von Caroline Buss

Was, wenn die Ziele von der geldgebenden Organisation nicht zur implementierenden Organisation passen?

Damit gemeinnützige Projekte umgesetzt werden können, braucht es zum einen die Personen und Organisationen, welche das Projekt umsetzten und es braucht die Geldgeber, die das Ganze finanzieren. Im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit gibt es hier oftmals ein Spannungsfeld: auf der einen Seite steht die implementierende Organisation vor Ort, welche die Bedürfnisse und die Herausforderungen sieht, die es zu bedienen gilt. Auf der anderen Seite ist der Geldgeber, welcher seine Vision (verbunden mit einer Strategie) und die darin enthaltenen Ziele, umsetzte möchte. Oft sind diese Geldgeber aus einem anderen Land, meist einem anderer Kontinent. Trotz dieser geographischen und kulturellen Distanz sind im Idealfall diese beiden Ansprüche deckungsgleich. Doch was ist, wenn sie es nicht zu 100% sind? Wenn die Herangehensweise eine andere ist oder die Vorstellungen der Lösung für das Problem auseinandergehen? Wessen Ziele sollten dann eher verfolgt werden?

Im ersten Moment schein die Antwort klar – wichtiger sind die Ziele der Organisation vor Ort. Denn das Ziel der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) ist die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen im entsprechenden Kontext und die lokale Organisation ist hier klar als Experte zu verstehen. Daher sollte der Geldgeber erkennen, dass das Projekt die zentralen Herausforderungen adressiert, die Expertenrolle respektieren und das Projekt finanzieren.

Scheint einfach? Ist aber nicht die beste Lösung.

Denn das reine Finanzieren von Projekten, also der ausschliesslich finanzielle Mehrwert einer Zusammenarbeit, ist veraltet. Das heutige Paradigma der EZA ist die «Partnerschaft». Bei einer authentischen und gelebten Partnerschaft arbeiten Organisationen aus dem Norden (sprich die Geldgeber) auf Augenhöhe und gleichberechtigt mit Organisationen aus dem Süden zusammen und setzten so Projekte um. Das bedingt aber weiter, dass zwischen den Organisationen nicht bloss Geld und Reports, sondern eben auch Wissen und Erfahrungen ausgetauscht werden und so gemeinsam gearbeitet wird. Und in diesem Fall ist der Mehrwert des Geldgebers dann am grössten, wenn das Projekt auch zu seinem Portfolio und damit zu seinen Kompetenzen passt. Wenn der Geldgeber also auch fachliche, methodische oder inhaltliche Inputs geben kann, ist er nicht mehr reiner Donor sondern wird zum Partner.

Partnerschaft braucht die entsprechende Haltung.

So einfach das klingt, so schwierig ist es. Denn authentische Partnerschaft setzt eine entsprechende Einstellung und Haltung beider Seiten voraus. Es braucht eine offene und transparente Kommunikation, es braucht Wertschätzung und Respekt, gegenseitiges Vertrauen und es braucht geteiltes Verantwortungsbewusstsein für das Projekt und die darin enthaltenen Aufgaben. Denn schlussendlich braucht es die Ansicht, dass wenn man die Arbeit und das Wissen aus beiden Organisationen kombiniert, ein vermutlich besseres Projekt herauskommt.

Die Frage aus dem Titel greift also zu kurz. Denn bei einer Partnerschaft erarbeitet man gemeinsam die Ziele, da man sich Partner sucht, die eine ähnliche Vision verfolgen. Die grösste Herausforderung ist dabei v.a. die passenden Partner zu finden…

 

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