Die Schweizerische Stiftungslandschaft – Vollerhebung

Die Schweiz hat rund 13’000 klassische Stiftungen, die bis anhin in einem relativ undurchsichtigen Markt der Philanthropie agierten. Eine Vollerhebung und Kategorisierung der Stiftungszwecke auf der Basis der Daten von StiftungSchweiz.ch und unter der Leitung des Verbandsmanagement Institut (VMI) der Universität Freiburg/CH, ermöglicht neue Einblicke in die Wirkungsbereiche und Wirkungsformen, Destinatärsgruppen, Standorte und Wirkungskreise der klassischen Stiftungen. Umgesetzt im Suchsystem von StiftungSchweiz.ch vereinfacht die Erhebung die Stiftungsrecherche und ermöglicht Stiftenden eine optimierte Mittelvergabe. Die Studie zeigt zudem Zusammenhänge, Muster, und Charakteristiken in der Stiftungslandschaft auf und bietet eine Orientierungsgrundlage für sämtliche Anspruchsgruppen des Stiftungswesens.

Die Studie wurde Ende 2015 publiziert und hat sich als wertvolle Informationsquelle erwiesen und ist bereits ein Klassiker. Sie kann bei office@stiftungschweiz.ch oder beim VMI  bestellt werden. Sie kostet CHF 38.- plus Versandkosten.

Datenschutz: proFonds macht sich stark für die Interessen der gemeinnützigen Stiftungen

Die Revision des Datenschutzgesetzes beschäftigt proFonds seit einiger Zeit, weil Stiftungen und NPO als Bearbeiter von Personendaten (von Spendern, Gönnern, Mitgliedern, Gesuchstellern, Projektpartnern etc.) direkt vom DSG betroffen sind.

Der im Dezember 2016 präsentierte Vorentwurf zum neuen DSG sieht einen streng regulierten Umgang mit Datensammlungen vor und geht noch über die gesetzlichen Bestimmungen der revidierten Datenschutzgesetzgebung der EU hinaus. Aus diesem Grund hat sich proFonds im Rahmen der Vernehmlassung sehr kritisch zum Vorentwurf geäussert. Und das mit Erfolg. Denn aus der am 15. September 2017 publizierten Botschaft des Bundesrats geht hervor, dass unserer Kritik – befürchteter Kosten- und Bürokratieschub sowie die flächendeckende Kriminalisierung von Gesetzesverstössen – zu einem guten Teil Rechnung getragen wurde.

Der neue Entwurf sieht im Vergleich zum Vorentwurf gewisse Erleichterungen vor. Dennoch ist mit einer gegenüber dem geltenden Recht erheblich strengeren Regelung des Datenschutzes zu rechnen. proFonds wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und die Interessen der gemeinnützigen Organisationen engagiert wahren.

Damit der Dachverband  die Interessen der Stiftungen und NPO auch in Zukunft mit Nachdruck und Erfolg vertreten kann, braucht es möglichst viele gemeinnützige Organisationen, die sich für eine Mitgliedschaft entscheiden.

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Swiss Philanthropy Project Day 2018 findet nicht statt

Bedauerlicherweise müssen wir den Swiss Philanthropy Project Day vom 15. Mai 2018 trotz hoher Teilnehmerzahl absagen. Unser Ziel war es, einen Marktplatz zum direkten Austausch zwischen Projektträgern und Projektförderern zu etablieren. Leider blieb die Resonanz der Projektförderer jedoch deutlich unterhalb dessen, was wir für eine erfolgreiche Umsetzung der Marktplatz-Idee für nötig erachten.

Trotz aktiver Ansprache der Förderstiftungen und kommunikativer Unterstützung durch SwissFoundations und proFonds haben wir nicht genügend Förderer gewinnen können.

Wir bedanken uns bei allen Projektträgern, die ihren Anteil für das Gelingen des Anlasses mit der hohen Qualität von reifen Projekten beigetragen haben. Auch an der Diversität der Projekte hätte es nicht gelegen. Zahlreiche Wirkungsbereiche von Entwicklungszusammenarbeit über Gesundheit, Forschung und Bildung bis hin zu Kunst und Kultur hätten damit mühelos abgedeckt werden können.

Die Idee eines Marktplatzes für philanthropische Projekte werden wir gleichwohl weiterverfolgen. Wenn wir Sie allerdings das nächste Mal zum 1. Swiss Philanthropy Project Day einladen, werden wir vorab die Teilnahme der Projektförderer gesichert haben.

Alleine reicht die Kraft oft nicht

Lieber Leser

Da dies mein erster Blog hier ist, möchte ich mich erst kurz vorstellen: Seit 16 Jahren erlebe ich Stiftungen beruflich aus den unterschiedlichsten Perspektiven: aus einer operativen Stiftung, einer spendensammelnden Stiftung, als Wissenschaftlerin und als Kundenberaterin vermögender Kunden. Heute bin ich Geschäftsführerin einer Förderstiftung.

Diese Rolle ist zugegeben die bislang angenehmste. Gleichzeitig ist sie eine der anspruchsvollsten. Zu meinen Aufgaben gehört – ach ja, ich bin die einzige Mitarbeiterin – aus den jährlich 400 Gesuchen die auszuwählen, von denen wir uns die höchste soziale Wirkung erhoffen. So bin ich nun ganz praktisch mit einem Umstand konfrontiert, der nach wie vor im Sektor besteht und dem ich meinen ersten Blog widme: Viele, vor allem kleine, Akteure kümmern sich um viele grosse Probleme – nicht selten dabei verfolgen sie parallel das gleiche Ziel in der gleichen Region.
Dies ist zweifelsohne ein beachtenswertes Merkmal unserer pluralistischen Gesellschaft. Trotzdem: Gemessen an der Komplexität sozialer Probleme stellen die Antragssteller hohe Ansprüche an ihr eigenes Leistungsvermögen. Das liegt weniger am Mangel an guten Ansätzen, sondern daran, dass bei chronisch unzureichender Ressourcenausstattung besonders ambitionierte Anliegen im Alleingang kaum zu erreichen sind. Wie das japanische Sprichwort sagt: «Obwohl die Rechnung stimmt, passt das vorhandene Bargeld nicht dazu.»

Für eine nachhaltige Zweckverwirklichung müsste es viel mehr regionale Schulterschlüsse geben. Nicht blossen Vernetzungen, sondern strategische Allianzen bei denen Ressourcen (Geld, Personal, Technologien, Wissen) dauerhaft oder zumindest langfristig gemeinsam genutzt, erbracht und Aktivitäten abgestimmt werden. Diese Folgerung ist uralt; Kooperationen sind aber immer noch die Ausnahme.

Ich denke ein Schlüssel liegt darin, anzuerkennen, dass Kooperationen für Antragssteller grundsätzlich unattraktiv sind. Es gibt dafür keine existentielle Notwendigkeit, stattdessen viele nachvollziehbare Nicht-Anreize. Wen dies interessiert möge hier nachlesen: «Beispiel einer regionalen Allianz für Tanz an Schulen».

Praktiker und Wissenschaftlerinnen im Dialog mit Ihnen!

Im neuen Blog von StiftungSchweiz.ch lesen Sie künftig nicht nur Artikel «aus dem eigenen Hause», sondern auch von Gastautorinnen und -Autoren: 

  • Im «Science Corner» publizieren das Verbandsmanagement-Institut der Universität Freiburg VMI und das Center for Philanthropy Studies der Universität Basel CEPS.
  • Im «Roundtable» schreiben erfahrene Praktikerinnen und Praktiker aus dem Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsbereich. Ein Special dabei: Benno’s Blog – Sie dürfen gespannt sein!

Anspruch an die einzelnen Artikel ist immer ein Wissenstransfer in die Praxis, verbunden mit konkreten Tipps oder Schlussfolgerungen – nicht immer ein einfaches Unterfangen! Schauen Sie doch einfach mal rein – Kommentare sind willkommen!

Die Vielfalt der NPO-Finanzierung

Basierend auf der Theorie können folgende Überlegungen bei der Analyse der eigenen Finanzierung helfen:

  1. Überprüfen Sie, ob Ihre Angebote und deren Finanzierung zusammenpassen und wer von Ihren Leistungen profitiert. Als Referenzgrösse können die Jahresrechnungen von vergleichbaren Organisationen oder Studien wie das Jahrbuch der Hilfswerke dienen.
  2. Überlegen Sie sich, welche Kapazitäten und Kompetenzen für die verschiedenen Finanzierungsquellen nötig sind. Beachten Sie dabei auch das politische und ökonomische Umfeld.

Die Vielfalt der NPO-Finanzierung

Die Finanzierung stellt für fast alle Nonprofit-Organisationen (NPO) eine zentrale Herausforderung dar. Sie unterscheidet sich bedeutend von derjenigen von For-Profit-Organisationen. Finanzieren sich klassische Unternehmen durch den Preis ihrer Produkte und Dienstleistungen, so haben NPO die Qual der Wahl zwischen unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten, die für gewöhnlich in die vier Kategorien: Gelder der öffentlichen Hand, Erträge aus Gütern und Dienstleistungen, philanthropische Zuwendungen und Finanzerträge eingeteilt werden.

Benefits Theory – wem hilfts?

Für die meisten NPO scheint es sich hier jedoch weniger um die Qual der Wahl als um einen mehr oder weniger gegebenen Finanzierungsmix zu handeln, welcher aus den eigenen Tätigkeiten, Kompetenzen und historischen Gegebenheiten entstanden ist. Diese Tatsache wird auch von einer aufkommenden Theorie im Nonprofit-Finanzmanagement berücksichtigt. Die Benefits Theory – das Wort Benefits hat hier übrigens nichts mit Gewinn zu tun, sondern mit Leistungen – besagt, dass sich die Finanzierung von NPO durch deren Angebot erklären lässt. Die Theorie baut auf der Gütereinteilung der Wirtschaftslehre auf, welche zwischen öffentlichen und privaten Gütern unterscheidet, d. h. vereinfacht gesagt, ob es der Allgemeinheit oder Einzelnen dient.

NPO verhalten sich intuitiv nach der Theorie, wie aktuelle Zahlen aus dem Jahrbuch der Hilfswerke zeigen (siehe Grafik). Der Umweltschutz ist bspw. stark durch Spenden finanziert. Diese Finanzierungsform scheint logisch, denn niemand kann von dessen Nutzen ausgeschlossen werden. Heimbetriebe und die Gesundheitsbranche bieten hingegen eher private Güter an und sind folglich auch stärker durch Erträge aus Dienstleistungen finanziert.

Ein Denkmodell

Der Begründer der Theorie, Dennis R. Young, betont, dass die Theorie nicht nur erklären soll, wie sich NPO finanzieren, sondern vor allem als Denkmodell dienen, das eigene Finanzierungspotential voll auszuschöpfen. Neben dem Angebots-Finanzierungs-Zusammenhang spielen auch Faktoren wie administrative Kapazitäten, Kompetenzen oder das politische und ökonomische Umfeld eine Rolle. Das Potential wird folglich häufig durch die Diversifizierung innerhalb der vier oben genannten Finanzierungsquellen erreicht, wie beispielsweise die Ergänzung von kantonalen um kommunale Gelder oder die Ausweitung von Klein- auf Grossspenden. Basierend auf der Theorie, können folgende Fragen bei der Analyse der eigenen Finanzierung helfen:

  • Wie passen unsere Angebote und deren Finanzierung zusammen?
  • Wer profitiert von unseren Leistungen?
  • Wie finanzieren sich NPO in ähnlichen Tätigkeitsfeldern?
  • Welche Kapazitäten und Kompetenzen benötigen die Finanzierungsquellen?
  • Wie sieht das politische und ökonomische Umfeld aus?

Literaturempfehlungen

  • Mehr zu aktuellen Zahlen über den NPO-Sektor im Jahrbuch der Hilfswerke 2017 (download kostenlos) https://ceps.unibas.ch/de/ceps-news/news/jahrbuch-der-hilfswerke-2017-veroeffentlicht/
  • Mehr zur Benefits Theory im Buch von Dennis R. Young (2017): Financing Nonprofits and Other Social Enterprises: A Benefits Approach, Cheltenham, Edward Elgar Publishing.

 

 

Moderne Philanthropen – Trends im Stiftungszweck

Die Zeiten, als gemeinnützige Stiftungen fast grösstenteils auf soziale oder kulturelle Anliegen fokussierten, sind vorbei. Junge Stiftungen fördern neue Themen und begünstigen breit.
Von Remo Aeschbacher

Zwar sind die traditionellen Wirkungsbereiche in den Stiftungszwecken junger Stiftungen immer noch stark vertreten, doch haben die zunehmende Individualisierung, die fortgeschrittene Technologie, neue gesellschaftliche Themen und die Globalisierung die Themenpalette diversifiziert und erweitern das Wahlspektrum für neue Stiftungsgründer/-innen.

Die junge Stiftung begünstigt neue Themen

Im aktuellen Stiftungsbestand lässt sich beobachten, dass in jüngeren Stiftungszwecken Wirkungsbereiche auftauchen, die in Zwecken der Stiftungen, die in der ersten Hälfte des Jahrhunderts gegründet wurden, noch kaum Beachtung finden: Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik, Umwelt- und Tierschutz sowie die Entwicklungszusammenarbeit. Aber auch innerhalb der Wirkungsbereiche gibt es Themen, die von jüngeren Stiftungen eher begünstigt werden. So begünstigen junge Stiftungen z. B. eher Anliegen in der medizinischen Prävention, alte dagegen eher direkt die medizinische Behandlung. Schliesslich scheinen Anliegen im Bereich der Forschung sowie der Bildung an Popularität in der Stiftungslandschaft zu gewinnen.

Die junge Stiftung begünstigt breit und international

Doch nicht nur was oder wer begünstigt wird, verändert sich, sondern auch wie begünstigt wird. Die Abbildung zeigt, dass von den neun verschiedenen Kategorien von Wirkungsbereichen, wie sie von StiftungSchweiz.ch verwendet werden, Stiftungen mit Gründungsdatum zwischen 1976 und 1980 durchschnittlich nur rund 1.7 Wirkungsbereiche in ihrem Stiftungszweck benennen, während jüngste Stiftungen rund 2.1 verschiedenen Wirkungsbereiche begünstigen. Dies hat einerseits mit den neu aufgekommenen Themen zu tun, die im Stiftungszweck zusätzlich Berücksichtigung finden, andererseits dürfte es mit den gesteigerten Empfehlungen in der Gründungspraxis, den Stiftungszweck eher breit zu formulieren, zu tun haben.

Die Abbildung zeigt zudem, dass operative Tätigkeiten jüngerer Stiftungen seltener sind. Schliesslich ist mit jüngeren Stiftungszwecken ein starker Trend hin zur Begünstigung über die Schweizer Grenzen hinaus feststellbar. Rund ein Drittel der jüngsten Stiftungen begünstigt (auch) Projekte im Ausland.