von Roger Staub

Wer hat, dem wird gegeben?!

Wie kommt es, dass eine renommierte, seit 40 Jahren bestehende Stiftung seit ihrer Gründung einfach nicht zu Geld kommt und auch professionell umgesetztes Public Fundraising keinen Ertrag bringt? Fehlt es an Betroffenheit? Im Fall dieser Stiftung überhaupt nicht: In der aktuellen repräsentativen Umfrage in der Schweiz sagt jede fünfte Person, dass sie in den letzten 12 Monaten betroffen war und selbst gelitten hat. Und neun von zehn Befragten bemerken, dass sie betroffene Personen im nahen Umfeld kennen.

Haben Sie das Thema erkannt?

Ja, es geht um psychische Erkrankungen. Psychische Störungen betreffen viele und verursachen hohe Kosten, nicht nur in der Krankenversicherung sondern auch in der Wirtschaft. Und ja, man könnte etwas tun. Viele psychische Erkrankungen sind behandelbar. Betroffene Menschen können wieder gesund werden, wenn sie Zeit und Sicherheit bekommen, ihren Genesungsweg zu suchen und selbst zu gehen. Und wenn früher geholfen würde, wäre die Behandlung oft kürzer und einfacher.

In den Medien und in Fachkreisen hat das Thema Konjunktur. Viele sehen, dass die Schweiz ein Problem mit der psychischen Gesundheit hat. Die Meisten finden, «man» sollte etwas tun. Nun, da gibt es eine bewährte Stiftung, die sich seit 40 Jahren des Themas annimmt, die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen ins Zentrum stellt und sich für ihre Rechte einsetzt. Eine Stiftung, die viele Ideen hat und eine Menge davon schon in die Praxis umgesetzt hat. Eine Stiftung, die gut ins Ausland vernetzt ist und Projekte kennt, die im Anderswo wirken. Und hierzulande Pilotprojekte lancieren möchte. Eine Stiftung, die nach neuen Wegen sucht, weil sie nicht glaubt, dass „mehr vom Selben“ als Lösung für die Zukunft taugt.

Aber, kein Geld. Das beste Testmailing zur Spendergewinnung hat gerade mal 50% der Portokosten gedeckt. Fazit der Profis: Es ist zu früh, man kennt euch zu wenig gut und das Thema ist immer noch stark tabuisiert.

Also, institutionelles Fundraising! Eine Analyse der Themen von Förderstiftungen bringt nur wenige Treffer für psychische Gesundheit, aber viele für Gesundheit allgemein. Bei Neugründungen von Stiftungen stehen die Themen Alzheimer und Krebs zuoberst auf der Liste. Unsere Themen kommen fast nie vor. Offenbar orientieren sich viele daran, was die andern tun und tun dann eben auch mehr vom Selben. Und so kommt es, dass einzelne Organisationen im Geld schwimmen und gewisse Themen überfinanziert sind und es neue und zudem tabuisierte Themen schwer haben und chronisch unterfinanziert sind, obwohl gerade am Anfang eines Konjunkturzyklus neues Geld mehr Effekt produzieren würde als später.

Seit neun Monaten arbeiten wir gemeinsam und finanziert mit der Beisheim Stiftung an einem Präventions- und Früherkennungsprogramm und im Dezember 2018 hat uns die Swiss Re Foundation als «Charity of the Year» gewählt und damit ein Zeichen für Engagement für psychische Gesundheit gesetzt! Es gibt sie also, die pionierhaften Unternehmen, die den Mut haben, unpopulären Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, dem hoffentlich andere folgen werden. Denn eines muss allen klar sein: Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit!

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