Stiftung oder Trust – Artenschutz oder Invasion?

Die Finanzbranche versucht seit 10 Jahren die Rechtsform des Trusts1 in der Schweiz einzuführen, obwohl ausländische Trusts1 zivilrechtlich anerkannt sind. Die hiesigen Vermögensverwalter erhoffen sich dadurch, gegenüber anderen Finanzzentren mit ausländischer Kundschaft konkurrenzfähig zu bleiben und den Anteil am weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäft auszubauen.

Mit einem Swiss Trust würde die ganze Wertschöpfungskette und die vollständige Datenhoheit in der Schweiz bleiben. Somit könnten die gleichen Transparenzregeln, wie sie für ausländische Trusts in anderen Finanzzentren gelten, in Anspruch genommen werden. Damit hätten die Anbieter von Nachlassregelungen und die Verwalter des Nachlasses gleichlange Spiesse beim Schutz der Privatsphäre ihrer Klientel.

Gesetzesmühlen mahlen langsam …

2009 reichte die CVP die erste Trust-Motion ein. Das Parlament stimmte 2011 zu. Der Bundesrat wurde aber nicht aktiv und wollte die Motion 2012 sogar abschreiben. Die beiden Räte wehrten sich 2016 mit einer parlamentarischen Initiative dagegen und haben sich jetzt durchgesetzt. In dieser Frühlingssession haben sie den Bundesrat damit beauftragt, eine Gesetzesgrundlage zur Einführung von Trusts in das Schweizer Recht auszuarbeiten.

Unter Fachleuten, die zwar alle einen Bedarf an Schweizer Nachlassplanungsinstrumenten verorten, gibt es zwei Strömungen. Die einen fordern die Schaffung eines Schweizer Trusts, die anderen eine Lockerung der Bestimmungen für Familienstiftungen. Letztere argumentieren2: „Mit der (Familien-)Stiftung und der Treuhand verfügt die Schweiz … über Rechtsinstitute, die … zu tauglichen … Nachlassplanungsinstrumenten entwickelt werden können. Das wäre ein schnellerer, besserer und … verlässlicherer Schritt zu einer eigenständigen Schweizer Lösung als die Entwicklung eines unzulänglichen «Trusts à la Suisse».“

… aber die Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Die Hartnäckigkeit der Finanzbranche und ihrer Lobbyisten zu diesem Thema ist nicht erstaunlich, denn

  1. Nachlassregelungen sind neben Firmenverkäufen die mit Abstand wichtigste Quelle für Neugelder in der Vermögensverwaltung, und
  2. die Banken wollen ihren ausländischen Kunden ein Nachlassplanungsinstrument anbieten, dass ihnen von Hause aus bekannt ist.

Das Argument, dass der Trust ein rechtlich artfremdes Konstrukt sei, und man besser unser Stiftungsrecht überarbeiten sollte, wird die Finanzbranche deshalb nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Der Schweizer Trust als Chance für die Reform der Familienstiftung

Dass der Schweizer Trust kommen wird, bietet aber gleichzeitig eine Chance, die nicht verpasst werden sollte. Man kann nämlich mit Fug und Recht – quasi im Windschatten der mächtigen Finanzlobby – die gleichzeitige Anpassung des (Familien-)Stiftungsrechts verlangen. Es darf nicht sein, dass ein importiertes Rechtskonstrukt möglicherweise attraktivere Eigenschaften aufweist, als die in Gesetz und Usus seit Jahrhunderten verankerte Stiftung.

Sofern bereits hinter den Kulissen alles eingefädelt ist, ist dieser Beitrag gegenstandlos. Andernfalls ist Eile geboten. Ich bin sicher, dass – nach 10 Jahren Vorbereitungszeit – ein Vorschlag für ein Trust-Gesetz aus der Feder der Finanzbranche schon längst auf dem Tisch liegt. Bleibt zu hoffen, dass die Interessenvertreter für das Stiftungswesen genügend Lobby-Power haben, so dass der Bundesrat gleichzeitig die Revision der heimischen Nachlassplanungsinstrumente an die Hand nimmt.

1Trusts, als Form des Vermögensschutzes seit dem Mittelalter bekannt, sind in den angelsächsischen Ländern weit verbreitet. Dabei überträgt ein Errichter (Settlor) mittels Urkunde (Trust Deed) bestimmte Vermögenswerte (Trust Assets) unwiderruflich auf eine oder mehrere Personen (Trustees), die das Vermögen zugunsten eines oder mehrerer Begünstigter (Beneficiaries) verwenden müssen. Letztere geniessen unter gewissen Voraussetzungen Anonymität.

2Auszug aus dem Leserbrief von Michael Fischer, Balz Hösly, Natalie Peter, Tobias Somary, alle Rechtsanwälte in der NZZ vom 27.3.19

Neue Sichtweisen auf den Stiftungsfinanzierten Journalismus

Die Medien- und Journalismusförderung durch Stiftungen steht in der Schweiz erst in den Startlöchern. Bevor hierzulande erste konkrete Schritte geplant werden, sollte – angesichts neuester Forschungserkenntnisse – die Beziehung von Stiftungen und Journalismus aus einer neuen Perspektive betrachtet werden.

Die Förderung von Medien und Journalismus ist kein neues Aktivitätsfeld von Stiftungen, hat jedoch spätestens seit 2016 neue Aufmerksamkeit und Relevanz erhalten. Die Gründe dafür liegen weniger in der als «ökonomische Strukturkrise» bezeichneten Entwicklung der Branche, welche mit sinkenden Auflagenzahlen, rückläufigen Webeeinnahmen oder Gratismedien konfrontiert ist. Sie sind auch nicht in der, seit Jahren von der NGO Freedom House dokumentierten, weltweit sinkenden Pressefreiheit zu suchen.

Vielmehr zeigte sich 2016 die Bedeutung der Medien so deutlich wie nie, als Wahlen, z. B. in den USA, und politische Prozesse in diversen Ländern massiv von Fehlinformationen beeinflusst und geschwächt wurden. Vermehrt verunglimpften Politiker die Presse, wiesen ihre Rolle als Nachrichtenmedien und «vierte Gewalt» öffentlich zurück und gaben damit der Diskussion um unabhängige Medien und Qualität von Journalismus Aufwind. Im Zuge dieser Ereignisse hat die Journalismus-Förderung durch Stiftungen neue Bedeutung gewonnen

Die richtigen Fragen stellen

Ohne Stiftungsförderung würde eine bedeutende Anzahl journalistischer Angebote, Projekte und Organisationen fehlen. Klar ist jedoch, dass ihre finanziellen Mittel für eine langfristige und umfassende Unterstützung von Medien- oder Verlagshäusern nicht ausreichen. Ob Stiftungen der Ausweg aus dem Finanzierungsproblem der Medien sind, ist allerdings nur die Eingangsfrage in das Thema philanthropischer Medienförderung. Viel wichtiger ist die Frage: auf welche Weise gestaltet Stiftungsförderung den Journalismus?

Wie Stiftungen den Journalismus prägen

Die Beziehung von Philanthropie und Journalismus wurde wissenschaftlich bisher vor allem aus US-amerikanischer Perspektive und im Hinblick auf die Unabhängigkeit des Journalismus untersucht. Die Gefahr vom Verlust der Unabhängigkeit wird immer wieder als grösster Kritikpunkt einer Stiftungsförderung hervorgehoben. Scott et al. (2019) fanden nun jedoch heraus, dass Stiftungsgelder statt auf die Autonomie des Journalismus weitaus grösseren Einfluss auf die Grenzen des Journalismus selbst haben bzw. auf die Art und Weise, wie der Journalismus verstanden, bewertet und praktiziert wird. Sie zeigen, dass die Interaktionen zwischen Stiftungen und Journalisten zu einer Erweiterung journalistischer Praxis führt. Einerseits kommt es zu einer Verschiebung der Rollenwahrnehmung von Journalisten und Medien in der Gesellschaft. Andererseits ist eine stärker ergebnisorientierte Berichterstattung, ein geringeres Volumen redaktioneller Arbeiten und eine Konzentration auf umfangreichere, vom aktuellen Tagesgeschehen losgelöste Berichterstattung in thematischen Nischen beobachtbar. Interessanterweise wird diese Entwicklung nicht von den Stiftungen direkt forciert, sondern ist gerade das Ergebnis beidseitiger Bemühungen, die Autonomie des Journalismus zu bewahren.

Denkanstösse für Stiftungen

Die Erkenntnisse aus Scott et al.’s (2019) Forschung fordern uns dazu auf, die Beziehung von Stiftungen und Journalismus auf dreierlei Weise neu zu hinterfragen.

  1. Die Folgen philanthropischer Förderung gehen weit über die alltägliche journalistische Autonomie hinaus. Stattdessen sind es womöglich die Grenzen des Journalismus, welche am meisten beeinflusst werden.
  2. Die Veränderungen durch Stiftungsförderung beruhen weniger auf der politischen Agenda einzelner Stiftungen oder der direkten Einflussnahme der Stiftungen auf die geförderten Personen bzw. Projekte oder Themen, wie oft behauptet wird. Vielmehr sind es die vielfältigen Interaktionen von Journalisten mit Stiftungen selbst welche zu Veränderungen des Journalismus führen.
  3. Stiftung sollten im Förderprozess nicht als dominierende Akteure verstanden werden. Vielmehr soll es sich – von der Gesuchsstellung an – um eine partnerschaftliche Co-Produktion journalistischer Arbeit handeln, die es unter Wahrung der jeweils eigenen Identität erlaubt, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen.

Literaturempfehlung:

Scott, M., Bunce, M., Wright K. (2019). Foundation Funding and the Boundaries of Journalism, Journalism Studies

Compliance bei Stiftungen und Vereinen – Massnahmen für die Praxis | 4. Juli, Winterthur

Excellence in Compliance
“If you think compliance is expensive, try non compliance.” 

Stiftungen und Vereine sind im In- und Ausland Compliance-Risiken ausgesetzt und werden mit Compliance-Verstössen konfrontiert. Ein solcher Compliance-Verstoss kann zu Bussgeldern, persönlicher Haftung und enormen Reputationsschäden führen. Professionelle Compliance-Management-Systeme schützen das aufgebaute Vertrauen und erlauben, den Stiftungs- oder Vereinszweck weiter zu fördern.

An der von der ZHAW und StiftungSchweiz.ch organisierten Fachtagung, vermitteln renommierte Expertinnen und Experten und erfahrene Praktikern wertvolles Wissen über erfolgreiche präventive und reaktive Strategien zur Vermeidung von Compliance Risiken, wie z.B. Korruption.

«Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich, und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Bekannt machen allein genügt vielleicht nicht – aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen. » Joseph Pulitzer.

Melden Sie sich jetzt an und sichern Sie sich einen der 70 limitierten Plätze!

Weitere Informationen zum Tagesprogramm und Anmeldung

 

Workshop Nullzinsen und Risikoangst. Gibt es einen Ausweg? 4. Juni 2019

Finanzmanagement für NPOs

Sie sind verpflichtet, das Stiftungs-/Vereinskapital zu erhalten? Dann befinden Sie sich schon seit Jahren in einer unangenehmen Situation.
Die Zinsen aus Obligationen sind Null und die Dividenden aus Aktien kommen mit hohen Kapitalrisiken.

Gibt es einen Ausweg oder muss man das kleine Einmaleins des Anlegens vollständig über den Haufen werfen?

Inhalt

  • Wie kann die maximal akzeptable Aktienquote bestimmt werden?
  • Welche Aktien und Fonds eignen sich?
  • Wie helfen die Erkenntnisse aus der Theorie und Praxis der Risikotoleranz?

Ziel

  • Nach dem Workshop mit Christian Hafner wissen Sie, wie relevant mehrjährige Budgets für die Bestimmung der Risikofähigkeit sind und welche Optionen zur Lösung des Dilemmas zwischen Nullzinsen und Risikoangst bestehen.

Methodik

  • Wissensinput mit Diskussion
  • Berechnung Risikofähigkeit mit ALM-Methode

Weitere Informationen und Anmeldung

Workshop – Wirkungsvolles Stiftungsfundraising | 16. April 2019

NPO-Management Workshop mit Peter Buss, NonproCons

Auch im Stiftungsfundraising hat sich der Wettbewerb unter den Gesuchstellern verschärft. Falsch aufbereitete und schlecht dokumentierte Gesuche wandern in den Papierkorb.

Wie kann ich mir da Gehör verschaffen?
Wie gehe ich richtig vor?

Der Workshop vermittelt grundsätzliches Wissen zum Fundraising mit Förderstiftungen und worauf man bei der Gesuchstellung besonders achten sollte und zeigt Ihnen die „State of the Art“ des heutigen Stiftungsfundraisings. Inhalt: Es kommen u.a. die folgenden Fragen zur Sprache:

  • Eignet sich mein Projekt oder Vorhaben, um es Förderstiftungen vorzulegen?
  • Wie sieht eine gute Projektdokumentation aus, die man den Förderstiftungen vorlegt (Inhalt, Umfang, Darstellung)?
  • Wie sollte das Begleitschreiben verfasst sein?
  • Wie führe ich den Erstkontakt durch?
  • Wie geht man mit Absagen um?
  • Wie verdanke ich den Beitrag?
  • Was tut man, um den Kontakt zu halten?

Sie erhalten schliesslich auch Einblick in modernste Recherche-Tools und diskutieren die Vorteile und Nachteile der verfügbaren Informationsquellen. Spezial: Persönliche Nachbetreuung durch individuellen Check-Up Ihrer überarbeiteten Gesuchsunterlagen.

Ziele des Workshops sind:
Sie wissen, wie Stiftungsfundraising funktioniert / Sie kennen die wesentlichen Elemente des Fundraising-Mix und können diese für das Fundraising bei Förderstiftungen einsetzen / Sie wissen, wie ein gutes Gesuch an Förderstiftungen aufgebaut ist und können dieses Wissen auf die eigene Situation anwenden. Methodik: Wissensinput mit Diskussion; selbständige praktische Arbeit am eigenen Projekt mit Präsentation

Weitere Informationen zum Workshop

Anmeldung

Wirkung strategisch denken

Wirkungsmessung ist seit zwei Jahrzehnten ein wichtiges Thema in der Förderung. Dies hat zur grundsätzlichen Aussage geführt, dass NPO wirkungsorientiert arbeiten sollen. Doch wenn dies so ist, dann reicht es nicht, in Projekten jeweils eine Wirkungserhebung einzuplanen. «Wirkungsorientiert» ist ein strategischer Begriff.

Werden heute Projektkonzepte und Fördergesuche geschrieben, so gehört ein Evaluationskonzept dazu. Die Geschichte begann mir der Kosten-Nutzen-Analyse der 60er-Jahre, ging weiter zum Logframe der 80er und der Sozialbilanz der 90er und wird heute, vom Randomised Control Trial bis zum SROI, in einer grossen Breite durchgespielt. Doch nur auf Grund einer Wirkungsanalyse in einem Projekt ist noch keine Organisation «wirkungsorientiert».

Quelle: Kursbuch Wirkung, Edition Schweiz, 2018

 

Wirkung als Querschnittaufgabe

Die Kernfrage jeder NPO ist, ob sie an den Verhältnissen etwas ändern, das heisst: «Machen wir einen Unterschied?» Wenn nicht, kann man den Betrieb getrost einstellen, auch wenn die NPO regelmässig einen Gewinn erwirtschaftet. Finanzieller Bestand ist höchstens Mittel zum Zweck, es ist keine Legitimation für die Existenz einer NPO.

Um Wirkung zu erreichen, braucht es mehr als ein Wirkungsmodell in jedem Projektkonzept und eine Messübung. Die Aufgabe muss grundsätzlich angegangen werden, zuallererst auf der strategischen Ebene.

 

Strategisch: Teil 1 – die Grundlagen schaffen

  1. Wirkungsziele
    Welches sind unsere konkreten Wirkungsziele für die nächsten Jahre, abgeleitet von unserem Zweck, der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung und Erkenntnissen aus Forschung und Facharbeit?
  2. Wirkungsmodell
    Welche Vorstellung haben wir, wie wir diese Wirkungsziele erreichen? Es braucht eine Theory of Change für die Arbeit der ganzen Organisation.
  3. Interventionsebene
    Auf welcher Ebene fördern oder arbeiten wir? Fördern wir Forschung, um das notwenige Wissen zu erarbeiten? Fördern wir neue Arbeitsansätze in Projekten oder die Sicherung und Ausbreitung von bewährten Angeboten? Oder ermöglichen wir den gesellschaftlichen Dialog?
  4. Eigene Kompetenz
    Welche Kompetenz und Personal sind bei uns notwendig – ob Förderer oder umsetzende NPO – um mit dem gewählten Wirkungsmodell und der angestrebten Interventionsebene Wirkung erzielen zu können?

 

Strategisch: Teil 2 – Die Erkenntnisse nutzen

Hat man diese strategischen Schritte gemacht, beginnt erst jener Teil der Arbeit, der im Bereich Wirkungsanalyse bisher abgehandelt wird.

Nach dieser Analyse sind jedoch wichtige weitere Schritte zu leisten, wie die Überprüfung der Ziele, die Nutzung für das interne Lernen und der Einsatz der Erkenntnisse für die Kommunikation.

Oft ist Wirkungsanalyse reine Legitimierungsarbeit. Wollen wir dem Begriff der wirkungsorientierten Arbeit näherkommen, müssen wir diese Aufgabe strategisch verstehen. Wir brauchen – so wie Profitunternehmen ein Finanzmanagement – ein Wirkungsmanagement für NPO.


Wenn Sie sich fundiertes Wissen aneignen möchten, empfehlen wir die Teilnahme am «Zertifikatslehrgang Wirkungsmanagement in NPO». In diesem Lehrgang lernen Sie auf effiziente und kompakte Art die Grundzüge der wirkungsorientierten Arbeit – von der strategischen Projektplanung bis hin zur gezielten Nutzung der Wirkungsdaten in der Kommunikation und internen Weiterbildung. Informationen und Anmeldung

Mehr Transparenz bei der Nachfolge in Stiftungen

Niemand weiss, wie viele Stiftungen in den nächsten Jahren ihre Nachfolge regeln müssen. Wegen der demographischen Veränderung dürfte sich die Zahl in Analogie zu den Unternehmensnachfolgen bewegen. Zieht man die in der NZZ publizierten Zahlen zum Unternehmertag zu Rate, muss rund ein Achtel der Unternehmen1 ihre Nachfolge regeln. Umgelegt auf die rund 13’000 Stiftungen in der Schweiz wären das 1’625 Stiftungen mit Bedarf für die Nachfolgeregelung.

Die Nachfolge bei Stiftungen zu regeln, bedeutet zugegebenermassen nicht dasselbe wie bei Unternehmen, da bei Stiftungen keine Eigentumsnachfolge notwendig ist. Hingegen haben die Leitungsorgane von Unternehmen und Stiftungen das gleiche ‚Ablaufdatum’. Insofern ist die Zahl von 1’625 Stiftungen vermutlich sogar zu tief geschätzt, da wohl im Durchschnitt mehr als ein Stiftungsratsmitglied in den nächsten Jahren ersetzt werden muss.

Stiftungen sind schwach reguliert. Die Aufsicht muss im Grundsatz nur eingreifen, wenn eine Stiftung ihren Zweck nicht mehr erfüllt. Sie kann die Steuerbefreiung entziehen, oder wenn dauerhaft keine Zweckerfüllung mehr möglich erscheint, die Auflösung prüfen. Da die allermeisten Stiftungen wegen der steuerlichen Privilegien im öffentlichen Interesse stehen bzw. stehen müssten, sind Unvereinbarkeiten wegen der schwachen Regulierung ernst zu nehmen.

Unternehmen mit einem öffentlichen Interesse, wie börsenkotierte Aktiengesellschaften, werden regulatorisch oft hart an die Kandare genommen. Selbst an reine Empfehlungen, wie der Swiss Code of Best Practice, müssen sie sich halten, da sie sonst de facto vom Kreditmarkt ausgeschlossen werden. Im Gegensatz dazu die Stiftungen, welche auf freiwilliger Basis den Empfehlungen des Swiss Foundation Code folgen können, aber bei Nichtbeachtung nicht mit (Markt-)Sanktionen rechnen müssen.

Zwei Mal öffentliches Interesse und trotzdem wird in gleich wichtigen Governance-Fragen unterschiedlich reguliert. Das ist unschön, insbesondere wenn es um die Besetzung der Leitungsorgane geht. Kapitalgesellschaften und Vereine verfügen über einen Wahlkörper und zweistufige Leitungsorgane. Stiftungen oft nur über eine Stufe, weshalb der Stiftungsrat selbst die Geschäfte führt und seine Nachfolger ernennt. Das ist eigentlich störend, da der Stiftungsrat schliesslich der Garant für die Einhaltung und Ausübung des Stiftungszwecks ist. So sollte wenigstens Transparenz darüber herrschen, wie die Nachfolger gesucht und gefunden werden.

Es wäre nicht zu viel verlangt, wenn Stiftungen ihre Nachfolge mit öffentlichen Ausschreibungen regeln müssten, und die Aufsicht oder – bei revisionspflichten Stiftungen – der Wirtschaftsprüfer dieses Vorgehen prüfen müsste. Bei ca. 500 Nachfolgefällen2 pro Jahr, wäre das keine grosse zusätzliche Last, würde aber das öffentliche Ansehen und das Vertrauen in den Stiftungssektor stärken.

20 Fakten zum Unternehmerland Schweiz, NZZ-Verlagsbeilage vom 20. Februar 2019, S. 4 und 5. Gemäss einer Analyse von Bisnode D&B müssen 73’786 Schweizer Unternehmen in den nächsten Jahren ihre Nachfolge regeln, und das BFS zählte 2016 601’755 Unternehmen.
1625 Nachfolgefälle mal 1,5 (Anzahl zu ersetzende Stiftungsratsmitglieder) verteilt über ca. 5 Jahre.

«Foundrising» und andere Missverständnisse

«Fundraising» kann auf verschiedene Arten geschrieben: korrekt wie soeben gerade, kreuzfalsch wie im Titel, oder dann andersfalsch als «Fundrising» resp. als «Foundraising». Allen vier Schreibweisen bin ich in Gesuchen begegnet, die ich in den Jahren meiner Tätigkeit für eine grosse Förderstiftung bearbeitete. Der Begriff, aber auch das, was dahintersteht, stiftet offensichtlich Missverständnisse.

Wörter schaffen Fakten
Deshalb, liebe Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller, verwendet Ihr in Euren Förderanträgen das Wort Fundraising am besten überhaupt nicht. Dieser Begriff ist nämlich etwas kontaminiert. Zumindest bei den hiesigen Förderstiftungen kommt Fundraising etwa so herüber, wie es die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen erwarten lässt: als ein Synonym für «Geldauftreiben». Und für eine so platte formulierte Interaktion mögen sich nicht alle Stiftungen recht hergeben. Sprecht deshalb in Euren Gesuchen lieber nur von «Mittelbeschaffung».

Liebe Fundraiserinnen und Fundraiser, Ihr übt einen wichtigen Beruf aus. Leider aber hat Eure Berufsbezeichnung in gewissen Kreisen ein Image-Problem. Mag sein, dass Eure allerersten Berufskollegen dafür verantwortlich sind, welche in den 1980er oder 1990er Jahren mit diesem neuen Begriff auch ein etwas spezielles Geschäftsgebaren in die Schweiz brachten. Ich weiss bloss, dass das Image-Problem dieses Begriffes real ist. Gerade kürzlich hat mir ein Mitarbeiter einer bedeutenden Stiftung mit einer Mischung aus Ergötzen und Befremden gesagt, es hätte sich doch vorhin tatsächlich jemand am Telefon als Fundraiser vorgestellt.

Diese Tätigkeits- respektive Berufsbezeichnung leidet beispielsweise unter ihrer begrifflichen Eindimensionalität. Fundraising ist ja viel mehr als bloss hinter dem Geld her Laufen. Der entsprechende Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia zeigt die thematische Breite der Tätigkeit des Fundraising und somit der Ansprüche an die Fundraiser gut auf. – Wieso kommt dann fast nur der finanzielle Aspekt herüber?

Feedbacks für Fundraiser
Weil ich das genauer wissen wollte, machte ich vor einiger Zeit bei damaligen Geschäftsführerkollegen grösserer Schweizer Förderstiftungen im Abstand von vier Jahren zwei Sondierungen zu jeweils nachfolgenden drei Fragen. Ich tat diese im Rahmen von Vorbereitungsarbeiten für Referate.

  1. «Welche Erfahrungen haben Sie im Rahmen Ihrer Stiftungsarbeit mit Fundraisern gemacht?»
  2. «Was ist Ihre Meinung zur Zusammenarbeit mit Fundraisern?»
  3. «Welche generellen oder speziellen Mitteilungen sollte ich den Fundraisern unbedingt überbringen?»

Das Umfrageresultat war – sagen wir – durchzogen. Auch wenn ich hier zu jeder Frage bloss je eine einzige, repräsentative Antwort aus den Geschäftsführungsetagen der Förderstiftungen zitiere, werden Sie realisieren, dass die Fundraising-Szene noch etwas an ihrer Aussenwahrnehmung arbeiten sollte, dass sie vor allem den vielfältigen kommunikativen Aspekten ihrer Arbeit einen stärker reflektierten Stellenwert geben sollte:

«Unklar in meiner Erfahrung ist die ethische Seite: Die Raiser, die ich erlebt habe, waren «money driven», waren aufs Geld aus. Und das bringt dieser Branche, die von der Reputation lebt, langfristig keinen Erfolg.» (Eine der Antworten auf die Frage 1).

«Ich werde oft von Fundraisern kontaktiert. Dabei stelle ich meist fest, dass sich diese Personen mit den Grundlagen unserer Stiftung vorbereitend nicht oder nicht ausreichend auseinandergesetzt haben. Oft wird dieser Mangel an Wissen acquisitions-rhetorisch kompensiert. Weiters fällt auf, dass den Fundraisern oft ein inneres Verständnis, eine Detailkenntnis und auch ein Commitment für das Projekt fehlt, für das sie Geld sammeln.» (Eine Antwort auf Frage 2).

«Sehen Sie sich als Handelsreisender, der gute Produkte/ Projekte einem möglichen Interessenten vorstellt. Stellen Sie sicher, dass der Geldgeber diejenigen Informationen erhält, die er tatsächlich braucht. Und gehen Sie davon aus, dass der Inhalt zählt, nicht die Verpackung.» (Eine der Antworten auf Frage 3).

Guter Rat ist nicht teuer
Platzen Sie also nicht mit dem Begriff Fundraiser hinein, wenn sie sich für eine Projektfinanzierung einsetzen. Camouflieren Sie halt ein bisschen durch die Verwendung von Begriffen wie Mittelbeschaffung, Förderpartnerschaften, Spendenmarketing etc.

Es fällt Ihnen kein Stein aus der Krone (es entgeht Ihnen höchstens etwas Umsatz) wenn Sie die Fördergesuche nicht in jedem Fall selber verfassen, sondern Grundlagen und Texte vonseiten der Auftraggeber einfach redigierend-disziplinierend in die geeignete Form bringen. Authentizität bringt vermutlich grösseren Erfolg als aufgepimpter Fundraiser-Sprech.

Sie müssen sich als Fundraiser nicht zwingend in den Vordergrund stellen. Oft können Sie im Hintergrund – dann halt mit tieferem Profil – genauso effektiv agieren. Wenig spricht dagegen, dass dabei im Gesuch angemerkt wird, die Gesuchsteller würden bei der Mittelbeschaffung beispielswese durch Frau xy von der Firma z unterstützt.

In diesem Falle – und vielleicht überhaupt – sollte in den Gesuchunterlagen klargestellt werden, dass keine der mit der Mittelbeschaffung betrauten Personen auf Provisionsbasis entschädigt wird (womit dann stipuliert wird, dass dies nach Aufwand geschieht – oder gar unentgeltlich, was dann auf jeden Fall einer Erwähnung wert wäre). Bei gewissen Konstellationen empfiehlt es sich, ausdrücklich auf die «Ethischen Richtlinien für das Fundraising» von Swissfundraising Bezug zu nehmen.

Selbstverständlich gibt es viele Anlässe resp. Gelegenheiten, die den persönlichen Kontakt der Fundraiserin oder des Fundraisers mit dem potentiellen Geldgeber erfordern. Diese entscheiden ja nicht immer ausschliesslich «sur dossier». Dann gilt es, die kommunikativen Fähigkeiten einzusetzen. Zu diesen zähle ich einerseits das Talent, zu überzeugen und dabei aufs Überreden zu verzichten, andererseits die Gabe, authentisch zu bleiben und sich nicht in irgendeine rhetorische Euphorie zu flüchten. Zum ausgewogenen Kommunizieren gehört, das Gegenüber nicht zu bedrängen, selber dagegen in gewissem Sinne «loszulassen».

Ganz zum Schluss nur noch dieses hier: Guter Rat ist sogar gratis! Wenn Sie «Das perfekte Gesuch» mit seinen vielen do’s und don’ts herunterladen und auch beherzigen, dann können Sie als Fundraiser, pardon als Spendenberater, eigentlich nichts falsch machen.

Fotografie: Anita Affentranger anlässlich der Ausstellung «Geld» im Stapferhaus

Wer hat, dem wird gegeben?!

Wie kommt es, dass eine renommierte, seit 40 Jahren bestehende Stiftung seit ihrer Gründung einfach nicht zu Geld kommt und auch professionell umgesetztes Public Fundraising keinen Ertrag bringt? Fehlt es an Betroffenheit? Im Fall dieser Stiftung überhaupt nicht: In der aktuellen repräsentativen Umfrage in der Schweiz sagt jede fünfte Person, dass sie in den letzten 12 Monaten betroffen war und selbst gelitten hat. Und neun von zehn Befragten bemerken, dass sie betroffene Personen im nahen Umfeld kennen.

Haben Sie das Thema erkannt?

Ja, es geht um psychische Erkrankungen. Psychische Störungen betreffen viele und verursachen hohe Kosten, nicht nur in der Krankenversicherung sondern auch in der Wirtschaft. Und ja, man könnte etwas tun. Viele psychische Erkrankungen sind behandelbar. Betroffene Menschen können wieder gesund werden, wenn sie Zeit und Sicherheit bekommen, ihren Genesungsweg zu suchen und selbst zu gehen. Und wenn früher geholfen würde, wäre die Behandlung oft kürzer und einfacher.

In den Medien und in Fachkreisen hat das Thema Konjunktur. Viele sehen, dass die Schweiz ein Problem mit der psychischen Gesundheit hat. Die Meisten finden, «man» sollte etwas tun. Nun, da gibt es eine bewährte Stiftung, die sich seit 40 Jahren des Themas annimmt, die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen ins Zentrum stellt und sich für ihre Rechte einsetzt. Eine Stiftung, die viele Ideen hat und eine Menge davon schon in die Praxis umgesetzt hat. Eine Stiftung, die gut ins Ausland vernetzt ist und Projekte kennt, die im Anderswo wirken. Und hierzulande Pilotprojekte lancieren möchte. Eine Stiftung, die nach neuen Wegen sucht, weil sie nicht glaubt, dass „mehr vom Selben“ als Lösung für die Zukunft taugt.

Aber, kein Geld. Das beste Testmailing zur Spendergewinnung hat gerade mal 50% der Portokosten gedeckt. Fazit der Profis: Es ist zu früh, man kennt euch zu wenig gut und das Thema ist immer noch stark tabuisiert.

Also, institutionelles Fundraising! Eine Analyse der Themen von Förderstiftungen bringt nur wenige Treffer für psychische Gesundheit, aber viele für Gesundheit allgemein. Bei Neugründungen von Stiftungen stehen die Themen Alzheimer und Krebs zuoberst auf der Liste. Unsere Themen kommen fast nie vor. Offenbar orientieren sich viele daran, was die andern tun und tun dann eben auch mehr vom Selben. Und so kommt es, dass einzelne Organisationen im Geld schwimmen und gewisse Themen überfinanziert sind und es neue und zudem tabuisierte Themen schwer haben und chronisch unterfinanziert sind, obwohl gerade am Anfang eines Konjunkturzyklus neues Geld mehr Effekt produzieren würde als später.

Seit neun Monaten arbeiten wir gemeinsam und finanziert mit der Beisheim Stiftung an einem Präventions- und Früherkennungsprogramm und im Dezember 2018 hat uns die Swiss Re Foundation als «Charity of the Year» gewählt und damit ein Zeichen für Engagement für psychische Gesundheit gesetzt! Es gibt sie also, die pionierhaften Unternehmen, die den Mut haben, unpopulären Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, dem hoffentlich andere folgen werden. Denn eines muss allen klar sein: Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit!