Wie leicht ist Impact Investing mit dem eigenen Stiftungszweck möglich?

Kommt die Rede auf Impact Investing, dann ist damit meistens gemeint, dass gleichzeitig eine soziale respektive ökologische und eine finanzielle Rendite erreicht und beide Renditen auch gemessen werden sollten. Diese Umschreibung lässt durchaus Spielraum zu, was alles unter Impact Investing verstanden werden kann. Die Abgrenzung geschieht dabei am einen Ende des Spektrums gegenüber nachhaltigen Anlagen, am anderen Ende gegenüber reinem philanthropischem Engagement. Die Herausforderung besteht darin, dass sich einerseits das Investment lohnt und andererseits ein gesellschaftlicher Nutzen entsteht.

Eine typische Investitionsmöglichkeit sind Sozialunternehmen. Wie ein solches konkret ausgestaltet sein kann, zeigt das Beispiel des Sozialunternehmens in Tansania von einem der Teilnehmenden des CAS Global Social Entrepreneurship des CEPS. Das Sozialunternehmen beschäftigt insbesondere junge Frauen und Mütter, die sonst keine Stelle finden würden. Diese stellen Briketts her, welche dann zu einem angemessenen Preis an Schulen und die lokale Bevölkerung verkauft werden. Einerseits wird durch den Verkauf der Briketts ein Ertrag generiert, der die Rückzahlung von Darlehen und anderen Investitionen ermöglicht. Andererseits schafft das Sozialunternehmen nicht nur Arbeitsplätze, sondern fördert die Gesundheit, denn das Verbrennen von Briketts produziert weniger Rauch als das Einfeuern mit Holz. Der Beitrag zu einer sozialen Rendite scheint bei diesem Investitionsobjekt klar und wenig widersprüchlich.

Es gibt jedoch auch Fälle, in welchen dies nicht so eindeutig ist. Die Orientierung am eigenen Stiftungszweck kann dann hilfreich sein. Dies kann auch zur Schlussfolgerung führen, dass Impact Investing im Bereich des eigenen Zwecks nur schwer umsetzbar ist. Setzt sich eine Stiftung beispielsweise für die Rechte von Kindern ein, wird es schwierig sein ein Investitionsobjekt zu finden, welches in diesem Bereich sowohl eine soziale als auch eine finanzielle Rendite erzielt. Setzt sich eine Stiftung jedoch für bezahlbaren Wohnraum ein, so liegt Impact Investing quasi auf der Hand.

Zudem sollte das Risikos des sogenannten «Mission Drift» beachtet werden. Dies ist das Risiko, dass im Verlauf der Zeit Abstriche bei der sozial-ökologischen zugunsten der finanziellen Rendite gemacht werden. Die Überprüfung der sozialen respektive ökologischen Rendite hilft dabei, das Risiko eines sogenannten «Mission Drifts» zu reduzieren.

Neben diesen Aspekten gilt es natürlich auch die gesetzlichen Voraussetzungen zu berücksichtigen. Diese sind für Stiftungen je nach Art und Ausmass der Umsetzung des Impact Investings unterschiedlich. Zusammenfassend können folgende drei Fragen bereits für eine erste Analyse hilfreich sein:

  • Gibt es in mindestens einem unserer Förderbereiche die Möglichkeit, unternehmerisch Geld zu verdienen?
  • Wie weit weg von unserem Förderbereich sind Impact Investing-Möglichkeiten und auf wie viel Rendite müssten wir dafür wahrscheinlich verzichten?
  • Wie verhindern wir, dass in Organisationen, in welche wir investiert haben, Mission Drift entsteht?

«Investitions–Bereitschaft»: Wie NPO soziale Investoren gewinnen können

Während Nonprofit-Organisationen (NPO) in der Regel über eine hohe Kompetenz in den Bereichen Fundraising und Subventionen verfügen, sind sie noch relativ unerfahren, wenn es darum geht, eine neue Art von Finanzierungsquelle zu erschliessen: Sozialinvestoren. Wenn NPO von solchen neuen Finanzierungsquellen profitieren wollen, müssen sie lernen, sich als «investment-ready» zu präsentieren.

Erträge von NPO durch Spenden, Mitgliederbeiträge und staatliche Subventionen bleiben zwar auf beachtlichem Niveau, stagnieren aber. Gleichzeitig entwickeln sich neue Finanzierungsformen wie «Impact Investing», worunter beispielsweise «Social Impact Bonds» fallen. Diese Entwicklungen erfordern neue Kompetenzen innerhalb von NPO. Denn oft fehlt es noch am notwendigen Wissen über neue soziale Finanzierungsinstrumente und die Erwartungen von Sozialinvestoren. In diesem Zusammenhang ist es für NPO wichtig, sich in drei Bereichen als «investitionsbereit» zu positionieren: auf der internen Dimension, das heisst im Zusammenhang mit dem Management von NPO, auf der Problem- und Lösungsdimension, also in Bezug auf die Theorie des Wandels (theory of change) und auf der Finanz- und Investitionsdimension, also was ihr Finanzierungsmodell betrifft.

Interne Dimension

NPO sollten Informationen über ihre Kompetenzen bereitstellen und die Ziele von Projekten klar dokumentieren. Darüber hinaus ist es von grosser Bedeutung, den Entwicklungsstand der eigenen NPO und Informationen über die Rechtsform und die Governance-Mechanismen darzustellen. Ersteres hilft Sozialinvestoren, die potenziellen Auswirkungen und Risiken ihrer Investition zu bewerten. Letzteres ist wichtig, um klar zu definieren, welche Rolle beide Seiten beim Monitoring des Projekts spielen werden.

Problem- und Lösungsdimension

Diese Dimension bezieht sich auf die Theorie des Wandels einer NPO. Sie sollten nachweisen, dass ihr Projekt den Bedürfnissen der Zielgruppen entspricht und die Stärken des eigenen Projekts hervorheben. Dazu gehört auch, klar auf- zuzeigen, welcher Markt und welche spezifischen Interessengruppen erreicht werden sollen und welche Auswirkungen ein Projekt haben wird/soll. Solche Informationen können beispielsweise anhand eines «logic framework» an soziale Investoren weitergegeben werden.

Finanz- und Investitionsdimension

NPO sollten klar aufzeigen, welche Art von Finanzierung sie anstreben, Informationen über erwartete Cashflows liefern und Schlüsselindikatoren präsentieren, an denen die Entwicklung des Projekts gemessen werden kann.

Auch wenn diese Dimensionen noch nicht als Weisheit letzter Schluss betrachtet werden sollen, liefern sie NPO eine wichtige Orientierungshilfe bei der Suche nach neuen Finanzierungsformen.

Zum Gesamtbeitrag im «Expert Focus» (März 2019)

Es kann, muss aber nicht eine Stiftung sein

In meinem letzten Blog-Eintrag sinnierte ich über Verlegenheiten – nämlich über potentielle Stifter in Verlegenheit oder über Stiftungen als Verlegenheitslösungen. Aber muss es denn gleich eine Stiftung sein, um Lösungen für gemeinnütziges Handeln zu schaffen? Foto: Pascal Gertschen

Heute berichte ich über einen Fall, der vielleicht auch ein Modell sein kann. Es trägt den Namen «Datuma», und dessen Narrativ kennen Sie möglicherweise schon. Es geht hier um zwei Ärzte und um einen Architekten, nämlich um die Zürcher Brüder Daniel, Martin und Marcel Meili (Foto). Letzterer hat mir auf meine Fragen bereitwillig Auskunft gegeben.

Eine schöne Geschichte

Die Geschichte nahm ihren Anfang in den 1990er Jahren, als die Gebrüder Meili sich im Blick auf ihre Erbanwartschaft entschlossen, ihrem künftigen Erbe irgendwie «auszuweichen». Ihr Vater war während des 2. Weltkrieges Miterfinder des automatischen Brandmelders gewesen, hatte diesen später zur Marktreife gebracht und wurde wohlhabend. Auf dessen Erbe würden die drei Brüder – beruflich selber erfolgreich – dereinst nicht angewiesen sein, weshalb sie mit ihrem Vater, lange vor seinem Tod, über uneigennützige Verwendungen ihrer Vermögenswerte nachdachten. Der Keim zur späteren Datuma wurde 1993, also vor 25 Jahren, mit dem Kauf einer ehemaligen Elektromotorenfabrik in Zürich zwecks Umbau in ein Wohn- und Dienstleistungsgebäude gelegt. Mit der Umwandlung eines älteren Kinos zum bekannten Kulturkino RiffRaff im Kreis 5 vor 20 Jahren entstand die Idee zur Strukturierung und Formalisierung einer geplanten Tätigkeit im Schnittbereich von Fördern und Investieren. Längst haben wir uns an die – damals noch nicht geläufigen – Begriffe «Impact Investing», «Venture Philanthropy» und «Private Equity» gewöhnt, die derartiges Handeln umschreiben können.

Philanthropie und Unternehmertum, geht das?

Datuma sollte keine Förderstiftung werden. Meilis wollen ohne starre Strukturen, ohne beengende Reglementarien, ohne Aufsicht agieren. Ihr Modell ist unternehmerisch intendiert. Einen à-fond-perdu-Beitrag in eine hohle Hand zu geben, das ist nicht ihr Ding. Sie wollen Businessideen unterstützen, sie vergeben Kredite, sie verhandeln über Rückzahlungspläne, sie gehen Aktionärsbindungsverträge ein, wodurch sie in grösserem Umfang auch Beteiligungen vornehmen. Und sie bieten ihre Risikobereitschaft und einen langen Atem (und wollen sich dadurch bewusst von den Banken absetzen). Auf diese Weise profitieren konnte – unter anderen – Domo-Safety, ein Startup aus der EPFL, welches Sensorsysteme zur gesundheitlichen Überwachung im Wohnbereich alleinstehender Personen ermöglicht. Oder Power-Blox aus demselben Lausanner «Stall», die schwarmintelligente Batterien für Solarstrom zwecks Verwendung in entlegenen Gegenden, z.B. in Afrika, entwickeln. Marcel Meili konzediert, dass ihre Handlungsweise zwar auch als «philanthropisch» bezeichnet werden kann, im Sinne, dass sie in Projekte investieren würden, die das Zusammenleben von Menschen verbessern oder bereichern. Aber er schiebt sogleich nach, dass ihr Ansatz halt vor allem ein unternehmerischer sei. Das bedeutet dann, dass sie manchmal organisatorischen Einfluss nehmen auf die Projekte und Unternehmen ihrer Partner, dass sie Einsitz nehmen in Verwaltungsräte, dass sie ihr Knowhow weitergeben wollen.

Ein Label statt eine Stiftung

Da sich herumgesprochen hat, dass Datuma «seed money» bieten kann, treffen mittlerweile so viele Anfragen ein, dass vor drei Jahren eine gewisse Professionalisierung in den Strukturen veranlasst wurde. Nachdem das Label Datuma (in der Rechtsform nicht wie vermutet eine gemeinnützige AG, sondern eine Einfache Gesellschaft) längst der Pionierphase entwachsen war, wurde in Person von Nathalie Moral eine Geschäftsführerin im Mandat beigezogen. Frau Moral ist Expertin im Bereich Impact Investing und arbeitet seit 2012 über ihre Firma mavia in Zürich mit Familien und Privatpersonen zusammen. In einem Standortbestimmungsprozess beschlossen die drei Brüder eine Fokussierung auf die Themen Gesundheit, Energie und Kultur. Trotzdem gehen ihnen weiterführende Ideen nicht aus. Eine Art Roundtable möchten sie einrichten für einen kleinen Kreis von Gleichgesinnten, um beizutragen, dass «gelangweiltes Geld» vermehrt in zukunftsträchtige Projekte investiert wird und dass durch gemeinsames Wirken Synergien genutzt werden können.

Auch auf meine letzten Fragen erhalte ich eindeutige Antworten: Ja, sie hätten auch Lehrgeld zahlen müssen. Nein, sie würden auch heute nicht das Stiftungsmodell wählen. Klar, steuerlich gesehen wäre die Stiftungslösung simpler. Ihr Erfolgsgeheimnis sei das stete Einvernehmen zwischen den drei Brüdern. Und zum Schluss dringt wieder die Anerkennung für ihren Vater durch, der schon beim Zypressenstrasse-Projekt ermuntert hätte: «Wenn es dich nicht umbringt, dann mach es!»

Noch ein Jubiläum

Solche Risikobereitschaft erinnert mich stark an den Pioniergeist des Solothurners William A. de Vigier, der mit einer Erfindung für das Baugewerbe seit den 1930er Jahren in England ein Vermögen gemacht hatte. Mit diesem begründete de Vigier die nach ihm benannte gemeinnützige Stiftung, welche über die Vigier-Jungunternehmerpreise Schweizer Startups unterstützt. Die Einbettung dieser Fördertätigkeit in eine gemeinnützige Stiftung – ohne personelle Verflechtung mit der Stifterfamilie – stipuliert natürlich eine gewisse «Perpetuierung» dieses Preises. Dazu trägt übrigens auch die partielle Refinanzierung der W.A. de Vigier-Stiftung über Aktienbeteiligungen an erfolgreichen Preisträger-Startups bei. Am 30. Mai werden die Vigier-Unternehmerpreise in Solothurn bereits zum 30. Mal vergeben: zwar nicht «seit ewigs» aber ebenfalls mit bemerkenswert langem Atem.

Weblinks: www.datuma.ch, www.domo-safety.com, www.power-blox.com. www.devigier.ch