von Remo Aeschbacher

Über die Endlichkeit von Stiftungen (Teil 2)

Ehemalige Stifter und Ratsmitglieder im Interview.

Dauerhaftigkeit ist in der Praxis ist nicht mehr ein zwingendes, konstitutives Merkmal einer Stiftung.[1] Während in 2015 335 neue Stiftungen entstanden sind, wurden auch 190 Stiftungen gelöscht. Wie die Gegenüberstellung der gelöschten Stiftungen zur Grundgesamtheit der Stiftungen im vorangegangenen Blogeintrag zeigte (vgl. den Blogartikel Über die Endlichkeit von Stiftungen Teil 1), finden Stiftungslöschungen grundsätzlich über alle Tätigkeitsbereiche, Wirkungskreise und Gründungsjahrgänge statt. Auf der weiteren Suche nach der Antwort, was die treibenden Motive oder Motivkombinationen für die Liquidation von Stiftungen sind, wurden strukturierte Interviews mit ehemaligen Stiftern und Mitgliedern des Stiftungsrats von 48 in 2015 gelöschten Stiftungen geführt und ausgewertet.

Gründe für die Liquidation von Stiftungen

Wie die nachfiolgende Tabelle zeigt, gaben Stifterinnen und Stifter oder Beteiligte jeder achten Stiftung an, dass der Verzehr des Stiftungsvermögens und damit die Auflösung der Stiftung vorgesehen waren. Jede dritte Stiftung wurde wegen zweckbezogenen Gründen aufgelöst, sei es, weil der Zweck erfüllt war oder weil Synergien mit einer anderen Stiftung entdeckt wurden, worauf meist eine Fusion folgte. Bei rund der Hälfte der Stiftungen waren finanzielle Probleme Grund zur Auflösung und bei jeder vierten Stiftung waren auch personelle Probleme im Stiftungsrat mitverantwortlich. Jede vierte Löschung erfolgte infolge einer Fusion, in drei von 48 Fällen wurde die Stiftung in eine neue Rechtsform umgewandelt.

Schlussfolgerungen für die Stiftungspraxis

Dass finanzielle Gründe am häufigsten zu ungeplanten Stiftungsauflösungen führen, hat unmittelbar mit der knappen Kapitalbasis dieser Stiftungen zu tun. Nur 50% der gelöschten Stiftungen verfügten über ein Grundkapital von über 100’000 Franken und lediglich 3 der 48 Stiftungen (8%) hatten ein Vermögen von mindestens einer Million Franken. Um derartige Stiftungsslöschungen zu vermeiden, sollten sich Stifterinnen und Stifter bereits zu Beginn fragen, ob die Stiftung als eine immerwährende oder als eine Verzehrstiftung errichtet werden soll und ob sie im ersteren Fall überhaupt rentabel gehalten werden kann. Dabei darf der personelle Aufwand in der Stiftungsadministration nicht unterschätzt werden, was ebenfalls zu Stiftungsauflösungen führen kann.

Die vollständige Studie ist in Die Stiftung Schweiz (2/17) erschienen.

[1] Sprecher, T. (2015). Verbrauchsstiftungen- Erfüllen des Stiftungszwecks durch Vermögensverzehr. URL: http://www.ppcmetrics.ch/files/9414/3463/3879/2015-06-18_Stiftungstagung_-_Verbrauchsstiftungen_-_Erfllen_des_Stiftungszwecks_druch_Vermgensverzehr.pdf (24.04.2017).

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