Finanzielle Nachhaltigkeit in Social Enterprises

by Hersberger-Langloh

Social Entrepreneurs setzen unternehmerische Methoden ein, um Lösungen für soziale und ökologische Probleme zu finden. Bernard Makachia, Social Entrepreneur und Teilnehmer im Lehrgang «CAS Global Social Entrepreneurship» des Center for Philanthropy Studies (CEPS) ist ein Beispiel dafür, wie unternehmerisches Denken, eine soziale Mission und ein nachhaltiges Geschäftsmodell Hand in Hand gehen können.

Oftmals geht es Social Entrepreneurs darum, ein bestehendes sozioökonomisches Gleichgewicht zu verändern, um benachteiligten oder marginalisierten Gruppen zu helfen. Das unternehmerische Wissen, die Innovationsfähigkeit und Kreativität der involvierten Personen spielen dabei eine Schlüsselrolle, um Chancen für solche Veränderungen überhaupt zu erkennen. 

Soziale Mission und finanzielle Nachhaltigkeit

Das geplante Projekt muss finanziell nachhaltig angelegt sein. Andernfalls wird das neue sozioökonomische Gleichgewicht von Subventionen oder gemeinnützigen Gebern abhängig sein, was langfristig nicht unbedingt haltbar ist. Um Nachhaltigkeit zu erreichen, sollten die Kosten eines Projekts mit steigender Zahl der Begünstigten sinken, so dass die Abhängigkeit von philanthropischer oder staatlicher Unterstützung mit zunehmendem Wachstum verringert werden kann. Dazu braucht es manchmal «thinking outside the box», zu Deutsch ungefähr übersetzbar mit «ausserhalb des vorgegeben Rahmens denken». Ein prominentes Beispiel dafür ist Muhammad Yunus, der durch den Versuch, Mikrokredite an von Armut betroffene Personen zu vergeben, die sehr erfolgreiche Grameen Bank gegründet hat. Als Pionier in diesem Gebiet hat er mit diesem Modell viele andere Social Entrepreneurs weltweit inspiriert. 

kuniSMART

Doch es gibt auch kleinere Projekte, die (noch) nicht diese globale Wirkung erzielt haben und dennoch auf sehr innovative Weise soziale Gerechtigkeit fördern und auf finanzielle Nachhaltigkeit abzielen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt kuniSMART in Mwanza, Tansania, an dem Teilnehmende des Zertifikatslehrgangs «Global Social Entrepreneurship» letztes Jahr gearbeitet haben. Bernard Makachia, der Gründer von kuniSMART und anderen Sozialunternehmen, hatte die Idee, herkömmliches Brennholz durch Bio-Briketts zu ersetzen, die weniger schädlichen Rauch produzieren und aus Abfall hergestellt werden können. Diese Bio-Briketts werden durch junge Mütter hergestellt, die dabei eine kaufmännische Ausbildung erhalten. Der Erlös, der durch den Verkauf der Briketts erzielt wird, dient diesen jungen Frauen nicht nur als Lebensgrundlage, sondern finanziert auch die Stiftung «Education for Better Living Organization», die Bernard vor einigen Jahren gegründet hat. Deren Ziel ist es, durch Prävention und Aufklärung an Schulen, Teenagerschwangerschaften vorzubeugen und so jungen Frauen zu helfen, eine Ausbildung abzuschliessen und aus der Armut auszubrechen.

Neue Wirtschaftsakteure und bessere Technologien

Eine Studie der Universität Harvard für die Skoll Foundation hat zusammengefasst, was für finanzielle Nachhaltigkeit in Social Enterprises ausschlaggebend ist: Neue Wirtschaftsakteure zu integrieren und die verwendeten Technologien zu verbessern. 

Als neue Wirtschaftsakteure zählen z.B. neue Kundinnen und Kunden, also Personen, die bereit sind für eine Leistung oder Produkt zu bezahlen, und so andere Angebote zu subventionieren. Dass es diese vielleicht gibt, haben viele NPO auch in der Schweiz gar nicht auf ihrem Radar. Eine der Kundengruppen, die kuniSMART mit den Biobriketts neu erreicht, sind staatliche Schulen, die durch Rauchreduktion bessere Arbeitsbedingungen für ihre Köchinnen und Köche schaffen wollen. 

Eine zweite Möglichkeit, Veränderungen zu bewirken, besteht darin, die Technologie eines Systems zu verbessern, während die derzeitigen Akteure an Ort und Stelle bleiben. Bei kuniSMART ging es in den ersten Monaten deshalb vor allem darum, eine Maschine zu entwickeln, die einfach bedienbar ist und die Bio-Briketts auf umweltfreundliche und kostengünstige Weise herstellen kann. Technologie muss aber nicht immer eine Maschine sein, es kann auch ein bestehender Prozess sein, der optimiert werden kann. Es lohnt sich, ab und zu bestehende Abläufe, Software, und Infrastruktur zu überprüfen, um sicher zu gehen, dass man so effizient wie möglich damit arbeitet. 

Weitere Informationen zum CAS Global Social Entrepreneurship