Tragt Sorge zu unseren Domen, Münstern, Kathedralen

Wir Architekturhistoriker und Heimatschützer betonen immer wieder den hohen Stellenwert der historischen Baudenkmäler für unsere Identität und unser Selbstverständnis. Die Reaktionen der überwältigten Augenzeugen des Brandes von Notre-Dame in Paris – in filmischen Reportagen live in die ganze Welt übertragen – haben bewiesen: Ein so bedeutendes Kulturerbe wie die Kathedrale der französischen Hauptstadt gehört tatsächlich zum allgemeinen Kulturerbe einer weltumspannenden Gesellschaft – in deren ganzen Heterogenität.

In Paris eine Brandkatastrophe

Zwar stellte Valentin Groebner in der FAZ echte Trauer um Notre-Dame in Abrede: Dies sei «Lust an der starken Wirkung der Bilder und Lust an der eigenen Wehmut vor Publikum». Ich zweifle daran, dass es eine kollektive Körperbeherrschung oder gar ein massenpsychotisches Phänomen bei den zufällig anwesenden Passanten oder bei den Betrachtern am Bildschirm waren, die Schrecken, Trauer, Lähmung hervorriefen. Für viele war der Kirchenbrand vom 15. April ein so eindrücklicher Moment, dass man es zur Ereigniskategorie mit der zugehörigen Erinnerungsfrage «Wo war ich als ich davon erfuhr?» zählen kann. Der Kennedy-Mord 1963 und 9/11 2001 gehören zu dieser Kategorie, deren Erinnerung uns vor unserem geistigen Auge sofort an jenen Ort zurückkatapultiert, wo wir erstmals von diesen Tragödien hörten. Nie werde ich auch vergessen, dass ich abends am Küchentisch sass, als ich vom Notre-Dame-Brand hörte, wie ich ebenfalls am Küchentisch sass, als ich am frühen Morgen des 18. August 1993 vom Brand der Luzerner Kapellbrücke hörte.

Spenden: ein Ärgernis?

Notre-Dame materialisiert Geist und Zeit in Stein und sublimiert diese in Schönheit. Die vielschichtige Bedeutung dieses Bauwerks spiegelt sich in der sensationellen – und vielkritisierten – Höhe der spontanen Spenden für dessen Wiederaufbau. Lapidar (und korrekt) kontert die NZZ am Sonntag: «Die Kritik verkennt den Kern des Spendens: die Freiwilligkeit». Sachkundig analysierte NZZ Online am 28. April. Ich denke: Wer freiwilligem Spenden Eigennutz unterstellt, der müsste bei der Deckelung/Limitierung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Zuwendungen und Sponsoringbeiträgen ansetzen. (Ob das unter dem Strich eine lohnende Idee wäre, das wage ich zu bezweifeln.)

In Basel ein Jubiläum

Bei uns in Basel stimmte die Meldung des Brandes in Paris besonders nachdenklich. Denn tags zuvor, am Palmsonntag, wurde das Jubiläumsjahr «1000 Jahre Basler Münster» einläutet – vormittags mit einem ökumenischen Gottesdienst im Beisein des Bischofs von Basel, abends mit einem Konzert unter Beteiligung des Choeur Grégorien de Paris, der exakt 24 Stunden nach dem Basler Konzert vom Brand der Notre-Dame erfahren musste. Zudem ist man sich am Rheinknie auch heute in weiten Kreisen bewusst, dass das Münster, bis zur Reformation die Kathedrale des Bistums von Basel, 1356 durch das Basler Erdbeben teilzerstört worden war.

Spenden für ein Kulturprogramm

Im Milleniumsjahr, welches der Weihe des Basler Münsters im Beisein des Kaisers Heinrich II. am 19. Oktober 1019 gedenkt, ist der spätromanische Bau mit den gotischen Zutaten identitätsstiftend besonders präsent: nicht nur im Stadtbild, sondern auch im Leben der Stadt. Entgegen einer älteren Ankündigung sind Teile des Münsterchores doch eingerüstet. Zahlreiche kirchliche und vor allem kulturelle Institutionen haben sich zusammengetan, um in einem reichhaltigen Programm vom Frühjahr bis in den Herbst hinein die vielschichtige Rolle dieser Hauptkirche in der Geschichte der Stadt und ihrer Gesellschaften erlebbar zu machen, in Gottesdiensten, Konzerten, Ausstellungen, Publikationen etc. Etliche gemeinnützige Förderstiftungen und auch eine Mäzenin beteiligen sich finanziell grosszügig an diesen Aktivitäten, nebst Evangelisch-reformierter Kirchgemeinde und dem kantonalen Lotteriefonds. Einen besonders nachhaltenden Beitrag ans Jubiläumsjahr bildet die Herausgabe der ersten umfassenden Buchmonographie über das Basler Münster durch die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Am 19. Oktober 2019 erlebt dieses Werk eines Autorenkollektivs von Historikern, Kunsthistorikerinnen und Archäologen seine Buchtaufe.
Über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand hat natürlich die Stiftung Basler Münsterbauhütte, die seit ihrer Gründung 1986 für den Unterhalt des Münsters sorgt. Sie wird durch den Verein Freunde der Basler Münsterbauhütte finanziell und ideell unterstützt. Diese Freunde bilden ein wichtiges Bindeglied mit der städtischen Gesellschaft und verkörpern ihr jeweils persönliches Sorgetragen für ihr Münster

Kultur ist umspannend

Mit der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister ist das Basler Münster (wie übrigens auch die Kathedrale von Freiburg und das Berner Münster) in ein weitgespanntes Netzwerk eingewoben. Wenige Tage nach dem Brand in Paris bekundete die Dombaumeistervereinigung seine Solidarität mit Notre-Dame durch ein konzertiertes Glockenläuten durch ihre Dome, Münster und Kathedralen. Dem jubilierenden Basler Münster erweisen die Europäischen Dombaumeister ihre Referenz dann im Oktober mit der Durchführung ihrer Jahreskonferenz in Basel.

Den informellen Abschluss findet das Basler Milleniumsjahr übrigens erst im April 2020, mit der Aufführung von Gustav Mahlers 2. Sinfonie (der sog. «Auferstehungssinfonie») im Basler Münster. Schon 1903 war sie dort erklungen, unter dem Dirigat ihres Komponisten sogar. Im Schlusssatz wird der Chor – vielleicht auch für Notre-Dame – die Verse von Friedrich Gottlieb Klopstock singen: «Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du».


Foto: ©LeonidAndronov – Can Stock Photo Inc.

«Foundrising» und andere Missverständnisse

«Fundraising» kann auf verschiedene Arten geschrieben: korrekt wie soeben gerade, kreuzfalsch wie im Titel, oder dann andersfalsch als «Fundrising» resp. als «Foundraising». Allen vier Schreibweisen bin ich in Gesuchen begegnet, die ich in den Jahren meiner Tätigkeit für eine grosse Förderstiftung bearbeitete. Der Begriff, aber auch das, was dahintersteht, stiftet offensichtlich Missverständnisse.

Wörter schaffen Fakten
Deshalb, liebe Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller, verwendet Ihr in Euren Förderanträgen das Wort Fundraising am besten überhaupt nicht. Dieser Begriff ist nämlich etwas kontaminiert. Zumindest bei den hiesigen Förderstiftungen kommt Fundraising etwa so herüber, wie es die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen erwarten lässt: als ein Synonym für «Geldauftreiben». Und für eine so platte formulierte Interaktion mögen sich nicht alle Stiftungen recht hergeben. Sprecht deshalb in Euren Gesuchen lieber nur von «Mittelbeschaffung».

Liebe Fundraiserinnen und Fundraiser, Ihr übt einen wichtigen Beruf aus. Leider aber hat Eure Berufsbezeichnung in gewissen Kreisen ein Image-Problem. Mag sein, dass Eure allerersten Berufskollegen dafür verantwortlich sind, welche in den 1980er oder 1990er Jahren mit diesem neuen Begriff auch ein etwas spezielles Geschäftsgebaren in die Schweiz brachten. Ich weiss bloss, dass das Image-Problem dieses Begriffes real ist. Gerade kürzlich hat mir ein Mitarbeiter einer bedeutenden Stiftung mit einer Mischung aus Ergötzen und Befremden gesagt, es hätte sich doch vorhin tatsächlich jemand am Telefon als Fundraiser vorgestellt.

Diese Tätigkeits- respektive Berufsbezeichnung leidet beispielsweise unter ihrer begrifflichen Eindimensionalität. Fundraising ist ja viel mehr als bloss hinter dem Geld her Laufen. Der entsprechende Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia zeigt die thematische Breite der Tätigkeit des Fundraising und somit der Ansprüche an die Fundraiser gut auf. – Wieso kommt dann fast nur der finanzielle Aspekt herüber?

Feedbacks für Fundraiser
Weil ich das genauer wissen wollte, machte ich vor einiger Zeit bei damaligen Geschäftsführerkollegen grösserer Schweizer Förderstiftungen im Abstand von vier Jahren zwei Sondierungen zu jeweils nachfolgenden drei Fragen. Ich tat diese im Rahmen von Vorbereitungsarbeiten für Referate.

  1. «Welche Erfahrungen haben Sie im Rahmen Ihrer Stiftungsarbeit mit Fundraisern gemacht?»
  2. «Was ist Ihre Meinung zur Zusammenarbeit mit Fundraisern?»
  3. «Welche generellen oder speziellen Mitteilungen sollte ich den Fundraisern unbedingt überbringen?»

Das Umfrageresultat war – sagen wir – durchzogen. Auch wenn ich hier zu jeder Frage bloss je eine einzige, repräsentative Antwort aus den Geschäftsführungsetagen der Förderstiftungen zitiere, werden Sie realisieren, dass die Fundraising-Szene noch etwas an ihrer Aussenwahrnehmung arbeiten sollte, dass sie vor allem den vielfältigen kommunikativen Aspekten ihrer Arbeit einen stärker reflektierten Stellenwert geben sollte:

«Unklar in meiner Erfahrung ist die ethische Seite: Die Raiser, die ich erlebt habe, waren «money driven», waren aufs Geld aus. Und das bringt dieser Branche, die von der Reputation lebt, langfristig keinen Erfolg.» (Eine der Antworten auf die Frage 1).

«Ich werde oft von Fundraisern kontaktiert. Dabei stelle ich meist fest, dass sich diese Personen mit den Grundlagen unserer Stiftung vorbereitend nicht oder nicht ausreichend auseinandergesetzt haben. Oft wird dieser Mangel an Wissen acquisitions-rhetorisch kompensiert. Weiters fällt auf, dass den Fundraisern oft ein inneres Verständnis, eine Detailkenntnis und auch ein Commitment für das Projekt fehlt, für das sie Geld sammeln.» (Eine Antwort auf Frage 2).

«Sehen Sie sich als Handelsreisender, der gute Produkte/ Projekte einem möglichen Interessenten vorstellt. Stellen Sie sicher, dass der Geldgeber diejenigen Informationen erhält, die er tatsächlich braucht. Und gehen Sie davon aus, dass der Inhalt zählt, nicht die Verpackung.» (Eine der Antworten auf Frage 3).

Guter Rat ist nicht teuer
Platzen Sie also nicht mit dem Begriff Fundraiser hinein, wenn sie sich für eine Projektfinanzierung einsetzen. Camouflieren Sie halt ein bisschen durch die Verwendung von Begriffen wie Mittelbeschaffung, Förderpartnerschaften, Spendenmarketing etc.

Es fällt Ihnen kein Stein aus der Krone (es entgeht Ihnen höchstens etwas Umsatz) wenn Sie die Fördergesuche nicht in jedem Fall selber verfassen, sondern Grundlagen und Texte vonseiten der Auftraggeber einfach redigierend-disziplinierend in die geeignete Form bringen. Authentizität bringt vermutlich grösseren Erfolg als aufgepimpter Fundraiser-Sprech.

Sie müssen sich als Fundraiser nicht zwingend in den Vordergrund stellen. Oft können Sie im Hintergrund – dann halt mit tieferem Profil – genauso effektiv agieren. Wenig spricht dagegen, dass dabei im Gesuch angemerkt wird, die Gesuchsteller würden bei der Mittelbeschaffung beispielswese durch Frau xy von der Firma z unterstützt.

In diesem Falle – und vielleicht überhaupt – sollte in den Gesuchunterlagen klargestellt werden, dass keine der mit der Mittelbeschaffung betrauten Personen auf Provisionsbasis entschädigt wird (womit dann stipuliert wird, dass dies nach Aufwand geschieht – oder gar unentgeltlich, was dann auf jeden Fall einer Erwähnung wert wäre). Bei gewissen Konstellationen empfiehlt es sich, ausdrücklich auf die «Ethischen Richtlinien für das Fundraising» von Swissfundraising Bezug zu nehmen.

Selbstverständlich gibt es viele Anlässe resp. Gelegenheiten, die den persönlichen Kontakt der Fundraiserin oder des Fundraisers mit dem potentiellen Geldgeber erfordern. Diese entscheiden ja nicht immer ausschliesslich «sur dossier». Dann gilt es, die kommunikativen Fähigkeiten einzusetzen. Zu diesen zähle ich einerseits das Talent, zu überzeugen und dabei aufs Überreden zu verzichten, andererseits die Gabe, authentisch zu bleiben und sich nicht in irgendeine rhetorische Euphorie zu flüchten. Zum ausgewogenen Kommunizieren gehört, das Gegenüber nicht zu bedrängen, selber dagegen in gewissem Sinne «loszulassen».

Ganz zum Schluss nur noch dieses hier: Guter Rat ist sogar gratis! Wenn Sie «Das perfekte Gesuch» mit seinen vielen do’s und don’ts herunterladen und auch beherzigen, dann können Sie als Fundraiser, pardon als Spendenberater, eigentlich nichts falsch machen.

Fotografie: Anita Affentranger anlässlich der Ausstellung «Geld» im Stapferhaus

Workshop – Einführung ins Fundraising | 16. Mai 2019

Fundraising Workshop mit Peter Buss, NonproCons

Der Workshop vermittelt solides Grundlagenwissen über das moderne Fundraising und gibt eine übersichtliche Einführung in das praktische Vorgehen beim systematischen Spendensammeln.

Inhalt:

1.

  • Was ist Fundraising? (Der Fundraising-Austauschprozess
  • Der Spender: Seine Merkmale und sein Verhalten
  • Der Spendenmarkt mit seinen Teilmärkten und Vorschriften
  • Die Spendenbeschaffung: 4 zentrale Elemente
  • Die wichtigsten Fundraising-Instrumente und wie man sie einsetzt
  • Die Sieben Goldenen Regeln des Fundraisings / Make your Case!)

2.

  • Wie gehe ich das Fundraising praktisch an? ( Die „8A“ des Fundraising-Mix – Hilfsmittel für die Praxis / Die erforderlichen Ressourcen und möglichen Erträge
  • Der Fundraising-Aktionsplan)

3.

  • Wohin geht das Fundraising in der Zukunft? (Die zentralen Fundraising-Trends
  • Do’s und Dont’s im Fundraising).

Ziel:

Einführung in die Welt des Fundraisings. Überblick über das, was ein systematisches Fundraising kann und nicht kann, was es kostet und einbringt und wie man das Fundraising für das eigene Projekt konkret angehen kann. Methodik: Wissensinput mit Diskussion; selbständige praktische Arbeit am eigenen Projekt; Gespräche in 2er- und 3er Gruppen

Informationen zum Workshop und Anmeldung

 

«Heimatort – Steuer» – Best Practice zur Erhöhung des Spendenvolumens?

Was treibt das Spendenverhalten der Bürger und wie können Staat und gemeinnützige Akteure sie dazu animieren, mehr zu spenden? Dazu muss ich einfach nochmals aus Japan berichten, wo sich dazu Erstaunliches ereignete.

Japaner spenden etwa 0.2% ihres BIPs, also im Vergleich zum ewigen Spitzenreiter USA mit 2.12% eher wenig. Doch wenn es eine Spendenkampagne gab, die es zu einem nationalen Hit gebracht hat, war es das von der japanischen Regierung 2008 eingeführte Steueranreizsystem, der «Heimatort-Steuer».

Trotz der Verwendung des Wortes „Steuer“, handelt es sich hier eigentlich um eine Spendenmöglichkeit. Der Steuerzahler kann einen steuerlich abzugsfähigen Beitrag direkt an eine Gemeinde seiner Wahl leisten. Wenn er möchte kann er auch aus einem von Lokalverwaltungen definierten Vorhaben wählen. Ziel ist, die wirtschaftliche Entwicklung in ländliche Gemeinden zu unterstützen und attraktiv für den Tourismus zu werden. Denn in Japan lebt 70% der Bevölkerung in wenigen Grossstädten. Die seit Jahrzehnten andauernde Kombination von Landflucht und Überalterung der Gesellschaft hat viele Gemeinden in prekäre finanzielle Notlagen gebracht.

Die Initiative lief nur schleppend an und bei 50 Mio. Steuerzahlern dümpelten die Spendeneinnahmen bei CHF 55 Mio. pro Jahr – bis 2012. Seither verzehnfachte sich der Betrag innerhalb von drei Jahren. 2017 wurden die 1’788 Gemeindeverwaltungen mit zusätzlichen Einnahmen von total CHF 3.1 Mrd. beglückt. Was war geschehen?

2012 gründete eine findige junge Frau ein Webportal, das sämtliche von Gemeinden angebotenen Geschenke auflistete. Sie haben richtig gehört. Eine Besonderheit des Heimatort-Steuer ist, dass viele Gemeinden als Zeichen des Dankes ein Geschenk verschicken. Der Wert darf 30% des Spendenbetrages nicht überschreiten und muss lokal produziert sein. So unterstützt der Spender einerseits direkt eine Gemeinde und fördert andererseits den Absatz dortiger Betriebe.

Im Foodie-Land Japan handelt es sich überwiegend um kulinarische Spezialitäten wie Fleisch, Fisch, Reis oder Reiswein aber von Kleidung bis zu Rollstühlen gibt es alles. Stellen Sie sich das Portal einfach vor wie die Seite von coop@home mit 180’000 Artikeln. Man kann nach Region, Betrag, Dankesgeschenk oder Zweck (Sozial-, Kultur, Bildungs-, Umweltbereich oder neuerdings auch lokale Katastrophenhilfe) suchen. Ich war kürzlich in Japan und praktisch alle meine Freunde tischten mir begeistert Pfirsiche aus Heiseizinsan (wo ist das??) oder Krebse aus Hokkaido auf. Viele hatten nie zuvor gespendet.

Das System wird momentan komplett überarbeitet, da es bei der Umsetzung noch Mängel gibt. Interessant für mich ist jedoch hier nur, weshalb so viele Menschen spenden:

  1. Reziprozität: Man erhält etwas Konkretes zurück mit sinnvollem Bezug zur Spende
  2. Wahlmöglichkeit: Gefühl eines aktiven Beitrags zu den öffentlichen Ausgaben (im Gegensatz zu Steuern)
  3. Einfachheit: Transparente und one-stop Möglichkeit, den Spendenbetrag zu verteilen
  4. Kollektivität: Gefühl und Nachweis, Grosses gemeinsam mit anderen bewirken zu können

Bei Punkt 1 sehe ich förmlich einige Leser die Stirn runzeln. Spenden sollte doch altruistisch sein! Aber entgehen einem Fundraiser nicht Potentiale, wenn er bei seiner Strategie nicht alle Motive des Spendens beachtet? Sehr lesenswert dazu die Erkenntnisse einer Studie über Spenderverhalten in den USA, exzellent zusammengefasst von Pascale Bourquin!

Der Röstigraben n’existe pas! Tipps

Was können Nonprofit-Organisationen tun, die versuchen wollen, den Röstigraben zu überbrücken, um letztlich ihren Wirkungsgrad in der Schweiz zu erhöhen?

Die gute Nachricht ist, dass die Sprachbarriere zumindest aus kultureller Sicht nicht so gross ist.

Die schlechte Nachricht lautet, dass es ein umfassenderes Verständnis der anderen Kultur braucht, um erfolgreich zusammenzuarbeiten können:

  • Projekte können nicht 1:1 kopiert werden; vielmehr braucht es lokale Partner oder Mitarbeitende, die fähig sind, sich in den lokalen Kontext hineinzudenken.
  • Berücksichtigen Sie andere Einkommensverhältnisse und demografischen Strukturen.
  • Informieren Sie sich gut über rechtliche Unterschiede.
  • Besuchen Sie ein paar Organisationen, die in diesem Gebiet florieren, und sprechen Sie mit diesen Experten über ihre jeweilige Strategie.

Der Röstigraben n’existe pas!

Zwischen den Kantonen gibt es grosse Unterschiede in der Höhe der Spendenabzüge, die in den Steuererklärungen geltend gemacht werden. Stadt- und deutschsprachige Kantone spenden mehr und leisten auch mehr Freiwilligenarbeit. Doch woher kommen diese Unterschiede? Eine Studie unseres Instituts zeigt, dass die Sprache keinen Einfluss auf das Spendenverhalten in der Schweiz hat. Für NPO bedeutet dies, mehr als nur eine zusätzliche Sprache beherrschen zu können, um den Röstigraben zu überbrücken.

Schweizerinnen und Schweizer spenden gerne, wie man immer wieder hört. Aber, wie im August 2017 in diversen Zeitungen zu lesen war, gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen den Kantonen. Meistens werden in deutschsprachigen Kantonen mehr Spendenabzüge geltend gemacht als in den französischsprachigen Kantonen. Gemäss dem Freiwilligenmonitor wird in der Romandie auch weniger Freiwilligenarbeit geleistet. Der sogenannte „Röstigraben“ ist also auch für den Nonprofit Sektor relevant und es scheint, als würden sich viele Organisationen schwer tun, eine Brücke darüber zu bauen. Immer wieder scheitern Projekte auf einer Seite des Grabens, die auf der anderen Seite erfolgreich waren. Doch was ist es, das diese Unterschiede hervorbringt?

Die Blackbox „Kultur“

Eine Studie des Center for Philanthropy Studies hat sich mit dieser Frage beschäftigt und versucht den Faktor „Kultur“ isoliert zu betrachten. Dies lässt sich gut in einem zweisprachigen Kanton untersuchen, denn dort findet man auf beiden Seiten des Röstigrabens die gleichen rechtlichen, institutionellen, ökonomischen und oftmals sogar demografischen Rahmenbedingungen. Mit Daten der Steuerämter der Kantone Bern und Fribourg haben wir Gemeinden beidseits der Sprachgrenzen statistisch analysiert, um die Frage zu beantworten, ob verschiedene Kulturen für Unterschiede im Spendenverhalten verantwortlich sind. Als kulturellen Faktor haben wir uns dabei auf die Sprache konzentriert. Unsere Ergebnisse zeigen, dass es innerhalb eines Kantons keine Unterschiede zwischen der französisch- und deutschsprachigen Bevölkerung gibt. Sprache lässt sich somit als Erklärung für kantonale Unterschiede im Spendenverhalten ausschliessen. Vielmehr sind es wahrscheinlich andere Gepflogenheiten und die Einstellung gegenüber der öffentlichen Hand, die den Röstigraben wirklich ausmachen. Das Spendenverhalten der Westschweizer gleicht sich vielmehr demjenigen der Franzosen an, die eher der Auffassung sind, dass der Staat sich um Aufgaben zugunsten der Allgemeinheit kümmern sollte. Die Deutschschweizer ähneln mehr ihren deutschen Nachbarn, die glauben, dass es ein zivilgesellschaftliches Engagement braucht.

Den Röstigraben überbrücken

Was heisst das nun für Nonprofit-Organisationen, die versuchen wollen, den Röstigraben zu überbrücken, um letztlich ihren Wirkungsgrad in der Schweiz zu erhöhen? Dazu nachfolgend ein paar Tipps – und siehe da: Der Röstigraben n’existe plus!

Stiftungen, die dann doch nicht gegründet wurden

Empfehlung:

Philanthropisch handeln kann man auch ohne „eigene“ Stiftung, z.B. über direktes Spenden, über einen Fonds in einer Dachstiftung – oder aber mit einem Instrument, auf das ich in meinem Mai-Blog eingehen werde.

Stiftungen, die dann doch nicht gegründet wurden

Mitte Mai wird wieder der Schweizer Stiftungsreport erscheinen. Unter anderem wird er uns berichten, wieviele neue Stiftungen in der Schweiz im vergangenen Jahr gegründet wurden. Alleine an bundesbeaufsichtigten Stiftungen waren es 147. In keiner Statistik erscheinen natürlich jene Stiftungen, deren Gründung ursprünglich geplant (oder mindestens in Erwägung gezogen) worden war, die dann aber doch nicht ins Leben gerufen wurden. Dafür gibt es verschiedene Hintergründe, denen wir heute nachgehen wollen.

Stiftungen sind Projektionsflächen …

Eine Stiftung zu gründen, erscheint landläufig als ein nachahmenswertes Unterfangen. Ob es auch ein sinnvolles ist, wird dabei kaum je in Frage gestellt. Stiftungen sind schliesslich in vielerlei Hinsicht ideale Projektionsflächen: Stiftungen sind reich, Stiftungen sind „luschtig“, Stiftungen sind für alles gut …

Wenn man sich lange mit der Organisationsform und Rechtsfigur «Stiftung» beschäftigt, wird man sich plötzlich bewusst, wie oft man schon Situationen begegnet ist, bei denen Stiftungen – entgegen der ursprünglichen Intention – dann doch nicht gegründet wurden. Bestimmte Überlegungen hatten eine stifterwillige Person von ihrem Vorhaben abgehalten. Oder vertiefte Abklärungen hatten zur Einsicht geführt, dass eine Stiftung doch nicht die passende Rechtsform wäre.

… aber halt keine «Alleskönnerinnen».

Ein Bekannter von mir, in Stiftungsangelegenheiten gar nicht unbedarft, sagte mir mal, er hätte auf die Gründung einer eigenen Förderstiftung verzichtet. Er könnte doch nicht das notwendige Vertrauen in dereinst nachfolgende Stiftungsratsgenerationen aufbringen; er zweifle an deren uneigennützigen Geschäftsgebaren und gleichzeitig an deren Fähigkeit, für den langfristigen Vermögenserhalt der Stiftung zu sorgen. Klar, das Stiftungswesen ist in mancherlei Hinsicht ein «Vertrauensbusiness».

Eine andere Person war mit dem Verkauf der eigenen Firmen-AG beschäftigt und dabei motiviert, einen beträchtlichen Teil dessen Erlöses in eine gemeinnützige Stiftung einzulegen. Spät musste der Unternehmer dann noch realisieren, dass ganz ohne Besteuerungsrunde diese Transaktion doch nicht möglich wäre. Seine Freigebigkeit in Kombination mit anvisierten Steuerspareffekten lebt er heute nun aus, indem er Einzelvergabungen in dem von ihm anvisierten Sozialbereich tätigt. Dabei lässt er sich durch eine befreundete Stiftung mit ausgeprägtem Förder-Knowhow beraten.

Immer wieder keimen Phantasien bezüglich Stiftungsgründungen für kaum finanzierbare Förderzwecke auf. Idealisten wollen Stiftungs-Luftschlösser in die Welt setzen, die auf dem Fundament des Gründungskapitals von 20’000 Franken (dem Minimum in bestimmten Kantonen) quasi herumgeistern würden, um als «Zombie-Stiftungen» bis ans Ende der Zeit auf Impakte zu hoffen, hätten nicht gute Seelen solche Ideen ausgeredet.

Im Rahmen meiner Beratertätigkeit musste ich schon wiederholt feststellen, dass die Stiftung zu Unrecht als ideale Rechtsform zur Lösung einer ganz bestimmten Konstellation, z.B. einer betrieblichen Nachfolgeregelung betrachtet wurde. Eine Stiftung ist für eine dauerhafte Unternehmensnachfolge nur bei vordergründiger Betrachtung (oder in gewissen Einzelfällen) die geeignete Rechtsform: Ein Forschungsinstitut im Kleid einer Kollektivgesellschaft in eine Stiftung umwandeln, oder einen Verlag in einem Aktienmantel in eine Stiftung mutieren lassen? Fehlanzeige! Sofern nicht eine vollständige Steuerbefreiung a priori erwartbar ist, ist eine Stiftung im Habitus einer Unternehmung unattraktiv, da sowieso viel zu starr und für Herausforderungen in unbekannter Zukunft viel zu unflexibel. Für das Forschungsinstitut und für den Verlag bietet sich – wenn vielleicht nicht die Genossenschaft – dann die Aktiengesellschaft an, die ja auch gemeinnützige Teile umfassen kann.

Eine Stiftungsgründung will wohlüberlegt – und wohlberaten sein!

Dass die Schweiz ein Land mit rekordhoher Stiftungsdichte ist, das freut uns alle. Unserem Stiftungsplatz nützen aber missverständliche Stiftungen mit inadäquaten Zwecksetzungen, ohne genügende Mittelausstattungen und ohne geeignete Governance-Strukturen wenig. Nicht schlecht ist es deshalb, wenn die eine oder andere Stiftungsgründung unterbleibt – beispielsweise weil dem potentiellen Stifter erfolgreich davon abgeraten wurde.