Internationale NPO und ihre Herausforderungen

by Alice Hengevoss

Die Globalisierung macht auch vor dem Nonprofit-Sektor nicht halt. Sei es durch einen international ausgerichteten Zweck, das „Scaling-up“ eines erfolgreichen Projekts oder durch internationale Finanzierungsstrukturen – das Aktionsfeld von Nonprofit-Organisationen (NPO) hat sich längst über nationale Grenzen hinweg erstreckt. Entsprechend hat sich die Zahl internationaler NPO in den letzten Jahrzehnten versechsfacht (vgl. Grafik 1). Verzeichnet man in den 1970er Jahren weltweit noch weniger als 5‘000 internationale NPO, sind es zu Beginn der 2000er über 30‘000 Organisationen. Der globale Kontext stellt Führungskräfte solcher internationaler NPO vor eine Vielzahl an neuen Herausforderungen.

Grafik 1: Wachstum registrierter internationaler NPO, 1970-2002.
Anmerkung: beinhaltet nur NPO die in mindestens drei Ländern aktiv sind.
Quelle: The Jossey-Bass Handbook of Nonprofit Leadership and Management, 2005

 

Institutionelle Vielfalt und Wettbewerbsdruck

Multinational tätige NPO sehen sich mit einer Vielzahl an institutionellen Strukturen und kulturellen Anforderungen konfrontiert. Politische Strukturen und Gesetzgebungen in einem Land beeinflussen das Aktionsfeld einer NPO massgeblich. Steuer- und Marktgesetze bestimmen Finanzierungsanreize für NPO und gesellschaftliche Wertvorstellungen definieren unterschiedliche Ansprüche an die Rolle von NPO. Die steigende Zahl internationaler NPO erhöht den Wettbewerb auf den nationalen Märkten, in denen sich die Organisationen bewegen. Der Druck durch innovative Konzepte seine Geldgeber noch besser zu erreichen steigt. Zudem fordern Vorgaben globaler Förderer wie der WHO von Administrationskosten von maximal 2% bis 3% noch mehr Effizienz. Solche Vorgaben sind für Schweizer NPO kaum einhaltbar und hemmen den internationalen Austausch und Transfer von Know-how. Um international erfolgreich zu sein, müssen sie diesem Kontext gewachsen sein.

International lokal

Wie können Führungskräfte diese Herausforderungen angehen und welche Implikationen haben sie für die strukturelle Entwicklung des internationalen NPO Sektors? Trotz des generellen Globalisierungstrends im Sektor sind auch international tätige NPO oftmals national organisiert. Studien wie die von Wendy Wong (2012) zeigen, dass die erfolgreichsten internationalen NPO ihre Konzepte zwar zentral entwickeln, Projekte jedoch dezentral umsetzen. Lokale Begebenheiten können so berücksichtigt und Administrationskosten niedrig gehalten werden. Der internationale Kontext fordert daher Führungskräfte, die NPO Aktivitäten zentral zu koordinieren und dezentral zu implementieren wissen. Es ist folglich zu erwarten, dass der Sektor auch in Zukunft relativ heterogen bleibt – eben international lokal.

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