von Benno Schubiger

Stiftungen und Firmen als Förderer von Universitäten – ein spannendes Verhältnis

In Basel freuen wir uns über die Mega-Spende der Botnar-Stiftung an die Universität Basel und an das in Basel domizilierte Departement Biosysteme der ETH-Zürich für ein neuzugründendes Botnar Research Centre for Child Health. Und wieder einmal staunen wir über die ungebrochene Anziehungskraft der Schweiz für grosse Stiftungsvermögen.

Wie bedeutsam Universitäts- und Wissenschaftsförderung durch Stiftungen, Sponsoren und andere Private ist, haben Georg von Schnurbein und Tizian Fritz in ihrer aufschlussreichen Studie «Philanthropie für die Wissenschaft» 2014 erstmals für die Schweiz dargelegt. Demnach flossen im Zeitraum zwischen 2005 und 2012 im Rahmen von Stiftungsbeiträgen und privaten Forschungsmandaten universitären Hochschulen durchschnittlich 6 % ihres Gesamtaufwands zu. Allein im Jahr 2011 handelte es sich dabei um eine Summe von 440 Mio. Fr. Die 100 Mio. Fr., welche die Botnar Stiftung in den nächsten zehn Jahren in das nach ihr benannte Research Centre einschiessen will, zählt zu den grössten Zuwendungen an Schweizer Universitäten, neben der 150 Mio.Fr.-Spende von Hansjörg Wyss und Ernesto Bertarelli in ihren Biotech Campus in Genf und Lausanne, neben der testamentarischen 100 Mio. Fr.-Vergabung von Branco Weiss an die ETH Zürich, neben der 100-UBS-Millionen an den UBS Center for Economics in Society.

Mega-Spende – Heisses Eisen

Besonders die letzterwähnte Spende hatte gewaltige Diskussionen ausgelöst: Da die Vereinbarung zwischen der Sponsor-Bank und die Universität Zürich anfänglich nicht öffentlich gemacht worden war, schossen nicht nur viele Medien, sondern sogar Professoren der eigenen Uni gegen einen vermuteten «Deal». Bei der Berichterstattung über neue Stiftungsprofessuren oder Sponsoren für Universitäten ist Skepsis geradezu als Konstante zu beobachten. Der Argwohn der Medienschaffenden und Studierendenvertretungen gilt den Fragen: Bleibt die Freiheit der universitären Forschung gewährleistet? Nimmt die zahlende Förderstiftung Einfluss auf eine Lehrstuhlvergabe? Hat sie eventuell gar ein Mitspracherecht beim Forschungsdesign? Und bei der Verteilung der Sympathien schlägt folgender Antagonismus voll durch: hier professorale Forscher und Lehrer in Weiss, dort Sponsoren und Stiftungen mit möglicherweise obskuren Absichten.

Richtlinien schaffen Klarheit

Zur eingangs erwähnten Botnar Stiftungs-Spende sind kritische Töne bin anhin unterblieben – vernünftigerweise. Die Stiftung und die beiden involvierten Hochschulen haben transparent informiert. Und sie üben Transparenz auch noch nach dem Medienereignis, wie ich mich persönlich überzeugen konnte. Die Universität Basel gewährte mir auf Nachfrage anstandslos Einblick in die Fördervereinbarung, in der ich schon in der Präambel diese Formulierung vorfand: «Der Inhalt dieses Vertrags kann auf Anfrage offengelegt werden.»

Ganz offensichtlich hat die Universität Basel die Lehren aus dem Zürcher «UBS-Fall» im Jahr 2012 gezogen. Und andere Universitäten vermutlich auch. Eine nach der anderen haben sich die Schweizer Universitäten in den letzten vier Jahren neue Fundraising-Richtlinien gegeben oder bestehende Reglemente stark überarbeitet. Als eine der letzten die Uni Bern Anfang 2018 mit einem besonders differenzierten, umsichtigen Papier. Fast alle sind auf den Websites der Unis publiziert, ausser im Fall der Università della Svizzera Italiana, welche ihre Richtlinien als «intern» betrachtet. Etwas eigenartig auch dieses hier: Meine Anfrage an die HSG-Stiftung der Uni St. Gallen wurde von der Universitätsförderung beantwortet, mit dem Verweis auf eher rudimentäre, defensiv formulierte Informations- und Offenlegungsrichtlinien von 2010 auf der Website.

Die publizierten Richtlinien der Hochschulen sind in ihren Detaillierungsgraden recht unterschiedlich. Im Grundsatz sind aber etliche dieser Reglemente relativ ähnlich. Manchmal hat man den Eindruck, die Unis hätten sich gegenseitig abgeschrieben. In der Hochhaltung der Lehr- und Forschungsfreiheit sind sich alle einig. Nuancen bestehen selbstverständlich. Dass die Uni Zürich Barspenden ausschlägt, ist löblich. Dass die Basler wie die Zürcher nur von FINMA-beaufsichtigten Finanzinstituten Überweisungen annimmt, ist klug.

Stinkt Geld wirklich nicht?

Einige Universitäten berufen sich auf ihre Reputation, die sie durch Zuwendungen Dritter, die als möglicherweise problematisch betrachtet werden könnten, sich nicht beschädigen lassen wollen. Ethisch kontaminierte Gelder können für das Ansehen bald einmal toxisch wirken.

«Geld stinkt nicht!» – Ausser nach Nikotin beispielsweise. Die Uni Basel verzichtete vor einigen Jahren auf eine geplante Donation eines Tabakkonzerns, und zwar mit der Begründung «Die Universität Basel ist rauchfrei.». Auf meine entsprechende Nachfrage hin sagt mir ein Vertreter dieser Uni, dass sie nicht eine eigentliche «Negativliste» führen würden, sondern bei Spendenangeboten situativ entscheiden würden. Der Geschäftsführer einer Uni-Förderungs-Stiftung mit Negativliste schreibt: «Die üblichen verdächtigen Firmen (Tabak, Waffen etc.) sind ausgeschlossen». Man kann es mit einem anderen deutschen Sprichwort auch so formulieren: «Einem geschenkten Gaul schaut man heut’ ins Maul.»

Honni soit qui mal y pense!

Vereinzelte Universitäten haben – wie eben erwähnt – auch noch ihnen beigesellte Sammelstiftungen, die ihrerseits erfolgreiches Fundraising betreiben. Die UZH Foundation und die ETHZ Foundation werben jährlich mehrere Dutzend Millionen Franken ein, die sie für Projekte oder Professuren ihrer eigenen Hochschule einsetzen. Etwas auffällig ist, dass die den Hochschulen affiliierten Förderungsstiftungen auf ihren Websites deutlich lapidarere Richtlinien als ihre «Mutterhäuser» veröffentlichen. Mit dem Ziel der Transparenz und Kongruenz müssten aber die ethischen Standards der zuliefernden Uni-Förderungsstiftungen die Qualität der Richtlinien der Unis selbst erreichen. Und Zwecks Vertrauensbildung sollten beide veröffentlich werden. Es muss ja der potentielle Eindruck vermieden werden, es könnten problembehaftete Drittmittelbeiträge für universitäre Hochschulen im grossen Spendentopf der vorgelagerten Uni-Stiftungen «diluiert» werden.

 

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