu überzeugen. Das kann dauern. Und vielleicht klappt es erst beim dritten Mal.

Tipp: Schauen Sie sich mal die Grundsätze des Verkaufsvorgangs im Fundraising an (vgl. Abbildung) und übertragen Sie diese auf die Gesuchstellung bei Förderstiftungen. Bleiben Sie geduldig. „Stürmen“ bringt gar nichts.

Form des Stiftungsgesuchs

Auf max. 12 Seiten kann man alles schreiben, was es braucht, um zu überzeugen, inkl. Deckblatt und Zusammenfassung (viele Förderer lesen aus Zeitgründen sowieso nur diese). Fotos und Abbildungen sind hilfreich, brauchen aber Platz.

Tipp: Machen Sie eine Fotoline im Anhang. Das schafft Platz und erhöht die Aufmerksamkeit.

Der Begleitbrief (1 S A4) sollte mehr sein als ein Übermittlungszettel. Mit ihm kann man persönlichen Kontakt schaffen. Online-Formulare sind zu verwenden und nicht zu umgehen. Das ist manchmal viel Arbeit.

Das Wichtigste beim Inhalt

Das Wichtigste beim Inhalt eines Gesuchs sind der sog. Case und das Budget. Beides muss man immer auch irgendwie in vorgegebenen Formularen rüberbringen können.

Der Case hat zwei Teile: 1. Die Darstellung des Angebots an die Förderstiftung, des Projekts also, und 2. die Vorstellung des Absenders, d.h. des Projektträgers.

  1. Angebot: Eine einfache und prägnante Schilderung eines Problems oder Herausforderung, vor der man steht, die Relevanz/Wichtigkeit dieses Problems und die zeitliche Dringlichkeit. Denn daraus ergibt sich der Handlungsbedarf. Ohne Handlungsbedarf auch kein Projekt.

    Tipp: Zeigen Sie auf, was geschehen würde, wenn man nichts tun würde.

    Der Handlungsbedarf führt zum Ziel, das Sie erreichen wollen (Änderung einer Situation in eine bestimmte Richtung hin, quantitativ und qualitativ) und dieses wiederum zu den Massnahmen (Projektaktivitäten) und den Mitteln, die es dazu braucht (Infrastruktur etc.).

    Tipp: Seien Sie da streng logisch und machen Sie kein Durcheinander. Und vor allem auch: Werden Sie nicht zu lang und wiederholen Sie die Argumente nicht. Sie werden dadurch nicht besser.

  2. Absender: Eine überzeugende Darlegung, weshalb Ihre Organisation in der Lage ist, dieses Projekt umzusetzen (Kompetenz), und weshalb man ihr Vertrauen schenken darf (Glaubwürdigkeit). Das hängt zumeist mit den Menschen zusammen, die für die Organisation tätig sind.

    Tipp: Stellen Sie diese kurz vor! Und es stimmt: Bekannte Organisationen haben es da einfacher.

Der Case gehört auch, zusammengefasst auf 7-9 Zeilen in den Begleitbrief. Das ist, zugebenermassen, eine kleine Kunst.

Natürlich: Manchmal hat man Glück und Beiträge von Förderstiftungen kommen „einfach so“. Und manchmal klappt es nur Dank guten persönlichen Beziehungen (oder trotz diesen dann halt doch wieder nicht). In aller Regel aber erfordert die Zusammenarbeit mit Förderstiftungen eine kontinuierliche, systematische und sorgfältige Arbeit. Das muss man als Stiftungs-Fundraiser gerne auf sich nehmen. Aber wenn es klappt, können daraus wunderbare Beziehungen entstehen.

Tipp: In meinen Workshops bei NonproCons besprechen wir all das und noch vieles mehr. Inkl. Checklist (!) und vielen praktischen Beispielen

Ultra-Reiche beleben das Stiftungsland Schweiz

In letzter Zeit liest man immer wieder von den vielen kapitalschwachen Stiftungen und einem kriselnden Fördermarkt. Sind vermögensstarke Stiftungen tatsächlich ein Auslaufmodell?

Solche Befürchtungen sind unbegründet. Die Philanthropie in der Schweiz wird auch in den nächsten Jahren markant wachsen, und mit ihr das Fördervolumen der Stiftungen. Dies ist einer relativ kleinen Zahl sehr vermögender Privatpersonen zu verdanken. Hierzu ein paar aktuelle Zahlen.

Um 2016 zu den wohlhabendsten 1% der Weltbevölkerung zu gehören, muss man als Privatperson über ein Vermögen von mindestens USD 744‘000 verfügen. In der Schweiz gehören 18% aller Privatpersonen zu diesem Kreis. Oder anders: 18% der Schweizer zählen zu den 1% der Reichsten weltweit. Um aber unter Schweizern zum reichsten 1% der Schweizer Bevölkerung zu gehören, braucht man ein Vermögen von mindestens USD 5 Mio. Da ist die Schweiz weltweit Spitze. Auch im Gesamtschnitt steht die Schweiz beeindruckend da: Das Vermögen aller Schweizer Haushalte betrug 2016 USD 3,5 Trillionen. Das sind 1,4% des globalen Vermögens – bei lediglich 0,1% Anteil an der erwachsenen Weltbevölkerung (Quelle: 2016 Wealth in Switzerland, CS).

Geld_Spenden

Diese Zahlen zeigen uns für die Schweiz aber auch folgendes: Nur ein sehr kleiner Kreis von Privaten – ein Bruchteil dieser 1% nämlich – ist überhaupt in der Lage, eine Stiftung mit ausreichend Kapital zu gründen (wenn man das Minimalkapital z.B. bei CHF 5 Mio. ortet). Die meisten Stiftungen in der Schweiz wurden und werden unterkapitalisiert gegründet. Das Bedürfnis, eine Stiftung aufzubauen, ist grösser als der Geldbeutel, den man dafür zur Verfügung hat. Deshalb gibt es auch immer mehr Förderstiftungen, die selber ins Fundraising einsteigen.

Auf der anderen Seite zählen wir aber auch im Kreise dieses 1% der vermögendsten Schweizer einige Private, die über ein sehr viel grösseres Vermögen verfügen als diese CHF 5 Mio. Diese können problemlos eine kapitalkräftige Stiftung gründen. Solche Leute bezeichnet man gemeinhin als Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI). 2014 waren dies in der Schweiz rund 3‘100 Personen, Tendenz steigend. Und viele dieser Personen haben tatsächlich in der Schweiz sehr potente Stiftungen gegründet oder werden dies auch weiterhin tun.

Und wieviel und wofür spenden diese UHNWI?

Der Wealth-X and Arton Capital Philanthropy Report 2015 berichtet, dass der UHNW-Philanthrop im Verlaufe seines Lebens im Schnitt USD 28.7 Mio. spendet, weltweit waren das 2014 USD 112 Billion. Multipliziert man die 3‘100 Schweizer UHNWI mit dieser Durchschnittszahl, spenden alle Schweizer UHNWI zusammen im Verlaufe ihres Lebens geschätzte CHF 90 Mia. Einen Grossteil ihres philanthropischen Engagements wickeln sie dabei über eigene Stiftungen ab oder über Strukturen, die ihnen Banken zur Verfügung stellen.

Das weltweit bevorzugte Spendenthema der UHNWI ist laut dem obgenannten Report die Ausbildung, gefolgt von der Gesundheit. Für die UHNW-Philanthropen in der Schweiz trifft dies nur teilweise zu. Wie die Zahlen von StiftungSchweiz zeigen, liegt bei den Schweizer (Förder-) Stiftungen die Bildung zwar ebenfalls an der Spitze, allerdings praktisch gleichwertig dem Sozialen und der Kunst und Kultur. Und das Thema Gesundheit liegt „nur“ im Mittelfeld (Der schweizerische Stiftungssektor, VMI – Stiftung-Schweiz 2016, vgl. Abbildung unten; hier der Abstract zum Download)Wirkungsbereiche

Die Philanthropie wird an Bedeutung gewinnen. Das ist gut so und ehrt die Vermögenden in Ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Es bleibt jedoch schwierig, als operativer Philanthropie-Partner die Förderer zu identifizieren und sich mit ihnen auf Augenhöhe auszutauschen. Viele grosse Förderer halten sich bedeckt und berichten wenig über ihre Arbeit. Das mag im einen oder anderen Fall durchaus seine Berechtigung haben. Aber es wäre schön, wenn das gegenseitige Vertrauen hier etwas wachsen und mehr Transparenz zulassen würde!

 

Vorurteile abbauen – den Stiftungssektor stärken

Gerade vor wenigen Tagen kam ich am Rande einer Sitzung mit den Geschäftsführerinnen von zwei Förderstiftungen auf das Thema Gesuchswesen zu sprechen. Beide zeigten sich ziemlich genervt über die herrschende Ineffizienz: Zu viele unpassende Gesuche, zu viel Papierkram, zu wenig Möglichkeiten, selber aktiv zu werden. Wer mich kennt, weiss: Ich teile ihre Ansicht. Dies ist auch der Grund, weshalb es StiftungSchweiz gibt und weshalb wir kontinuierlich daran arbeiten, diese Situation zu verbessern.

In der Tat: Auch wenn – mit Dankbarkeit beobachtet – Schweizer Stiftungen viel Gutes und viel Wichtiges leisten und ermöglichen – die Ineffizienz im Gesuchswesen bleibt doch erheblich. Ich hab‘s mal ausgerechnet und auch schon darüber geschrieben: Über 400‘000 Gesuche dürften jährlich an Förderstiftungen verschickt werden. Die meisten wandern in den Papierkorb. Und alle ärgern sich über die viele Arbeit, die zumeist umsonst ist, die Gesuchsteller genauso wie die Förderer.

Diese Ineffizienz ist zu einem schönen Teil hausgemacht. Würden die Förderstiftungen offener darüber berichten, was sie fördern und was nicht und wie viele Mittel sie wofür einsetzen, wäre schon vielen geholfen. Die Gesuche würden zurückgehen, nicht zunehmen, wie einige noch befürchten. Denn auch die Projektträger müssen effizient sein und sind dankbar für solche Informationen und für jedes Gesuch, das sie nicht schreiben müssen.

Die Forderung nach mehr Effizienz im Gesuchswesen führt direkt zum Erfordernis einer erhöhten Transparenz. Allerdings gilt dies nicht nur für die Förderer, sondern genauso für die Gesuchsteller. Der Austausch unter ihnen ist wohl noch schlechter als bei den Förderstiftungen. Förderwissen ist Geheimwissen. Aber wie kann man bei den andern Effizienz postulieren, wenn man bei sich selbst nichts dafür tut? Wie kann man Transparenz fordern, wenn man sie selber nicht auch geben will?

Effizienz ruft aber auch noch nach etwas anderem: Nach mehr Dialog, nach einem Austausch auf Augenhöhe. Förderer und Projektträger sind auf Gedeih und Verderb auf einander angewiesen. Oder positiver gesagt: Sie sind Partner in einer gemeinsamen Sache. Es gibt kein oben und kein unten. Es gibt nur ein zusammen. Klar: Ohne Geld geht nichts. Aber ohne Projekte auch nicht.

Effizienz – Transparenz – Dialog: Dieser Dreiklang gehört im Schweizer Gesuchswesen untrennbar zusammen. Gelingt es uns, in diesen drei Bereichen Vorurteile abzubauen und echte Fortschritte zu erzielen, wird dies den Stiftungssektor und die Gemeinnützigkeit in der Schweiz nachhaltig stärken. Setzen wir uns alle auch im 2017 dafür ein – es lohnt sich!