Workshop – Mission Investing | 4. Juni 2019

NPO-Finanzmanagement Workshop

Nullzinsen gepaart mit der Scheu vor mehr Aktien gefährden die Budgets von Förderstiftungen genauso wie jene operativ tätiger Organisationen, die auf Vermögenserträge angewiesen sind.

Wie kann deshalb mit einem aktiven „Mission Investing“ schon auf der Seite der Vermögensanlage der Zweck der Stiftung oder des Vereins erfolgreich gefördert werden?

Inhalt:

  • Was ist „Mission Investing“?
  • Wie lässt es sich in die Anlagestrategie integrieren?
  • Müssen lang bewährte Prinzipien über Bord geworfen werden?
  • Welche organisatorischen Anpassungen sind notwendig, wenn sogar in „Social Businesses“ investiert werden soll?

Ziel:

Sie wissen, welche Voraussetzung Sie schaffen müssen, damit Mission Investing erfolgreich betrieben werden kann und welches Potential zur Erreichung Ihres Stiftungszwecks in „Social Businesses“ steckt. Methodik: Wissensinput mit Diskussion

Informationen zum Workshop und Anmeldung

Nachhaltigkeitskonzepte für Stiftungsvermögen: Sauber, grün, ethisch, sozial, verantwortungsvoll, wirksam…

Ein ganzer Katalog von wohlklingenden Attributen wurde in den letzten Jahren im Zusammenhang mit nachhaltigen Vermögensanlagen kreiert. Die merkliche Belebung der Diskussion zum Thema wurde vor allem geschürt durch die laufend zunehmende Transparenz im Anlagebereich, ein gestiegenes Bewusstsein für Umwelt- und Klimaprobleme, ein stark erweitertes Produktangebot und allgemein eine sich selbst verstärkende Dynamik. Stiftungen dürften sich aber noch mehr einbringen.

Viele Anleger bekunden immer noch Mühe mit dem Begriff der Nachhaltigkeit im Anlagebereich. Sie weisen darauf hin, dass keineswegs geklärt ist, was genau unter nachhaltigem Investieren verstanden werden soll. Dieser Befund ist richtig, er verwundert aber auch nicht wirklich, denn jedem Nachhaltigkeitsbegriff liegt ein bestimmtes Wertesystem zugrunde. Ein Wertesystem ist aber per se normativ, und es ist nicht absehbar, dass man sich irgendwann auf ein einheitliches System einigt. Entsprechend wird auch kaum ein flächendeckender Konsens zu finden sein, welche Arten von Vermögensanlagen nun «wirklich» verantwortungsvoll und nachhaltig sind.

Einige Tendenzen sind dennoch auszumachen. Bei den heute gängigen, in Kollektivanlagen umgesetzten Strategien der grossen Anbieter sind es zumeist die weitherum akzeptierten Nachhaltigkeitsgrundsätze, welche die Vereinten Nationen anlässlich von diversen Initiativen und Konferenzen verabschiedet haben. Jüngstes Beispiel dafür sind die 17 «Sustainable Development Goals», welche die UNO 2016 publiziert hat und die auch klar zu der eingangs erwähnten Wiederbelebung der Diskussion beigetragen haben.

Hat ein Anleger die Grundsätze einer Nachhaltigkeitsstrategie für sich formuliert, geht es an die Umsetzung. Dafür scheint sich ein mehrstufiges Konzept allgemein durchzusetzen. Gemäss diesem Konzept wird eine nachhaltige und verantwortungsvolle Anlagestrategie durch bis zu drei Säulen gestützt:

  1. Integration von sog. ESG-Kriterien in die Finanz- analyse (ESG = Environmental, Social, Governance): Die Kriterien beeinflussen die Bewertung und damit die relative Attraktivität eines Titels, um in ein Portfolio aufgenommen zu werden.
  2. Negatives Screening: Bestimmte Geschäftsfelder oder ganze Branchen werden ausgeschlossen (z.B. Streubomben, Kernenergie, Tabak);
  3. Positives Screening: Über sog. Best-in-Class Auswahlverfahren werden jene Unternehmen und Staaten herausgefiltert, die über das beste Nachhaltigkeitsprofil verfügen; für die Portfolio- konstruktion werden nur diese berücksichtigt.

Bei den ersten beiden Säulen geht es in erster Linie um eine Reduktion der Risiken, die sich aus einem nicht-nachhaltigen Verhalten ergeben. Bei der dritten Säule wird über das reine Risikomanagement hinausgegangen und aktiv nach Anlagemöglichkeiten gesucht, die für Umwelt und Gesellschaft einen überdurchschnittlichen Nutzen erbringen. Als weitere Steigerungsform kann im Positive Screening eine zusätzliche «Impact-Analyse» durchgeführt werden, welche explizit nur jene Unternehmen und Emittenten ins Anlageuniversum aufnimmt, deren Produkte eine signifikant positive Wirkung hinsichtlich der Lösung von drängenden ge- sellschaftlichen Problemen entfalten (siehe z.B. die 17 Sustainable Development Goals der UNO).

Eine weitere wichtige Säule des verantwortungsvollen Anlegens ist die sogenannte Active Ownership. Die Ausübung der Stimmrechte und der aktive Dialog mit den Unternehmen – auch durch einen Delegierten – können signifikante Impulse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung geben.

Viele vorbildliche Stiftungen gehören zu den Wegbe- reitern des nachhaltigen Anlegens. Andere müssen erst noch deutlich machen, welche ihrer Werte sie auch in den Vermögensanlagen widergespiegelt sehen möchten. Die oft zitierte und erhoffte nachhaltige Entwicklung unserer Wirtschaft kann von diesem Diskurs nur profitieren.

> Swisscanto Invest ist das 100% Swiss Made Asset Management der Zürcher Kantonalbank. Sie ist Pionierin für nachhaltige Anlagen in der Schweiz und verfügt über ein umfassendes Produktangebot, in dem sämtliche Säulen einer nachhaltigen Anlagestrategie zur Anwendung kommen. www.swisscanto.ch/nachhaltigkeit

Stecken Stiftungen in einem Dilemma? Privatmarktanlagen sind für Stiftungen attraktiv

Anlageklassen wie «Private Equity» und «Private Debt» können für eine Stiftung attraktiv sein: sie geben Zugang zu innovativen Unternehmen, die einen sozialen oder ökologischen «Impact» generieren. Gleichzeitig können sie höhere Renditen als traditionelle Anlagen erwirtschaften und so die potenzielle Wirkung der Stiftung zusätzlich steigern.

Grundsätzlich, so heisst es, sollen Stiftungen ihr Kapital in sichere, liquide und gleichzeitig Ertrag bringende Anlagen investieren. Jeder aktive Anleger weiss, dass er sich hier in einem Spannungsfeld befindet. Bei Privatmarktanlagen pointiert sich das Ganze: Während bei der jederzeitigen Liquidierbarkeit erhebliche Abstriche gemacht werden müssen, werden die anderen Dimensionen gestärkt: Zum einen wird der Ertrag verbessert, weil sich die geringe Liquidität in einer sogenannten Liquiditätsprämie bezahlt macht. Zum anderen wird tendenziell auch die Sicherheit gestärkt, denn diese Anlageklassen bieten für Anleger mit einem längeren Anlagehorizont und einer gewissen Risikobereitschaft mehr Möglichkeiten zur Diversifikation und Stabilisation des Portfolios.

Passt das wirklich zu einer Stiftung?

Vielleicht mehr als alle anderen Anleger sind Stiftungen fähig, in illiquide Anlagekategorien wie «Private Equity» und «Private Debt» zu investieren. Der Grund für diese Risikofähigkeit ist der regelmässig sehr lange Anlagehorizont, mit dem eine Stiftung rechnen und arbeiten kann – das Kapital soll oder darf zumeist nicht verbraucht werden und kann deshalb langfristig investiert sein. Der Lohn für diese lange Bindung und gewisse Risikobereitschaft ist eine markant höhere Renditeerwartung als bei Anlagen an liquiden Märkten.

Geringere Liquidität

Privatmarktanlagen definieren sich darüber, dass sie privat, also nicht an öffentlichen Märkten, gehandelt werden. Damit verbunden sind oft höhere Ein- und Ausstiegskosten und allgemein eine Aufgabe von Flexibilität. Bei einer langen Investitionsdauer sind aber die höheren Transaktionskosten weniger zentral. Und die geringere Flexibilität wird durch eine zusätzliche Prämie entschädigt.

Bessere Erträge

Die Risikoprämien bei Private-Equity-Anlagen dürften gemäss Expertenschätzungen bei etwa 3 % über jener von vergleichbaren Aktienanlagen liegen, jene von Private-Debt-Anlagen bei etwa 2 % über ihrem liquiden Pendent. Wohlgemerkt handelt es sich hier um Zusatzprämien, d.h. die «normalen» Erträge für die Übernahme von Schwankungs- und Ausfallrisiken sind nicht mitgerechnet. Zum grossen Teil können diese zusätzlichen Erträge auf die geringere Handelbarkeit der einzelnen Anlagen zurückgeführt werden und zu einem kleineren Teil auf die Komplexität, die hier tendenziell höher ist, als bei traditionellen Produkten.

Mehr Diversifikation, mehr «Impact»

Mit den besseren Ertragschancen gehen auch höhere Risiken einher. Dem Sicherheitsaspekt wird allerdings gedient, da diese Anlagen den Zugang zu ganz anderen Segmenten ermöglichen und damit zur Diversifikation eines Portfolios beitragen können. Das wahrscheinlich bekannteste und bei Stiftungen verbreitetste Privatmarkt-Engagement sind Micro-Finance-Produkte. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass mit einem solchen Investment nicht nur ein Diversifikationseffekt erzielt, sondern auch ein bewusster Schritt in der vermehrten Ausrichtung auf den «Impact» unternommen wird. Auch die Entstehung eines Schweizer Private-Equity- und Private-Debt-Marktes, wie er momentan beobachtet werden kann, ist für Stiftungen erfreulich und sollte den vermehrten Einstieg fördern.

Positive Dynamik

Wie bei allen Anlageentscheiden ist es wichtig, dass man versteht, in was man investiert. Die zunehmende Transparenz und eine bessere Regulierung tragen dazu bei, die Attraktivität von Privatmarktanlagen für Stiftungen zu erhöhen. Das Beispiel, mit dem Vorsorgeeinrichtungen, Lebensversicherer und grosse Stiftungen in der Schweiz teilweise seit Jahren vorangehen, sollte weitere Stiftungen ermutigen, die Chancen von Privatmarktanlagen für ihren Zweck zu nutzen.

Vielleicht hilft noch eine weitere Überlegung, die Berührungsängste mit «Private Equity» und «Private Debt» zu senken: Die grösste und wichtigste Anlageklasse in der Schweiz sind ebenfalls Privatmarktanlagen – nämlich jene in Immobilien.