Neue Sichtweisen auf den Stiftungsfinanzierten Journalismus

Die Medien- und Journalismusförderung durch Stiftungen steht in der Schweiz erst in den Startlöchern. Bevor hierzulande erste konkrete Schritte geplant werden, sollte – angesichts neuester Forschungserkenntnisse – die Beziehung von Stiftungen und Journalismus aus einer neuen Perspektive betrachtet werden.

Die Förderung von Medien und Journalismus ist kein neues Aktivitätsfeld von Stiftungen, hat jedoch spätestens seit 2016 neue Aufmerksamkeit und Relevanz erhalten. Die Gründe dafür liegen weniger in der als «ökonomische Strukturkrise» bezeichneten Entwicklung der Branche, welche mit sinkenden Auflagenzahlen, rückläufigen Webeeinnahmen oder Gratismedien konfrontiert ist. Sie sind auch nicht in der, seit Jahren von der NGO Freedom House dokumentierten, weltweit sinkenden Pressefreiheit zu suchen.

Vielmehr zeigte sich 2016 die Bedeutung der Medien so deutlich wie nie, als Wahlen, z. B. in den USA, und politische Prozesse in diversen Ländern massiv von Fehlinformationen beeinflusst und geschwächt wurden. Vermehrt verunglimpften Politiker die Presse, wiesen ihre Rolle als Nachrichtenmedien und «vierte Gewalt» öffentlich zurück und gaben damit der Diskussion um unabhängige Medien und Qualität von Journalismus Aufwind. Im Zuge dieser Ereignisse hat die Journalismus-Förderung durch Stiftungen neue Bedeutung gewonnen

Die richtigen Fragen stellen

Ohne Stiftungsförderung würde eine bedeutende Anzahl journalistischer Angebote, Projekte und Organisationen fehlen. Klar ist jedoch, dass ihre finanziellen Mittel für eine langfristige und umfassende Unterstützung von Medien- oder Verlagshäusern nicht ausreichen. Ob Stiftungen der Ausweg aus dem Finanzierungsproblem der Medien sind, ist allerdings nur die Eingangsfrage in das Thema philanthropischer Medienförderung. Viel wichtiger ist die Frage: auf welche Weise gestaltet Stiftungsförderung den Journalismus?

Wie Stiftungen den Journalismus prägen

Die Beziehung von Philanthropie und Journalismus wurde wissenschaftlich bisher vor allem aus US-amerikanischer Perspektive und im Hinblick auf die Unabhängigkeit des Journalismus untersucht. Die Gefahr vom Verlust der Unabhängigkeit wird immer wieder als grösster Kritikpunkt einer Stiftungsförderung hervorgehoben. Scott et al. (2019) fanden nun jedoch heraus, dass Stiftungsgelder statt auf die Autonomie des Journalismus weitaus grösseren Einfluss auf die Grenzen des Journalismus selbst haben bzw. auf die Art und Weise, wie der Journalismus verstanden, bewertet und praktiziert wird. Sie zeigen, dass die Interaktionen zwischen Stiftungen und Journalisten zu einer Erweiterung journalistischer Praxis führt. Einerseits kommt es zu einer Verschiebung der Rollenwahrnehmung von Journalisten und Medien in der Gesellschaft. Andererseits ist eine stärker ergebnisorientierte Berichterstattung, ein geringeres Volumen redaktioneller Arbeiten und eine Konzentration auf umfangreichere, vom aktuellen Tagesgeschehen losgelöste Berichterstattung in thematischen Nischen beobachtbar. Interessanterweise wird diese Entwicklung nicht von den Stiftungen direkt forciert, sondern ist gerade das Ergebnis beidseitiger Bemühungen, die Autonomie des Journalismus zu bewahren.

Denkanstösse für Stiftungen

Die Erkenntnisse aus Scott et al.’s (2019) Forschung fordern uns dazu auf, die Beziehung von Stiftungen und Journalismus auf dreierlei Weise neu zu hinterfragen.

  1. Die Folgen philanthropischer Förderung gehen weit über die alltägliche journalistische Autonomie hinaus. Stattdessen sind es womöglich die Grenzen des Journalismus, welche am meisten beeinflusst werden.
  2. Die Veränderungen durch Stiftungsförderung beruhen weniger auf der politischen Agenda einzelner Stiftungen oder der direkten Einflussnahme der Stiftungen auf die geförderten Personen bzw. Projekte oder Themen, wie oft behauptet wird. Vielmehr sind es die vielfältigen Interaktionen von Journalisten mit Stiftungen selbst welche zu Veränderungen des Journalismus führen.
  3. Stiftung sollten im Förderprozess nicht als dominierende Akteure verstanden werden. Vielmehr soll es sich – von der Gesuchsstellung an – um eine partnerschaftliche Co-Produktion journalistischer Arbeit handeln, die es unter Wahrung der jeweils eigenen Identität erlaubt, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen.

Literaturempfehlung:

Scott, M., Bunce, M., Wright K. (2019). Foundation Funding and the Boundaries of Journalism, Journalism Studies

Workshop – Wirkungsvolles Stiftungsfundraising | 16. April 2019

NPO-Management Workshop mit Peter Buss, NonproCons

Auch im Stiftungsfundraising hat sich der Wettbewerb unter den Gesuchstellern verschärft. Falsch aufbereitete und schlecht dokumentierte Gesuche wandern in den Papierkorb.

Wie kann ich mir da Gehör verschaffen?
Wie gehe ich richtig vor?

Der Workshop vermittelt grundsätzliches Wissen zum Fundraising mit Förderstiftungen und worauf man bei der Gesuchstellung besonders achten sollte und zeigt Ihnen die „State of the Art“ des heutigen Stiftungsfundraisings. Inhalt: Es kommen u.a. die folgenden Fragen zur Sprache:

  • Eignet sich mein Projekt oder Vorhaben, um es Förderstiftungen vorzulegen?
  • Wie sieht eine gute Projektdokumentation aus, die man den Förderstiftungen vorlegt (Inhalt, Umfang, Darstellung)?
  • Wie sollte das Begleitschreiben verfasst sein?
  • Wie führe ich den Erstkontakt durch?
  • Wie geht man mit Absagen um?
  • Wie verdanke ich den Beitrag?
  • Was tut man, um den Kontakt zu halten?

Sie erhalten schliesslich auch Einblick in modernste Recherche-Tools und diskutieren die Vorteile und Nachteile der verfügbaren Informationsquellen. Spezial: Persönliche Nachbetreuung durch individuellen Check-Up Ihrer überarbeiteten Gesuchsunterlagen.

Ziele des Workshops sind:
Sie wissen, wie Stiftungsfundraising funktioniert / Sie kennen die wesentlichen Elemente des Fundraising-Mix und können diese für das Fundraising bei Förderstiftungen einsetzen / Sie wissen, wie ein gutes Gesuch an Förderstiftungen aufgebaut ist und können dieses Wissen auf die eigene Situation anwenden. Methodik: Wissensinput mit Diskussion; selbständige praktische Arbeit am eigenen Projekt mit Präsentation

Weitere Informationen zum Workshop

Anmeldung

Das Magazin StiftungSchweiz.ch 04-18

Die Ausgabe 4-18 des Magazins von StiftungSchweiz.ch ist online. Sie können es hier lesen. Hauptthema: Stiftungslandschaft Schweiz «under construction». Die französische Version finden Sie hier.

Jahrbuch der Hilfswerke 2018: Finanz- und Vermögensmanagement Schweizer NPO

Einige Tipps für NPO

  • Aufwendungen für Administratives und Fundraising sollten nicht nur als unproduktiver Aufwand angeschaut werden. Insbesondere Fundraising-Aufwendungen sind Investitionen in die Zukunft, welche vor allem von kleineren Organisationen nicht vernachlässigt werden sollten.
  • Reserven sind eine wichtige Sicherheit für NPO. Ein Monitoring dieser Kennzahl hilft, Veränderungen schnell zu erkennen.
  • Grundsätzlich sind ausreichend liquide Mittel sinnvoll, da sie ebenfalls zur Sicherheit beitragen. Eine Investition in Realwerte wie Aktien oder Immobilien, sichert NPO jedoch gegen Inflationsrisiken ab und ist folglich eine Überlegung wert.

87 neue Stiftungen im 2. Quartal 2018

Die Schweizer Stiftungslandschaft ist im 2. Quartal 2018 weiter gewachsen. Mit 36 neuen Förderstiftungen und 31 neuen operativ tätigen Stiftungen sind „beide Seiten“ der Stiftungswelt praktisch gleich gut vertreten. Weitere 20 Stiftungen sind gemischt tätig, also sowohl fördernd als auch operativ. Von StiftungSchweiz.ch erfasst wurden dabei die sog. klassischen gemeinnützigen Stiftungen, nicht jedoch z.B. die Wohlfahrtsstiftungen und Firmenstiftungen.

Bei den Förderzwecken resp. Wirkungsbereichen sind 3 Clusters auszumachen: Die drei Bereiche Soziales, Politik-Wirtschaft-Gesellschaft und Kunst-Kultur-Freizeit sind insgesamt 80 mal in den Stiftungszwecken genannt und stehen somit an der Spitze der Neugründungen. Die zwei Bereiche Bildung und Forschung-Wissenschaft zusammen sind 44 mal aufgelistet und bilden das Mittelfeld. Die übrigen 5 Bereiche wurden schliesslich 52 mal in die Stiftungszwecke aufgenommen. Im Durchschnitt zählen die neu gegründeten Stiftungen 2,1 Stiftungszwecke in ihren Statuten.

Keine rein operativ tätigen Stiftungen gab es bei der generellen Gemeinnützigkeit und in der Entwicklungszusammenarbeit, wobei bei letzterer auffallend viele Förderstiftungen entstanden.

Es gilt zu beachten, dass die meisten neu gegründeten Stiftungen in der Regel mehrere Monate Zeit brauchen, um ihre Arbeit aufnehmen zu können, unabhängig davon, ob sie nun operativ oder fördernd tätig sind. Und im Verlauf der Zeit, nach ersten Erfahrungen, ändern dann auch manche ihre Wirkungsform (reine Förderstiftungen mutieren zB zu gemischt tätigen Stiftungen) oder legene die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit neu. Die Stiftungslandschaft ist somit dauernd in Bewegung.

Wirkungsvolles Stiftungsfundraising – Workshop mit Peter Buss am 18. Oktober 2018

Auch im Stiftungsfundraising hat sich der Wettbewerb unter den Gesuchstellern verschärft. Falsch aufbereitete und schlecht dokumentierte Gesuche wandern in den Papierkorb. Wie kann ich mir da Gehör verschaffen? Wie gehe ich richtig vor? Der Workshop vermittelt grundsätzliches Wissen zum Fundraising mit Förderstiftungen und worauf man bei der Gesuchstellung besonders achten sollte. Er zeigt Ihnen die „State of the Art“ des heutigen Stiftungsfundraisings.

Programm und Anmeldung unter www.nonprocons.ch

Weitere Workshops von NonproCons im Herbst:

 

Der Rashōmon-Effekt. Oder der Fundraiser und die Geschäftsführerin einer Förderstiftung

Kennen Sie den Film Rashōmon des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa? Er hat eine ganz spezielle Erzähltechnik. So wird beim «Rashomon-Effekt» ein und derselbe Sachverhalt in widersprüchlichen aber in sich schlüssigen Versionen aus Sicht verschiedener Personen dargestellt. Diese Technik schien mir geeignet, um einige Aspekte beim Fundraising zu beleuchten. Denn ein Blick in die Arbeitsrealität des Gegenübers kann Hinweise geben, um die eigenen Prozesse zu überdenken oder einfach nur die Nerven beruhigen.

Darsteller sind die Organisation A, die seit vielen Jahren erfolgreich an der Verbesserung der Lebensumstände ihrer Zielgruppe arbeitet, und die Stiftung B, die ein jährliches Förderbudget und eine Geschäftsführerin als einzige Mitarbeiterin hat. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten sind nicht zufällig.

Klappe auf

Der Fundraiser der Organisation A sucht Mittel und macht eine Stichwortsuche in einer Stiftungsdatenbank. Wunderbar, viele potentielle Stiftungen! Nur blöd, dass die meisten keine Website mit mehr Informationen haben. So verschickt er unzählige Dossiers auf gut Glück – mit Jahresbericht und Broschüre, man weiss ja nie. Er seufzt, denn das verteuert das Fundraising. Dabei bestehen Stiftungen selbst auf niedrige Verwaltungskosten!

Da fällt ihm die nette Geschäftsführerin der Stiftung B ein. Sie hat enthusiastisch zugehört, als er von seiner Organisation erzählte und verstand, dass sie dringend mehrjährige Engagements benötigen, um Planungssicherheit zu haben. Er telefoniert mit ihr und beantragt einen Betrag über 3 Jahre.

Die Entscheidung kommt: Zusage für ein Jahr mit Aussicht auf Verlängerung. Er freut sich, ja, aber ist auch ratlos. Die Organisation B passt doch perfekt zum Stiftungszweck! Nach den Gesprächen hatte er mit mehr gerechnet und keine weiteren Förderer angesprochen.

Szenenwechsel

Die Geschäftsführerin der Stiftung B sondiert Förderanträge. Über 300 Anträge pro Jahr, von denen höchstens 20 bewilligt werden. Bei einem Grossteil reicht ein Blick, es passt einfach nicht. Unwohl ist ihr schon, als sie wieder Berge von abgelehnten Dossiers, Jahresberichten und Broschüren vernichtet. Sie seufzt, hier hätte ein Telefon vorab dem Antragsteller viel Mühe gespart. Zum Glück gibt es endlich die neue Website, denn die Anzahl interessanterer Anfragen erhöht sich merklich.

Sie liest den Antrag der Organisation A. Er ist super. Oh je, denkt sie, genauso wie die zwei anderen Anträge mit den gleichen Zielen! Denn sie muss eine Auswahl treffen, um das Förderbudget einzuhalten. Sie fasst das umfangreiche Dossier auf einer Folie zusammen. Puh, diese Antragslyrik – wo sind hier jetzt die relevanten Aspekte? Dann übt sie ihre Plädoyers für zehn weitere Anträge.

Tag der Sitzung: Der Stiftungsrat findet sich am ovalen Designertisch ein. Er findet die Organisation A toll und versteht das mit der Planungssicherheit. Aber bei einem Mehrjahresbeschluss wäre ein Grossteil des Förderbudgets schon weg. Das liesse ja wenig Raum für andere Projekte in diesem Jahr? Und, sollte man nicht lieber jedes Jahr jemand anderem die Chance geben? Ja, die Organisation A ist renommiert und erzielt Wirkung aber ist sie innovativ? Ist innovativ wichtig? Mehrere sehr unterschiedliche Persönlichkeiten diskutieren ausführlich. Der Beschluss lautet, vorerst nur für ein Jahr mit Aussicht auf Verlängerung.

Der Rashōmon-Effekt. Oder der Fundraiser und die Geschäftsführerin einer Förderstiftung – Tipps

Fazit für Antragssteller

  1. In Stiftungen wirken Kräfte, die Sie weder einsehen noch beeinflussen können. Eine Absage hat oft nichts mit Ihrem Antrag zu tun. Setzen Sie deshalb nie nur auf ein Pferd.
  2. Jemand, der Ihnen wohlgesonnen ist, aber Ihr Anliegen nur oberflächlich kennt, spricht für Sie vor dem Stiftungsrat. Helfen Sie ihm mit einer tipptopp «Elevator Speech».
  3. Verlassen Sie sich nie auf die Satzung einer Stiftung. Rufen Sie an.

Für Förderstiftungen

  1. Ineffizienzen im Fundraising können beseitigt werden, wenn Sie Ihren Förderzweck im Profil von www.stiftungschweiz.ch  präzisieren.
  2. Suchen Sie sich Fundraiser-Buddies. Der regelmässige, offene Austausch ist Gold wert. Danke Wanda und Michael!

Kulturförderung durch Schweizer Stiftungen -Tipps

  • Kulturelle und sportliche Stiftungszwecke lassen sich relativ fein in überschaubare und präzise bearbeitbare Fundraisingsegmente gliedern.
  • Je nach kulturellem Unterzweck finden Stiftungen potenzielle Kooperationsparter eher in einer bestimmten Stadt oder in einer Region. Auch für Fundraiser dürfte sich eine regionale Vorbetrachtung des Stiftungsmarkts teilweise lohnen.
  • Das grosse Segment der vielen zweckgenerellen Stiftungen innerhalb des Zwecks Kunst, Kultur und Sport, dürfte aus Überlegungen vermeintlicher Effizienz weniger von Fundraisern kontaktiert werden, weswegen sich eine Gesuchstellung bei diesen Stiftungen gerade deshalb lohnen könnte.

Projektportrait – Aktion mit Gratis-Abo des Fundraiser-Magazins

Wir schenken Ihnen 1 Jahres-Abo des Fundraiser-Magazins – für die Publikation eines Projektportraits auf StiftungSchweiz.ch, aufzuschalten vom 25. Juni bis 31. August 2018.

Sobald das Projekt aufgeschaltet ist, einfach eine E-Mail senden an office@stiftungschweiz.ch mit den Angaben, wohin das Magazin geschickt werden soll.