von Roger Staub

Viele würden gerne helfen – wissen aber nicht wie

Zum Tag der psychischen Gesundheit (10. Oktober) im Herbst 2019 hat die Stiftung Pro Mente Sana eine repräsentative Befragung zum psychischen Stimmungsbild der Schweiz in Auftrag gegeben – ich habe darüber im Blog unter dem Titel „Betroffene leiden und schweigen“ bereits berichtet. Zur Erinnerung: 1 von 5 Befragten sagt, mir geht es jetzt psychisch nicht gut. Und 9 von 10 sagen, dass sie jemanden in ihrem nahen Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitsplatz) kennen, dem/der es jetzt psychisch nicht gut geht.

Diejenigen, denen es nicht gut geht wünschen sich vor allem, dass ihr nahes Umfeld sie ernst nimmt und zuhört. Aber sie getrauen sich nicht, etwas zu sagen aus Angst vor Diskriminierung und Nachteilen, vor allem am Arbeitsplatz. Diejenigen, denen es gut geht, merken gut, wem es nicht gut geht, und wären bereit zu helfen, sie wissen aber nicht wie.

ensa ist die Antwort!

ensa ist die Schweizer Version des australischen Programms «Mental Health First Aid». Es wurde 2019 in der Deutschschweiz von der Stiftung Pro Mente Sana gemeinsam mit der Beisheim Stiftung lanciert. «Mental Health First Aid» haben Betty Kitchener und Professor Tony Jorm als Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit 2000/2001 in Australien entwickelt. Ihr Ziel war, die Idee von «Erster Hilfe» (bzw. von Nothelferkursen) auf psychische Probleme zu übertragen: Laien sollen besser helfen können, wenn bei nahestehenden Personen psychische Schwierigkeiten auftreten, eine bestehende psychische Beeinträchtigung schlimmer wird oder eine akute psychische Krise ausbricht. Das Wissen dazu erwerben sie in 12-stündigen ensa Erste-Hilfe-Kursen. Von der Stiftung Pro Mente Sana geschulte Instruktorinnen und Instruktoren geben diese Kurse.

Toll am australischen Programm ist, dass in Australien rund 10% der Bevölkerung den Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit besucht haben. Weltweit sind es schon über 3 Mio. Ersthelfende. Das Programm ist wissenschaftlich sehr gut erforscht, zahlreiche Forschungsstudien und zwei Metaanalysen zeigen, dass die Kursteilnehmenden mehr wissen über psychische Gesundheit, Distanz zu Betroffenen abbauen, sich zutrauen, zu helfen und die Angebote an professioneller Hilfe in ihrer Region kennen. Und, dass es ihnen nach dem Kurs psychisch auch besser geht.

Wenn diejenigen, die sehen, dass es in ihrem Umfeld jemanden gibt, dem es psychisch nicht gut geht, auf diese Personen zugehen und ihre (erste) Hilfe anbieten, haben wir gute Chancen, dass diesen Menschen viel früher geholfen wird als heute. Es ist halt heute so, dass der erste Schritt häufig erst gewagt wird, wenn es nicht mehr anders geht. Bei sehr vielen psychischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen gilt, dass frühe Hilfe einfacher, erfolgreicher und günstiger ist als zuzuwarten, bis daraus eine schwere Krankheit geworden ist.

Wenn Sie sich nun fragen, was „ensa“ heisst, finden Sie die Antwort auf www.ensa.swiss

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