Wie zufrieden sind Ihre Mitarbeitenden?

Die Mitarbeiterzufriedenheit ist der Nr. 1 Erfolgsfaktor für wissensbasierte Organisationen. NPO gelingt es besonders gut ihre Mitarbeitenden zu motivieren. Aber wird diese Stärke auch gepflegt und regelmässig analysiert?

Für Business-Leute gilt: „You can’t manage what you can’t measure.“ In allen Management-Zahlen steckt aber der „Fluch der Effizienz“. Unternehmen konzentrieren sich so sehr auf Effizienz, dass sie über die Effektivität straucheln. Anstatt sich auf ihr Kernziel zu konzentrieren, achten sie zu sehr auf begrenzte Messgrössen wie Kostensenkung etc. Aber noch relevanter: Das Streben nach Effizienz kann Manager so kaltschnäuzig machen, dass sie Dinge mehr mögen, als sie Menschen mögen. Würden alle Mitarbeitenden durch Roboter ersetzt, wäre die Führung eines Geschäfts viel einfacher. Auch wenn nicht alle so krass denken, so zeigt der Begriff „Human Ressources“ doch die latente Versuchung, Menschen in Dinge zu verwandeln.

In meinem Blog-Beitrag vor eineinhalb Jahren habe ich dargelegt, was die „For-Profit“-Welt von den NPO in den Bereichen Mitarbeitermotivation und Marketing lernen kann. Ich denke, das hat sich sogar noch verstärkt – vor allem in der Mitarbeiterführung.

Da NPO mit vergleichsweise wenig Zahlen ihr Geschäft führen müssen, müssen sie mehr ihren Mitarbeitenden vertrauen. Der positive Effekt: höhere Mitarbeitermotivation. Die Mitarbeiterzufriedenheit hat einen wesentlichen positiven Zusammenhang mit der Kundenbindung und einen negativen Zusammenhang mit der Mitarbeiter-Fluktuation. Nicht erstaunlich, aber gut zu wissen, dass das erst kürzlich erneut nachgewiesen wurde. Die Studie basierte auf Daten des Meinungsforschungsinstituts Gallup und umfasst 1,9 Millionen Mitarbeitende in 230 verschiedenen Organisationen in 73 Ländern.

Korrelation beweist natürlich keine Kausalität. Es könnte sein, dass die Arbeit für ein erfolgreiches Unternehmen die Mitarbeiter zufriedener macht als umgekehrt. Frühere Studien konnten jedoch zeigen, dass Verbesserungen der Arbeitsmoral einer Produktivitätssteigerung vorausgehen – eher als umgekehrt.

Es lohnt sich also herauszufinden, wie zufrieden die Mitarbeitenden sind, und wie sich die Zufriedenheit über die Zeit verändert. Und obwohl oder gerade weil NPO in diesem Bereich besser als For-Profit-Organisationen sind, macht es Sinn dieser Stärke besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Aber wie? Im Internet bin ich auf einen Service gestossen, den es sich zu testen lohnt. „Friday“. „Friday“ gibt es seit letztem Jahr. Und ihre Kundenliste ist schon ziemlich beeindruckend.

Für NPO gilt zwar oft: „You must manage what you can’t measure.“ Und das kann sogar ein Vorteil sein, um nicht dem „Fluch der Effizienz“ zu verfallen. Bei der Mitarbeiterzufriedenheit allerdings dürfte es ich lohnen, regelmässig über den Stand orientiert zu sein.

Anmerkung des Autors: Ich bin weder an Friday beteiligt, noch habe ich den Service ausprobiert. Erfahrungsberichte sind als Kommentar auf diesem Blog willkommen.
Artikel teilweise in Anlehnung an „The curse of efficiency“ und „Employee happiness and business success are linked“, The Economist 27. Juli und 1. August 2019

📌 Tipp: „Friday“ misst wöchentlich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, analysiert sie und leitete das Resultat anonym an alle in der Organisation zurück. „Friday“ gibt auch Empfehlungen zur Verbesserung. Damit werden die Teams ermutigt, jede Woche über ihre Ergebnisse zu sprechen und zu diskutieren, was in der nächsten Woche verbessert werden könnte.

Wie gelingt ein gutes Wissensmanagement innerhalb einer Organisation?

Man sieht es fast schon vor dem inneren Auge, das kollektive Haare-Raufen beim Stichwort Wissensmanagement. Zugegeben, der Umgang mit Wissen innerhalb einer Organisation ist keinesfalls einfach – doch gibt es genügend niederschwellige Formen, die dies erleichtern.

Wir leben in einer Wissensgesellschaft und als besonders wissensintensive Organisationen kommen auch – oder gerade – Nonprofit-Organisationen (NPO) nicht um die Frage herum, wie sie mit ihrem Wissen umgehen sollen. Insbesondere zwei Gründe sprechen für einen bewussten Umgang mit dem Thema Wissen: Organisationen setzen sich aus Individuen zusammen, was die Umwandlung von individuellem in kollektives Wissen erfordert. Zudem hilft Wissensmanagement NPO dabei, ihre eigenen Praktiken bewusst zu überdenken und weiterzuentwickeln, wodurch die Effizienz und Effektivität beim Schaffen sozialen Nutzens gesteigert wird.

Wie muss man sich Wissensmanagement vorstellen?

In der Literatur lassen sich verschiedenste Modelle finden, welche Wissensmanagement in einer idealtypischen Form darstellen (siehe Fussnote). Eine Gemeinsamkeit sticht dabei ins Auge: Wissensmanagement ist kein stufenförmiger Prozess mit klarem Anfang und Ende, sondern sollte als ein sich stets wiederholender Kreislauf verstanden werden. Zusammengefasst geht es darum, durch geeignete Mechanismen das Wissen der Individuen zu Wissen der Gesamtorganisation zu machen und damit wiederum die Fähigkeiten aller Mitarbeitenden zu fördern und weiterzuentwickeln. Besonders deutlich macht dies die sogenannte Wissensspirale von Nonaka und Takeuchi:

Schön und gut, aber wie macht man das?

Ernstgemeintes Wissensmanagement passiert nicht von allein. Mitarbeitende müssen bereit sein, ihr Wissen weiterzugeben und neues Wissen zu nutzen und natürlich müssen sie Zeit hierfür haben. Dies alles erfordert ein ernsthaftes Bekenntnis der Organisation zum Wissensmanagement, eine Organisationskultur, welche dies unterstützt und das Schaffen genügend grosser Freiräume für Mitarbeitende, sich mit dem eigenen Wissen und dem Wissen ihrer Mitarbeitenden beschäftigten zu können. Finanzielle Ressourcen sind in der NPO-Welt ein knappes Gut, daher geht es realistischerweise primär darum eine offene – eher informelle – Austauschkultur zu fördern und Transparenz bezüglich personalisiertem Wissen der Mitarbeitenden zu gewährleisten:

 

  • Schaffen Sie Möglichkeiten für informellen Dialog, beispielsweise im Rahmen offener Veranstaltungsformate oder durch die Förderung informeller Gespräche in den Büro-Gängen. Der Austausch von Geschichten ist ein einfaches, starkes und identitätsförderndes Mittel, um Wissen in der Organisation zu sammeln und zu verbreiten.
  • Ermöglichen Sie das Festhalten von Erfahrungswissen. Beispielsweise könnten Mitarbeitende während oder nach Veranstaltungen oder Projekten Kurzzusammenfassungen in schriftlicher, Film- oder Audioform für das Team zur Verfügung stellen. Auch die Nutzung von (knapp gehaltenen) Wikis oder Blogs ist relativ unkompliziert und ermöglicht eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Wissen und dem der Mitarbeitenden.
  • Stellen Sie sicher, dass Mitarbeitende wissen, wer welches Wissen besitzt. Eine «Wissensträger-Landkarte» kann hier eine gute Option sein.
  • Ziehen Sie den Einsatz eines internen Mentoring-Systems in Betracht. Insbesondere bei Neueintritten und bei bevorstehenden Austritten kann dies als wichtiges Instrument zur Wahrung von Wissen in der Organisation dienen.

Lettieri, E.; Borga, F.; Savoldelli, A. (2004). Knowledge management in non-profit organizations. Journal of Knowledge Management, Vol. 8(6), 16–30.

Nonaka, I.; Takeuchi, H. (2012). Die Organisation des Wissens: Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen. 2. Auflage, Frankfurt am Main: Kampus Verlag.

Probst, G.; Raub, S.; Romhardt, K. (2012). Wissen managen: Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen. 7. Auflage, Wiesbaden: Springer Gabler.

Wissensmangement in Nonprofit-Organisationen ist Teil des CAS Nonprofit Governance & Leadership des CEPS

Alles hat seinen Preis und jedes seinen Award

Die Kulturschweiz feiert dieses Jahr das Zentenarium der Verleihung des ersten Nobelpreises für Literatur an einen Schweizer – an Carl Spitteler. Unser Kulturminister Alain Berset beehrte im Frühjahr den Festakt zu Spittelers Ehren in Liestal, wo im Dichter- und Stadtmuseum noch bis Ende Jahr eine sehenswerte Ausstellung über den Nobelpreisträger von 1919 zu sehen ist. Der Nobelpreis in allen seinen Sparten ist die Mutter aller Preise und hat entsprechend auch Nachahmer gefunden.

Preisende und Bepreiste

Was die von einer schwedischen resp. von einer norwegischen Stiftung vergebenen Nobelpreise auszeichnet, das sind die profilierten Fachjurys mit ihren Long- und Shortlists, die jeweilige starke Themenfokussierung, die hohen Preissummen, die breiten Medienechos und – meistens – der Netzwerkgedanke (im Fall der Nobelpreise z. B. über die Lindau Nobel Laureate Meetings). Nicht jeder Preis kann auf diese Stärken zählen. Letzthin war ich an der Übergabefeier eines internationalen Kulturpreises, vergeben von einem Stiftungsrat ohne Fachjury, und zwar in einer Länderrotation und zu wechselnden Sparten, dazu noch undotiert und im Rahmen einer sponsorfinanzierten Feier verliehen. So etwas kommt mir vor wie ein «ungedeckter Check».

Preise und Awards bieten den damit ausgezeichneten Personen oder Institutionen viel Prestige in der Öffentlichkeit und hohes Renommee innerhalb ihrer eigenen Disziplin (dies über den pekuniären Wert der Preissumme und zusätzliche geldwerte Leistungen hinaus). Auf diese Weise bilden Preise eine Art «Image-Währung» (die dann in Porträts auf Instituts-Websites oder auf Wikipedia aufgelistet und damit bilanziert werden). Wer Preise vergibt, der kann sich aber auch selbst im reflektieren Glanz der Ausgezeichneten sonnen. Dieser Image-Austausch von Preisenden auf Prämierte und wieder zurück ist ein ganz wichtiger Grund für die inflationäre Zunahme dieser Projekttypen: Heute hat ja fast alles und jedes seinen Preis oder seinen Award.

Preise ohne Wirkung sind nutzlos

Dabei können viele nicht ganz systematisch konzipierte Preise die Kriterien eines echten Projekts kaum erfüllen. Regula Wolf hat anlässlich des SwissFoundations-Symposiums Ende Mai den wirkungsorientierten Förderprozess dargelegt: Bedarfsanalyse > Definition der Wirkungsziele > Massnahmenentwicklung für die Veränderungsprozesse > Überprüfung der Wirkungslogik durch Evaluation > Anpassung nach Lernprozess. Wie viele Preise können sich auf derartige Prozesse berufen?

Zwei bedeutende Schweizer Preise von zwei Vergabestiftungen, die einen solchen strukturierten Förderprozess aufgebaut waren, sind in den letzten Jahren aufgegeben worden: der Binding Waldpreis und der Age Award. Der nach 30 Jahren eingestellte Preis der Sophie und Karl Binding Stiftung (1987 u.a. ausdrücklich zur Profilierung der damals wenig bekannten Basler Stiftung ins Leben gerufen) hatte seine Ziel erreicht: die Etablierung vorbildlicher, nachhaltiger Methoden zur Pflege und Bewirtschaftung unserer Wälder zu unterstützten. Der Award der Age Stiftung in Zürich, die sich für gutes Wohnen im Alter einsetzt, wurde nach zehn Jahren resp. nach fünf Verleihungen eingestellt, weil seine Wirkungsintentionen in der «Szene» missverständlich aufgefasst wurden: Die Stiftung betrachtete die von ihr ausgezeichneten Wohnbeispiele als beachtenswerte Exempel; die Umsetzer von Wohnprojekten für das Alter als Zielgruppen des Awards fassten diese als zu kopierende Modelle auf, die sich freilich nicht überall gleichermassen bewähren konnten.

Preise brauchen Öffentlichkeit

Kommunikation für Preise und Awards wäre ein langer eigener Beitrag wert, dient sie doch dazu, die Intentionen derartiger Auszeichnungen weit zu verbreiten. Aufwendungen für Preisverleihungen ohne mediales Echo oder ohne Response in der jeweiligen Fachschaft kommen einer Ressourcenverschleuderung gleich. Dann lieber gleich den ganzen finanziellen Einsatz in reine Projekte investieren.
Mit der Medienberichterstattung zu Preisen sprechen wir sowieso einen problematischen Punkt an. Die überbordende Zahl von Preisen, über die berichtet werden soll, überfordert das mediale Platzangebot bei weitem und hat schon längst dazu geführt, dass bestimmte Medien nur noch höchst selektiv über Preisverleihungen berichten. Der absolute Medienliebling unter den schweizerischen Preisen ist der seit 1972 vom Schweizer Heimatschutz ausgelobte Wakkerpreis, der am 29. Juni an die Stadt Langenthal verliehen wird.

Prize vs. Award

Preise und Awards sind begrifflich nicht streng voneinander zu trennen. Der englische, und für unsere Ohren deshalb modern klingende Ausdruck «Award» transportiert wohl auch etwas von Wettbewerb und Bewerbung und von objektiv Juriertem. Beim «Preis» hingegen schwingt etwas von «Vergaben» mit und vom Daumenrunter- oder -hochhalten des Preisgerichts. In den sozialen und in den übrigen Medien ist die Dauerpräsenz jedweder Awards auffällig. Unverkennbar ist auch die Absicht der jeweiligen «awarder», mittels lautstark inszenierter Auszeichnungen ihre eigene Branche oder eigene Unternehmung zu «hypen». Ohne laut Sprecher lässt sich im heutigen Gewusel der vielen Prizes und Awards kaum mehr Gehör finden, ausser vielleicht dieser Lautsprecher ist ein prominenter Laudator.

Literatur: Pionierhaft (und immer noch auf einsamer Flur) ist die Publikation von Georg von Schnurbein und Sara Stühlinger vom CEPS der Universität Basel aus dem Jahr 2010: «Ausgezeichnet! Preise, Awards und Auszeichnungen von Schweizer Stiftungen planen, gestalten und kommunizieren».

 

Fotografie: Vorder- und Rückseite der Nobelpreismedaille von Carl Spitteler, 1919
© Dichter- und Stadtmuseum Liestal

Compliance bei Stiftungen und Vereinen – Massnahmen für die Praxis | 4. Juli, Winterthur

Excellence in Compliance
“If you think compliance is expensive, try non compliance.” 

Stiftungen und Vereine sind im In- und Ausland Compliance-Risiken ausgesetzt und werden mit Compliance-Verstössen konfrontiert. Ein solcher Compliance-Verstoss kann zu Bussgeldern, persönlicher Haftung und enormen Reputationsschäden führen. Professionelle Compliance-Management-Systeme schützen das aufgebaute Vertrauen und erlauben, den Stiftungs- oder Vereinszweck weiter zu fördern.

An der von der ZHAW und StiftungSchweiz.ch organisierten Fachtagung, vermitteln renommierte Expertinnen und Experten und erfahrene Praktikern wertvolles Wissen über erfolgreiche präventive und reaktive Strategien zur Vermeidung von Compliance Risiken, wie z.B. Korruption.

Programm – 4. Juli 2019
9.00 – 17.00 Uhr, Winterthur

Themen und Referenten

I – UNTERSUCHUNG UND AUFARBEITUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Untersuchung und Aufarbeitung von Compliance-Vorfällen bei NPOs
    Rita Pikó, ZHAW School of Management and Law
  • Die Sicht der Finanzkontrolle – Erfahrungsbericht aus untersuchten Schweizer Stiftungen
    Eris-Serge Jeannet, Eidgenössische Finanzkontrolle
  • Risiken eines Reputationsverlustes – Erfahrungsbericht aus einem medienwirksam begleiteten Compliance-Vorfall
    Dirk Reinsberg, Oxfam Deutschland
  • Gelebte Compliance – Erfahrungsbericht einer global verlinkten Schweizer NGO
    Omer Güven, Save the Children Schweiz

II – MASSNAHMEN ZUR ERKENNUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Hinweisgebersysteme und der Gesetzentwurf zu Whistleblowing
    David Rüetschi, Bundesamt der Justiz
  •  Panel-Diskussion | Braucht es eine Ombudsstelle für NPOs in der Schweiz?
    Moderation: Rita Pikó, ZHAW School of Management and Law Peter Buss, StiftungSchweiz.ch
    François Geinoz, proFonds
    Lukas von Orelli, SwissFoundations
    David Rüetschi, Bundesamt für Justiz
    Bruno Studer, Helvetas Swiss Intercooperation

III – MASSNAHMEN ZUR VORBEUGUNG VON COMPLIANCE-VORFÄLLEN

  • Interne Kontrollsysteme für NPOs
    Markus Fivian, CREA Trust reg.
  • Sorgfaltsmassnahmen bei der Annahme von Spenden
    Christoph Degen, proFonds, Dachverband der gemeinnützigen Stiftungen der Schweiz
  • Abschluss der Tagung
    Reto Steiner, ZHAW School of Management and Law

Networking-Apéro

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Dokumenten-Management-Systeme: Die vier grössten Vorurteile

62’200 Personen engagieren sich als Stiftungsräte. Im Durchschnitt sind 5.3 Personen in einem Stiftungsrat – meist auf ehrenamtlicher Basis. Und gerade einmal 12.7 % aller Stiftungen haben eine angestellte Geschäftsführung1.1

Mit anderen Worten bis zu 11’500 Stiftungen bewahren ihre Dokumente bei einem ihrer Stiftungsräte auf. Das Gros der Stiftungsräte kann aber darauf nicht jederzeit zugreifen. Zudem besteht ein Datenverlust- und -sicherheitrisiko, dass so hoch nicht sein müsste. Denn es gibt einfache und günstige Digitalisierungslösungen, so genannte Dokumenten-Management-Systeme (DMS).

Dokumenten-Management-Systeme (DMS) sollen Organisationen helfen, Papierberge per Mausklick zu digitalisieren. Trotzdem schrecken viele vor ihrer Einführung zurück.

Die vier grössten Vorurteile:

Das ist doch alles viel zu kompliziert.

Jeder von uns arbeitet heute bereits digital, vielleicht noch nicht vollumfänglich, aber Office, Outlook und Co. können wir alle bedienen. Und die meisten Software-Lösungen funktionieren ähnlich intuitiv und lassen sich ebenso leicht handhaben.

Die Anwender sind übrigens jedes Mal überrascht, wie einfach ein DMS zu händeln ist. Die Dokumentensuche funktioniert z.B. nicht anders als eine simple Suchanfrage im Internet.

Die Umstellung dauert zu lange.

Dieser Eindruck entsteht, weil neue Nutzer die Einführung eines DMS oftmals mit einer komplexen neuen Finanzbuchhaltungs-Software oder einem Workflow-System vergleichen. Solche Systeme stellen vorübergehend die komplette Organisation auf den Kopf.

Eine DMS-Einstiegslösung lässt sich bei weniger als 12 DMS-Nutzern bereits in zwei Tagen implementieren.

Gewohnte Arbeitsprozesse werden gestört und neue müssen erst mühsam erlernt werden.

Manche Dinge ändern sich. Aber nicht unbedingt zum Schlechteren, im Gegenteil! Wer schafft es denn, in wenigen Sekunden seinen gesamten Aktenschrank zu durchsuchen? Mit einem DMS geht das per Mausklick. Auf diese Art spart man viel Zeit.

Wichtig! Ein DMS optimiert lediglich die Arbeitsweise, die Arbeitsprozesse bleiben in der Essenz jedoch die gleichen.

Digitale Daten sind flüchtig. Nur was ich anfassen kann, hat auch Wert.

Bei der Einführung eines DMS ist immer wieder erlebbar, dass das Druckvolumen zu Anfang messbar ansteigt. Der Grund? Bevor Nutzer ein Dokument in der „elektronischen Wolke“ nicht wiederfinden, drucken sie es lieber noch mal aus. Nach ein paar Wochen sinkt das Volumen wieder, weil die Nutzer verstehen, dass die Daten auf dem Server sicher und vor allem schnell auffindbar sind.

 

1 Der Schweizer Stiftungsreport 2017, S. 4+7

 

 

Stiftung oder Trust – Artenschutz oder Invasion?

Die Finanzbranche versucht seit 10 Jahren die Rechtsform des Trusts1 in der Schweiz einzuführen, obwohl ausländische Trusts1 zivilrechtlich anerkannt sind. Die hiesigen Vermögensverwalter erhoffen sich dadurch, gegenüber anderen Finanzzentren mit ausländischer Kundschaft konkurrenzfähig zu bleiben und den Anteil am weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäft auszubauen.

Mit einem Swiss Trust würde die ganze Wertschöpfungskette und die vollständige Datenhoheit in der Schweiz bleiben. Somit könnten die gleichen Transparenzregeln, wie sie für ausländische Trusts in anderen Finanzzentren gelten, in Anspruch genommen werden. Damit hätten die Anbieter von Nachlassregelungen und die Verwalter des Nachlasses gleichlange Spiesse beim Schutz der Privatsphäre ihrer Klientel.

Gesetzesmühlen mahlen langsam …

2009 reichte die CVP die erste Trust-Motion ein. Das Parlament stimmte 2011 zu. Der Bundesrat wurde aber nicht aktiv und wollte die Motion 2012 sogar abschreiben. Die beiden Räte wehrten sich 2016 mit einer parlamentarischen Initiative dagegen und haben sich jetzt durchgesetzt. In dieser Frühlingssession haben sie den Bundesrat damit beauftragt, eine Gesetzesgrundlage zur Einführung von Trusts in das Schweizer Recht auszuarbeiten.

Unter Fachleuten, die zwar alle einen Bedarf an Schweizer Nachlassplanungsinstrumenten verorten, gibt es zwei Strömungen. Die einen fordern die Schaffung eines Schweizer Trusts, die anderen eine Lockerung der Bestimmungen für Familienstiftungen. Letztere argumentieren2: „Mit der (Familien-)Stiftung und der Treuhand verfügt die Schweiz … über Rechtsinstitute, die … zu tauglichen … Nachlassplanungsinstrumenten entwickelt werden können. Das wäre ein schnellerer, besserer und … verlässlicherer Schritt zu einer eigenständigen Schweizer Lösung als die Entwicklung eines unzulänglichen «Trusts à la Suisse».“

… aber die Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Die Hartnäckigkeit der Finanzbranche und ihrer Lobbyisten zu diesem Thema ist nicht erstaunlich, denn

  1. Nachlassregelungen sind neben Firmenverkäufen die mit Abstand wichtigste Quelle für Neugelder in der Vermögensverwaltung, und
  2. die Banken wollen ihren ausländischen Kunden ein Nachlassplanungsinstrument anbieten, dass ihnen von Hause aus bekannt ist.

Das Argument, dass der Trust ein rechtlich artfremdes Konstrukt sei, und man besser unser Stiftungsrecht überarbeiten sollte, wird die Finanzbranche deshalb nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Der Schweizer Trust als Chance für die Reform der Familienstiftung

Dass der Schweizer Trust kommen wird, bietet aber gleichzeitig eine Chance, die nicht verpasst werden sollte. Man kann nämlich mit Fug und Recht – quasi im Windschatten der mächtigen Finanzlobby – die gleichzeitige Anpassung des (Familien-)Stiftungsrechts verlangen. Es darf nicht sein, dass ein importiertes Rechtskonstrukt möglicherweise attraktivere Eigenschaften aufweist, als die in Gesetz und Usus seit Jahrhunderten verankerte Stiftung.

Sofern bereits hinter den Kulissen alles eingefädelt ist, ist dieser Beitrag gegenstandlos. Andernfalls ist Eile geboten. Ich bin sicher, dass – nach 10 Jahren Vorbereitungszeit – ein Vorschlag für ein Trust-Gesetz aus der Feder der Finanzbranche schon längst auf dem Tisch liegt. Bleibt zu hoffen, dass die Interessenvertreter für das Stiftungswesen genügend Lobby-Power haben, so dass der Bundesrat gleichzeitig die Revision der heimischen Nachlassplanungsinstrumente an die Hand nimmt.

1Trusts, als Form des Vermögensschutzes seit dem Mittelalter bekannt, sind in den angelsächsischen Ländern weit verbreitet. Dabei überträgt ein Errichter (Settlor) mittels Urkunde (Trust Deed) bestimmte Vermögenswerte (Trust Assets) unwiderruflich auf eine oder mehrere Personen (Trustees), die das Vermögen zugunsten eines oder mehrerer Begünstigter (Beneficiaries) verwenden müssen. Letztere geniessen unter gewissen Voraussetzungen Anonymität.

2Auszug aus dem Leserbrief von Michael Fischer, Balz Hösly, Natalie Peter, Tobias Somary, alle Rechtsanwälte in der NZZ vom 27.3.19

Neue Sichtweisen auf den Stiftungsfinanzierten Journalismus

Die Medien- und Journalismusförderung durch Stiftungen steht in der Schweiz erst in den Startlöchern. Bevor hierzulande erste konkrete Schritte geplant werden, sollte – angesichts neuester Forschungserkenntnisse – die Beziehung von Stiftungen und Journalismus aus einer neuen Perspektive betrachtet werden.

Die Förderung von Medien und Journalismus ist kein neues Aktivitätsfeld von Stiftungen, hat jedoch spätestens seit 2016 neue Aufmerksamkeit und Relevanz erhalten. Die Gründe dafür liegen weniger in der als «ökonomische Strukturkrise» bezeichneten Entwicklung der Branche, welche mit sinkenden Auflagenzahlen, rückläufigen Webeeinnahmen oder Gratismedien konfrontiert ist. Sie sind auch nicht in der, seit Jahren von der NGO Freedom House dokumentierten, weltweit sinkenden Pressefreiheit zu suchen.

Vielmehr zeigte sich 2016 die Bedeutung der Medien so deutlich wie nie, als Wahlen, z. B. in den USA, und politische Prozesse in diversen Ländern massiv von Fehlinformationen beeinflusst und geschwächt wurden. Vermehrt verunglimpften Politiker die Presse, wiesen ihre Rolle als Nachrichtenmedien und «vierte Gewalt» öffentlich zurück und gaben damit der Diskussion um unabhängige Medien und Qualität von Journalismus Aufwind. Im Zuge dieser Ereignisse hat die Journalismus-Förderung durch Stiftungen neue Bedeutung gewonnen

Die richtigen Fragen stellen

Ohne Stiftungsförderung würde eine bedeutende Anzahl journalistischer Angebote, Projekte und Organisationen fehlen. Klar ist jedoch, dass ihre finanziellen Mittel für eine langfristige und umfassende Unterstützung von Medien- oder Verlagshäusern nicht ausreichen. Ob Stiftungen der Ausweg aus dem Finanzierungsproblem der Medien sind, ist allerdings nur die Eingangsfrage in das Thema philanthropischer Medienförderung. Viel wichtiger ist die Frage: auf welche Weise gestaltet Stiftungsförderung den Journalismus?

Wie Stiftungen den Journalismus prägen

Die Beziehung von Philanthropie und Journalismus wurde wissenschaftlich bisher vor allem aus US-amerikanischer Perspektive und im Hinblick auf die Unabhängigkeit des Journalismus untersucht. Die Gefahr vom Verlust der Unabhängigkeit wird immer wieder als grösster Kritikpunkt einer Stiftungsförderung hervorgehoben. Scott et al. (2019) fanden nun jedoch heraus, dass Stiftungsgelder statt auf die Autonomie des Journalismus weitaus grösseren Einfluss auf die Grenzen des Journalismus selbst haben bzw. auf die Art und Weise, wie der Journalismus verstanden, bewertet und praktiziert wird. Sie zeigen, dass die Interaktionen zwischen Stiftungen und Journalisten zu einer Erweiterung journalistischer Praxis führt. Einerseits kommt es zu einer Verschiebung der Rollenwahrnehmung von Journalisten und Medien in der Gesellschaft. Andererseits ist eine stärker ergebnisorientierte Berichterstattung, ein geringeres Volumen redaktioneller Arbeiten und eine Konzentration auf umfangreichere, vom aktuellen Tagesgeschehen losgelöste Berichterstattung in thematischen Nischen beobachtbar. Interessanterweise wird diese Entwicklung nicht von den Stiftungen direkt forciert, sondern ist gerade das Ergebnis beidseitiger Bemühungen, die Autonomie des Journalismus zu bewahren.

Denkanstösse für Stiftungen

Die Erkenntnisse aus Scott et al.’s (2019) Forschung fordern uns dazu auf, die Beziehung von Stiftungen und Journalismus auf dreierlei Weise neu zu hinterfragen.

  1. Die Folgen philanthropischer Förderung gehen weit über die alltägliche journalistische Autonomie hinaus. Stattdessen sind es womöglich die Grenzen des Journalismus, welche am meisten beeinflusst werden.
  2. Die Veränderungen durch Stiftungsförderung beruhen weniger auf der politischen Agenda einzelner Stiftungen oder der direkten Einflussnahme der Stiftungen auf die geförderten Personen bzw. Projekte oder Themen, wie oft behauptet wird. Vielmehr sind es die vielfältigen Interaktionen von Journalisten mit Stiftungen selbst welche zu Veränderungen des Journalismus führen.
  3. Stiftung sollten im Förderprozess nicht als dominierende Akteure verstanden werden. Vielmehr soll es sich – von der Gesuchsstellung an – um eine partnerschaftliche Co-Produktion journalistischer Arbeit handeln, die es unter Wahrung der jeweils eigenen Identität erlaubt, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen.

Literaturempfehlung:

Scott, M., Bunce, M., Wright K. (2019). Foundation Funding and the Boundaries of Journalism, Journalism Studies

Workshop Nullzinsen und Risikoangst. Gibt es einen Ausweg? 4. Juni 2019

Finanzmanagement für NPOs

Sie sind verpflichtet, das Stiftungs-/Vereinskapital zu erhalten? Dann befinden Sie sich schon seit Jahren in einer unangenehmen Situation.
Die Zinsen aus Obligationen sind Null und die Dividenden aus Aktien kommen mit hohen Kapitalrisiken.

Gibt es einen Ausweg oder muss man das kleine Einmaleins des Anlegens vollständig über den Haufen werfen?

Inhalt

  • Wie kann die maximal akzeptable Aktienquote bestimmt werden?
  • Welche Aktien und Fonds eignen sich?
  • Wie helfen die Erkenntnisse aus der Theorie und Praxis der Risikotoleranz?

Ziel

  • Nach dem Workshop mit Christian Hafner wissen Sie, wie relevant mehrjährige Budgets für die Bestimmung der Risikofähigkeit sind und welche Optionen zur Lösung des Dilemmas zwischen Nullzinsen und Risikoangst bestehen.

Methodik

  • Wissensinput mit Diskussion
  • Berechnung Risikofähigkeit mit ALM-Methode

Weitere Informationen und Anmeldung

Workshop – Wirkungsvolles Stiftungsfundraising | 16. April 2019

NPO-Management Workshop mit Peter Buss, NonproCons

Auch im Stiftungsfundraising hat sich der Wettbewerb unter den Gesuchstellern verschärft. Falsch aufbereitete und schlecht dokumentierte Gesuche wandern in den Papierkorb.

Wie kann ich mir da Gehör verschaffen?
Wie gehe ich richtig vor?

Der Workshop vermittelt grundsätzliches Wissen zum Fundraising mit Förderstiftungen und worauf man bei der Gesuchstellung besonders achten sollte und zeigt Ihnen die „State of the Art“ des heutigen Stiftungsfundraisings. Inhalt: Es kommen u.a. die folgenden Fragen zur Sprache:

  • Eignet sich mein Projekt oder Vorhaben, um es Förderstiftungen vorzulegen?
  • Wie sieht eine gute Projektdokumentation aus, die man den Förderstiftungen vorlegt (Inhalt, Umfang, Darstellung)?
  • Wie sollte das Begleitschreiben verfasst sein?
  • Wie führe ich den Erstkontakt durch?
  • Wie geht man mit Absagen um?
  • Wie verdanke ich den Beitrag?
  • Was tut man, um den Kontakt zu halten?

Sie erhalten schliesslich auch Einblick in modernste Recherche-Tools und diskutieren die Vorteile und Nachteile der verfügbaren Informationsquellen. Spezial: Persönliche Nachbetreuung durch individuellen Check-Up Ihrer überarbeiteten Gesuchsunterlagen.

Ziele des Workshops sind:
Sie wissen, wie Stiftungsfundraising funktioniert / Sie kennen die wesentlichen Elemente des Fundraising-Mix und können diese für das Fundraising bei Förderstiftungen einsetzen / Sie wissen, wie ein gutes Gesuch an Förderstiftungen aufgebaut ist und können dieses Wissen auf die eigene Situation anwenden. Methodik: Wissensinput mit Diskussion; selbständige praktische Arbeit am eigenen Projekt mit Präsentation

Weitere Informationen zum Workshop

Anmeldung