von Hansjörg Schmidt

Nachhaltigkeitskonzepte für Stiftungsvermögen: Sauber, grün, ethisch, sozial, verantwortungsvoll, wirksam…

Ein ganzer Katalog von wohlklingenden Attributen wurde in den letzten Jahren im Zusammenhang mit nachhaltigen Vermögensanlagen kreiert. Die merkliche Belebung der Diskussion zum Thema wurde vor allem geschürt durch die laufend zunehmende Transparenz im Anlagebereich, ein gestiegenes Bewusstsein für Umwelt- und Klimaprobleme, ein stark erweitertes Produktangebot und allgemein eine sich selbst verstärkende Dynamik. Stiftungen dürften sich aber noch mehr einbringen.

Viele Anleger bekunden immer noch Mühe mit dem Begriff der Nachhaltigkeit im Anlagebereich. Sie weisen darauf hin, dass keineswegs geklärt ist, was genau unter nachhaltigem Investieren verstanden werden soll. Dieser Befund ist richtig, er verwundert aber auch nicht wirklich, denn jedem Nachhaltigkeitsbegriff liegt ein bestimmtes Wertesystem zugrunde. Ein Wertesystem ist aber per se normativ, und es ist nicht absehbar, dass man sich irgendwann auf ein einheitliches System einigt. Entsprechend wird auch kaum ein flächendeckender Konsens zu finden sein, welche Arten von Vermögensanlagen nun «wirklich» verantwortungsvoll und nachhaltig sind.

Einige Tendenzen sind dennoch auszumachen. Bei den heute gängigen, in Kollektivanlagen umgesetzten Strategien der grossen Anbieter sind es zumeist die weitherum akzeptierten Nachhaltigkeitsgrundsätze, welche die Vereinten Nationen anlässlich von diversen Initiativen und Konferenzen verabschiedet haben. Jüngstes Beispiel dafür sind die 17 «Sustainable Development Goals», welche die UNO 2016 publiziert hat und die auch klar zu der eingangs erwähnten Wiederbelebung der Diskussion beigetragen haben.

Hat ein Anleger die Grundsätze einer Nachhaltigkeitsstrategie für sich formuliert, geht es an die Umsetzung. Dafür scheint sich ein mehrstufiges Konzept allgemein durchzusetzen. Gemäss diesem Konzept wird eine nachhaltige und verantwortungsvolle Anlagestrategie durch bis zu drei Säulen gestützt:

  1. Integration von sog. ESG-Kriterien in die Finanz- analyse (ESG = Environmental, Social, Governance): Die Kriterien beeinflussen die Bewertung und damit die relative Attraktivität eines Titels, um in ein Portfolio aufgenommen zu werden.
  2. Negatives Screening: Bestimmte Geschäftsfelder oder ganze Branchen werden ausgeschlossen (z.B. Streubomben, Kernenergie, Tabak);
  3. Positives Screening: Über sog. Best-in-Class Auswahlverfahren werden jene Unternehmen und Staaten herausgefiltert, die über das beste Nachhaltigkeitsprofil verfügen; für die Portfolio- konstruktion werden nur diese berücksichtigt.

Bei den ersten beiden Säulen geht es in erster Linie um eine Reduktion der Risiken, die sich aus einem nicht-nachhaltigen Verhalten ergeben. Bei der dritten Säule wird über das reine Risikomanagement hinausgegangen und aktiv nach Anlagemöglichkeiten gesucht, die für Umwelt und Gesellschaft einen überdurchschnittlichen Nutzen erbringen. Als weitere Steigerungsform kann im Positive Screening eine zusätzliche «Impact-Analyse» durchgeführt werden, welche explizit nur jene Unternehmen und Emittenten ins Anlageuniversum aufnimmt, deren Produkte eine signifikant positive Wirkung hinsichtlich der Lösung von drängenden ge- sellschaftlichen Problemen entfalten (siehe z.B. die 17 Sustainable Development Goals der UNO).

Eine weitere wichtige Säule des verantwortungsvollen Anlegens ist die sogenannte Active Ownership. Die Ausübung der Stimmrechte und der aktive Dialog mit den Unternehmen – auch durch einen Delegierten – können signifikante Impulse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung geben.

Viele vorbildliche Stiftungen gehören zu den Wegbe- reitern des nachhaltigen Anlegens. Andere müssen erst noch deutlich machen, welche ihrer Werte sie auch in den Vermögensanlagen widergespiegelt sehen möchten. Die oft zitierte und erhoffte nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft kann von diesem Diskurs nur profitieren.

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