Empathische Kommunikation zwischen Förderstiftung und Projektpartner

Folgende Geschichte erzählte mir einmal ein sehr geschätzter früherer Arbeitskollege. Als Entwicklungshelfer stand er einst vor einer Schulklasse in Niger und erzählte den 14-jährigen Schülern von der Schweiz. Dazu zeigte er viele Bilder. Da meldete sich ein Junge plötzlich und fragte ihn: «Sir, at what age do Swiss girls marry?». Die Antwort: «Usually in their late 20’s or 30s.”. Ein fassungsloses Raunen ging daraufhin durch die Klasse. Schliesslich rief der gleiche Junge: «But Sir, this is terrible! What is being done to help them?»

Diese Episode hat mich nachhaltig beeindruckt. Sofort stellte ich mir vor, wie diese nigerischen Schüler das für sie vollkommen sinnvolle Programm «Du schaffst das – Mit Ehepartner Dein volles Potenzial ausschöpfen» in Kooperation mit dem Sozialdepartment Zürich entwickeln. Wie es sich anfühlt, wenn sie in mir, als damals 40-jährige unverheiratete Frau, einen potentiellen, da «bedürftigen» Teilnehmer sehen, obgleich ich eigentlich hinreichend zufrieden war.

Rückblickend wäre es schön gewesen, meinen wunderbaren Ehemann früher kennengelernt zu haben. Vielleicht dort. Item. Will sagen, unabhängig davon ob ein Projekt tatsächlich die Lebenssituation verbessern kann, ist die Bereitschaft eines Menschen, sich auf etwas einzulassen gering, wenn man mit einem Label wie «Migrationshintergrund» oder «verhaltensauffällig» versehen und darauf reduziert wird.

Empathische Kommunikation mit der Zielgruppe ist also zentral im gemeinnützigen Sektor, wo grundsätzlich verschiedene Lebenswelten und Wertevorstellung ständig aufeinandertreffen. Darin sind die Projektpartner uns Förderstiftungen aufgrund ihrer täglichen Arbeit im Feld oft voraus. Stiftungen sind dahingehend naturgemäss weniger sensibilisiert. Denn für einen Geldgeber in einem chronisch unterfinanzierten Sektor hat fehlendes Fingerspitzengefühl gegenüber dem Projektpartner keine gravierenden Konsequenzen.

Dennoch, die meisten Stiftungen möchten partnerschaftlich arbeiten und verstehen, worauf es im Förderbereich ankommt.
Vor jedem Gespräch und jeder Beurteilung sollten auch wir uns deshalb regelmässig fragen:

  1. Wie sieht die Lebenswelt des Gegenübers aus?
  2. Aus welcher Perspektive beurteilt er sein Tun und den Erfolg?

In der Praxis ist dies zum Beispiel dort relevant, wo Lieblingsbegriffe von Stiftungen wie «Professionalisierung» oder «Capacity Building» häufig als verletzende Kritik an der fachlichen Qualifikation der Mitarbeiter in Bezug auf die Zielgruppe verstanden werden obwohl man als Stiftung etwas anderes meint. Oder wenn man bei einem Tanzprojekt mit Jugendlichen die Leitung unbeabsichtigt befremdet, da man vor allem Fragen zu den erlernten sozialen Kompetenzen stellt (Förderungsgrund) aber kaum über den künstlerischen Anspruch der Inszenierung. Obwohl Letztere der Grund ist, weshalb das Projekt existiert und die Jugendlichen überhaupt teilgenommen haben.

Den Projektpartner im Gespräch dort abzuholen wo er steht, ist daher ein Merkmal für die Professionalität einer Stiftung und muss in jedem Kontext neu gelernt werden.

Nachhaltigkeitskonzepte für Stiftungsvermögen: Sauber, grün, ethisch, sozial, verantwortungsvoll, wirksam…

Ein ganzer Katalog von wohlklingenden Attributen wurde in den letzten Jahren im Zusammenhang mit nachhaltigen Vermögensanlagen kreiert. Die merkliche Belebung der Diskussion zum Thema wurde vor allem geschürt durch die laufend zunehmende Transparenz im Anlagebereich, ein gestiegenes Bewusstsein für Umwelt- und Klimaprobleme, ein stark erweitertes Produktangebot und allgemein eine sich selbst verstärkende Dynamik. Stiftungen dürften sich aber noch mehr einbringen.

Viele Anleger bekunden immer noch Mühe mit dem Begriff der Nachhaltigkeit im Anlagebereich. Sie weisen darauf hin, dass keineswegs geklärt ist, was genau unter nachhaltigem Investieren verstanden werden soll. Dieser Befund ist richtig, er verwundert aber auch nicht wirklich, denn jedem Nachhaltigkeitsbegriff liegt ein bestimmtes Wertesystem zugrunde. Ein Wertesystem ist aber per se normativ, und es ist nicht absehbar, dass man sich irgendwann auf ein einheitliches System einigt. Entsprechend wird auch kaum ein flächendeckender Konsens zu finden sein, welche Arten von Vermögensanlagen nun «wirklich» verantwortungsvoll und nachhaltig sind.

Einige Tendenzen sind dennoch auszumachen. Bei den heute gängigen, in Kollektivanlagen umgesetzten Strategien der grossen Anbieter sind es zumeist die weitherum akzeptierten Nachhaltigkeitsgrundsätze, welche die Vereinten Nationen anlässlich von diversen Initiativen und Konferenzen verabschiedet haben. Jüngstes Beispiel dafür sind die 17 «Sustainable Development Goals», welche die UNO 2016 publiziert hat und die auch klar zu der eingangs erwähnten Wiederbelebung der Diskussion beigetragen haben.

Hat ein Anleger die Grundsätze einer Nachhaltigkeitsstrategie für sich formuliert, geht es an die Umsetzung. Dafür scheint sich ein mehrstufiges Konzept allgemein durchzusetzen. Gemäss diesem Konzept wird eine nachhaltige und verantwortungsvolle Anlagestrategie durch bis zu drei Säulen gestützt:

  1. Integration von sog. ESG-Kriterien in die Finanz- analyse (ESG = Environmental, Social, Governance): Die Kriterien beeinflussen die Bewertung und damit die relative Attraktivität eines Titels, um in ein Portfolio aufgenommen zu werden.
  2. Negatives Screening: Bestimmte Geschäftsfelder oder ganze Branchen werden ausgeschlossen (z.B. Streubomben, Kernenergie, Tabak);
  3. Positives Screening: Über sog. Best-in-Class Auswahlverfahren werden jene Unternehmen und Staaten herausgefiltert, die über das beste Nachhaltigkeitsprofil verfügen; für die Portfolio- konstruktion werden nur diese berücksichtigt.

Bei den ersten beiden Säulen geht es in erster Linie um eine Reduktion der Risiken, die sich aus einem nicht-nachhaltigen Verhalten ergeben. Bei der dritten Säule wird über das reine Risikomanagement hinausgegangen und aktiv nach Anlagemöglichkeiten gesucht, die für Umwelt und Gesellschaft einen überdurchschnittlichen Nutzen erbringen. Als weitere Steigerungsform kann im Positive Screening eine zusätzliche «Impact-Analyse» durchgeführt werden, welche explizit nur jene Unternehmen und Emittenten ins Anlageuniversum aufnimmt, deren Produkte eine signifikant positive Wirkung hinsichtlich der Lösung von drängenden ge- sellschaftlichen Problemen entfalten (siehe z.B. die 17 Sustainable Development Goals der UNO).

Eine weitere wichtige Säule des verantwortungsvollen Anlegens ist die sogenannte Active Ownership. Die Ausübung der Stimmrechte und der aktive Dialog mit den Unternehmen – auch durch einen Delegierten – können signifikante Impulse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung geben.

Viele vorbildliche Stiftungen gehören zu den Wegbe- reitern des nachhaltigen Anlegens. Andere müssen erst noch deutlich machen, welche ihrer Werte sie auch in den Vermögensanlagen widergespiegelt sehen möchten. Die oft zitierte und erhoffte nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft kann von diesem Diskurs nur profitieren.

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Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen – Tipps

  • Lokale und soziodemografische Faktoren sowie Traditionen, Werte und Einstellungen bestimmen mit, was Stiftungen unterstützen.
  • Anliegen des Denkmal- und Heimatschutzes finden eher Unterstützung von Stiftungen auf dem Land, wissenschaftliche und bildungsbezogene Anliegen finden eher Unterstützung von städtischen Stiftungen.

Was Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen über den Stiftungsstandort aussagen

Stiftungen werden grundsätzlich entlang der Ballungsgebiete und entlang des verfügbaren Kapitals angesiedelt. Doch nicht nur die Anzahl von Stiftungen am Ort, sondern auch die begünstigten thematischen Wirkungsbereiche hängen von lokalen soziodemografischen Faktoren ab.

Vergleicht man die Wirkungsbereiche der Stiftungen, die in den fünf grössten Städten (Zürich, Basel, Genf, Bern und Lausanne) angesiedelt sind mit denen von zufällig ausgewählten 500 Stiftungen aus den Ortschaften mit den kleinsten Einwohnerzahlen (323 Gemeinden), werden teilweise deutliche Unterschiede in der Zweckstruktur sichtbar.

Denkmal- und Heimatschutz auf dem Land, Wissenschaft und Bildung in der Stadt

Wie die Tabelle illustriert, ist der Anteil von Stiftungen, die Projekte im Bereich Kunst, Kultur, Freizeit und Sport fördern in ländlichen, kleinen Gemeinden um 18% grösser als in den Städten. Dies ist insbesondere auf den spezifischen Bereich des Denkmals- und Heimatschutzes zurückzuführen. Auf dem Land dagegen untervertreten sind Stiftungen in den Bereichen Wissenschaft und Forschung, Bildung und Entwicklungszusammenarbeit. Schliesslich sind die Anteile der operativen Stiftungen auf dem Land höher und die geografischen Wirkungskreise eingeschränkter als in der Stadt.

Stiftungszwecke einkommensschwächere Gemeinden sind eher religiös geprägt

Vergleicht man die Eigenschaften von Stiftungen aus Gemeinden vergleichbarere Grösse, allerdings mit unterschiedlich hohen durchschnittlichen Netto-Einkommen der Einwohner (s. Tabelle, Teil rechts) stellen sich ebenfalls bedeutende Unterschiede in der Begünstigung heraus. Ähnlich wie Stiftungen in den Städten sind Stiftungen in einkommensstarken Gemeinden weniger im Bereich Denkmal- und Heimatschutz tätig, jedoch stärker in den eher progressiven Wirkungsbereichen wie Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit. Stiftungslandschaften in einkommensschwächeren Gemeinden charakterisieren sich dagegen durch höhere Anteile religiöser Stiftungen, einem höheren Anteil an operativen Stiftungen, einer stärkeren Zweckfokussierung und einem lokaleren Wirkungskreis.

Stiftungen orientieren sich an ortsspezifischen Bedürfnissen

Diese unterschiedliche Verteilung der Wirkungsbereiche nach Urbanisierungsgrad und Durchschnittseinkommen dürfte einerseits mit den verschiedenen lokalen Bedürfnissen bzw. den ansässigen Destinatären, aber auch mit bestehenden Infrastrukturen zu tun haben, die gewisse Stiftungsansiedlungen begünstigen. Andererseits ist die Themenausrichtung der Stiftungen möglicherweise von der Höhe des Stiftungskapitals abhängig. Einzig die sozialen Stiftungen scheinen diesen Kriterien zu trotzen: Sie sind, obwohl es Unterschiede in thematischen Unterkategorien gibt, unabhängig vom Urbanisierungsgrad und des Durchschnittseinkommens, immer etwa gleich stark, mit Anteilen von rund 40%, vertreten.

Einfluss des Urbanisierungsgrads und des Durchschnitteinkommens auf Stiftungseigenschaften. Tabelle VMI

«Heimatort – Steuer» – Best Practice zur Erhöhung des Spendenvolumens?

Was treibt das Spendenverhalten der Bürger und wie können Staat und gemeinnützige Akteure sie dazu animieren, mehr zu spenden? Dazu muss ich einfach nochmals aus Japan berichten, wo sich dazu Erstaunliches ereignete.

Japaner spenden etwa 0.2% ihres BIPs, also im Vergleich zum ewigen Spitzenreiter USA mit 2.12% eher wenig. Doch wenn es eine Spendenkampagne gab, die es zu einem nationalen Hit gebracht hat, war es das von der japanischen Regierung 2008 eingeführte Steueranreizsystem, der «Heimatort-Steuer».

Trotz der Verwendung des Wortes „Steuer“, handelt es sich hier eigentlich um eine Spendenmöglichkeit. Der Steuerzahler kann einen steuerlich abzugsfähigen Beitrag direkt an eine Gemeinde seiner Wahl leisten. Wenn er möchte kann er auch aus einem von Lokalverwaltungen definierten Vorhaben wählen. Ziel ist, die wirtschaftliche Entwicklung in ländliche Gemeinden zu unterstützen und attraktiv für den Tourismus zu werden. Denn in Japan lebt 70% der Bevölkerung in wenigen Grossstädten. Die seit Jahrzehnten andauernde Kombination von Landflucht und Überalterung der Gesellschaft hat viele Gemeinden in prekäre finanzielle Notlagen gebracht.

Die Initiative lief nur schleppend an und bei 50 Mio. Steuerzahlern dümpelten die Spendeneinnahmen bei CHF 55 Mio. pro Jahr – bis 2012. Seither verzehnfachte sich der Betrag innerhalb von drei Jahren. 2017 wurden die 1’788 Gemeindeverwaltungen mit zusätzlichen Einnahmen von total CHF 3.1 Mrd. beglückt. Was war geschehen?

2012 gründete eine findige junge Frau ein Webportal, das sämtliche von Gemeinden angebotenen Geschenke auflistete. Sie haben richtig gehört. Eine Besonderheit des Heimatort-Steuer ist, dass viele Gemeinden als Zeichen des Dankes ein Geschenk verschicken. Der Wert darf 30% des Spendenbetrages nicht überschreiten und muss lokal produziert sein. So unterstützt der Spender einerseits direkt eine Gemeinde und fördert andererseits den Absatz dortiger Betriebe.

Im Foodie-Land Japan handelt es sich überwiegend um kulinarische Spezialitäten wie Fleisch, Fisch, Reis oder Reiswein aber von Kleidung bis zu Rollstühlen gibt es alles. Stellen Sie sich das Portal einfach vor wie die Seite von coop@home mit 180’000 Artikeln. Man kann nach Region, Betrag, Dankesgeschenk oder Zweck (Sozial-, Kultur, Bildungs-, Umweltbereich oder neuerdings auch lokale Katastrophenhilfe) suchen. Ich war kürzlich in Japan und praktisch alle meine Freunde tischten mir begeistert Pfirsiche aus Heiseizinsan (wo ist das??) oder Krebse aus Hokkaido auf. Viele hatten nie zuvor gespendet.

Das System wird momentan komplett überarbeitet, da es bei der Umsetzung noch Mängel gibt. Interessant für mich ist jedoch hier nur, weshalb so viele Menschen spenden:

  1. Reziprozität: Man erhält etwas Konkretes zurück mit sinnvollem Bezug zur Spende
  2. Wahlmöglichkeit: Gefühl eines aktiven Beitrags zu den öffentlichen Ausgaben (im Gegensatz zu Steuern)
  3. Einfachheit: Transparente und one-stop Möglichkeit, den Spendenbetrag zu verteilen
  4. Kollektivität: Gefühl und Nachweis, Grosses gemeinsam mit anderen bewirken zu können

Bei Punkt 1 sehe ich förmlich einige Leser die Stirn runzeln. Spenden sollte doch altruistisch sein! Aber entgehen einem Fundraiser nicht Potentiale, wenn er bei seiner Strategie nicht alle Motive des Spendens beachtet? Sehr lesenswert dazu die Erkenntnisse einer Studie über Spenderverhalten in den USA, exzellent zusammengefasst von Pascale Bourquin!

CEPS: Zehn Jahre Philanthropie-Kompetenz an der Universität Basel

CEPS: zehn Jahre Philanthropie-Kompetenz an der Universität Basel

Was sind schon zehn Jahre an einer über 550-jährigen Universität? Fast nichts. Aber im dynamisch gewordenen Philanthropie- und Stiftungssektor sind zehn Jahre beinahe eine halbe Ewigkeit. Am 26. November 2008 erlebte das CEPS, das Center for Philanthropy Studies der Universität Basel, seine Gründungsfeier. Im vergangenen Jahrzehnt ist dieses Institut zu einem unverzichtbaren Think Tank für eine ganze Branche geworden.

Eine glänzende Erfolgsgeschichte

Das CEPS begleitet unseren Dritten Sektor und unterstützt ihn durch seine Leistungen für die universitäre Forschung und Lehre sowie für die Weiterbildung – auch über Studien und Beratungen oder an Konferenzen. Es prägt die Branche durch kluge Einwürfe über alle Medien, von der wissenschaftlichen Publikation zum breit gestreuten Newsletter, vom Studienseminar zum niederschwelligen Morgen-Workshop. Das CEPS ist über Symposien und Publikationen auch international beeindruckend unterwegs und trägt so zum Renommée des Schweizer Stiftungsplatzes bei. Aus meiner Sicht ist das CEPS eine einzige Erfolgsgeschichte wie bei seiner Entstehung wohl kaum jemand in diesem Ausmass erwartet hätte.

Dieser Erfolg ist das Verdienst ihres Gründungsdirektors Prof. Dr. Georg von Schnurbein, der mit einem interdisziplinär aufgestellten Mitarbeiterstab eine erstaunliche Dynamik an den Tag legt. In den Medien dauerpräsent, erklärt er der Schweiz auf allen Kanälen eloquent die unterschiedlichsten Phänomene von Philanthropie, zuletzt z.B. die Milliardenspende von Hansjörg Wyss für den Umweltschutz. Im universitären Lehrplan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hat von Schnurbein schon längst Fuss gefasst. Seine ersten Promovierten verdienen auf dem Arbeitsmarkt ihre Sporen ab. Zu Hunderten haben die Weiterbildungsanwärterinnen mit den CAS und DAS zu NPO-Themen ihre ECTS-Punkte erworben oder die Intensiv-Lehrgänge in Stiftungsmanagement absolviert.

Die Interdisziplinarität und Multifunktionalität, welche das CEPS in seinem beeindruckenden Leistungsspektrum praktiziert, schlägt sich in der vielgestaltigen Philanthropie-, Stiftungs- und NPO-Szene unseres Landes nieder, zunehmend auch in der Suisse Romande. Die Intensität der Taktung des CEPS lässt sich auch an der Website des CEPS ablesen, welche zu einer ausgebauten Informations- und Service-Plattform geworden ist. Und in gar nicht so grossen Zeitabständen kann man dort so seine Überraschungen erleben – kürzlich zum Beispiel bei der Konsultation der neu aufgeschalteten Stiftungsstatistik des CEPS als Online-Tool.

Wie es zu all dem kam und wie es weitergehen wird

Die Schaffung des CEPS hatte etwas Pionierhaftes: 2008 existierten in Europa gerade mal drei derartige Institutionen; heute sind es über zwanzig. Am Anfang des CEPS hatte das Ziel von SwissFoundations gestanden, den in Umbruch befindlichen Stiftungssektor mit einer Hochschuldisziplin aufzuwerten. Koordiniert durch diesen Verband schlossen sich sechs Förderstiftungen zu einem Konsortium zusammen, das eine fünfjährige Anschubfinanzierung sicherstellte. Der Steigflug des CEPS und die darauf basierenden guten Evaluationsberichte animierten 2013 das (teilweise modifizierte) Konsortium zur finanziellen Sicherstellung einer weiteren fünfjährigen Ausbauperiode. Und soeben konnte das CEPS melden, dass für eine dritte Fünfjahresperiode ab 2019 sich nochmals neun Stiftung für eine Mitfinanzierung engagieren. Darunter befinden sich die Avina Stiftung, die Sophie und Karl Binding Stiftung, die Gebert Rüf Stiftung und die Ernst Göhner Stiftung, die mit ihrer – schlussendlich dann fünfzehnjährigen – Unterstützung des CEPS ein deutliches Zeichen kontinuierlicher Förderpolitik aussenden.
Aus Anlass seines zehnten Geburtstags organisiert das Basler Institut im Rahmen des Formats «CEPS on Tour» zehn Veranstaltungen an verschiedenen Standorten in der deutschen und französischen Schweiz. Gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern diskutiert das CEPS dabei aktuelle Themen zu Philanthropie und Gesellschaft. Sich selbst – und der Universität Basel – schenkt sich das CEPS zum runden Jubiläum eine Tagung, die 1. Basel Convention on Philanthropy, die am 19./20. November 2018 durchgeführt wird.
In ihrer internationalen Ausrichtung spiegelt diese hochkarätige Veranstaltung auf gewisse Weise ein Anliegen, dessen Erfüllung Georg von Schnurbein vorschwebt: die Schaffung einer Professur für Global Philanthropy an der Universität Basel. Bestimmt wird von Schnurbein auch diesen Pfeil aus seinem Köcher ziehen und dieses Ziel dann bald einmal erreichen.

Weiterführende Informationen:
www.ceps.unibas.ch
www.philanthropyconvention.org

À propos des fondations de la Suisse occidentale – parla dei fondazioni della Svizzera italiana – Tipps

  • Ob sich die Einteilung nach Sprachregion, wie sie so oft zum Diskurs politischer oder kulturellen Themen beigezogen wird, für die Beschreibung verschiedener Stiftungssegment eignet, ist fraglich.
  • Stiftungen siedeln sich insbesondere entlang der Ballungsgebiete an, wodurch die lokalen und kantonalen Kontexte im Allgemeinen die grösseren Unterschiede zwischen Stiftungssegmenten hervorrufen als die spezifischen Sprachregionen, deren Effekt so schwer isolierbar ist.

À propos des fondations de la Suisse occidentale – parla dei fondazioni della Svizzera italiana

Hat die Schweizer Stiftungslandschaft einen «Röstigraben»? Gibt es einen «Polentagraben»? Obwohl es regionale Unterschiede in den Stiftungszwecken gibt, dürften die wenigsten direkt auf sprachkulturelle Einflüsse zurückzuführen sein.

Westschweiz: mehr gesellschafts- und wirtschaftspolitische Anliegen, weniger soziale Direkthilfe

Ungefähr proportional zu den jeweiligen Bevölkerungsanteilen umfassen die Romandie rund 30% der Schweizer Stiftungen, die Deutschschweiz 64% und die italienische Schweiz (vertreten durch den Kanton Tessin) 6%. Der Vergleich der regionalen Stiftungssegmente nach Wirkungsbereichen (s. Tabelle) zeigt, dass in der Westschweiz im Vergleich zur Deutschschweiz etwas weniger im Bereich des Sozialen – genauer, der sozialen Fürsorge – und des Umweltschutzes begünstigt wird (-6%/-3%). In diesen Themen sind denn auch die Stiftungen der meisten Westschweizer Kantone ähnlich schwach präsent. Stiftungen in den Bereichen Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft sowie internationale Stiftungen sind in der Romandie allerdings etwas stärker vertreten als in der Deutschschweiz (+2%/+3%/+3%), was insbesondere auf die im Kanton Genf angesiedelten Organisationen zurückzuführen ist. Weiter wird die Westschweizer Stiftungslandschaft besonders geprägt vom Kanton Waadt, dessen rund 1’400 Stiftungen eher thematisch fokussiert begünstigen. Die Bereiche Gesundheit, Bildung und Forschung sind stärker abgedeckt, Stiftungen im Bereich Tanz, Theater und Performance sind nirgends in der Schweiz stärker vertreten. Die Kantone Freiburg und Wallis haben durch die römisch-katholische Tradition überdurchschnittlich viele Stiftungen mit christlichem Förderzweck hervorgebracht, Walliser Stiftungen sind des Weiteren überdurchschnittlich im Denkmal- und Heimatschutz aktiv. Stiftungen in den Kantonen Jura und Neuenburg fördern überdurchschnittlich stark Anliegen im Bereich der bildnerischen Kunst,  jurassische Stiftungen sind zudem stark in der Grundausbildung und im Umwelt- und Tierschutz aktiv. Neuenburger Stiftungen haben schliesslich gesamtschweizerisch das höchste Durchschnittsalter, umfassen sie doch viele ältere soziale und gesundheitliche Organisationen.

Italienische Schweiz: breitere Stiftungszwecke, mehr Bildung, Wissenschaft und Religion

Tessiner Stiftungen neigen im Vergleich zu Deutschschweizer Stiftungen zu breiteren Stiftungszwecken, weswegen diese Organisationen auch in einer Vielzahl von Wirkungsbereichen proportional etwas stärker vertreten sind. Bedeutend populärer als in der Deutschschweiz sind jedoch religiöse, bildende, wissenschaftliche sowie gesellschafts- und wirtschaftspolitische Zwecke.

 

Unterschiede in der Stiftungslandschaft nach Sprachregionen. Tabelle: VMI

67 neue Stiftungen im 3. Quartal 2018

Im 3. Quartal kamen weitere 67 neue Stiftungen in unsere Plattform. Diesmal sind es gleichviel operative wie fördernde (26). Weitere 15 neue Stiftungen sind gemischt tätig. Erfasst wurden dabei die sog. klassischen gemeinnützigen Stiftungen, nicht jedoch z.B. die Wohlfahrtsstiftungen und Firmenstiftungen.

Wiederum am meisten Stiftungen gab es im Bereich Soziales, wobei in den obersten 4 Rängen dieselben Bereiche vertreten sind wie im Vorquartal. Interessant: Fast identisch zum Vorquartal ist mit 2,1 die durchschnittliche Zahl der Zwecke pro Stiftung.

Es gilt zu beachten, dass die meisten neu gegründeten Stiftungen in der Regel mehrere Monate Zeit brauchen, um ihre Arbeit aufnehmen zu können, unabhängig davon, ob sie nun operativ oder fördernd tätig sind. Und im Verlauf der Zeit, nach ersten Erfahrungen, ändern dann auch manche ihre Wirkungsform (reine Förderstiftungen mutieren zB zu gemischt tätigen Stiftungen) oder legen die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit neu. Die Stiftungslandschaft ist somit dauernd in Bewegung.