Von der Stiftungsplattform zum Portal für die Schweizer Philanthropie

«Unterwegs in die Zukunft der Philanthropie»

Am 26. September 2019 lud StiftungSchweiz ins Cabaret Voltaire und über 110 interessierte Gäste folgten der Einladung.  Wo vor fünf Jahren die Lancierung der ersten Stiftungsplattform gefeiert wurde, startete an diesem Abend der Countdown zur Lancierung des neuen Portals für die Schweizer Philanthropie. Mit dieser Weiterentwicklung werden neben Stiftungen und Projektträgern künftig auch Privatspender und weitere Anspruchsgruppen, wie Firmen, Grossspender und Dienstleister mit innovativen digitalen Lösungen bedient. Ausgeklügelte Produkte und Dienstleistungen, die in Zusammenarbeit mit starken Partnern mehr Effizienz, mehr Transparenz und mehr Freude in die Philanthropie bringen sollen.

Der Countdown läuft!

Am 21. Oktober 2019 geht das neue Portal live.

Ein Vorgeschmack gefällig?

Tauchen Sie ein und lassen Sie sich überraschen. Wir freuen uns auf viele interessierte Besucher, die dieses Portal für ihre Organisationen, Projekte und philanthropischen Vorhaben nutzen und dies bis Ende 2019 sogar kostenlos! Jetzt Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben

 

 

 

Wie leicht ist Impact Investing mit dem eigenen Stiftungszweck möglich?

Kommt die Rede auf Impact Investing, dann ist damit meistens gemeint, dass gleichzeitig eine soziale respektive ökologische und eine finanzielle Rendite erreicht und beide Renditen auch gemessen werden sollten. Diese Umschreibung lässt durchaus Spielraum zu, was alles unter Impact Investing verstanden werden kann. Die Abgrenzung geschieht dabei am einen Ende des Spektrums gegenüber nachhaltigen Anlagen, am anderen Ende gegenüber reinem philanthropischem Engagement. Die Herausforderung besteht darin, dass sich einerseits das Investment lohnt und andererseits ein gesellschaftlicher Nutzen entsteht.

Eine typische Investitionsmöglichkeit sind Sozialunternehmen. Wie ein solches konkret ausgestaltet sein kann, zeigt das Beispiel des Sozialunternehmens in Tansania von einem der Teilnehmenden des CAS Global Social Entrepreneurship des CEPS. Das Sozialunternehmen beschäftigt insbesondere junge Frauen und Mütter, die sonst keine Stelle finden würden. Diese stellen Briketts her, welche dann zu einem angemessenen Preis an Schulen und die lokale Bevölkerung verkauft werden. Einerseits wird durch den Verkauf der Briketts ein Ertrag generiert, der die Rückzahlung von Darlehen und anderen Investitionen ermöglicht. Andererseits schafft das Sozialunternehmen nicht nur Arbeitsplätze, sondern fördert die Gesundheit, denn das Verbrennen von Briketts produziert weniger Rauch als das Einfeuern mit Holz. Der Beitrag zu einer sozialen Rendite scheint bei diesem Investitionsobjekt klar und wenig widersprüchlich.

Es gibt jedoch auch Fälle, in welchen dies nicht so eindeutig ist. Die Orientierung am eigenen Stiftungszweck kann dann hilfreich sein. Dies kann auch zur Schlussfolgerung führen, dass Impact Investing im Bereich des eigenen Zwecks nur schwer umsetzbar ist. Setzt sich eine Stiftung beispielsweise für die Rechte von Kindern ein, wird es schwierig sein ein Investitionsobjekt zu finden, welches in diesem Bereich sowohl eine soziale als auch eine finanzielle Rendite erzielt. Setzt sich eine Stiftung jedoch für bezahlbaren Wohnraum ein, so liegt Impact Investing quasi auf der Hand.

Zudem sollte das Risikos des sogenannten «Mission Drift» beachtet werden. Dies ist das Risiko, dass im Verlauf der Zeit Abstriche bei der sozial-ökologischen zugunsten der finanziellen Rendite gemacht werden. Die Überprüfung der sozialen respektive ökologischen Rendite hilft dabei, das Risiko eines sogenannten «Mission Drifts» zu reduzieren.

Neben diesen Aspekten gilt es natürlich auch die gesetzlichen Voraussetzungen zu berücksichtigen. Diese sind für Stiftungen je nach Art und Ausmass der Umsetzung des Impact Investings unterschiedlich. Zusammenfassend können folgende drei Fragen bereits für eine erste Analyse hilfreich sein:

  • Gibt es in mindestens einem unserer Förderbereiche die Möglichkeit, unternehmerisch Geld zu verdienen?
  • Wie weit weg von unserem Förderbereich sind Impact Investing-Möglichkeiten und auf wie viel Rendite müssten wir dafür wahrscheinlich verzichten?
  • Wie verhindern wir, dass in Organisationen, in welche wir investiert haben, Mission Drift entsteht?

Redet miteinander! Stiftungsgespräch am 1. Oktober 2019

Die Veranstaltung von Swissfoundations beleuchtet das komplizierte Verhältnis zwischen Politik und gemeinnützigem Stiftungssektor. Auf beiden Seiten sind oft Unverständnis und fehlendes Wissen über den anderen anzutreffen. Die Stiftungswelt hegt das Vorurteil, der Staat sei bürokratisch, ineffizient und seine Strukturen überholt. Der Politik mangelt es häufig am Verständnis über Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des Stiftungssektors. Und so scheuen beide Diskussionen und Kooperationen.

Aber: Es kommt Bewegung in die Beziehung. In den Kantonen Genf, Aargau und Bern werden Strategien zur Förderung philanthropischen Engagements erarbeitet, im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt wurde ein Vorstoss zur Steigerung der Dynamik des Stiftungsstandortes eingereicht.

Wie wichtig ein konstruktiv geführter Dialog ist, zeigt der Blick nach Europa. Auch wenn die Verhältnisse mitnichten verglichen werden können, löst die Einschränkung des Gestaltungsspielraums für zivilgesellschaftliches und stifterisches Wirken in Ländern wie Ungarn, Polen, Russland oder der Türkei auch bei uns Besorgnis aus. Woher kommt dieses Misstrauen zwischen Mäzenen und Stiftungen auf der einen und Politik und Gesellschaft auf der anderen Seite?

Das Stiftungsgespräch 2019 spürt dem Verhältnis von Politik und Stiftungen nach, forscht nach den Ursachen und stellt die Frage, wie der aufflammende Dialog in Schwung gebracht werden kann und wem dabei welche Rolle und Aufgabe zufällt.

Programm

Ab 17:30 Eintreffen der Gäste
Ab 17:50 Begrüssung | Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations

Ab 18:00 Warm Up | Einführung und gemeinsame Diskussion

Ab 18:45 Redet miteinander!

  • Barbara Bleisch, Philosophin und Moderatorin Sternstunde Philosophie (SRF), im Gespräch mit Anja Wyden Guelpa und Andri Silberschmidt.
  • Anja Wyden Guelpa hat als ehemalige Genfer Staatskanzlerin die Entwicklung der ersten kantonalen Stiftungsstrategie vorangetrieben und verantwortet. Heute ist Anja Wyden Guelpa unter anderem als Direktorin des civicLab und Dozentin tätig.
  • Andri Silberschmidt ist seit 2011 politisch aktiv, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz und Vorstandsmitglied der FDP Schweiz. Aktuell kandidiert Andri Silberschmidt für den Nationalrat.

Ab 19:45 | Drinks, Food and Talks

Referenten

Veranstaltungsort
KOSMOS | Lagerstrasse 104 | 8004 Zürich

Anmeldung

 

 

Compliance bei Stiftungen und Vereinen – Massnahmen für die Praxis | 4. Juli, Winterthur

Excellence in Compliance
“If you think compliance is expensive, try non compliance.” 

Stiftungen und Vereine sind im In- und Ausland Compliance-Risiken ausgesetzt und werden mit Compliance-Verstössen konfrontiert. Ein solcher Compliance-Verstoss kann zu Bussgeldern, persönlicher Haftung und enormen Reputationsschäden führen. Professionelle Compliance-Management-Systeme schützen das aufgebaute Vertrauen und erlauben, den Stiftungs- oder Vereinszweck weiter zu fördern.

An der von der ZHAW und StiftungSchweiz.ch organisierten Fachtagung, vermitteln renommierte Expertinnen und Experten und erfahrene Praktikern wertvolles Wissen über erfolgreiche präventive und reaktive Strategien zur Vermeidung von Compliance Risiken, wie z.B. Korruption.

Programm – 4. Juli 2019
9.00 – 17.00 Uhr, Winterthur

Themen und Referenten

I – UNTERSUCHUNG UND AUFARBEITUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Untersuchung und Aufarbeitung von Compliance-Vorfällen bei NPOs
    Rita Pikó, ZHAW School of Management and Law
  • Die Sicht der Finanzkontrolle – Erfahrungsbericht aus untersuchten Schweizer Stiftungen
    Eris-Serge Jeannet, Eidgenössische Finanzkontrolle
  • Risiken eines Reputationsverlustes – Erfahrungsbericht aus einem medienwirksam begleiteten Compliance-Vorfall
    Dirk Reinsberg, Oxfam Deutschland
  • Gelebte Compliance – Erfahrungsbericht einer global verlinkten Schweizer NGO
    Omer Güven, Save the Children Schweiz

II – MASSNAHMEN ZUR ERKENNUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Hinweisgebersysteme und der Gesetzentwurf zu Whistleblowing
    David Rüetschi, Bundesamt der Justiz
  •  Panel-Diskussion | Braucht es eine Ombudsstelle für NPOs in der Schweiz?
    Moderation: Rita Pikó, ZHAW School of Management and Law Peter Buss, StiftungSchweiz.ch
    François Geinoz, proFonds
    Lukas von Orelli, SwissFoundations
    David Rüetschi, Bundesamt für Justiz
    Bruno Studer, Helvetas Swiss Intercooperation

III – MASSNAHMEN ZUR VORBEUGUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Interne Kontrollsysteme für NPOs
    Markus Fivian, CREA Trust reg.
  • Sorgfaltsmassnahmen bei der Annahme von Spenden
    Christoph Degen, proFonds, Dachverband der gemeinnützigen Stiftungen der Schweiz
  • Abschluss der Tagung
    Reto Steiner, ZHAW School of Management and Law

Networking-Apéro

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Weitere Informationen zum Tagesprogramm und Anmeldung

 

Dokumenten-Management-Systeme: Die vier grössten Vorurteile

62’200 Personen engagieren sich als Stiftungsräte. Im Durchschnitt sind 5.3 Personen in einem Stiftungsrat – meist auf ehrenamtlicher Basis. Und gerade einmal 12.7 % aller Stiftungen haben eine angestellte Geschäftsführung1.1

Mit anderen Worten bis zu 11’500 Stiftungen bewahren ihre Dokumente bei einem ihrer Stiftungsräte auf. Das Gros der Stiftungsräte kann aber darauf nicht jederzeit zugreifen. Zudem besteht ein Datenverlust- und -sicherheitrisiko, dass so hoch nicht sein müsste. Denn es gibt einfache und günstige Digitalisierungslösungen, so genannte Dokumenten-Management-Systeme (DMS).

Dokumenten-Management-Systeme (DMS) sollen Organisationen helfen, Papierberge per Mausklick zu digitalisieren. Trotzdem schrecken viele vor ihrer Einführung zurück.

Die vier grössten Vorurteile:

Das ist doch alles viel zu kompliziert.

Jeder von uns arbeitet heute bereits digital, vielleicht noch nicht vollumfänglich, aber Office, Outlook und Co. können wir alle bedienen. Und die meisten Software-Lösungen funktionieren ähnlich intuitiv und lassen sich ebenso leicht handhaben.

Die Anwender sind übrigens jedes Mal überrascht, wie einfach ein DMS zu händeln ist. Die Dokumentensuche funktioniert z.B. nicht anders als eine simple Suchanfrage im Internet.

Die Umstellung dauert zu lange.

Dieser Eindruck entsteht, weil neue Nutzer die Einführung eines DMS oftmals mit einer komplexen neuen Finanzbuchhaltungs-Software oder einem Workflow-System vergleichen. Solche Systeme stellen vorübergehend die komplette Organisation auf den Kopf.

Eine DMS-Einstiegslösung lässt sich bei weniger als 12 DMS-Nutzern bereits in zwei Tagen implementieren.

Gewohnte Arbeitsprozesse werden gestört und neue müssen erst mühsam erlernt werden.

Manche Dinge ändern sich. Aber nicht unbedingt zum Schlechteren, im Gegenteil! Wer schafft es denn, in wenigen Sekunden seinen gesamten Aktenschrank zu durchsuchen? Mit einem DMS geht das per Mausklick. Auf diese Art spart man viel Zeit.

Wichtig! Ein DMS optimiert lediglich die Arbeitsweise, die Arbeitsprozesse bleiben in der Essenz jedoch die gleichen.

Digitale Daten sind flüchtig. Nur was ich anfassen kann, hat auch Wert.

Bei der Einführung eines DMS ist immer wieder erlebbar, dass das Druckvolumen zu Anfang messbar ansteigt. Der Grund? Bevor Nutzer ein Dokument in der „elektronischen Wolke“ nicht wiederfinden, drucken sie es lieber noch mal aus. Nach ein paar Wochen sinkt das Volumen wieder, weil die Nutzer verstehen, dass die Daten auf dem Server sicher und vor allem schnell auffindbar sind.

 

1 Der Schweizer Stiftungsreport 2017, S. 4+7

 

 

Stiftung oder Trust – Artenschutz oder Invasion?

Die Finanzbranche versucht seit 10 Jahren die Rechtsform des Trusts1 in der Schweiz einzuführen, obwohl ausländische Trusts1 zivilrechtlich anerkannt sind. Die hiesigen Vermögensverwalter erhoffen sich dadurch, gegenüber anderen Finanzzentren mit ausländischer Kundschaft konkurrenzfähig zu bleiben und den Anteil am weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäft auszubauen.

Mit einem Swiss Trust würde die ganze Wertschöpfungskette und die vollständige Datenhoheit in der Schweiz bleiben. Somit könnten die gleichen Transparenzregeln, wie sie für ausländische Trusts in anderen Finanzzentren gelten, in Anspruch genommen werden. Damit hätten die Anbieter von Nachlassregelungen und die Verwalter des Nachlasses gleichlange Spiesse beim Schutz der Privatsphäre ihrer Klientel.

Gesetzesmühlen mahlen langsam …

2009 reichte die CVP die erste Trust-Motion ein. Das Parlament stimmte 2011 zu. Der Bundesrat wurde aber nicht aktiv und wollte die Motion 2012 sogar abschreiben. Die beiden Räte wehrten sich 2016 mit einer parlamentarischen Initiative dagegen und haben sich jetzt durchgesetzt. In dieser Frühlingssession haben sie den Bundesrat damit beauftragt, eine Gesetzesgrundlage zur Einführung von Trusts in das Schweizer Recht auszuarbeiten.

Unter Fachleuten, die zwar alle einen Bedarf an Schweizer Nachlassplanungsinstrumenten verorten, gibt es zwei Strömungen. Die einen fordern die Schaffung eines Schweizer Trusts, die anderen eine Lockerung der Bestimmungen für Familienstiftungen. Letztere argumentieren2: „Mit der (Familien-)Stiftung und der Treuhand verfügt die Schweiz … über Rechtsinstitute, die … zu tauglichen … Nachlassplanungsinstrumenten entwickelt werden können. Das wäre ein schnellerer, besserer und … verlässlicherer Schritt zu einer eigenständigen Schweizer Lösung als die Entwicklung eines unzulänglichen «Trusts à la Suisse».“

… aber die Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Die Hartnäckigkeit der Finanzbranche und ihrer Lobbyisten zu diesem Thema ist nicht erstaunlich, denn

  1. Nachlassregelungen sind neben Firmenverkäufen die mit Abstand wichtigste Quelle für Neugelder in der Vermögensverwaltung, und
  2. die Banken wollen ihren ausländischen Kunden ein Nachlassplanungsinstrument anbieten, dass ihnen von Hause aus bekannt ist.

Das Argument, dass der Trust ein rechtlich artfremdes Konstrukt sei, und man besser unser Stiftungsrecht überarbeiten sollte, wird die Finanzbranche deshalb nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Der Schweizer Trust als Chance für die Reform der Familienstiftung

Dass der Schweizer Trust kommen wird, bietet aber gleichzeitig eine Chance, die nicht verpasst werden sollte. Man kann nämlich mit Fug und Recht – quasi im Windschatten der mächtigen Finanzlobby – die gleichzeitige Anpassung des (Familien-)Stiftungsrechts verlangen. Es darf nicht sein, dass ein importiertes Rechtskonstrukt möglicherweise attraktivere Eigenschaften aufweist, als die in Gesetz und Usus seit Jahrhunderten verankerte Stiftung.

Sofern bereits hinter den Kulissen alles eingefädelt ist, ist dieser Beitrag gegenstandlos. Andernfalls ist Eile geboten. Ich bin sicher, dass – nach 10 Jahren Vorbereitungszeit – ein Vorschlag für ein Trust-Gesetz aus der Feder der Finanzbranche schon längst auf dem Tisch liegt. Bleibt zu hoffen, dass die Interessenvertreter für das Stiftungswesen genügend Lobby-Power haben, so dass der Bundesrat gleichzeitig die Revision der heimischen Nachlassplanungsinstrumente an die Hand nimmt.

1Trusts, als Form des Vermögensschutzes seit dem Mittelalter bekannt, sind in den angelsächsischen Ländern weit verbreitet. Dabei überträgt ein Errichter (Settlor) mittels Urkunde (Trust Deed) bestimmte Vermögenswerte (Trust Assets) unwiderruflich auf eine oder mehrere Personen (Trustees), die das Vermögen zugunsten eines oder mehrerer Begünstigter (Beneficiaries) verwenden müssen. Letztere geniessen unter gewissen Voraussetzungen Anonymität.

2Auszug aus dem Leserbrief von Michael Fischer, Balz Hösly, Natalie Peter, Tobias Somary, alle Rechtsanwälte in der NZZ vom 27.3.19

Workshop Nullzinsen und Risikoangst. Gibt es einen Ausweg? 4. Juni 2019

Finanzmanagement für NPOs

Sie sind verpflichtet, das Stiftungs-/Vereinskapital zu erhalten? Dann befinden Sie sich schon seit Jahren in einer unangenehmen Situation.
Die Zinsen aus Obligationen sind Null und die Dividenden aus Aktien kommen mit hohen Kapitalrisiken.

Gibt es einen Ausweg oder muss man das kleine Einmaleins des Anlegens vollständig über den Haufen werfen?

Inhalt

  • Wie kann die maximal akzeptable Aktienquote bestimmt werden?
  • Welche Aktien und Fonds eignen sich?
  • Wie helfen die Erkenntnisse aus der Theorie und Praxis der Risikotoleranz?

Ziel

  • Nach dem Workshop mit Christian Hafner wissen Sie, wie relevant mehrjährige Budgets für die Bestimmung der Risikofähigkeit sind und welche Optionen zur Lösung des Dilemmas zwischen Nullzinsen und Risikoangst bestehen.

Methodik

  • Wissensinput mit Diskussion
  • Berechnung Risikofähigkeit mit ALM-Methode

Weitere Informationen und Anmeldung

Wer hat, dem wird gegeben?!

Wie kommt es, dass eine renommierte, seit 40 Jahren bestehende Stiftung seit ihrer Gründung einfach nicht zu Geld kommt und auch professionell umgesetztes Public Fundraising keinen Ertrag bringt? Fehlt es an Betroffenheit? Im Fall dieser Stiftung überhaupt nicht: In der aktuellen repräsentativen Umfrage in der Schweiz sagt jede fünfte Person, dass sie in den letzten 12 Monaten betroffen war und selbst gelitten hat. Und neun von zehn Befragten bemerken, dass sie betroffene Personen im nahen Umfeld kennen.

Haben Sie das Thema erkannt?

Ja, es geht um psychische Erkrankungen. Psychische Störungen betreffen viele und verursachen hohe Kosten, nicht nur in der Krankenversicherung sondern auch in der Wirtschaft. Und ja, man könnte etwas tun. Viele psychische Erkrankungen sind behandelbar. Betroffene Menschen können wieder gesund werden, wenn sie Zeit und Sicherheit bekommen, ihren Genesungsweg zu suchen und selbst zu gehen. Und wenn früher geholfen würde, wäre die Behandlung oft kürzer und einfacher.

In den Medien und in Fachkreisen hat das Thema Konjunktur. Viele sehen, dass die Schweiz ein Problem mit der psychischen Gesundheit hat. Die Meisten finden, «man» sollte etwas tun. Nun, da gibt es eine bewährte Stiftung, die sich seit 40 Jahren des Themas annimmt, die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen ins Zentrum stellt und sich für ihre Rechte einsetzt. Eine Stiftung, die viele Ideen hat und eine Menge davon schon in die Praxis umgesetzt hat. Eine Stiftung, die gut ins Ausland vernetzt ist und Projekte kennt, die im Anderswo wirken. Und hierzulande Pilotprojekte lancieren möchte. Eine Stiftung, die nach neuen Wegen sucht, weil sie nicht glaubt, dass „mehr vom Selben“ als Lösung für die Zukunft taugt.

Aber, kein Geld. Das beste Testmailing zur Spendergewinnung hat gerade mal 50% der Portokosten gedeckt. Fazit der Profis: Es ist zu früh, man kennt euch zu wenig gut und das Thema ist immer noch stark tabuisiert.

Also, institutionelles Fundraising! Eine Analyse der Themen von Förderstiftungen bringt nur wenige Treffer für psychische Gesundheit, aber viele für Gesundheit allgemein. Bei Neugründungen von Stiftungen stehen die Themen Alzheimer und Krebs zuoberst auf der Liste. Unsere Themen kommen fast nie vor. Offenbar orientieren sich viele daran, was die andern tun und tun dann eben auch mehr vom Selben. Und so kommt es, dass einzelne Organisationen im Geld schwimmen und gewisse Themen überfinanziert sind und es neue und zudem tabuisierte Themen schwer haben und chronisch unterfinanziert sind, obwohl gerade am Anfang eines Konjunkturzyklus neues Geld mehr Effekt produzieren würde als später.

Seit neun Monaten arbeiten wir gemeinsam und finanziert mit der Beisheim Stiftung an einem Präventions- und Früherkennungsprogramm und im Dezember 2018 hat uns die Swiss Re Foundation als «Charity of the Year» gewählt und damit ein Zeichen für Engagement für psychische Gesundheit gesetzt! Es gibt sie also, die pionierhaften Unternehmen, die den Mut haben, unpopulären Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, dem hoffentlich andere folgen werden. Denn eines muss allen klar sein: Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit!

Nachhaltigkeitskonzepte für Stiftungsvermögen: Sauber, grün, ethisch, sozial, verantwortungsvoll, wirksam…

Ein ganzer Katalog von wohlklingenden Attributen wurde in den letzten Jahren im Zusammenhang mit nachhaltigen Vermögensanlagen kreiert. Die merkliche Belebung der Diskussion zum Thema wurde vor allem geschürt durch die laufend zunehmende Transparenz im Anlagebereich, ein gestiegenes Bewusstsein für Umwelt- und Klimaprobleme, ein stark erweitertes Produktangebot und allgemein eine sich selbst verstärkende Dynamik. Stiftungen dürften sich aber noch mehr einbringen.

Viele Anleger bekunden immer noch Mühe mit dem Begriff der Nachhaltigkeit im Anlagebereich. Sie weisen darauf hin, dass keineswegs geklärt ist, was genau unter nachhaltigem Investieren verstanden werden soll. Dieser Befund ist richtig, er verwundert aber auch nicht wirklich, denn jedem Nachhaltigkeitsbegriff liegt ein bestimmtes Wertesystem zugrunde. Ein Wertesystem ist aber per se normativ, und es ist nicht absehbar, dass man sich irgendwann auf ein einheitliches System einigt. Entsprechend wird auch kaum ein flächendeckender Konsens zu finden sein, welche Arten von Vermögensanlagen nun «wirklich» verantwortungsvoll und nachhaltig sind.

Einige Tendenzen sind dennoch auszumachen. Bei den heute gängigen, in Kollektivanlagen umgesetzten Strategien der grossen Anbieter sind es zumeist die weitherum akzeptierten Nachhaltigkeitsgrundsätze, welche die Vereinten Nationen anlässlich von diversen Initiativen und Konferenzen verabschiedet haben. Jüngstes Beispiel dafür sind die 17 «Sustainable Development Goals», welche die UNO 2016 publiziert hat und die auch klar zu der eingangs erwähnten Wiederbelebung der Diskussion beigetragen haben.

Hat ein Anleger die Grundsätze einer Nachhaltigkeitsstrategie für sich formuliert, geht es an die Umsetzung. Dafür scheint sich ein mehrstufiges Konzept allgemein durchzusetzen. Gemäss diesem Konzept wird eine nachhaltige und verantwortungsvolle Anlagestrategie durch bis zu drei Säulen gestützt:

  1. Integration von sog. ESG-Kriterien in die Finanz- analyse (ESG = Environmental, Social, Governance): Die Kriterien beeinflussen die Bewertung und damit die relative Attraktivität eines Titels, um in ein Portfolio aufgenommen zu werden.
  2. Negatives Screening: Bestimmte Geschäftsfelder oder ganze Branchen werden ausgeschlossen (z.B. Streubomben, Kernenergie, Tabak);
  3. Positives Screening: Über sog. Best-in-Class Auswahlverfahren werden jene Unternehmen und Staaten herausgefiltert, die über das beste Nachhaltigkeitsprofil verfügen; für die Portfolio- konstruktion werden nur diese berücksichtigt.

Bei den ersten beiden Säulen geht es in erster Linie um eine Reduktion der Risiken, die sich aus einem nicht-nachhaltigen Verhalten ergeben. Bei der dritten Säule wird über das reine Risikomanagement hinausgegangen und aktiv nach Anlagemöglichkeiten gesucht, die für Umwelt und Gesellschaft einen überdurchschnittlichen Nutzen erbringen. Als weitere Steigerungsform kann im Positive Screening eine zusätzliche «Impact-Analyse» durchgeführt werden, welche explizit nur jene Unternehmen und Emittenten ins Anlageuniversum aufnimmt, deren Produkte eine signifikant positive Wirkung hinsichtlich der Lösung von drängenden ge- sellschaftlichen Problemen entfalten (siehe z.B. die 17 Sustainable Development Goals der UNO).

Eine weitere wichtige Säule des verantwortungsvollen Anlegens ist die sogenannte Active Ownership. Die Ausübung der Stimmrechte und der aktive Dialog mit den Unternehmen – auch durch einen Delegierten – können signifikante Impulse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung geben.

Viele vorbildliche Stiftungen gehören zu den Wegbe- reitern des nachhaltigen Anlegens. Andere müssen erst noch deutlich machen, welche ihrer Werte sie auch in den Vermögensanlagen widergespiegelt sehen möchten. Die oft zitierte und erhoffte nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft kann von diesem Diskurs nur profitieren.

> Swisscanto Invest ist das 100% Swiss Made Asset Management der Zürcher Kantonalbank. Sie ist Pionierin für nachhaltige Anlagen in der Schweiz und verfügt über ein umfassendes Produktangebot, in dem sämtliche Säulen einer nachhaltigen Anlagestrategie zur Anwendung kommen. www.swisscanto.ch/nachhaltigkeit

Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen – Tipps

  • Lokale und soziodemografische Faktoren sowie Traditionen, Werte und Einstellungen bestimmen mit, was Stiftungen unterstützen.
  • Anliegen des Denkmal- und Heimatschutzes finden eher Unterstützung von Stiftungen auf dem Land, wissenschaftliche und bildungsbezogene Anliegen finden eher Unterstützung von städtischen Stiftungen.