Compliance bei Stiftungen und Vereinen – Massnahmen für die Praxis | 4. Juli, Winterthur

Excellence in Compliance
“If you think compliance is expensive, try non compliance.” 

Stiftungen und Vereine sind im In- und Ausland Compliance-Risiken ausgesetzt und werden mit Compliance-Verstössen konfrontiert. Ein solcher Compliance-Verstoss kann zu Bussgeldern, persönlicher Haftung und enormen Reputationsschäden führen. Professionelle Compliance-Management-Systeme schützen das aufgebaute Vertrauen und erlauben, den Stiftungs- oder Vereinszweck weiter zu fördern.

An der von der ZHAW und StiftungSchweiz.ch organisierten Fachtagung, vermitteln renommierte Expertinnen und Experten und erfahrene Praktikern wertvolles Wissen über erfolgreiche präventive und reaktive Strategien zur Vermeidung von Compliance Risiken, wie z.B. Korruption.

Programm – 4. Juli 2019
9.00 – 17.00 Uhr, Winterthur

Themen und Referenten

I – UNTERSUCHUNG UND AUFARBEITUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Untersuchung und Aufarbeitung von Compliance-Vorfällen bei NPOs
    Rita Pikó, ZHAW School of Management and Law
  • Die Sicht der Finanzkontrolle – Erfahrungsbericht aus untersuchten Schweizer Stiftungen
    Eris-Serge Jeannet, Eidgenössische Finanzkontrolle
  • Risiken eines Reputationsverlustes – Erfahrungsbericht aus einem medienwirksam begleiteten Compliance-Vorfall
    Dirk Reinsberg, Oxfam Deutschland
  • Gelebte Compliance – Erfahrungsbericht einer global verlinkten Schweizer NGO
    Omer Güven, Save the Children Schweiz

II – MASSNAHMEN ZUR ERKENNUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Hinweisgebersysteme und der Gesetzentwurf zu Whistleblowing
    David Rüetschi, Bundesamt der Justiz
  •  Panel-Diskussion | Braucht es eine Ombudsstelle für NPOs in der Schweiz?
    Moderation: Rita Pikó, ZHAW School of Management and Law Peter Buss, StiftungSchweiz.ch
    François Geinoz, proFonds
    Lukas von Orelli, SwissFoundations
    David Rüetschi, Bundesamt für Justiz
    Bruno Studer, Helvetas Swiss Intercooperation

III – MASSNAHMEN ZUR VORBEUGUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Interne Kontrollsysteme für NPOs
    Markus Fivian, CREA Trust reg.
  • Sorgfaltsmassnahmen bei der Annahme von Spenden
    Christoph Degen, proFonds, Dachverband der gemeinnützigen Stiftungen der Schweiz
  • Abschluss der Tagung
    Reto Steiner, ZHAW School of Management and Law

Networking-Apéro

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Dokumenten-Management-Systeme: Die vier grössten Vorurteile

62’200 Personen engagieren sich als Stiftungsräte. Im Durchschnitt sind 5.3 Personen in einem Stiftungsrat – meist auf ehrenamtlicher Basis. Und gerade einmal 12.7 % aller Stiftungen haben eine angestellte Geschäftsführung1.1

Mit anderen Worten bis zu 11’500 Stiftungen bewahren ihre Dokumente bei einem ihrer Stiftungsräte auf. Das Gros der Stiftungsräte kann aber darauf nicht jederzeit zugreifen. Zudem besteht ein Datenverlust- und -sicherheitrisiko, dass so hoch nicht sein müsste. Denn es gibt einfache und günstige Digitalisierungslösungen, so genannte Dokumenten-Management-Systeme (DMS).

Dokumenten-Management-Systeme (DMS) sollen Organisationen helfen, Papierberge per Mausklick zu digitalisieren. Trotzdem schrecken viele vor ihrer Einführung zurück.

Die vier grössten Vorurteile:

Das ist doch alles viel zu kompliziert.

Jeder von uns arbeitet heute bereits digital, vielleicht noch nicht vollumfänglich, aber Office, Outlook und Co. können wir alle bedienen. Und die meisten Software-Lösungen funktionieren ähnlich intuitiv und lassen sich ebenso leicht handhaben.

Die Anwender sind übrigens jedes Mal überrascht, wie einfach ein DMS zu händeln ist. Die Dokumentensuche funktioniert z.B. nicht anders als eine simple Suchanfrage im Internet.

Die Umstellung dauert zu lange.

Dieser Eindruck entsteht, weil neue Nutzer die Einführung eines DMS oftmals mit einer komplexen neuen Finanzbuchhaltungs-Software oder einem Workflow-System vergleichen. Solche Systeme stellen vorübergehend die komplette Organisation auf den Kopf.

Eine DMS-Einstiegslösung lässt sich bei weniger als 12 DMS-Nutzern bereits in zwei Tagen implementieren.

Gewohnte Arbeitsprozesse werden gestört und neue müssen erst mühsam erlernt werden.

Manche Dinge ändern sich. Aber nicht unbedingt zum Schlechteren, im Gegenteil! Wer schafft es denn, in wenigen Sekunden seinen gesamten Aktenschrank zu durchsuchen? Mit einem DMS geht das per Mausklick. Auf diese Art spart man viel Zeit.

Wichtig! Ein DMS optimiert lediglich die Arbeitsweise, die Arbeitsprozesse bleiben in der Essenz jedoch die gleichen.

Digitale Daten sind flüchtig. Nur was ich anfassen kann, hat auch Wert.

Bei der Einführung eines DMS ist immer wieder erlebbar, dass das Druckvolumen zu Anfang messbar ansteigt. Der Grund? Bevor Nutzer ein Dokument in der „elektronischen Wolke“ nicht wiederfinden, drucken sie es lieber noch mal aus. Nach ein paar Wochen sinkt das Volumen wieder, weil die Nutzer verstehen, dass die Daten auf dem Server sicher und vor allem schnell auffindbar sind.

 

1 Der Schweizer Stiftungsreport 2017, S. 4+7

 

 

Stiftung oder Trust – Artenschutz oder Invasion?

Die Finanzbranche versucht seit 10 Jahren die Rechtsform des Trusts1 in der Schweiz einzuführen, obwohl ausländische Trusts1 zivilrechtlich anerkannt sind. Die hiesigen Vermögensverwalter erhoffen sich dadurch, gegenüber anderen Finanzzentren mit ausländischer Kundschaft konkurrenzfähig zu bleiben und den Anteil am weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäft auszubauen.

Mit einem Swiss Trust würde die ganze Wertschöpfungskette und die vollständige Datenhoheit in der Schweiz bleiben. Somit könnten die gleichen Transparenzregeln, wie sie für ausländische Trusts in anderen Finanzzentren gelten, in Anspruch genommen werden. Damit hätten die Anbieter von Nachlassregelungen und die Verwalter des Nachlasses gleichlange Spiesse beim Schutz der Privatsphäre ihrer Klientel.

Gesetzesmühlen mahlen langsam …

2009 reichte die CVP die erste Trust-Motion ein. Das Parlament stimmte 2011 zu. Der Bundesrat wurde aber nicht aktiv und wollte die Motion 2012 sogar abschreiben. Die beiden Räte wehrten sich 2016 mit einer parlamentarischen Initiative dagegen und haben sich jetzt durchgesetzt. In dieser Frühlingssession haben sie den Bundesrat damit beauftragt, eine Gesetzesgrundlage zur Einführung von Trusts in das Schweizer Recht auszuarbeiten.

Unter Fachleuten, die zwar alle einen Bedarf an Schweizer Nachlassplanungsinstrumenten verorten, gibt es zwei Strömungen. Die einen fordern die Schaffung eines Schweizer Trusts, die anderen eine Lockerung der Bestimmungen für Familienstiftungen. Letztere argumentieren2: „Mit der (Familien-)Stiftung und der Treuhand verfügt die Schweiz … über Rechtsinstitute, die … zu tauglichen … Nachlassplanungsinstrumenten entwickelt werden können. Das wäre ein schnellerer, besserer und … verlässlicherer Schritt zu einer eigenständigen Schweizer Lösung als die Entwicklung eines unzulänglichen «Trusts à la Suisse».“

… aber die Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Die Hartnäckigkeit der Finanzbranche und ihrer Lobbyisten zu diesem Thema ist nicht erstaunlich, denn

  1. Nachlassregelungen sind neben Firmenverkäufen die mit Abstand wichtigste Quelle für Neugelder in der Vermögensverwaltung, und
  2. die Banken wollen ihren ausländischen Kunden ein Nachlassplanungsinstrument anbieten, dass ihnen von Hause aus bekannt ist.

Das Argument, dass der Trust ein rechtlich artfremdes Konstrukt sei, und man besser unser Stiftungsrecht überarbeiten sollte, wird die Finanzbranche deshalb nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Der Schweizer Trust als Chance für die Reform der Familienstiftung

Dass der Schweizer Trust kommen wird, bietet aber gleichzeitig eine Chance, die nicht verpasst werden sollte. Man kann nämlich mit Fug und Recht – quasi im Windschatten der mächtigen Finanzlobby – die gleichzeitige Anpassung des (Familien-)Stiftungsrechts verlangen. Es darf nicht sein, dass ein importiertes Rechtskonstrukt möglicherweise attraktivere Eigenschaften aufweist, als die in Gesetz und Usus seit Jahrhunderten verankerte Stiftung.

Sofern bereits hinter den Kulissen alles eingefädelt ist, ist dieser Beitrag gegenstandlos. Andernfalls ist Eile geboten. Ich bin sicher, dass – nach 10 Jahren Vorbereitungszeit – ein Vorschlag für ein Trust-Gesetz aus der Feder der Finanzbranche schon längst auf dem Tisch liegt. Bleibt zu hoffen, dass die Interessenvertreter für das Stiftungswesen genügend Lobby-Power haben, so dass der Bundesrat gleichzeitig die Revision der heimischen Nachlassplanungsinstrumente an die Hand nimmt.

1Trusts, als Form des Vermögensschutzes seit dem Mittelalter bekannt, sind in den angelsächsischen Ländern weit verbreitet. Dabei überträgt ein Errichter (Settlor) mittels Urkunde (Trust Deed) bestimmte Vermögenswerte (Trust Assets) unwiderruflich auf eine oder mehrere Personen (Trustees), die das Vermögen zugunsten eines oder mehrerer Begünstigter (Beneficiaries) verwenden müssen. Letztere geniessen unter gewissen Voraussetzungen Anonymität.

2Auszug aus dem Leserbrief von Michael Fischer, Balz Hösly, Natalie Peter, Tobias Somary, alle Rechtsanwälte in der NZZ vom 27.3.19

Workshop Nullzinsen und Risikoangst. Gibt es einen Ausweg? 4. Juni 2019

Finanzmanagement für NPOs

Sie sind verpflichtet, das Stiftungs-/Vereinskapital zu erhalten? Dann befinden Sie sich schon seit Jahren in einer unangenehmen Situation.
Die Zinsen aus Obligationen sind Null und die Dividenden aus Aktien kommen mit hohen Kapitalrisiken.

Gibt es einen Ausweg oder muss man das kleine Einmaleins des Anlegens vollständig über den Haufen werfen?

Inhalt

  • Wie kann die maximal akzeptable Aktienquote bestimmt werden?
  • Welche Aktien und Fonds eignen sich?
  • Wie helfen die Erkenntnisse aus der Theorie und Praxis der Risikotoleranz?

Ziel

  • Nach dem Workshop mit Christian Hafner wissen Sie, wie relevant mehrjährige Budgets für die Bestimmung der Risikofähigkeit sind und welche Optionen zur Lösung des Dilemmas zwischen Nullzinsen und Risikoangst bestehen.

Methodik

  • Wissensinput mit Diskussion
  • Berechnung Risikofähigkeit mit ALM-Methode

Weitere Informationen und Anmeldung

Wer hat, dem wird gegeben?!

Wie kommt es, dass eine renommierte, seit 40 Jahren bestehende Stiftung seit ihrer Gründung einfach nicht zu Geld kommt und auch professionell umgesetztes Public Fundraising keinen Ertrag bringt? Fehlt es an Betroffenheit? Im Fall dieser Stiftung überhaupt nicht: In der aktuellen repräsentativen Umfrage in der Schweiz sagt jede fünfte Person, dass sie in den letzten 12 Monaten betroffen war und selbst gelitten hat. Und neun von zehn Befragten bemerken, dass sie betroffene Personen im nahen Umfeld kennen.

Haben Sie das Thema erkannt?

Ja, es geht um psychische Erkrankungen. Psychische Störungen betreffen viele und verursachen hohe Kosten, nicht nur in der Krankenversicherung sondern auch in der Wirtschaft. Und ja, man könnte etwas tun. Viele psychische Erkrankungen sind behandelbar. Betroffene Menschen können wieder gesund werden, wenn sie Zeit und Sicherheit bekommen, ihren Genesungsweg zu suchen und selbst zu gehen. Und wenn früher geholfen würde, wäre die Behandlung oft kürzer und einfacher.

In den Medien und in Fachkreisen hat das Thema Konjunktur. Viele sehen, dass die Schweiz ein Problem mit der psychischen Gesundheit hat. Die Meisten finden, «man» sollte etwas tun. Nun, da gibt es eine bewährte Stiftung, die sich seit 40 Jahren des Themas annimmt, die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen ins Zentrum stellt und sich für ihre Rechte einsetzt. Eine Stiftung, die viele Ideen hat und eine Menge davon schon in die Praxis umgesetzt hat. Eine Stiftung, die gut ins Ausland vernetzt ist und Projekte kennt, die im Anderswo wirken. Und hierzulande Pilotprojekte lancieren möchte. Eine Stiftung, die nach neuen Wegen sucht, weil sie nicht glaubt, dass „mehr vom Selben“ als Lösung für die Zukunft taugt.

Aber, kein Geld. Das beste Testmailing zur Spendergewinnung hat gerade mal 50% der Portokosten gedeckt. Fazit der Profis: Es ist zu früh, man kennt euch zu wenig gut und das Thema ist immer noch stark tabuisiert.

Also, institutionelles Fundraising! Eine Analyse der Themen von Förderstiftungen bringt nur wenige Treffer für psychische Gesundheit, aber viele für Gesundheit allgemein. Bei Neugründungen von Stiftungen stehen die Themen Alzheimer und Krebs zuoberst auf der Liste. Unsere Themen kommen fast nie vor. Offenbar orientieren sich viele daran, was die andern tun und tun dann eben auch mehr vom Selben. Und so kommt es, dass einzelne Organisationen im Geld schwimmen und gewisse Themen überfinanziert sind und es neue und zudem tabuisierte Themen schwer haben und chronisch unterfinanziert sind, obwohl gerade am Anfang eines Konjunkturzyklus neues Geld mehr Effekt produzieren würde als später.

Seit neun Monaten arbeiten wir gemeinsam und finanziert mit der Beisheim Stiftung an einem Präventions- und Früherkennungsprogramm und im Dezember 2018 hat uns die Swiss Re Foundation als «Charity of the Year» gewählt und damit ein Zeichen für Engagement für psychische Gesundheit gesetzt! Es gibt sie also, die pionierhaften Unternehmen, die den Mut haben, unpopulären Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, dem hoffentlich andere folgen werden. Denn eines muss allen klar sein: Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit!

Nachhaltigkeitskonzepte für Stiftungsvermögen: Sauber, grün, ethisch, sozial, verantwortungsvoll, wirksam…

Ein ganzer Katalog von wohlklingenden Attributen wurde in den letzten Jahren im Zusammenhang mit nachhaltigen Vermögensanlagen kreiert. Die merkliche Belebung der Diskussion zum Thema wurde vor allem geschürt durch die laufend zunehmende Transparenz im Anlagebereich, ein gestiegenes Bewusstsein für Umwelt- und Klimaprobleme, ein stark erweitertes Produktangebot und allgemein eine sich selbst verstärkende Dynamik. Stiftungen dürften sich aber noch mehr einbringen.

Viele Anleger bekunden immer noch Mühe mit dem Begriff der Nachhaltigkeit im Anlagebereich. Sie weisen darauf hin, dass keineswegs geklärt ist, was genau unter nachhaltigem Investieren verstanden werden soll. Dieser Befund ist richtig, er verwundert aber auch nicht wirklich, denn jedem Nachhaltigkeitsbegriff liegt ein bestimmtes Wertesystem zugrunde. Ein Wertesystem ist aber per se normativ, und es ist nicht absehbar, dass man sich irgendwann auf ein einheitliches System einigt. Entsprechend wird auch kaum ein flächendeckender Konsens zu finden sein, welche Arten von Vermögensanlagen nun «wirklich» verantwortungsvoll und nachhaltig sind.

Einige Tendenzen sind dennoch auszumachen. Bei den heute gängigen, in Kollektivanlagen umgesetzten Strategien der grossen Anbieter sind es zumeist die weitherum akzeptierten Nachhaltigkeitsgrundsätze, welche die Vereinten Nationen anlässlich von diversen Initiativen und Konferenzen verabschiedet haben. Jüngstes Beispiel dafür sind die 17 «Sustainable Development Goals», welche die UNO 2016 publiziert hat und die auch klar zu der eingangs erwähnten Wiederbelebung der Diskussion beigetragen haben.

Hat ein Anleger die Grundsätze einer Nachhaltigkeitsstrategie für sich formuliert, geht es an die Umsetzung. Dafür scheint sich ein mehrstufiges Konzept allgemein durchzusetzen. Gemäss diesem Konzept wird eine nachhaltige und verantwortungsvolle Anlagestrategie durch bis zu drei Säulen gestützt:

  1. Integration von sog. ESG-Kriterien in die Finanz- analyse (ESG = Environmental, Social, Governance): Die Kriterien beeinflussen die Bewertung und damit die relative Attraktivität eines Titels, um in ein Portfolio aufgenommen zu werden.
  2. Negatives Screening: Bestimmte Geschäftsfelder oder ganze Branchen werden ausgeschlossen (z.B. Streubomben, Kernenergie, Tabak);
  3. Positives Screening: Über sog. Best-in-Class Auswahlverfahren werden jene Unternehmen und Staaten herausgefiltert, die über das beste Nachhaltigkeitsprofil verfügen; für die Portfolio- konstruktion werden nur diese berücksichtigt.

Bei den ersten beiden Säulen geht es in erster Linie um eine Reduktion der Risiken, die sich aus einem nicht-nachhaltigen Verhalten ergeben. Bei der dritten Säule wird über das reine Risikomanagement hinausgegangen und aktiv nach Anlagemöglichkeiten gesucht, die für Umwelt und Gesellschaft einen überdurchschnittlichen Nutzen erbringen. Als weitere Steigerungsform kann im Positive Screening eine zusätzliche «Impact-Analyse» durchgeführt werden, welche explizit nur jene Unternehmen und Emittenten ins Anlageuniversum aufnimmt, deren Produkte eine signifikant positive Wirkung hinsichtlich der Lösung von drängenden ge- sellschaftlichen Problemen entfalten (siehe z.B. die 17 Sustainable Development Goals der UNO).

Eine weitere wichtige Säule des verantwortungsvollen Anlegens ist die sogenannte Active Ownership. Die Ausübung der Stimmrechte und der aktive Dialog mit den Unternehmen – auch durch einen Delegierten – können signifikante Impulse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung geben.

Viele vorbildliche Stiftungen gehören zu den Wegbe- reitern des nachhaltigen Anlegens. Andere müssen erst noch deutlich machen, welche ihrer Werte sie auch in den Vermögensanlagen widergespiegelt sehen möchten. Die oft zitierte und erhoffte nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft kann von diesem Diskurs nur profitieren.

> Swisscanto Invest ist das 100% Swiss Made Asset Management der Zürcher Kantonalbank. Sie ist Pionierin für nachhaltige Anlagen in der Schweiz und verfügt über ein umfassendes Produktangebot, in dem sämtliche Säulen einer nachhaltigen Anlagestrategie zur Anwendung kommen. www.swisscanto.ch/nachhaltigkeit

Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen – Tipps

  • Lokale und soziodemografische Faktoren sowie Traditionen, Werte und Einstellungen bestimmen mit, was Stiftungen unterstützen.
  • Anliegen des Denkmal- und Heimatschutzes finden eher Unterstützung von Stiftungen auf dem Land, wissenschaftliche und bildungsbezogene Anliegen finden eher Unterstützung von städtischen Stiftungen.

Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen

Stiftungen werden grundsätzlich entlang der Ballungsgebiete und entlang des verfügbaren Kapitals angesiedelt. Doch nicht nur die Anzahl von Stiftungen am Ort, sondern auch die begünstigten thematischen Wirkungsbereiche hängen von lokalen soziodemografischen Faktoren ab.

Vergleicht man die Wirkungsbereiche der Stiftungen, die in den fünf grössten Städten (Zürich, Basel, Genf, Bern und Lausanne) angesiedelt sind mit denen von zufällig ausgewählten 500 Stiftungen aus den Ortschaften mit den kleinsten Einwohnerzahlen (323 Gemeinden), werden teilweise deutliche Unterschiede in der Zweckstruktur sichtbar.

Denkmal- und Heimatschutz auf dem Land, Wissenschaft und Bildung in der Stadt

Wie die Tabelle illustriert, ist der Anteil von Stiftungen, die Projekte im Bereich Kunst, Kultur, Freizeit und Sport fördern in ländlichen, kleinen Gemeinden um 18% grösser als in den Städten. Dies ist insbesondere auf den spezifischen Bereich des Denkmals- und Heimatschutzes zurückzuführen. Auf dem Land dagegen untervertreten sind Stiftungen in den Bereichen Wissenschaft und Forschung, Bildung und Entwicklungszusammenarbeit. Schliesslich sind die Anteile der operativen Stiftungen auf dem Land höher und die geografischen Wirkungskreise eingeschränkter als in der Stadt.

Stiftungszwecke einkommensschwächere Gemeinden sind eher religiös geprägt

Vergleicht man die Eigenschaften von Stiftungen aus Gemeinden vergleichbarere Grösse, allerdings mit unterschiedlich hohen durchschnittlichen Netto-Einkommen der Einwohner (s. Tabelle, Teil rechts) stellen sich ebenfalls bedeutende Unterschiede in der Begünstigung heraus. Ähnlich wie Stiftungen in den Städten sind Stiftungen in einkommensstarken Gemeinden weniger im Bereich Denkmal- und Heimatschutz tätig, jedoch stärker in den eher progressiven Wirkungsbereichen wie Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit. Stiftungslandschaften in einkommensschwächeren Gemeinden charakterisieren sich dagegen durch höhere Anteile religiöser Stiftungen, einem höheren Anteil an operativen Stiftungen, einer stärkeren Zweckfokussierung und einem lokaleren Wirkungskreis.

Stiftungen orientieren sich an ortsspezifischen Bedürfnissen

Diese unterschiedliche Verteilung der Wirkungsbereiche nach Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen dürfte einerseits mit den verschiedenen lokalen Bedürfnissen bzw. den ansässigen Destinatären, aber auch mit bestehenden Infrastrukturen zu tun haben, die gewisse Stiftungsansiedlungen begünstigen. Andererseits ist die Themenausrichtung der Stiftungen möglicherweise von der Höhe des Stiftungskapitals abhängig. Einzig die sozialen Stiftungen scheinen diesen Kriterien zu trotzen: Sie sind, obwohl es Unterschiede in thematischen Unterkategorien gibt, unabhängig vom Urbanisierungsgrad und des Durchschnittseinkommens, immer etwa gleich stark, mit Anteilen von rund 40%, vertreten.

Einfluss des Urbanisierungsgrads und des Durchschnitteinkommens auf Stiftungseigenschaften. Tabelle VMI

Wie «politisch» darf eine Stiftung sein

Förderstiftungen halten sich in der Schweiz traditionell aus dem politischen Dialog heraus. Doch mit der Professionalisierung und der Fokussierung auf spezifische Themenfelder haben sich die Voraussetzungen geändert. Themenarbeit bedeutet auch, dass man jene Prozesse mit beeinflusst, welche die Rahmenbedingungen eines Problems definieren. Auch Förderstiftungen kommen deshalb nicht darum herum, sich mit dem politischen Umfeld zu beschäftigen.

Die Entwicklung der Fördertätigkeit von Stiftungen wurde in den letzten Jahren stark beeinflusst durch ihre Professionalisierung, die auch den Anspruch an die eigene Wirkung stark verändert hat. Die Förderung soll evidenzbasiert und wirkungsorientiert sein. Dieser Anspruch hat folgerichtig zur Themenfokussierung vieler Förderer geführt.

Diese Fokussierung hat eine wichtige Konsequenz zur Folge: Spätestens nachdem man die Forschungsgrundlagen erarbeitet, innovative Projekte entwickelt und bewährte Arbeitsansätze ausgerollt und implementiert hat, kommt man nicht umhin, über die Rahmenbedingungen zu sprechen, in denen die entsprechenden Themen eingebettet sind. Ob in der Bildung, der Migration, der Ökologie oder der Gesundheit, es sind immer auch die gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die diese Bereiche markant mitprägen.

Wirkung ist abhängig von den Rahmenbedingungen

Die Wirkung, die man erzielt, ist in erheblichem Mass von diesem Rahmen abhängig. Hier muss jede Stiftung entscheiden, ob sie an der politischen Verhandlung dieser Rahmenbedingungen teilnimmt, sie evtl. sogar so zu beeinflussen versucht, dass man dem Erreichen des Wirkungsziels etwas näher kommt. Sei es bei der Frühförderung, der Inklusion von Menschen mit einer Beeinträchtigung oder der Chancengerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, man kommt kaum darum herum, sich zu äussern – denn sich nicht zu äussern ist ebenso «politisch».

Advocacy ist ein wichtiger Teil der Arbeit

In Diskussionen hört man zwar oft, dies sei nicht die Aufgabe von Förderern. Doch Förderung hat immer vier mögliche Zielbereiche:

  1. Die Schaffung der notwendigen Grundlagen durch Forschungsförderung.
  2. Die Entwicklung neuer Lösungsansätze durch Innovationsförderung.
  3. Die Ausbreitung von bewährten Arbeitsansätzen durch Mulitplikationsförderung.
  4. Die Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen durch Advocacy oder deren Förderung.

Der Bereich Advocacy wird von den meisten Stiftungen als nebensächlich betrachtet, oft mit dem Hinweis auf die Stiftungsurkunde, welche die eigene Organisation als «überparteilich und überkonfessionell» ausweist. Doch es geht weder um Parteien noch um Konfessionen, sondern um jene Faktoren, die das Erreichen des Stiftungsziels mitbestimmen. Und dies ist nicht nur die operative Arbeit oder die Forschung.

Zeit, Erfahrungen zu sammeln

Im Schweizer Konkordanz-System spielt der NPO-Bereich eine ungleich wichtigere Rolle als in anderen Demokratien. Seit 200 Jahren, spätestens seit der Gründung der SGG, bestimmt der 3. Sektor ganz massgeblich mit, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt. Hier besteht ein Handlungsspielraum, der auch von Förderstiftungen bewusst genutzt werden soll – eine alte Tradition, die wieder neu gelernt werden muss.

«Heimatort – Steuer» – Best Practice zur Erhöhung des Spendenvolumens?

Was treibt das Spendenverhalten der Bürger und wie können Staat und gemeinnützige Akteure sie dazu animieren, mehr zu spenden? Dazu muss ich einfach nochmals aus Japan berichten, wo sich dazu Erstaunliches ereignete.

Japaner spenden etwa 0.2% ihres BIPs, also im Vergleich zum ewigen Spitzenreiter USA mit 2.12% eher wenig. Doch wenn es eine Spendenkampagne gab, die es zu einem nationalen Hit gebracht hat, war es das von der japanischen Regierung 2008 eingeführte Steueranreizsystem, der «Heimatort-Steuer».

Trotz der Verwendung des Wortes „Steuer“, handelt es sich hier eigentlich um eine Spendenmöglichkeit. Der Steuerzahler kann einen steuerlich abzugsfähigen Beitrag direkt an eine Gemeinde seiner Wahl leisten. Wenn er möchte kann er auch aus einem von Lokalverwaltungen definierten Vorhaben wählen. Ziel ist, die wirtschaftliche Entwicklung in ländliche Gemeinden zu unterstützen und attraktiv für den Tourismus zu werden. Denn in Japan lebt 70% der Bevölkerung in wenigen Grossstädten. Die seit Jahrzehnten andauernde Kombination von Landflucht und Überalterung der Gesellschaft hat viele Gemeinden in prekäre finanzielle Notlagen gebracht.

Die Initiative lief nur schleppend an und bei 50 Mio. Steuerzahlern dümpelten die Spendeneinnahmen bei CHF 55 Mio. pro Jahr – bis 2012. Seither verzehnfachte sich der Betrag innerhalb von drei Jahren. 2017 wurden die 1’788 Gemeindeverwaltungen mit zusätzlichen Einnahmen von total CHF 3.1 Mrd. beglückt. Was war geschehen?

2012 gründete eine findige junge Frau ein Webportal, das sämtliche von Gemeinden angebotenen Geschenke auflistete. Sie haben richtig gehört. Eine Besonderheit des Heimatort-Steuer ist, dass viele Gemeinden als Zeichen des Dankes ein Geschenk verschicken. Der Wert darf 30% des Spendenbetrages nicht überschreiten und muss lokal produziert sein. So unterstützt der Spender einerseits direkt eine Gemeinde und fördert andererseits den Absatz dortiger Betriebe.

Im Foodie-Land Japan handelt es sich überwiegend um kulinarische Spezialitäten wie Fleisch, Fisch, Reis oder Reiswein aber von Kleidung bis zu Rollstühlen gibt es alles. Stellen Sie sich das Portal einfach vor wie die Seite von coop@home mit 180’000 Artikeln. Man kann nach Region, Betrag, Dankesgeschenk oder Zweck (Sozial-, Kultur, Bildungs-, Umweltbereich oder neuerdings auch lokale Katastrophenhilfe) suchen. Ich war kürzlich in Japan und praktisch alle meine Freunde tischten mir begeistert Pfirsiche aus Heiseizinsan (wo ist das??) oder Krebse aus Hokkaido auf. Viele hatten nie zuvor gespendet.

Das System wird momentan komplett überarbeitet, da es bei der Umsetzung noch Mängel gibt. Interessant für mich ist jedoch hier nur, weshalb so viele Menschen spenden:

  1. Reziprozität: Man erhält etwas Konkretes zurück mit sinnvollem Bezug zur Spende
  2. Wahlmöglichkeit: Gefühl eines aktiven Beitrags zu den öffentlichen Ausgaben (im Gegensatz zu Steuern)
  3. Einfachheit: Transparente und one-stop Möglichkeit, den Spendenbetrag zu verteilen
  4. Kollektivität: Gefühl und Nachweis, Grosses gemeinsam mit anderen bewirken zu können

Bei Punkt 1 sehe ich förmlich einige Leser die Stirn runzeln. Spenden sollte doch altruistisch sein! Aber entgehen einem Fundraiser nicht Potentiale, wenn er bei seiner Strategie nicht alle Motive des Spendens beachtet? Sehr lesenswert dazu die Erkenntnisse einer Studie über Spenderverhalten in den USA, exzellent zusammengefasst von Pascale Bourquin!