Von der Stiftungsplattform zum Portal für die Schweizer Philanthropie

«Unterwegs in die Zukunft der Philanthropie»

Am 26. September 2019 lud StiftungSchweiz ins Cabaret Voltaire und über 110 interessierte Gäste folgten der Einladung.  Wo vor fünf Jahren die Lancierung der ersten Stiftungsplattform gefeiert wurde, startete an diesem Abend der Countdown zur Lancierung des neuen Portals für die Schweizer Philanthropie. Mit dieser Weiterentwicklung werden neben Stiftungen und Projektträgern künftig auch Privatspender und weitere Anspruchsgruppen, wie Firmen, Grossspender und Dienstleister mit innovativen digitalen Lösungen bedient. Ausgeklügelte Produkte und Dienstleistungen, die in Zusammenarbeit mit starken Partnern mehr Effizienz, mehr Transparenz und mehr Freude in die Philanthropie bringen sollen.

Der Countdown läuft!

Am 21. Oktober 2019 geht das neue Portal live.

Ein Vorgeschmack gefällig?

Tauchen Sie ein und lassen Sie sich überraschen. Wir freuen uns auf viele interessierte Besucher, die dieses Portal für ihre Organisationen, Projekte und philanthropischen Vorhaben nutzen und dies bis Ende 2019 sogar kostenlos! Jetzt Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben

 

 

 

Die Stiftungen im medialen Sommerloch

Meistens braucht es einen Skandal – einen vermeintlichen oder einen echten – bis sich unsere Medien auch einmal den Stiftungen zuwenden. Aber in diesem Sommer war es anders: Die Stiftungen erlangten ungewöhnlich grosse Medienaufmerksamkeit – fast ohne Skandalisierung. Ein Zufall? Oder vielmehr ein Tribut an die Sauregurkenzeit?

Medienberichte zur interessanten Steuerstudie von SwissFoundations und PWC entliessen uns in die Sommerpause. Im Feriengepäck hatten wir das Stiftungsdossier «Reformstau» in der Doppelnummer Juli/August des «Schweizer Monat» – mitkonzipiert und mitfinanziert von SwissFoundations. Unterwegs lauschten wird dem Tagesgast von Radio SRF2 Nathalie Unternährer von der Christoph Merian Stiftung. Und im Liegestuhl dann lasen wir das ganzseitige Porträt über die Ernst Göhner Stiftung in der Neuen Zürcher Zeitung. Den stiftungsmedialen Basso continuo freilich bildete die siebenteilige Radioserie der samstäglichen Wirtschaftssendung «Trend» welche am 17. August ihren Abschluss fand.

Die «Trend»-Sommerserie zu den Stiftungen

In den sieben etwa 25-minütigen Sendungen, die von nicht weniger als 11 Redaktorinnen und Redaktoren gestaltet wurden, kamen gesamthaft 23 Protagonistinnen und Protagonisten zu Wort: Professoren, Stiftungsaufsichtsvertreterinnen, Verbandsexponenten, Stiftungsexperten, Gesuchsteller etc. (Allererster Interviewgast der ganzen Serie war übrigens Peter Buss von StiftungSchweiz, die diesen Blog verbreitet). Sie äusserten sich zum fast ganzen Spektrum der Themen, welche unsere Stiftungen berühren. Zuerst zum nicht immer einfachen Verhältnis zwischen Förderstiftungen und Gesuchstellern. Oder zu den Bezügen zwischen Stiftungen und Staat und somit zu Steuerfragen. Dann wurde der interessanten Frage nachgegangen, inwiefern die moderne Blockchain- Technologie in der Schweizer Stiftung ihre passende Rechtsform gefunden hat. Mit der Unternehmensstiftung und der Kirchlichen Stiftung wurden zwei wichtige, aber weniger bekannte Stiftungstypen schwerpunktmässig porträtiert.

In den kumuliert fast drei Sendestunden kam somit eine Vielzahl relevanter Themen zur Sprache. Über die Sendeform von abwechslungsreich gestalteten Features dürfte es gelungen sein, einem breiteren Publikum den Facettenreichtum unseres Stiftungswesens näher zu bringen. Freilich betrachte ich die Sendereihe nicht in allen Punkten als ganz gelungen. So befürchte ich, dass die grundsätzlichen Unterschiede bezüglich der Besteuerung von Stiftungen in ihren diversen Ausformungen nicht glasklar rübergekommen sind. Der Stimmbürger und Steuerzahler muss wissen, dass strenge Anforderungen an die Steuerbefreiung der Gemeinnützigen Stiftungen bestehen – Bedingungen, welche Unternehmensstiftungen und Familienstiftungen nicht erfüllen können. Aber wenn sogar ein Mitglied des Moderatorenteams nicht trennscharf unterscheiden kann, ist hier kaum Klarheit zu erreichen. So gesehen ist auch bedauerlich, dass dem Typus der Familienstiftung kein grösserer Raum gewährt wurde. Wie es auch schade ist, dass in der Sendung über die Unternehmensstiftungen zwei ganz untypische Beispiele abgehandelt wurden – so wunderbare Fälle die Edith Maryon Stiftung und die Victorinox-Stiftung auch darzustellen vermögen.

Positiv hervorzuheben ist, dass sich die Sendungen grosser Objektivität bemühten. Dazu gehört selbstverständlich auch kritisches Hinterfragen. Wobei es dann passierte, dass bei der Frage nach der Transparenz bei den Kirchlichen Stiftungen der Vertreter des Bistums Chur den Befrager ins Leere laufen liess, nämlich mit dem Argument, dass die Privatstiftungen ja auch intransparent seien. Es ist ein Manko der ganzen Sendereihe, dass diese nicht laut und deutlich das hängige politische Postulat thematisiert hat: dass der Gesetzgeber für alle Stiftungen mittels offizieller Listen und Statistiken für eine grössere und breitere Transparenz im gesamten Stiftungswesen sorgen sollte.

Und wer den Skandal hier nicht findet, der sucht ihn halt im Ausland

Einen Schwachpunkt der Trend-Sendereihe zu den Stiftungen bildete die letzte Sendung, die sich dem Stiftungsplatz Liechtenstein widmete. Das Fürstentum hat eine dermassen andere Stiftungstradition als die Schweiz, dass man mit deren Einbezug nur Verwischungen und Missverständnisse provozieren konnte – insbesondere indem man sich süffig des Liechtensteiner Stiftungsplatzes in der Vergangenheit widmete und beinahe ausser Acht liess, dass ein neues Liechtensteinisches Stiftungsrecht vor exakt zehn Jahren begann, den Stiftungsplatz komplett – und zum Guten – umzukrempeln. Die Redaktoren hätten den Gestalter des neuen Liechtensteinischen Stiftungsrechts befragen können, der an der Universität Zürich lehrt, oder den Inhaber eines Lehrstuhls für Stiftungen an der Universität Vaduz. Sie kamen ebenso wenig zum Zuge wie die Vereinigung der Liechtensteinischen Gemeinnützigen Stiftungen VLGS. Ich werde in meinem Blog-Beitrag des Monats September versuchen, bei einem Blick über die Landesgrenzen den Stiftungsstandort Liechtenstein in adäquater Weise darzustellen.

Zum Ferienende dann doch noch ein Schweizer Stiftungsskandal? Oder ein Justizirrtum?

Ausgerechnet an Maria Himmelfahrt war es, dass zahlreiche Schweizer Medien über einen Urteilsspruch des Aargauer Obergerichts berichteten: Die Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter in Zurzach müsse infolge Verjährung die Dokumentationen zur archäologischen Ausgrabung in der St. Galler Stiftskirche vor über fünfzig Jahren nicht an den Kanton St. Gallen aushändigen. Stiftungspräsident Hans Rudolf Sennhauser hatte in den sechziger Jahren die Grabungen in diesem nachmaligen UNESCO Weltkulturerbe geleitet, deren wissenschaftliche Ausarbeitung und Publikation aber bis heute nicht geleistet. «Unfassbar!» – schreibt Lilian Raselli, Museumsleiterin von Augusta Raurica: «Ein Urteil mit nicht abzusehenden Folgen für die archäologische Forschung in der Schweiz!» – Unfassbar die Begründung des Aargauer Obergerichts: Es beurteilt eine Dokumentation nicht als zwingenden Bestandteil von Ausgrabungen (!).

Ex post stellt sich hier doch die Frage: Waren die Stiftungsratsmitglieder der Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter bei deren Gründung im September 2009 bloss Besitzer oder aber rechtmässige Eigentümer der in die Stiftung eingelegten Dokumentationen und archäologischen Fundstücke? Wir werden die letztinstanzliche Beantwortung dieser Frage nicht erfahren: Der Kanton St. Gallen als Kläger verzichtet auf einen Weiterzug des Falles ans Bundesgericht. Aber vielleicht reift ja nun die Erkenntnis, dass Stiftungsaufsichten künftig verstärkt die Eigentümerverhältnisse auch von nicht-pekuniären Einlagen in gemeinnützige steuerbefreite Stiftungen überprüfen sollte.


Illustration: Alphons
© Peter Gut, Winterthur

 

Alles hat ein Ende – auch ein gemeinnütziges Projekt.

Alles Gute kommt irgendwann zu einem Ende. So auch gemeinnützige Projekte, wie das Projekt, welches ich über 18 Monate geleitet habe. Doch wie beendet frau ein Projekt? Welche Fragen stellen sich? Und was muss beachtet werden? Dazu ein paar Gedanken aus dem Arbeitsalltag einer Projektleiterin.

WIR REDEN MIT! – das jugendpartizipative Projekt, welches ich im Januar 2018 von meiner Vorgängerin übernommen habe. WIR REDEN MIT!, das Projekt, welches mich zur Kinderrechtsorganisation Plan International Schweiz brachte. Mich in die Welt der Vereinsarbeit führte und mir wertvolle Erfahrungen, Lernerfolge und Selbstständigkeit bescherte. WIR REDEN MIT!, das Projekt welches mit meinem letzten Arbeitstag am 29. August endete. Doch wie?

Projektaktivitäten abschliessen

Von Anfang an auf eine dreijährige Laufzeit ausgerichtet, waren die Aktivitäten auch entsprechend geplant. Trotz einigen Verschiebung in der Mitte des Projektes, konnte ich alle Aktivitäten termingerecht innert drei Jahre durchsetzen. Dabei waren die letzten Wochen eine Mischung aus Zeitdruck aber auch Zeitüberfluss. Gut geplant konnte ich die meisten der Komponenten bereits im Frühsommer beenden. Danach reduzierte sich der Arbeitsaufwand, denn es gibt nicht mehr viel zu tun, wenn fast alles abgeschlossen ist. Zeitdruck gab es aber trotzdem, da eben doch noch ein paar Aktivitäten blieben, die nicht nur von mir abhingen und die noch nicht beendet waren. Was ist, wenn ich keine Antwort erhalte und vor Projektende den Kontakt mit den Vereinen nicht sauber abschliessen kann? Was, wenn kurz vor Ende noch etwas unerwartetes passiert und keine Zeit mehr für eine Lösung bleibt? Was, wenn ich etwas vergessen habe?

Die reine Tatsache, dass mit meiner befristeten Anstellung ein so klares Ende des Projektes deklariert war, brachte eine gewisse Form des Zeitdruckes, obwohl die Arbeitslast selber gegen Ende des Projektes abnahm. Mein Mittel dagegen? Gute Planung, gutes Vorausdenken und stetes Nachfragen. So weit ich es beurteilen kann, ist meine Strategie aufgegangen – zum Glück.

Der Schlussbericht – ein Muss

Bleibt noch der letzte grosse Brocken vor jedem Projektende: der Schlussbericht. Wie schreibt man einen Bericht, bevor das Projekt zu Ende ist? Nun, gewisse Dinge waren einfach: über die ersten 2.5 Projektjahre konnte ich problemlos berichten. Doch wie beschreibe ich das Ende des Projektes, bevor es da ist? Meine Lösung: «Stückchenweise». Bei jedem Teilabschluss habe ich die Ergebnisse in den Bericht integriert, dort wo ich zuvor Platz dafür vorgesehen hatte. Und so konnte ich schrittweise den Bericht fertigstellen, kurz bevor das Projekt tatsächlich endete.

Zum Schlussbericht gehört stets auch der Finanzbericht. Over- oder Underspend? – wie es immer so schön heisst. Ich hatte das Glück (oder war es die gute Planung?), dass ich fast eine Punktlandung hinbekommen habe. Ein so geringer Underspend von lediglich 3%, da fragt kein Geldgeber zweimal nach. Das war wichtig, denn sonst hätte es entweder dazu geführt, dass Plan Int. Gelder an die Geldgeber hätte zurückzahlen, oder selber – so zu sagen aus dem Backup-Topf – hätte draufzahlen müssen. Erfreulicherweise blieb uns beides erspart.

Und nun – was bleibt?

Am Ende stellt sich dann immer die gleiche Frage. Was bleibt aus diesen drei Jahren hängen? Was ist die Wirkung des Projektes? So schwierig diese Frage zu beantworten ist, bin ich zumindest auf etwas stolz: www.wirredenmit-vereine.ch Eine Webseite, die im Projekt entwickelt wurde und nun weiter bestehen bleibt. Benevol Schweiz, der Dachorganisation für Freiwilligkeit, betreibt diese weiter. Es ist ein Produkt des Projektes, welches dieses überdauert und damit eine nachhaltige Wirkung hat.

Doch wie sieht es bei den involvierten Vereinen, Jugendliche und Kindern aus? Hier kann ich nur auf die Aussagen und Rückmeldungen vertrauen, die sagen, dass die Teilnehmenden viel gelernt haben. Dass sie wichtige Impulse erhalten haben, die Veränderungen im Verein und auf persönlicher Ebene bewirkt haben. Einen Beweis dafür habe ich nicht.

Und bei mir? Ich konnte meinen Rucksack um wertvolle Erfahrungen bereichern. Ich habe eine neue Organisation kennen gelernt, neue Menschen getroffen, mein Netzwerk vergrössert und vor allem viel gelernt. Auch wenn ich nicht weiss, was genau bei der Zielgruppe hängen geblieben ist, so weiss ich zumindest, dass WIR REDEN MIT! bei mir sehr viel bewirkt hat.

Wie zufrieden sind Ihre Mitarbeitenden?

Die Mitarbeiterzufriedenheit ist der Nr. 1 Erfolgsfaktor für wissensbasierte Organisationen. NPO gelingt es besonders gut ihre Mitarbeitenden zu motivieren. Aber wird diese Stärke auch gepflegt und regelmässig analysiert?

Für Business-Leute gilt: „You can’t manage what you can’t measure.“ In allen Management-Zahlen steckt aber der „Fluch der Effizienz“. Unternehmen konzentrieren sich so sehr auf Effizienz, dass sie über die Effektivität straucheln. Anstatt sich auf ihr Kernziel zu konzentrieren, achten sie zu sehr auf begrenzte Messgrössen wie Kostensenkung etc. Aber noch relevanter: Das Streben nach Effizienz kann Manager so kaltschnäuzig machen, dass sie Dinge mehr mögen, als sie Menschen mögen. Würden alle Mitarbeitenden durch Roboter ersetzt, wäre die Führung eines Geschäfts viel einfacher. Auch wenn nicht alle so krass denken, so zeigt der Begriff „Human Ressources“ doch die latente Versuchung, Menschen in Dinge zu verwandeln.

In meinem Blog-Beitrag vor eineinhalb Jahren habe ich dargelegt, was die „For-Profit“-Welt von den NPO in den Bereichen Mitarbeitermotivation und Marketing lernen kann. Ich denke, das hat sich sogar noch verstärkt – vor allem in der Mitarbeiterführung.

Da NPO mit vergleichsweise wenig Zahlen ihr Geschäft führen müssen, müssen sie mehr ihren Mitarbeitenden vertrauen. Der positive Effekt: höhere Mitarbeitermotivation. Die Mitarbeiterzufriedenheit hat einen wesentlichen positiven Zusammenhang mit der Kundenbindung und einen negativen Zusammenhang mit der Mitarbeiter-Fluktuation. Nicht erstaunlich, aber gut zu wissen, dass das erst kürzlich erneut nachgewiesen wurde. Die Studie basierte auf Daten des Meinungsforschungsinstituts Gallup und umfasst 1,9 Millionen Mitarbeitende in 230 verschiedenen Organisationen in 73 Ländern.

Korrelation beweist natürlich keine Kausalität. Es könnte sein, dass die Arbeit für ein erfolgreiches Unternehmen die Mitarbeiter zufriedener macht als umgekehrt. Frühere Studien konnten jedoch zeigen, dass Verbesserungen der Arbeitsmoral einer Produktivitätssteigerung vorausgehen – eher als umgekehrt.

Es lohnt sich also herauszufinden, wie zufrieden die Mitarbeitenden sind, und wie sich die Zufriedenheit über die Zeit verändert. Und obwohl oder gerade weil NPO in diesem Bereich besser als For-Profit-Organisationen sind, macht es Sinn dieser Stärke besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Aber wie? Im Internet bin ich auf einen Service gestossen, den es sich zu testen lohnt. „Friday“. „Friday“ gibt es seit letztem Jahr. Und ihre Kundenliste ist schon ziemlich beeindruckend.

Für NPO gilt zwar oft: „You must manage what you can’t measure.“ Und das kann sogar ein Vorteil sein, um nicht dem „Fluch der Effizienz“ zu verfallen. Bei der Mitarbeiterzufriedenheit allerdings dürfte es ich lohnen, regelmässig über den Stand orientiert zu sein.

Anmerkung des Autors: Ich bin weder an Friday beteiligt, noch habe ich den Service ausprobiert. Erfahrungsberichte sind als Kommentar auf diesem Blog willkommen.
Artikel teilweise in Anlehnung an „The curse of efficiency“ und „Employee happiness and business success are linked“, The Economist 27. Juli und 1. August 2019

📌 Tipp: „Friday“ misst wöchentlich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, analysiert sie und leitete das Resultat anonym an alle in der Organisation zurück. „Friday“ gibt auch Empfehlungen zur Verbesserung. Damit werden die Teams ermutigt, jede Woche über ihre Ergebnisse zu sprechen und zu diskutieren, was in der nächsten Woche verbessert werden könnte.

Wie gelingt ein gutes Wissensmanagement innerhalb einer Organisation?

Man sieht es fast schon vor dem inneren Auge, das kollektive Haare-Raufen beim Stichwort Wissensmanagement. Zugegeben, der Umgang mit Wissen innerhalb einer Organisation ist keinesfalls einfach – doch gibt es genügend niederschwellige Formen, die dies erleichtern.

Wir leben in einer Wissensgesellschaft und als besonders wissensintensive Organisationen kommen auch – oder gerade – Nonprofit-Organisationen (NPO) nicht um die Frage herum, wie sie mit ihrem Wissen umgehen sollen. Insbesondere zwei Gründe sprechen für einen bewussten Umgang mit dem Thema Wissen: Organisationen setzen sich aus Individuen zusammen, was die Umwandlung von individuellem in kollektives Wissen erfordert. Zudem hilft Wissensmanagement NPO dabei, ihre eigenen Praktiken bewusst zu überdenken und weiterzuentwickeln, wodurch die Effizienz und Effektivität beim Schaffen sozialen Nutzens gesteigert wird.

Wie muss man sich Wissensmanagement vorstellen?

In der Literatur lassen sich verschiedenste Modelle finden, welche Wissensmanagement in einer idealtypischen Form darstellen (siehe Fussnote). Eine Gemeinsamkeit sticht dabei ins Auge: Wissensmanagement ist kein stufenförmiger Prozess mit klarem Anfang und Ende, sondern sollte als ein sich stets wiederholender Kreislauf verstanden werden. Zusammengefasst geht es darum, durch geeignete Mechanismen das Wissen der Individuen zu Wissen der Gesamtorganisation zu machen und damit wiederum die Fähigkeiten aller Mitarbeitenden zu fördern und weiterzuentwickeln. Besonders deutlich macht dies die sogenannte Wissensspirale von Nonaka und Takeuchi:

Schön und gut, aber wie macht man das?

Ernstgemeintes Wissensmanagement passiert nicht von allein. Mitarbeitende müssen bereit sein, ihr Wissen weiterzugeben und neues Wissen zu nutzen und natürlich müssen sie Zeit hierfür haben. Dies alles erfordert ein ernsthaftes Bekenntnis der Organisation zum Wissensmanagement, eine Organisationskultur, welche dies unterstützt und das Schaffen genügend grosser Freiräume für Mitarbeitende, sich mit dem eigenen Wissen und dem Wissen ihrer Mitarbeitenden beschäftigten zu können. Finanzielle Ressourcen sind in der NPO-Welt ein knappes Gut, daher geht es realistischerweise primär darum eine offene – eher informelle – Austauschkultur zu fördern und Transparenz bezüglich personalisiertem Wissen der Mitarbeitenden zu gewährleisten:

 

  • Schaffen Sie Möglichkeiten für informellen Dialog, beispielsweise im Rahmen offener Veranstaltungsformate oder durch die Förderung informeller Gespräche in den Büro-Gängen. Der Austausch von Geschichten ist ein einfaches, starkes und identitätsförderndes Mittel, um Wissen in der Organisation zu sammeln und zu verbreiten.
  • Ermöglichen Sie das Festhalten von Erfahrungswissen. Beispielsweise könnten Mitarbeitende während oder nach Veranstaltungen oder Projekten Kurzzusammenfassungen in schriftlicher, Film- oder Audioform für das Team zur Verfügung stellen. Auch die Nutzung von (knapp gehaltenen) Wikis oder Blogs ist relativ unkompliziert und ermöglicht eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Wissen und dem der Mitarbeitenden.
  • Stellen Sie sicher, dass Mitarbeitende wissen, wer welches Wissen besitzt. Eine «Wissensträger-Landkarte» kann hier eine gute Option sein.
  • Ziehen Sie den Einsatz eines internen Mentoring-Systems in Betracht. Insbesondere bei Neueintritten und bei bevorstehenden Austritten kann dies als wichtiges Instrument zur Wahrung von Wissen in der Organisation dienen.

Lettieri, E.; Borga, F.; Savoldelli, A. (2004). Knowledge management in non-profit organizations. Journal of Knowledge Management, Vol. 8(6), 16–30.

Nonaka, I.; Takeuchi, H. (2012). Die Organisation des Wissens: Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen. 2. Auflage, Frankfurt am Main: Kampus Verlag.

Probst, G.; Raub, S.; Romhardt, K. (2012). Wissen managen: Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen. 7. Auflage, Wiesbaden: Springer Gabler.

Wissensmangement in Nonprofit-Organisationen ist Teil des CAS Nonprofit Governance & Leadership des CEPS

Alles hat seinen Preis und jedes seinen Award

Die Kulturschweiz feiert dieses Jahr das Zentenarium der Verleihung des ersten Nobelpreises für Literatur an einen Schweizer – an Carl Spitteler. Unser Kulturminister Alain Berset beehrte im Frühjahr den Festakt zu Spittelers Ehren in Liestal, wo im Dichter- und Stadtmuseum noch bis Ende Jahr eine sehenswerte Ausstellung über den Nobelpreisträger von 1919 zu sehen ist. Der Nobelpreis in allen seinen Sparten ist die Mutter aller Preise und hat entsprechend auch Nachahmer gefunden.

Preisende und Bepreiste

Was die von einer schwedischen resp. von einer norwegischen Stiftung vergebenen Nobelpreise auszeichnet, das sind die profilierten Fachjurys mit ihren Long- und Shortlists, die jeweilige starke Themenfokussierung, die hohen Preissummen, die breiten Medienechos und – meistens – der Netzwerkgedanke (im Fall der Nobelpreise z. B. über die Lindau Nobel Laureate Meetings). Nicht jeder Preis kann auf diese Stärken zählen. Letzthin war ich an der Übergabefeier eines internationalen Kulturpreises, vergeben von einem Stiftungsrat ohne Fachjury, und zwar in einer Länderrotation und zu wechselnden Sparten, dazu noch undotiert und im Rahmen einer sponsorfinanzierten Feier verliehen. So etwas kommt mir vor wie ein «ungedeckter Check».

Preise und Awards bieten den damit ausgezeichneten Personen oder Institutionen viel Prestige in der Öffentlichkeit und hohes Renommee innerhalb ihrer eigenen Disziplin (dies über den pekuniären Wert der Preissumme und zusätzliche geldwerte Leistungen hinaus). Auf diese Weise bilden Preise eine Art «Image-Währung» (die dann in Porträts auf Instituts-Websites oder auf Wikipedia aufgelistet und damit bilanziert werden). Wer Preise vergibt, der kann sich aber auch selbst im reflektieren Glanz der Ausgezeichneten sonnen. Dieser Image-Austausch von Preisenden auf Prämierte und wieder zurück ist ein ganz wichtiger Grund für die inflationäre Zunahme dieser Projekttypen: Heute hat ja fast alles und jedes seinen Preis oder seinen Award.

Preise ohne Wirkung sind nutzlos

Dabei können viele nicht ganz systematisch konzipierte Preise die Kriterien eines echten Projekts kaum erfüllen. Regula Wolf hat anlässlich des SwissFoundations-Symposiums Ende Mai den wirkungsorientierten Förderprozess dargelegt: Bedarfsanalyse > Definition der Wirkungsziele > Massnahmenentwicklung für die Veränderungsprozesse > Überprüfung der Wirkungslogik durch Evaluation > Anpassung nach Lernprozess. Wie viele Preise können sich auf derartige Prozesse berufen?

Zwei bedeutende Schweizer Preise von zwei Vergabestiftungen, die einen solchen strukturierten Förderprozess aufgebaut waren, sind in den letzten Jahren aufgegeben worden: der Binding Waldpreis und der Age Award. Der nach 30 Jahren eingestellte Preis der Sophie und Karl Binding Stiftung (1987 u.a. ausdrücklich zur Profilierung der damals wenig bekannten Basler Stiftung ins Leben gerufen) hatte seine Ziel erreicht: die Etablierung vorbildlicher, nachhaltiger Methoden zur Pflege und Bewirtschaftung unserer Wälder zu unterstützten. Der Award der Age Stiftung in Zürich, die sich für gutes Wohnen im Alter einsetzt, wurde nach zehn Jahren resp. nach fünf Verleihungen eingestellt, weil seine Wirkungsintentionen in der «Szene» missverständlich aufgefasst wurden: Die Stiftung betrachtete die von ihr ausgezeichneten Wohnbeispiele als beachtenswerte Exempel; die Umsetzer von Wohnprojekten für das Alter als Zielgruppen des Awards fassten diese als zu kopierende Modelle auf, die sich freilich nicht überall gleichermassen bewähren konnten.

Preise brauchen Öffentlichkeit

Kommunikation für Preise und Awards wäre ein langer eigener Beitrag wert, dient sie doch dazu, die Intentionen derartiger Auszeichnungen weit zu verbreiten. Aufwendungen für Preisverleihungen ohne mediales Echo oder ohne Response in der jeweiligen Fachschaft kommen einer Ressourcenverschleuderung gleich. Dann lieber gleich den ganzen finanziellen Einsatz in reine Projekte investieren.
Mit der Medienberichterstattung zu Preisen sprechen wir sowieso einen problematischen Punkt an. Die überbordende Zahl von Preisen, über die berichtet werden soll, überfordert das mediale Platzangebot bei weitem und hat schon längst dazu geführt, dass bestimmte Medien nur noch höchst selektiv über Preisverleihungen berichten. Der absolute Medienliebling unter den schweizerischen Preisen ist der seit 1972 vom Schweizer Heimatschutz ausgelobte Wakkerpreis, der am 29. Juni an die Stadt Langenthal verliehen wird.

Prize vs. Award

Preise und Awards sind begrifflich nicht streng voneinander zu trennen. Der englische, und für unsere Ohren deshalb modern klingende Ausdruck «Award» transportiert wohl auch etwas von Wettbewerb und Bewerbung und von objektiv Juriertem. Beim «Preis» hingegen schwingt etwas von «Vergaben» mit und vom Daumenrunter- oder -hochhalten des Preisgerichts. In den sozialen und in den übrigen Medien ist die Dauerpräsenz jedweder Awards auffällig. Unverkennbar ist auch die Absicht der jeweiligen «awarder», mittels lautstark inszenierter Auszeichnungen ihre eigene Branche oder eigene Unternehmung zu «hypen». Ohne laut Sprecher lässt sich im heutigen Gewusel der vielen Prizes und Awards kaum mehr Gehör finden, ausser vielleicht dieser Lautsprecher ist ein prominenter Laudator.

Literatur: Pionierhaft (und immer noch auf einsamer Flur) ist die Publikation von Georg von Schnurbein und Sara Stühlinger vom CEPS der Universität Basel aus dem Jahr 2010: «Ausgezeichnet! Preise, Awards und Auszeichnungen von Schweizer Stiftungen planen, gestalten und kommunizieren».

 

Fotografie: Vorder- und Rückseite der Nobelpreismedaille von Carl Spitteler, 1919
© Dichter- und Stadtmuseum Liestal

Compliance bei Stiftungen und Vereinen – Massnahmen für die Praxis | 4. Juli, Winterthur

Excellence in Compliance
“If you think compliance is expensive, try non compliance.” 

Stiftungen und Vereine sind im In- und Ausland Compliance-Risiken ausgesetzt und werden mit Compliance-Verstössen konfrontiert. Ein solcher Compliance-Verstoss kann zu Bussgeldern, persönlicher Haftung und enormen Reputationsschäden führen. Professionelle Compliance-Management-Systeme schützen das aufgebaute Vertrauen und erlauben, den Stiftungs- oder Vereinszweck weiter zu fördern.

An der von der ZHAW und StiftungSchweiz.ch organisierten Fachtagung, vermitteln renommierte Expertinnen und Experten und erfahrene Praktikern wertvolles Wissen über erfolgreiche präventive und reaktive Strategien zur Vermeidung von Compliance Risiken, wie z.B. Korruption.

Programm – 4. Juli 2019
9.00 – 17.00 Uhr, Winterthur

Themen und Referenten

I – UNTERSUCHUNG UND AUFARBEITUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Untersuchung und Aufarbeitung von Compliance-Vorfällen bei NPOs
    Rita Pikó, ZHAW School of Management and Law
  • Die Sicht der Finanzkontrolle – Erfahrungsbericht aus untersuchten Schweizer Stiftungen
    Eris-Serge Jeannet, Eidgenössische Finanzkontrolle
  • Risiken eines Reputationsverlustes – Erfahrungsbericht aus einem medienwirksam begleiteten Compliance-Vorfall
    Dirk Reinsberg, Oxfam Deutschland
  • Gelebte Compliance – Erfahrungsbericht einer global verlinkten Schweizer NGO
    Omer Güven, Save the Children Schweiz

II – MASSNAHMEN ZUR ERKENNUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Hinweisgebersysteme und der Gesetzentwurf zu Whistleblowing
    David Rüetschi, Bundesamt der Justiz
  •  Panel-Diskussion | Braucht es eine Ombudsstelle für NPOs in der Schweiz?
    Moderation: Rita Pikó, ZHAW School of Management and Law Peter Buss, StiftungSchweiz.ch
    François Geinoz, proFonds
    Lukas von Orelli, SwissFoundations
    David Rüetschi, Bundesamt für Justiz
    Bruno Studer, Helvetas Swiss Intercooperation

III – MASSNAHMEN ZUR VORBEUGUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Interne Kontrollsysteme für NPOs
    Markus Fivian, CREA Trust reg.
  • Sorgfaltsmassnahmen bei der Annahme von Spenden
    Christoph Degen, proFonds, Dachverband der gemeinnützigen Stiftungen der Schweiz
  • Abschluss der Tagung
    Reto Steiner, ZHAW School of Management and Law

Networking-Apéro

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Weitere Informationen zum Tagesprogramm und Anmeldung

 

Attendre la catastrophe, ou simplement soutenir des institutions qui œuvrent pour le bien culturel et social de notre société ?

Le drame de l’incendie de Notre-Dame, par l’importance des sommes soudainement dépensées pour sa restauration, a montré à quel point les catastrophes sont capables de générer une mobilisation massive.
Cette récolte de fonds a certes suscité de la joie, mais aussi de la frustration. A la source de vifs débats, les réactions portent non seulement sur le fait que la catastrophe aurait peut-être pu être évitée grâce à une infrastructure en meilleur état, mais également sur la dimension émotionnelle incitant au don, le besoin de visibilité et surtout ce à quoi les donateurs ont accordé leur priorité dans un pays en constante souffrance sociale.

Travailler dans une organisation autofinancée : une situation inconfortable

Depuis une quinzaine d’années, je m’investis dans la recherche de financements. Ce pour de belles institutions, qui s’engagent dans un but désintéressé en contribuant au paysage culturel ou en apportant de nouveaux espoirs à des enfants gravement malades. Mes recherches concernent aussi bien le financement de projets définis dans le temps que celui de l’institution en elle-même, qui passe par la satisfaction des besoins d’une infrastructure invisible aux yeux du public, mais ô combien nécessaire.
Pour des organisations avec un autofinancement de 75 à 100%, la responsabilité et l’engagement dans la recherche de fonds sont énormes. En effet, cette dernière ne concerne pas seulement des projets définis dans le temps, greffés sur une mission de base : il s’agit en vérité de financer et d’assurer le fonctionnement d’une institution dans son entièreté, de son infrastructure et son aménagement à l’entretien régulier d’un bâtiment, en passant par toutes les charges salariales.

Une telle construction financière a un énorme impact sur le fonctionnement d’une organisation. Une bonne stratégie de communication extérieure est impérative : le travail sur la notoriété de l’institution, ainsi que le contact avec le public, les bailleurs de fonds et les donateurs et donatrices est essentiel. Mais cette construction influence également les collaborateurs et collaboratrices, leur manière de travailler, la pression qu’ils éprouvent et les responsabilités qui leur incombent. En effet, le budget étant réduit, les équipes sont restreintes. Ces dernières étant seules responsables de leurs tâches, les possibilités d’échange sont moindres. A cela s’ajoutent des salaires plus bas que la moyenne, pour les mêmes qualifications.

Les organisations auxquelles je pense emploient 5 à 15 personnes, en plus desquelles viennent s’ajouter des aides temporaires. Le travail est organisé de manière efficiente : chacun est prêt à aider l’autre et à mettre la main à la pâte s’il le faut. Ce qui a pour résultat qu’une collaboratrice chargée de la rédaction intelligente de texte met son aide à disposition lors d’événements, ou qu’une équipe entière est prête à suivre les exigences d’un planning ambitieux et à transformer une salle d’exposition en salle de diner élégante, ce dans un espace-temps de 45 minutes.

Une situation inconfortable peut devenir enrichissante

Mais pourquoi continuons-nous ? Tout d’abord, parce que l’inconfort oblige à être créatif pour trouver des solutions et s’améliorer constamment. Tous et toutes logés à la même enseigne, la solidarité entre collaborateurs et collaboratrices dans les impasses difficiles – en plus d’être extrêmement gratifiante – est indispensable. Finalement, c’est une énorme satisfaction de constater les résultats obtenus avec peu de moyens.

Mais l’ultime récompense – et soulagement – sont d’autant plus grands lorsqu’un donateur ou une donatrice, de par son soutien, accorde sa confiance et montre que notre cause est bien fondée, indispensable, et que son action a bel et bien un impact.

Erwerbssuchende für die Freiwilligenarbeit gewinnen: Eine Win-win-win-Strategie?

Viele Nonprofit-Organisationen (NPO) sehen sich derzeit mit einem Mangel an Freiwilligen konfrontiert. Die Akquise von Erwerbssuchenden scheint eine mögliche Lösung zu sein, da diese theoretisch mehr Zeit zur Verfügung haben als Erwerbstätige. In der Literatur werden positive sowie negative Einflüsse von Freiwilligenarbeit auf Arbeitslosigkeit erwähnt, in der Praxis zeigt sich jedoch, dass die positiven überwiegen.

NPO sind auf Freiwillige angewiesen. In den letzten Jahren war bei der Anzahl der Freiwilligen in der Schweiz laut dem Freiwilligen-Monitor Schweiz 2016 ein leichter Rückgang zu verzeichnen und durch die steigende Anzahl an NPO verstärkt sich der Wettbewerb um Freiwillige. Es wird angenommen, dass fehlende Zeit eine der Hauptursachen dieses Rückgangs darstellt; Zeit, welche Erwerbssuchende mehr zu haben scheinen. Aber hat Freiwilligenarbeit nur positive Einflüsse auf Arbeitslosigkeit und ist somit die Akquise von Erwerbssuchenden für Freiwilligenarbeit eine Win-win-win-Strategie von der Erwerbssuchende, NPO sowie die Gesellschaft als Ganzes profitieren können?

Positive Einflüsse der Freiwilligenarbeit auf Arbeitslosigkeit

In der Literatur werden viele positive Effekte von Freiwilligenarbeit auf Arbeitslosigkeit genannt. Einerseits kann Freiwilligenarbeit Erwerbssuchenden dabei helfen, eine gewisse Struktur im Alltag beizubehalten, andererseits kann sie ihnen private Vorteile verschaffen: Erlernen neuer, jobrelevanter Fähigkeiten, Kontakte mit anderen Menschen knüpfen und das private Netzwerk ausbauen sowie die Möglichkeit, negative Gefühle zu verarbeiten. Auch kann Freiwilligenarbeit dazu genutzt werden, Lücken im Lebenslauf zu füllen. So erhöht Freiwilligenarbeit die Chance, eine Arbeitsstelle zu finden, da sie zudem als Signal bestimmter Charaktereigenschaften für potentielle Arbeitgeber dient.

Negative Einflüsse der Freiwilligenarbeit auf Arbeitslosigkeit

Jedoch kann sich Freiwilligenarbeit laut Literatur auch negativ auf Arbeitslosigkeit auswirken. Wenn Arbeitgeber vor allem Wert auf Diplome legen und Freiwilligenarbeit nicht als tatsächliche Arbeit anerkennen, da während dieser der Erwerb von Diplomen nicht möglich ist, funktioniert dieses Signal nicht und Freiwilligenarbeit kann das Finden einer Anstellung erschweren.

Erkenntnisse aus der Praxis

In der Praxis zeigt sich, dass Freiwilligenarbeit zwar auch einen negativen Einfluss auf Arbeitslosigkeit haben kann, wenn diese zum Ersatzjob ohne Verdienst wird oder der Arbeitssuche nicht mehr oberste Priorität zugeordnet wird, allerdings überwiegen die positiven Effekte. Diese steigern das Selbstwertgefühl der Erwerbssuchenden, wodurch sie anders in Bewerbungsgesprächen auftreten können. Auch das vergrösserte Netzwerk kann sehr nützlich für die Arbeitssuche sein. Wenn also darauf geachtet wird, die Tätigkeit nicht zu zeitintensiv zu gestalten und zeitlich zu begrenzen, um den negativen Effekten vorzubeugen, stellt die Gewinnung von Erwerbslosen für die Freiwilligenarbeit eine Win-win-win-Strategie dar.

Tipps für NPO, um Erwerbssuchende für Freiwilligenarbeit zu gewinnen:

  • Schaffen Sie Aufgaben mit höchstens sechs Stunden pro Woche und zeitlicher Begrenzung.
  • Betonen Sie bei der Freiwilligenakquise die unterschiedlichen Fähigkeiten und Kenntnisse, die während der Freiwilligenarbeit erworben werden können.
  • Gestalten Sie die Aufgaben so, dass soziale Kontakte garantiert sind und die Erwerbssuchenden ihr soziales Netzwerk ausbauen können.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie den Freiwilligen ein „Dossier freiwillig engagiert“ ausstellen, das ihre Tätigkeit dokumentiert.

Literaturempfehlung:
Freitag et al. (2016). Freiwilligen-Monitor Schweiz 2016, Zürich: Seismo.

Tragt Sorge zu unseren Domen, Münstern, Kathedralen

Wir Architekturhistoriker und Heimatschützer betonen immer wieder den hohen Stellenwert der historischen Baudenkmäler für unsere Identität und unser Selbstverständnis. Die Reaktionen der überwältigten Augenzeugen des Brandes von Notre-Dame in Paris – in filmischen Reportagen live in die ganze Welt übertragen – haben bewiesen: Ein so bedeutendes Kulturerbe wie die Kathedrale der französischen Hauptstadt gehört tatsächlich zum allgemeinen Kulturerbe einer weltumspannenden Gesellschaft – in deren ganzen Heterogenität.

In Paris eine Brandkatastrophe

Zwar stellte Valentin Groebner in der FAZ echte Trauer um Notre-Dame in Abrede: Dies sei «Lust an der starken Wirkung der Bilder und Lust an der eigenen Wehmut vor Publikum». Ich zweifle daran, dass es eine kollektive Körperbeherrschung oder gar ein massenpsychotisches Phänomen bei den zufällig anwesenden Passanten oder bei den Betrachtern am Bildschirm waren, die Schrecken, Trauer, Lähmung hervorriefen. Für viele war der Kirchenbrand vom 15. April ein so eindrücklicher Moment, dass man es zur Ereigniskategorie mit der zugehörigen Erinnerungsfrage «Wo war ich als ich davon erfuhr?» zählen kann. Der Kennedy-Mord 1963 und 9/11 2001 gehören zu dieser Kategorie, deren Erinnerung uns vor unserem geistigen Auge sofort an jenen Ort zurückkatapultiert, wo wir erstmals von diesen Tragödien hörten. Nie werde ich auch vergessen, dass ich abends am Küchentisch sass, als ich vom Notre-Dame-Brand hörte, wie ich ebenfalls am Küchentisch sass, als ich am frühen Morgen des 18. August 1993 vom Brand der Luzerner Kapellbrücke hörte.

Spenden: ein Ärgernis?

Notre-Dame materialisiert Geist und Zeit in Stein und sublimiert diese in Schönheit. Die vielschichtige Bedeutung dieses Bauwerks spiegelt sich in der sensationellen – und vielkritisierten – Höhe der spontanen Spenden für dessen Wiederaufbau. Lapidar (und korrekt) kontert die NZZ am Sonntag: «Die Kritik verkennt den Kern des Spendens: die Freiwilligkeit». Sachkundig analysierte NZZ Online am 28. April. Ich denke: Wer freiwilligem Spenden Eigennutz unterstellt, der müsste bei der Deckelung/Limitierung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Zuwendungen und Sponsoringbeiträgen ansetzen. (Ob das unter dem Strich eine lohnende Idee wäre, das wage ich zu bezweifeln.)

In Basel ein Jubiläum

Bei uns in Basel stimmte die Meldung des Brandes in Paris besonders nachdenklich. Denn tags zuvor, am Palmsonntag, wurde das Jubiläumsjahr «1000 Jahre Basler Münster» einläutet – vormittags mit einem ökumenischen Gottesdienst im Beisein des Bischofs von Basel, abends mit einem Konzert unter Beteiligung des Choeur Grégorien de Paris, der exakt 24 Stunden nach dem Basler Konzert vom Brand der Notre-Dame erfahren musste. Zudem ist man sich am Rheinknie auch heute in weiten Kreisen bewusst, dass das Münster, bis zur Reformation die Kathedrale des Bistums von Basel, 1356 durch das Basler Erdbeben teilzerstört worden war.

Spenden für ein Kulturprogramm

Im Milleniumsjahr, welches der Weihe des Basler Münsters im Beisein des Kaisers Heinrich II. am 19. Oktober 1019 gedenkt, ist der spätromanische Bau mit den gotischen Zutaten identitätsstiftend besonders präsent: nicht nur im Stadtbild, sondern auch im Leben der Stadt. Entgegen einer älteren Ankündigung sind Teile des Münsterchores doch eingerüstet. Zahlreiche kirchliche und vor allem kulturelle Institutionen haben sich zusammengetan, um in einem reichhaltigen Programm vom Frühjahr bis in den Herbst hinein die vielschichtige Rolle dieser Hauptkirche in der Geschichte der Stadt und ihrer Gesellschaften erlebbar zu machen, in Gottesdiensten, Konzerten, Ausstellungen, Publikationen etc. Etliche gemeinnützige Förderstiftungen und auch eine Mäzenin beteiligen sich finanziell grosszügig an diesen Aktivitäten, nebst Evangelisch-reformierter Kirchgemeinde und dem kantonalen Lotteriefonds. Einen besonders nachhaltenden Beitrag ans Jubiläumsjahr bildet die Herausgabe der ersten umfassenden Buchmonographie über das Basler Münster durch die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Am 19. Oktober 2019 erlebt dieses Werk eines Autorenkollektivs von Historikern, Kunsthistorikerinnen und Archäologen seine Buchtaufe.
Über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand hat natürlich die Stiftung Basler Münsterbauhütte, die seit ihrer Gründung 1986 für den Unterhalt des Münsters sorgt. Sie wird durch den Verein Freunde der Basler Münsterbauhütte finanziell und ideell unterstützt. Diese Freunde bilden ein wichtiges Bindeglied mit der städtischen Gesellschaft und verkörpern ihr jeweils persönliches Sorgetragen für ihr Münster

Kultur ist umspannend

Mit der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister ist das Basler Münster (wie übrigens auch die Kathedrale von Freiburg und das Berner Münster) in ein weitgespanntes Netzwerk eingewoben. Wenige Tage nach dem Brand in Paris bekundete die Dombaumeistervereinigung seine Solidarität mit Notre-Dame durch ein konzertiertes Glockenläuten durch ihre Dome, Münster und Kathedralen. Dem jubilierenden Basler Münster erweisen die Europäischen Dombaumeister ihre Referenz dann im Oktober mit der Durchführung ihrer Jahreskonferenz in Basel.

Den informellen Abschluss findet das Basler Milleniumsjahr übrigens erst im April 2020, mit der Aufführung von Gustav Mahlers 2. Sinfonie (der sog. «Auferstehungssinfonie») im Basler Münster. Schon 1903 war sie dort erklungen, unter dem Dirigat ihres Komponisten sogar. Im Schlusssatz wird der Chor – vielleicht auch für Notre-Dame – die Verse von Friedrich Gottlieb Klopstock singen: «Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du».


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